06.04.2017

Cambuildr: Wiener Campaigning-Software mit Obama-Know-How

Cambuildr, die neue Software der Wiener Agentur Campaigning Bureau automatisiert große Teile von Kampagnen für politische Parteien, Corporates oder NGOs.
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(c) Glaser: Philipp Maderthaner

Gerade feierte das Wiener Campaigning Bureau, Österreichs erste Kampagnen-Agentur, seinen fünften Geburtstag. Bei der großen Feier zu Gast waren einige Größen aus Politik und Wirtschaft, wie etwa Außenminister Sebastian Kurz, Apple-Österreich Chef Ronald Tremmel, Flughafen-CEO Günter Ofner und Ö3-Manager Albert Mali. Zugleich mit der Feier präsentierte Founder Phillip Maderthaner auch das neue Produkt der Agentur: die Software Cambuildr. Das Programm automatisiert eine Vielzahl an Schritten, etwa von Wahl-, Werbe- oder Spendenkampagnen.

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Cambuildr automatisiert „Mitmach-Anwendungen“

(c) Glaser: Auch Außenminister Kurz sprach bei der Fünfjahresfeier des Campaigning Bureau.

Konkret lassen sich mit Cambuildr jene Teile einer Kampagne erstellen, die Maderthaner als „Mitmach-Anwendungen“ bezeichnet. Das seien etwa Votings, User-Stories, Grassroots-Events, Petitionen oder schlicht das Sammeln von Unterstützern. „Echtes Involvement funktioniert nur über Beteiligung. Wir haben uns viele Kampagnen in den USA und Europa angesehen und daraus jene 20 Prozent Mitmach-Anwendungen herausgefiltert, die für 80 Prozent des Erfolges und Engagements maßgeblich waren“, erklärt Maderthaner. Diese Anwendungen habe man dann in den Cambuildr integriert.

„Die wahre Erkenntnis liegt in den so genannten earned Data“

Interaktionen liefern Verhaltensdaten

Zugleich liefert das Programm nutzerbezogene Verhaltensdaten zurück, auf denen die weitere Kampagnen-Strategie aufgebaut werden kann. Das Programm verarbeitet dabei nicht nur den Datenrücklauf aus den Kampagnen-Aktionen, sondern etwa auch Interaktionen auf Social Media oder per Email. „Gekaufte Datenstämme spielen hier, im Gegensatz zu den USA, eine untergeordnete Rolle. Die wahre Erkenntnis liegt in den so genannten ‚earned Data‘, also jenen Daten, die wir uns durch Interaktion mit unseren Kontakten sprichwörtlich verdienen“, erklärt Maderthaner. Das passiere natürlich im Rahmen der Österreichischen und Europäischen Datenschutzstandards.

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Von den Obama-Wahlkämpfen gelernt

Die Idee zum Cambuildr hatte sich Maderthaner von der US-Agentur Blue State Digital geholt, die für die erfolgreichen Wahlkampagnen des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama verantwortlich zeichnet. „Ich habe den damaligen CEO von Blue State kurz nach der Obama-Wahl 2008 kennengelernt. Es folgte ein intensiver und spannender Austausch über Jahre“, erzählt er. Unmittelbar nach der Gründung des Campaigning Bureau sei er dann auf Blue State mit der Idee zugekommen, die Software aus der Obama Kampagne auch in Europa einzusetzen. Das Campaigning Bureau und Blue State wurden Partner. „Inzwischen haben wir mit Cambuildr unsere eigene Software entwickelt, mit der wir stärker auf die Europäischen Bedürfnisse Rücksicht nehmen“, sagt Maderthaner.

Neue Strategie: „Schritt ins Software-as-a-Service“

Und er kann bereits auf 30 Kampagnen verweisen, die erfolgreich mit der Software geführt wurden, zuletzt etwa für das österreichische Rote Kreuz mit der Aktion „Rettet die Rettung“. Warum Cambuildr erst jetzt öffentlich vorgestellt wurde, hat mit einer Neuausrichtung des Business Modells des Campaigning Bureau zu tun: „Die Nutzung war bisher bewusst limitiert auf unsere Kampagnen-Kunden. Wir haben jedoch erkannt, dass diese Tools weit größeren Impact haben können, wenn wir sie auch in die Hände kleinerer Kampagnen legen, die ohne unsere Campaigning-Dienstleistung arbeiten. Daher nun der Schritt ins Software-as-a-Service“, erklärt Maderthaner.

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Das Bitpanda Headquarter in Wien © Bitpanda

Einen Vorgeschmack auf den nun veröffentlichten Jahresabschluss 2025 gab Bitpanda gleichsam vorauseilend bereits im März dieses Jahres – brutkasten berichtete. In den damals präsentierten Zahlen war nicht nur von einer Umsatzsteigerung die Rede, sondern auch von einem Sinken des „bereinigten EBITDA“ um 75 Prozent. Dieses sei von 52 Millionen Euro auf 13 Millionen Euro gefallen, hieß es vom Wiener Unicorn. Begründet wurde das mit „gezielten Investitionen“. Das Ergebnis unterm Strich ließ man im März aber aus.

Der nun vorliegende Jahresabschluss – wohlgemerkt jener der operativen Bitpanda GmbH mit Sitz in Wien und nicht der übergeordneten AG mit Sitz in der Schweiz – bringt nun Licht ins Dunkel. Und die damit veröffentlichte Gewinn- und Verlustrechnung zeichnet ein noch deutlich drastischeres Bild als die im März kommunizierten „bereinigten“ Zahlen. Nach fast 62 Millionen Euro Nettogewinn im Jahr 2024 standen demnach vergangenes Jahr rund 14 Millionen Euro Verlust zu Buche.

„Wir haben bewusst in unsere Expansion und den weiteren Ausbau der Marke Bitpanda investiert“

Auf brutkasten-Anfrage kommentiert Bitpanda kurz und knapp mit der aus dem Frühjahr bekannten Argumentation:

Das Jahr 2025 war für die Bitpanda GmbH ein Jahr strategischer Wachstumsinvestitionen. Gleichzeitig hat sich unser Kerngeschäft stark entwickelt, was sich in einer deutlichen Steigerung unserer Umsatzerlöse zeigt.

Wir haben bewusst in unsere Expansion und den weiteren Ausbau der Marke Bitpanda investiert. Diese Investitionen waren Teil unserer langfristigen Wachstumsstrategie und spiegeln sich erwartungsgemäß im Jahresergebnis wider.

Die Aussagen zum Umsatz lassen sich dabei so auch im nun vorgelegten Bericht ablesen: Tatsächlich stieg der ausgewiesene Umsatz von 2024 auf 2025 von 7,19 Milliarden Euro auf 7,72 Milliarden Euro. Der Anstieg fällt bereinigt sogar noch größer aus: 2024 waren noch rund 613 Millionen Euro aus Krypto-Verkäufen auf externen Börsen in den Umsatzerlösen enthalten, die seit 2025 saldiert im Materialaufwand ausgewiesen werden. Bei diesen Umsatzzahlen handelt es sich wohlgemerkt um den gesamten Verkaufserlös über die Plattform. Bitpanda gab bereits im März den auf Basis der Margen berechneten, deutlich kleineren „bereinigten Umsatz“ aus: Dieser stieg von 321 auf 371 Millionen Euro. Mit Abstand größter Umsatztreiber war laut Jahresabschluss das Kerngeschäft als Broker.

Deutlich höhere Marketingausgaben, Personalkosten sinken trotz Aufstockung

Auch die Aussage, die sich auf den Nettoverlust von immerhin rund 14 Millionen Euro bezieht, deckt sich prinzipiell mit den Zahlen im Jahresabschluss. Tatsächlich stieg der Marketingaufwand um rund 56 Prozent auf fast 107 Millionen Euro. Auch die Beratungskosten legten von knapp 14 Millionen auf rund 22 Millionen Euro zu. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl (FTE) wuchs zwar von 486 auf 555. Jedoch interessant dabei: Der Personalaufwand ging trotz der Aufstockung leicht zurück, von 78,6 auf 75,1 Millionen Euro. Gestiegen ist hingegen der Aufwand für Mitarbeiterüberlassung, von 5,4 auf 8,1 Millionen Euro.

Dass man (wohl dennoch nicht ganz beabsichtigt) recht deutlich in die roten Zahlen rutschte, hängt aber auch mit Faktoren zusammen, die im offiziellen Bitpanda-Statement unerwähnt bleiben. Operativ blieb Bitpanda 2025 noch knapp im Plus: Der Betriebserfolg lag bei 4,1 Millionen Euro, nach 80 Millionen Euro im Vorjahr. Ins Minus drehte das Ergebnis erst durch das Finanzergebnis von minus 18,3 Millionen Euro. Dahinter stehen Abschreibungen auf Anteile an verbundenen Unternehmen in Höhe von 14,4 Millionen Euro sowie ein Zinsaufwand von 4,9 Millionen Euro, nach nur 0,2 Millionen Euro im Jahr 2024. Zu Buche stehen außerdem teilweise gestiegene Handelsverluste und ein deutlich höheres Minus in der Intercompany-Verrechnung, das von 13 auf knapp 36 Millionen Euro anwuchs.

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