07.04.2025
SWING TENT

CampingScout: Startup bietet Campingzelt für Menschen mit eingeschränkter Mobilität

CampingScout baut Zelte, die barrierefreies Zelten ermöglichen. Gründer Dietmar Pachlhofer erklärt, wie er zur Idee gelang und mit welchen Hürden er aufgrund eines Konkurses kämpfen musste.
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CampingScout, Schwenkzelt, barrierefrei, Zelt für Rollstuhlfahrer, Rollstuhl und Zelt, Campen mit Rollstuhl
© CampingScout - Dietmar Pachlhuber von CampingScout.

Dietmar Pachlhofer ist seit Jahren leidenschaftlicher Camper. Einer seiner Freunde stellte fest, dass beim Älterwerden der Aufstieg in ein Dachzelt immer schwieriger wird und hatte die Idee zum SwingTent. Jener verstarb überraschend, doch Pachlhofer führt die Idee mit CampingScout fort.

„Mein Freund von mir war ein totaler Off-Road-Fan. Doch mit beginnenden Knieproblemen wurde die Kraxlerei ins Dachzelt immer beschwerlicher. So kam uns die Idee nach einer Lösung zu suchen. Er hatte schlussendlich die Idee zum Schwenkzelt.“

CampingScout im InnCubator dabei

Konkret handelt es sich um ein Zelt, das auf einem Kastenwagen am Heck montiert werden kann. Für die Montage wird es durch einen Schwenkträger wie eine Tür ausgeschwenkt, um den freien Zugang zu den Hecktüren zu schaffen, und dann wie ein Bett heruntergeklappt. Daraus ergibt sich eine ungefähre Einstiegshöhe von 50 Zentimeter. Durch eine spezielle Vorrichtung kann der Träger in wenigen Momenten gelöst und das Zelt abgebaut werden.

Pachlhofer und sein Kollege waren nach der Gründung von CampingScout 2022 Teil des InnCubators (Gründung- und Innovationszentrum der Tiroler Wirtschaftskammer und der Uni Innsbruck). Dort lernte der Founder, was eine „Markteinführung wirklich bedeutet und was alles dran hängt“, wie er erzählt. „Besonders die Mentoren beim Coaching-Programm haben mich sehr unterstützt und aus dem Prototyp ein marktreifes Produkt werden lassen.“

Promo-Video des Campingzelts

Konkurs einer Partnerfirma

Allerdings kamen danach Hürden, die eine Produktion und den Vertrieb verzögert haben. Eine Partnerfirma, die die Schwenkarme herstellte, ging in Konkurs und wurde schlussendlich „zerschlagen“, wie Pachlhofer betont. Ein neuer Besitzer übernahm und es dauerte bis die Partnerschaft wieder aufgenommen wurde – seit letztem Sommer werden wieder Schwenkarme produziert.

CampingScout auch für Rollstuhlfahrer geeignet

Schwenkarme, die dazu führen, dass auch Menschen mit mobilen Einschränkungen problemlos ins und aus dem Zelt kommen sollen. Den Praxistest hat ein im Rollstuhl sitzender Freund von Pachlhofer ausgeführt, auf Schwächen und Probleme hingewiesen, die behoben und gelöst wurden. Das Zelt soll heute barrierefrei auf- und abgebaut werden können.

Campincscout
© CampingScout – Ein- und Ausstieg für Rollstuhlfahrer wurde getestet.

Neben der Suche nach einem Co-Founder und potentiellen Investoren plant Pachlhofer sein SwingTent derart weiterzuentwickeln, sodass es sich nicht nur am Heck eines Kastenwagens anbringen lässt, sondern auch auf anderen Fahrzeugen.

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Giacomo Benassi (Kinsect), Matthäus Kircher (Solos) und Manuel Mairinger (Reploid) zeigen, wie Startup-Kollaboration funktionieren kann. © NOI Techpark/Marco Parisi

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Es wurlt in der Larvenkiste des österreichischen Scaleups Reploid: Larven der Schwarzen Soldatenfliege werden hier seit einigen Tagen gemästet. Sie ahnen natürlich nicht, dass sie bald eine wichtige Rolle im Kreislaufkonzept dreier Jungunternehmen spielen werden.

Zuerst aber dorthin, wo alles begonnen hat: an den NOI Techpark in Bozen, Südtirol. Auch hier wurlt es, nur bringen statt Insektenlarven Startups Leben in das 12 Hektar große Innovationsviertel. Aktuell arbeiten 76 Unternehmen, 37 Startups, drei Forschungsinstitute, vier Fakultäten der Freien Universität Bozen und insgesamt 2.400 Menschen hier gemeinsam für nachhaltigen Fortschritt. Man tüftelt in den Laboren an Prototypen, vernetzt sich auf Events, feilt beim Spaziergang über den 2017 eröffneten Campus, der sich inzwischen stark vergrößert und weiterentwickelt hat, an der nächsten Idee. Was Gründer:innen hier aber am meisten schätzen: das weitreichende Netzwerk.

Nicht gesucht – trotzdem gefunden

„Wer am NOI Techpark Fuß fasst, bekommt Zugang zu etablierten Akteuren und Investoren in Südtirol“, erklärt Manuel Mairinger, Managing Director und CEO von Reploid Italia. Das ursprünglich aus Österreich stammende Insekten-Scaleup hat sich bei der Expansion nach Italien wegen der hervorragenden Lage zwischen Österreich und Mailand für das Acceleration & Scale-up Programme des NOI Techpark als Launchpad entschieden. „Das NOI baut als renommierter Partner die Brücke zu potenziellen Kund:innen und Partner:innen, ganz ohne die Hilfe von Plattformen wie LinkedIn“, fügt der Reploid-Italia-CEO hinzu.

Mairinger weiß genau, wovon er spricht. Reploid Italia ist eines von drei am NOI inkubierten Jungunternehmen, die zeigen, wie Startup-Kollaboration funktionieren kann. Initiiert hat die Zusammenarbeit Sonja Tetter vom Team des Start-up Incubator. „Wir arbeiten sehr eng mit unseren Startups zusammen, kennen ihre Geschäftsmodelle, Technologien und Herausforderungen. Deshalb sehen wir relativ früh, wo eine Kooperation wirklich Mehrwert schaffen könnte“, erläutert Tetter. Gemeinsam wollen die drei Unternehmen zur regionalen Kreislaufwirtschaft in Bozen beitragen. Und hier kommt die Larve der Schwarzen Soldatenfliege wieder ins Spiel.

Die Schwarze Soldatenfliege als Gamechanger

Die Larve der Schwarzen Soldatenfliege wird rund 25 Millimeter groß. © Reploid/Fabian Fallend

Nach nur einer Woche sind die Larven laut Reploid mit rund 25 Millimetern ausgewachsen und überzeugen mit innerer Größe: Sie sind sehr reich an tierischem Protein. Das aus ihnen gewonnene Mehl kann einen Proteingehalt von über 62 Prozent aufweisen.

Das macht die Larven zum potenziellen Proteinersatz, vor allem im Futtermittelbereich, etwa für Fische. „Wir züchten Welse, das sind Fleischfresser“, erklärt Matthäus Kircher, Gründer von Solos. Das Südtiroler Startup betreibt Aquaponik und verbindet Fischzucht mit dem Anbau von Kräutern und Salat.

Das Prinzip dahinter: Die Fische reichern das Wasser durch ihre Ausscheidungen mit natürlichen Nährstoffen an, ein Biofilter leitet es ins Pflanzenbecken, wo Salat und Kräuter die Nährstoffe aufnehmen und das Wasser reinigen, bevor es zurück zu den Fischen fließt. So entsteht ein geschlossener Kreislauf im Zeichen der Nachhaltigkeit.

Ein Punkt war Kircher dabei allerdings von Anfang an ein Dorn im Auge: das mit Fischmehl angereicherte Futter. „Bereits vor vier Jahren haben wir uns gefragt, wie wir tierische Proteine ohne Fischmehl verfüttern können“, erzählt er. Insekten bildeten schließlich die Lösung. Eine Studie ergab: Futtermischungen auf Insektenmehlbasis, angereichert mit Spirulina-Algen, lassen den Omega-3-Gehalt im Fischfilet höher ausfallen als bei herkömmlich gefütterten Tieren.

Aus Reststoffen wird Futtermittel

Insektenlarven werden durch die Kooperation zu nachhaltigem Fischfutter © NOI Techpark/Marco Parisi

Hier kommt Reploid ins Spiel: Das Unternehmen implementiert modulare Anlagen, die sogenannten „ReFarm-Units“. Dort verarbeiten Larven der Schwarzen Soldatenfliege regionale Reststoffe zu Insektenprotein und -fett für Futtermittel- sowie Industrieanwendungen. Ein weiteres Nebenprodukt ist der Insektenfraß, also die Ausscheidungen, aus denen organischer Dünger entsteht. Den dritten Baustein liefert Kinsect: Das italienische Startup entwickelt Technologien für die industrielle Zucht der Fliege und liefert Eier sowie Junglarven.

Am Standort von Solos in Tramin greifen so die unterschiedlichen Kompetenzen ineinander: Die von Kinsect bereitgestellten Larven werden in einer Insektenmastanlage von Reploid mit Lebensmittelnebenprodukten wie Apfeltrester, Kartoffelschalen oder Altbrot gefüttert. Solos nutzt sie anschließend als nachhaltiges Futtermittel in der Fischzucht. So soll Fischmehl ersetzt, sollen organische Reststoffe sinnvoll verwertet werden. Neben den ökologischen Vorteilen ergeben sich durch das Vorzeigeprojekt und den realen Usecase natürlich auch wirtschaftliche Vorteile, von denen die drei Startups profitieren.

Drei Ansätze, ein gemeinsamer Nenner

Es ist eine Kooperation im Namen der Kreislaufwirtschaft, die ohne den NOI Techpark nie zustande gekommen wäre. „Am NOI Techpark konnte diese Synergie organisch entstehen“, fasst Kinsect-CEO Giacomo Benassi zusammen. „Dank der Zusammenarbeit im selben Ökosystem konnten wir viel schneller Vertrauen zueinander aufbauen.“ Der NOI Techpark ermöglicht damit nicht nur grenzüberschreitende, sondern auch branchenübergreifende Vernetzungen, die Startups entscheidend weiterbringen.

Und so wurlt es weiter am NOI Techpark. Jedes Jahr kommen neue Startups zur NOI-Community dazu. Für den Herbst-Batch kann man sich noch bis zum 5. Oktober bewerben – vielleicht entsteht daraus bald die nächste erfolgreiche grenzüberschreitende Startup-Kooperation.

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