24.10.2025
AUSZEICHNUNG

Philipp Kinsky und Katarzyna Pichler sind Österreichs „Business Angels of the Year 2025“

Philipp Kinsky und Katarzyna Pichler wurden beim Business Angel Day 2025 als „Business Angels of the Year“ ausgezeichnet. brutkasten war vor Ort und hat mit den beiden über ihre Rolle im Startup-Ökosystem gesprochen.
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(c) martin pacher / brutkasten

Business Angels investieren nicht nur Kapital, sondern auch ihr Wissen und Netzwerk. Am Donnerstagabend wurden beim Business Angel Day 2025 in Eisenstadt zwei Persönlichkeiten ausgezeichnet, die diese Rolle seit Jahren mit besonderer Leidenschaft leben: Philipp Kinsky und Katarzyna Pichler.

Der Award „Business Angel of the Year“ wurde im Rahmen des Branchentreffens vergeben, das heuer bereits zum 16. Mal stattfand. Im Schloss Esterházy kamen Investor:innen, Gründer:innen und Vertreter:innen des Ökosystems zusammen, um über aktuelle Trends in der Investoren-Szene zu diskutieren – darunter den geplanten Dachfonds.

„Eine Auszeichnung für alle Gründer:innen“

Für Philipp Kinsky, einen der profiliertesten Startup-Anwälte und Investoren des Landes, ist der Preis vor allem eine Anerkennung gemeinsamer Erfolge: „Es ist eine sehr schöne Anerkennung für zwanzig Jahre Arbeit, um Innovation in diesem Land voranzutreiben. Vor allem aber ist es eine Auszeichnung für all die Gründer:innen, die es zugelassen haben, dass ich Teil ihrer Reise sein darf“, so Kinsky gegenüber brutkasten.

Der Wiener Jurist ist Partner der Kanzlei Herbst Kinsky, eine der führenden Wirtschaftskanzleien im österreichischen Venture-Capital- und Startup-Recht. Neben seiner anwaltlichen Tätigkeit engagiert sich Kinsky als Business Angel und Mentor in der Frühphasenfinanzierung.

Philipp Kinsky | (c) Martin Pacher | brutkasten

Zu den Unternehmen, die ihn besonders geprägt haben, zählt er Bitpanda, das mit seinem Unicorn-Status zu den erfolgreichsten Scaleups Österreichs zählt. „Ich war damals einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort und bin dankbar, Teil dieser Reise zu sein“, so Kinsky. Ebenso nennt er das Loyalty-Scaleup HelloAgain, das mittlerweile über 1.000 Kund:innen betreut (brutkasten berichtete).

Darüber hinaus engagiert sich Kinsky in mehreren Standortinitiativen, etwa in der Einführung der FlexCo, der neuen Gesellschaftsform für Startups, sowie in der Konzeption eines geplanten österreichischen Dachfonds für Frühphaseninvestments. Aktuell legt er seinen Investmentfokus verstärkt auf künstliche Intelligenz aber auch Quantenkryptografie. „Das Thema Sicherheit spielt eine immer größere Rolle. In den nächsten Jahren möchte ich mich aber auch auf nachhaltige Themen und Impact-Investments fokussieren“, so Kinsky.

Katarzyna Pichler: „Meine größten Erfolge sind die Projekte mit jungen Leuten“

Ebenfalls zum Business Angel of the Year 2025 wurde Katarzyna Pichler, Managing Partner der InnovaticGroup, gekürt. Die Auszeichnung würdigt ihre herausragenden Investitionserfolge sowie ihr nachhaltiges Engagement für den österreichischen Startup-Standort.

Die von Pichler geführte InnovaticGroup investiert von der Früh- bis zur Wachstumsphase in Technologieunternehmen mit Fokus auf Artificial Intelligence, Cybersicherheit, digitale Unternehmenslösungen und E-Commerce-Technologien.

Katarzyna Pichler | (c) Martin Pacher | brutkasten

Das Engagement der InnovaticGroup wurde zuletzt durch mehrere erfolgreiche Exits sichtbar. Ein Meilenstein für das österreichische Ökosystem war die Übernahme der Wiener Softwarefirma Infinica durch den italienischen Konzern Doxee S.p.A. (brutkasten berichtete). Zu den weiteren Erfolgen zählen die Exits bei Iyzico und Smart Ident.

Fokus auf Bildung, KI und Diversität

In ihrer Ansprache betonte Pichler die Bedeutung der Nachwuchsförderung, die sie unter anderem durch eine enge Partnerschaft mit der TU Wien vorantreibt: „Meine größten Erfolge sind die Projekte mit jungen Leuten. Es gibt nichts Schöneres, als ihre Begeisterung zu sehen, wenn sie lernen, wie man künstliche Intelligenz verantwortungsvoll im Geschäftsleben einsetzt.“

Ein weiteres Kernanliegen ist ihr die Förderung von Diversität: „Ich glaube an Frauen in Gründungsteams und hoffe, dass mehr Frauen den Mut haben, eigene Initiativen aufzubauen und groß zu denken.“

Gegenüber brutkasten betonte Pichler den Teamgedanken: „Der Business Angel of the Year ist für mich eine große Ehre – und auch eine Auszeichnung für unser Team, unsere Partner, Kooperationspartner und Co-Investoren. Das geht an uns alle.“ Und sie merkte an: „Ich glaube fest an den Standort Österreich. Lassen Sie uns gemeinsam positiv voranschreiten und unsere erfolgreiche Zukunft aktiv gestalten.

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Zwei Tage lang hat die Community rund um Andreas Tschas auf dem Otto Wagner Areal in Wien an einem „neuen Betriebssystem für unsere Wirtschaft“ gearbeitet. Ein Besuch beim ersten Conxious Picnic.
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Business Angel Hansi Hansmann und Conxious-Gründer Andreas Tschas | (c) Luisazzoe / StudioZucker

Es braucht seine Zeit, bis man oben ist. Wer zum Conxious Picnic will, muss hinauf auf die Baumgartner Höhe in Wien-Penzing, fernab der hektischen Innenstadt. Der Ort ist bewusst gewählt.

Das Otto Wagner Areal wurde vor rund 120 Jahren als Heil- und Pflegeanstalt eröffnet und umfasst rund 50 Hektar. Das entspricht der Fläche von rund 70 Fußballfeldern. Nach einem Jahrhundert klinischer Nutzung wird das denkmalgeschützte Jugendstilensemble neu belebt. 2030 oder 2031 soll hier die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) einziehen. Bis dahin wird das Gelände zwischengenutzt, unter anderem von Kreativkollektiven und für Kunst- und Kulturveranstaltungen.

Das Jugendstiltheater am Otto Wagner Areal in Wien-Penzing war Schauplatz des Conxious Picnic. Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Am 30. September und 1. Oktober war das Jugendstiltheater mit seinen Gärten Schauplatz des ersten Conxious Picnic. Schon beim Hineingehen weiß man: Hier geht es anders zu als bei einem üblichen Business-Event. Man spricht sich mit Vornamen an. Teilweise umarmt man sich bei der Begrüßung.

Das Betriebssystem von morgen

Hinter dem Format steht Andreas Tschas, Gründer von Conxious. Seine Vision fasst er im Gespräch mit brutkasten in einem Satz zusammen: „Ein neues Betriebssystem für unsere Wirtschaft, das auf Vertrauen und innerer Klarheit beruht.“ Nach diesem Gedanken sei auch die Veranstaltung aufgebaut gewesen. Es gehe darum, Wirtschaft wieder menschlicher zu machen: „Weg vom Business, hin zur Wirtschaft, zum Wirt.“ Der Wirt sei jemand, der auf die Ressourcen schaue, ein Host, der auf die Community achte.

Rund 200 Gäste waren laut Andreas Tschas an den beiden Tagen durchgehend vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Das Interesse war größer als erwartet. 250 Personen waren laut Tschas angemeldet, durchgehend seien rund 200 vor Ort gewesen. Die Gäste kamen auch aus anderen europäischen Ländern, darunter die Niederlande, Portugal, Deutschland und Italien.

Was man mitbringen muss

Wer mitmachen will, braucht vor allem Zeit. Die Veranstalter baten ihre Gäste vorab, an beiden Tagen zu bleiben. Das Picknick sei als ein Bogen gedacht, bei dem jeder Akt auf dem vorigen aufbaut.

Dazu kommen Neugier, Präsenz und die Offenheit für Menschen, die man noch nicht kennt. So stand es in der Einladung an die Gäste. Wer wollte, brachte eine Blume mit, einen Kuchen zum Teilen oder ein Sitzkissen für die Wiese. Einen Dresscode gab es nicht, Farbe war ausdrücklich willkommen.

Wer sitzt, kann etwas vorbringen

Am zweiten Tag geht es im Jugendstiltheater um Träume. Bianca Gfrei von Conxious steht in der Mitte des Raums. Rund um sie sind Vintage-Möbel des Wiener Generationencafés Vollpension aufgereiht, dazwischen liegen Sitzkissen. Wer hier Platz nimmt, soll die Augen schließen und seine Wünsche benennen.

Bianca Gfrei von Conxious leitete am zweiten Tag die Runde zu den Träumen der Gäste. | Foto: Luisazzoe| / StudioZucker

Dann öffnet Gfrei die Runde. Gefragt wird nach Themen: Wer hat einen Traum, wenn es um Business geht? Wer, wenn es um Räume geht? Wer in der Runde sitzt, kann etwas vorbringen und sagen, welche Unterstützung er oder sie braucht.

Auch Tschas bringt einen Traum ein, und der betrifft Bildung. Inhalte für Kinder würden künftig viele Unternehmen liefern, entscheidend sei das Erlebnis rundherum. Mit „Conxious in the Garden“ treffen sich bereits Familien an Wochenenden. Er sei nicht überzeugt, dass sich das Bildungssystem in Österreich so schnell anpassen könne wie nötig. Zugleich gebe es sehr gute Schulen, nur brauche es mehr davon. Für das Vorhaben sucht er einen CEO, ein Investor sei bereits interessiert.

Vertrauen als Business Case

So weich das klingt, Tschas argumentiert wirtschaftlich. Das Fundament von Conxious sei Vertrauen, und das Picknick habe mit genau diesem Gedanken begonnen: „Trust as a Business Case“. Er erzählt dazu von Business Angel Hansi Hansmann, einem der Founding Partner von Conxious. Der habe ihm gesagt, dass es um Vertrauen gehe, sei für ihn ein No-Brainer. Für Tschas ist das der Punkt: „Du lernst den Menschen kennen und du vertraust ihm einmal.“ Daraus seien die großen Erfolgsgeschichten entstanden.

Auch der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz war vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

In Unternehmen sehe er oft das Gegenteil. Wenn er in Abteilungen nachfrage, wie viel Zeit in Konflikte und interne Politik fließe, höre er im Schnitt 70 Prozent. Der Grund sei ein Vertrauensproblem.

Bei Startups zeige sich das im Founder-Konflikt. Der „Return on Investment on emotional well-being“ werde völlig unterschätzt, sagt Tschas. Er kenne nur wenige Investoren, die vorbeugend etwas tun. Komme es zum Konflikt, könne man „mindestens 50 Prozent der Bewertung abschreiben“.

Auch die Freiflächen rund um das Jugendstiltheater wurden bespielt. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Wer dabei war

Auf dem Programm standen unter anderem der Impact-Investor Charly Kleissner, die Kulturanthropologin Bettina Ludwig, der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz, Thomas Funke, Mitgründer der Tomorrow University, und Eversports-Mitgründer Hanno Lippitsch. Unter den Gästen waren laut Tschas zudem viele Gründer, die diesen Weg schon gegangen sind, darunter TTTech-Mitgründer Georg Kopetz sowie Busuu-Mitgründer und Investor Bernhard Niesner. Auch Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll und Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), waren vor Ort.

TTTech-Mitgründer Georg Kopetz im Gespräch mit Conxious-Gründer Andreas Tschas | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Auch der Unternehmer Klaus Buchroithner war dabei, dessen Firma das Merchandise für Conxious produziert. „Die letzten zwei Tage ist es sehr wenig ums Business gegangen und sehr viel um Persönlichkeitsentwicklung“, sagt er. Es habe Sessions gegeben, in denen man sich bewegt hat, aber auch Vorträge. Eine klassische Business-Konferenz sei es sicher nicht gewesen.

Besonders mitgenommen hat Buchroithner den Beitrag von Ludwig über eine der letzten Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften. Dort sei jeder von Geburt an Teil eines größeren Ganzen, weil die Gemeinschaft nur gemeinsam überlebt. Sein Schluss daraus: Egoistische Entscheidungen seien „eigentlich kompletter Unsinn“.

Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Was aus dem Picknick entstehen soll

Beim Reden soll es nicht bleiben. Tschas formuliert eine Hypothese: Unternehmen und Startups, die auf dieser Basis von Vertrauen gegründet werden, funktionieren besser. Aus der Community heraus würden gerade die ersten Unternehmen gemeinsam gestartet.

Konkret denkt man laut Tschas über drei Dinge nach. Ein Magazin, das sich um Bewusstsein in der Wirtschaft dreht. Räume für Meetings, in denen man präsenter und weniger abgelenkt ist. Und eine Schule. In drei bis vier Monaten werde man mehr dazu sagen können.

Das Prinzip dahinter beschreibt er so: „Dem Glück auf die Sprünge helfen, indem wir coole Leute und coole Ideen zusammenbringen und die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.“


Video-Tipp: Andreas Tschas über Conxious: „Ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft“

Andreas Tschas spricht im Talk über sein Projekt Conxious – eine kuratierte Community, die Vertrauen und innere Klarheit ins Zentrum des wirtschaftlichen Handelns rücken möchte.

Im Gespräch erklärt Tschas, warum Vertrauen ein unterschätzter Produktivitätsfaktor in Unternehmen sei, wie aus tiefen menschlichen Verbindungen nachhaltige Projekte entstehen können und wie ein zukunftsfähiges Betriebssystem für die Wirtschaft aussehen soll.

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