23.01.2025
KI

Cambioo: Wiener Startup entwickelt KI-Voice-Agent zur Immobilienverwaltung

Das Wiener Startup Cambioo hat sich zum Ziel gesetzt, die Immobilienverwaltung durch seine KI-Lösung grundlegend zu verändern. Im Gespräch mit brutkasten gibt CEO Noah Reis Einblicke in das Geschäftsmodell und teilt seine Pläne für die Zukunft.
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Das Cambioo-Team (v.l.n.r.): Lion Düll-Rodler (CSO), Noah Reis (CEO), Laurids Werzowa (CIO), Paul Höller (CTO), Viola Poppe (COO) © Cambioo

Wasserschäden oder defekte Heizungen: In Mietwohnungen treten immer wieder Probleme auf. Doch der Kontakt zur Hausverwaltung gestaltet sich oft mühsam – sei es, dass niemand ans Telefon geht oder eine Rückmeldung erst nach mehreren Tagen erfolgt. Für viele Mieter:innen bedeutet das zusätzlichen Stress.

Was wäre, wenn eine KI die Hausverwaltung unterstützen und bestimmte Aufgaben übernehmen könnte? Mit dieser Vision gründete Noah Reis mit vier weiteren jungen Leuten das Wiener Startup Cambioo. Wie das Konzept genau funktioniert und welche Schritte als Nächstes geplant sind, verrät der Cambioo-CEO im Gespräch mit brutkasten.

Cambioo: „rund um die Uhr, ohne Wartezeiten, wie ein Mensch“

Cambioo entwickelte einen KI-basierten Voice Agent für die Immobilienbranche, der Telefonate abwickelt und dadurch Zeit sparen und die Kundenzufriedenheit erhöhen soll. Die Telefonlösung würde „Effizienz und Professionalität in eine Branche bringen, die oft von unklaren Prozessen geprägt ist“, so das Unternehmen. Die Hausverwaltung wird durch den Einsatz der KI entlastet, indem zeitaufwendige Aufgaben automatisiert werden. Auch Anwohner:innen sollen so von schnellen Lösungen für ihre Anliegen profitieren – „rund um die Uhr, ohne Wartezeiten, ohne Chaos“, so das Produktversprechen.

Über die Plattform können Anwohner:innen einen Anruf tätigen, bei dem die KI „dynamisch wie ein Mensch“ reagiert. Die KI analysiert das Anliegen und überträgt alle relevanten Daten in das interne System. Anschließend wird das Anliegen an die zuständige Person weitergeleitet.

Technologie verspricht menschenähnliche Anrufe

Die Technologie von Cambioo soll menschenähnliche Anrufe simulieren, ermöglicht durch Text-to-Speech- und Speech-to-Text-Systeme. Dadurch soll die KI auch komplexe Anliegen der Anwohner:innen verstehen. Ziel ist es, Hausverwaltungen und Maklerfirmen zu entlasten, sodass sie mehr Zeit für ihre Kernaufgaben haben und ihre Prozesse effizienter gestalten können.

Zusätzlich entwickelte Cambioo eine „High-Availability-Architektur“, die selbst bei hohem Anrufaufkommen für Zuverlässigkeit sorgen würde. Die integrierten Large Language Models (LLMs) gewährleisten eine natürliche Sprachverarbeitung. Laut dem Unternehmen bildet diese Technologie „die Basis für eine effiziente, skalierbare Lösung“ und lässt sich nahtlos in bestehende Systeme der Kunden integrieren. Dafür arbeitet Cambioo mit weiteren Softwareunternehmen zusammen.

Minutenbasiertes Preismodell

Der Mitgründer und CEO Noah Reis ist mit seinen 24 Jahren ein junger Unternehmer. In der Vergangenheit gründete er bereits ein Consulting-Unternehmen namens Freedom4you und das Startup Saving Labs. Im August 2024 baute er schließlich Cambioo gemeinsam mit folgenden Teammitgliedern auf: Viola Poppe (COO), Lion Düll-Rodler (CSO), Laurids Werzowa (CIO) und Paul Höller (CTO).

Für die Fertigstellung eines Prototyps erhielt das junge Unternehmen mehrere Investitionen aus dem Bekanntenkreis in Höhe von insgesamt 40.000 Euro. Abgesehen davon sei Cambioo bisher größtenteils eigenfinanziert, verrät Reis. Für 2025 plant das Startup eine Pre-Seed-Runde, um das „Wachstum weiter voranzutreiben“.

Die Plattform selbst finanziert sich durch ein minutenbasiertes Preismodell, bei dem Kunden nur für die tatsächlich genutzte Zeit zahlen, so der CEO. Dadurch sei Cambioo auch für kleinere Unternehmen attraktiv. Zu den derzeitigen Kunden zählen Unternehmen wie magdas Hotel, Boom Living oder Santner Immobilienberatung.

Weitere Expansion geplant

Das große Ziel des Startups sei es „ein Ökosystem in dieser Branche zu schaffen, um insgesamt den den Alltag zu erleichtern“, erklärt der CEO gegenüber brutkasten. Cambioo sei der Beweis dafür, dass „innovative Technologie mit klarem Branchenfokus echte Probleme lösen kann – und das Potenzial hat, eine gesamte Industrie nachhaltig zu verändern“.

Zukünftig will sich das Unternehmen auf die Weiterentwicklung der KI-Plattform fokussieren: „Natürlich sind wir noch nicht fertig. Das Produkt bauen wir laufend weiter. Es gibt noch viele Features, die wir einbauen wollen“. Derzeit laufen einige Testphasen in Deutschland und Österreich. Noch dieses Jahr strebt das Unternehmen eine Expansion nach Italien an.

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Bildunterschrift: V. l. n. r.: Jonathan Grothaus (CEO & Founder myflexbox), Martin Trittler (CFO DeinFach), Lukas Beckedorff (CEO DeinFach) und Peter Klima (CTO & Founder myflexbox) | (c) myflexbox

Der Salzburger Paketstationen-Anbieter myflexbox und DeinFach, eine Tochter der Deutschen Post AG, schließen sich zusammen. Das gaben die DHL Group und myflexbox am Donnerstag in einer Aussendung bekannt. Die anbieteroffenen Automatennetze der beiden Unternehmen sollen künftig unter der Marke myflexbox geführt werden. Die Marke DeinFach wird schrittweise in myflexbox überführt.

Laut Aussendung betreibt myflexbox rund 3.000 Paketstationen in Deutschland und Österreich. Sie ergänzen das deutsche Automatennetz aus rund 19.000 DHL-Packstationen, Poststationen und DeinFach-Automaten. Nach Angaben der Unternehmen entsteht damit das mit Abstand größte anbieteroffene Paketstationsnetz im deutschsprachigen Raum. Das Modell, Stationen für verschiedene Paketdienstleister bereitzustellen, soll erhalten bleiben.

Verkauf an die DHL-Gruppe

Wie der Deal rechtlich und wirtschaftlich ausgestaltet ist, geht aus der Aussendung nicht hervor. Dort ist von einem Zusammenschluss die Rede, Angaben zu Anteilen, Kaufpreis und künftiger Führung fehlen.

Laut einem Bericht von salzburg.ORF.at wird myflexbox an die DHL-Gruppe verkauft. Der Kauf erfolge über die DHL-Tochter AZL GmbH, die bisher die Marke DeinFach betreibt. Verkäufer sei Star Capital, zum Kaufpreis gebe es keine Angaben.

brutkasten hat bei der Deutschen Post AG zur Deal-Struktur angefragt. Bis zum Erscheinen dieses Artikels gab es keine Rückmeldung.

50.000 Paketautomaten bis 2030

Die Deutsche Post AG verbindet mit dem Schritt ein Ausbauziel. Bis 2030 will sie Verbraucher:innen in Deutschland insgesamt rund 50.000 Paketautomaten zur Verfügung stellen. Mehr als die Hälfte davon sollen anbieteroffene myflexbox-Stationen sein. Langfristig soll die große Mehrheit der Menschen in Deutschland eine Paketstation in fünf bis zehn Gehminuten erreichen.

„Gemeinsam bringen wir den Ausbau des größten offenen Paketstations-Netzwerks auf eine neue Ebene“, wird myflexbox-CEO und Founder Jonathan Grothaus in der Aussendung zitiert. DeinFach-Geschäftsführer Lukas Beckedorff erklärt, man nutze bestehende Standorte, erschließe zusätzliche und verkürze damit die Wege für Verbraucher:innen.

Gegründet bei der Salzburg AG

myflexbox wurde 2018 als Corporate-Startup der Salzburg AG gegründet und 2022 ausgegründet. Im Februar 2023 holte das Unternehmen 75 Millionen Euro vom Star IV Fonds, der von Star Capital Partnership LLP verwaltet wird (brutkasten berichtete). Seither stand es im Mehrheitsbesitz eines Investorenkonsortiums.

Zuletzt ist das Unternehmen stark gewachsen. Im September 2025 betrieb myflexbox fast 1.400 Paketstationen in Deutschland und Österreich, davon 660 in Österreich (brutkasten berichtete). Mit den nun genannten rund 3.000 Stationen hat sich das Netz in etwa einem Jahr mehr als verdoppelt.

Mitgründer und Ex-Co-CEO Lukas Wieser ist seit Mai 2026 als Interim Head of Growth beim Linzer HR-Tech teamecho tätig (brutkasten berichtete).

Post und DPD als Partner in Österreich

In Österreich zählen unter anderem die Österreichische Post und DPD zu den Logistikpartnern. Die Post mietet seit 2024 Abholfächer in den myflexbox-Stationen (brutkasten berichtete). DPD sicherte sich im Vorjahr rund 9.000 Fächer und damit fast ein Viertel der hierzulande verfügbaren Fächer. Wie sich der Deal mit einer Tochter der Deutschen Post AG auf diese Partnerschaften auswirkt, lässt die Aussendung offen.

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