28.10.2025
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Business Angel Day 2025: Im Zeichen des geplanten Dachfonds

Beim Business Angel Day 2025 wurden mit Katarzyna Pichler und Philipp Kinsky nicht nur zwei herausragende Investor:innen als „Business Angels of the Year“ ausgezeichnet, sondern auch ein zentrales Zukunftsprojekt für Österreichs Startup-Ökosystem ins Rampenlicht gerückt: der geplante Dachfonds.
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v.l.n.r. Alfred Luger, Raphaela Graf (AplusB & Wirtschaftsagentur Burgenland), Katrin Zenker, Katarzyna Pichler (Gewinnerin), Philipp Kinsky (Gewinner), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (BMWET), Geschäftsführer Bernhard Sagmeister (aws), Jakob Seybold (aws) | | (c) aws / vogus

Der Business Angel Day 2025 machte heuer das Schloss Esterházy in Eisenstadt zum Treffpunkt für jene Menschen, die den österreichischen Innovationsstandort maßgeblich prägen: Business Angels und Investor:innen. Seit mittlerweile 17 Jahren bringt die Veranstaltung zentrale Akteur:innen der Innovations- und Finanzierungslandschaft zusammen – organisiert von der Austria Wirtschaftsservice (aws) gemeinsam mit den akademischen Gründungszentren (AplusB). Als austragendes AplusB-Zentrum und starker Organisationspartner war heuer die Wirtschaftsagentur Burgenland maßgeblich an der Durchführung beteiligt.

Business Angel Awards: Wertschätzung für Engagement

Im Mittelpunkt stand die Verleihung der „Business Angel of the Year Awards“. Wie brutkasten bereits berichtete, gingen die Auszeichnungen an Katarzyna Pichler und Philipp Kinsky.

Pichler, Managing Partner der InnovaticGroup, investiert seit Jahren aktiv in Startups, mit besonderem Fokus auf Zukunftstechnologien, Diversität und die Stärkung des unternehmerischen Denkens in der Gesellschaft. Die von ihr unterstützte Initiative „became.ai“ an der TU Wien füllt mittlerweile mit 490 Studierenden den größten Hörsaal der Universität.

Katarzyna Pichler | © Wolfgang Voglhuber

Philipp Kinsky, Gründungspartner von Herbst Kinsky Rechtsanwälte, gilt als Wegbereiter wichtiger Startup-Reformen – darunter der FlexCo. In der Startup-Szene gilt Kinsky als verlässlicher Partner, der seine Portfoliounternehmen auch in herausfordernden Zeiten stets zur Seite steht. Zudem unterrichtet Philipp Kinsky zu Startups am Juridicum, ist Partner bei KK Incube Invest, Teil des Advisory Boards bei START Vienna und Vorstand beim Legal Tech Hub Europe.

Philipp Kinsky | © Wolfgang Voglhuber

Beide Sieger:innen setzten sich gegen ein starkes Feld von Finalist:innen durch: Silke Greiner und Conny Hörl sowie Johann Steszgal und Michael Edtmayer

“Business Angels nehmen eine wichtige Rolle in der Frühphase von jungen, innovativen Unternehmen ein. Neben finanzieller Unterstützung steigern ihre Expertise, ihr Know-how und ihr Netzwerk die Erfolgswahrscheinlichkeit von Startups deutlich. So haben sie zudem einen positiven Effekt auf die Stärkung des Wirtschaftsstandorts”, so aws-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister.

Bernhard Sagmeister | © Wolfgang Voglhuber

Podiumsdiskussion: Dachfonds als Gamechanger

Neben der Award-Verleihung bietet der Business Angel Day traditionell auch ein starkes inhaltliches Programm. Heuer rückte dabei ein Thema in den Mittelpunkt, das für den Standort richtungsweisend sein dürfte: der geplante österreichische Dachfonds. Dieses neue Finanzierungsinstrument soll künftig institutionelles Kapital – etwa von Pensionskassen oder Versicherungen – stärker in den Venture-Capital-Markt lenken und so jene Wachstumsfinanzierung ermöglichen, die vielen Startups heute noch fehlt.

Die Podiumsdiskussion war hochkarätig besetzt: Oliver Holle (Speedinvest), Susanne Lederer-Pabst (Dragonfly Finance), Alexander Thees (KfW Capital) und Bernhard Sagmeister (aws) diskutierten über die zentralen Weichenstellungen für den geplanten Dachfonds. Moderiert wurde die Runde von Nataša Deutinger von Innovation Salzburg. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner lieferte zuvor eine politische Einordnung und betonte die Bedeutung des Vorhabens für die Weiterentwicklung des gesamten Innovations- und Startup-Ökosystems in Österreich.

v.l. Bernhard Sagmeister, Alexander Thees, Elisabeth Zehetner, Susanne Lederer-Pabst, Oliver Holle und Moderatorin Nataša Deutinger | © Wolfgang Voglhuber

“Mit dem geplanten Dachfonds wollen wir gezielt Anreize schaffen, um ihre Wirkung zu verstärken und mehr privates Kapital in junge Unternehmen zu lenken. Das klare Commitment der Bundesregierung setzt ein starkes Signal – genau solche Rahmenbedingungen brauchen wir, um Österreich als führenden Startup-Standort zu etablieren”, so Zehetner.

Oliver Holle “Keep it Fast”

Oliver Holle machte gleich zu Beginn klar, dass der Dachfonds aus Sicht der VC-Branche lange überfällig ist: „Endlich. Das ist hoch an der Zeit.“ Für ihn entscheidet vor allem das Tempo über den Erfolg: „Keep it fast.“ Der Staat müsse besonders im First Closing eines neuen Fonds als Cornerstone-Investor auftreten – dann, wenn privates Kapital noch zögert. Zudem mahnte er eine klare Governance ein: Politische Erwägungen dürften keine Investitionsentscheidungen beeinflussen.

Learnings aus Deutschland: Einfachheit vor Komplexität

Wie ein Dachfonds erfolgreich funktioniert, erläuterte Alexander Thees anhand der Erfahrungen mit KfW Capital: „Komplexität vermeiden. Keep it simple.“ Nur mit schlanker Struktur und eindeutigen Vorgaben könne Vertrauen entstehen – sowohl bei Fondsmanagern als auch bei institutionellen Investor:innen. Wichtig sei zudem der europäische Blick: Ein Fonds dürfe nicht zu eng auf den Heimatmarkt beschränkt sein, sonst könne er weder ausreichend skalieren noch selektiv investieren. 

© Wolfgang Voglhuber

Institutionelles Kapital: Hohes Potenzial, hohe Hürden

Susanne Lederer-Pabst machte darauf aufmerksam, wie entscheidend die Aktivierung institutioneller Anleger sei – und gleichzeitig, wie schwierig ihr Einstieg. Pensionskassen, Versicherungen und Banken unterliegen strengen Regulatorien: Durchschauprinzip, Reportingpflichten, Solvency-II-Anforderungen und hohe Eigenmittelunterlegung. Ihr Fazit: „Institutionelles Geld brauchen wir. Aber es ist irrsinnig schwierig.“ Umso wichtiger sei es, diese Zielgruppe früh einzubinden und Anpassungen vorzunehmen, die Investitionen ermöglichen.

Langfristige Standortmaßnahme statt Kurzimpuls

Für Bernhard Sagmeister ist der Dachfonds ein Investment in die Zukunft des Standortes: keine konjunkturpolitische Intervention, sondern eine strukturelle Maßnahme mit Wirkung über Jahre hinaus. Ziel sei es, zusätzliches privates Kapital in das Ökosystem zu holen – „Crowding-in, nicht Crowding-out“. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner unterstrich den politischen Willen, mehr privates Kapital in junge, innovative Unternehmen zu lenken und damit Österreichs Position als Startup-Standort langfristig zu stärken.

Das feierliche Ambiente im Schloss Esterházy | © Wolfgang Voglhuber

Partner an der Seite der Gründer:innen: Erste Bank

Ein wichtiger Baustein der Veranstaltung war auch die Unterstützung durch die Erste Bank als langjährige Partnerin des Business Angel Days. Head of Retail & Corporate Lending Severin Mayer-Heinisch betonte im Gespräch die Rolle des Instituts: „Wir als Erste Bank unterstützen Unternehmerinnen und Unternehmer in allen Phasen. Besonders wichtig für uns ist es auch in der Wachstumsphase an der Seite von Österreichs Unternehmen zu stehen – bei der Erstellung von Businessplänen, in den Gründungsjahren oder in der Scaleup-Phase.“ Die Bank wolle Unternehmertum aktiv stärken – durch ihr Netzwerk, den Zugang zu Förderstellen, Expertise und passende Finanzierungsangebote. Ein Partner auf Augenhöhe – von der Idee bis zum internationalen Markteintritt.


Redaktionstipp: Vernetzung über aws i2 Business Angels

Mit den Vernetzungsservices unter aws Connect unterstützt die aws Startups beim Zugang zu Investor:innen, etablierten Unternehmen und Kooperationspartnern. Ein zentrales Angebot ist aws i2 Business Angels: Aus rund 800 Startup-Projekten werden jährlich 50 bis 80 besonders vielversprechende Fälle ausgewählt und knapp 450 aktiven Business Angels vorgestellt – effizient und transparent über die Plattform aws Connect oder bei Pitching-Events. Ein entscheidender Baustein, um Kapital und Innovation in Österreich schneller zusammenzubringen.

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Anton Osika, Gründer und CEO von Lovable, bei der Slush 2025 in Helsinki | (c) brutkasten / Martin Pacher

Lovable hat am Mittwoch eine Series C über 400 Mio. US-Dollar bekanntgegeben. Die Bewertung des schwedischen Unternehmens liegt damit bei 13,3 Mrd. US-Dollar. Lead-Investor ist Menlo Ventures, co-angeführt wird die Runde vom Scaleup Europe Fund, der von EQT gemanagt wird.

Neu an Bord kommen laut Aussendung Balderton Capital und Carmignac aus Europa, Kaszek Ventures und LTS Growth aus Lateinamerika, Tencent und World Innovation Lab aus Asien sowie Regent aus den USA. Von den bestehenden Investoren gehen unter anderem Accel, Antler, CapitalG, DST Global, Evantic Capital, HubSpot Ventures und Salesforce Ventures mit.

60 Millionen Projekte seit dem Start

Lovable lässt Nutzer:innen Software per Chat bauen, ohne Programmierkenntnisse. Seit dem Start im November 2024 wurden nach Unternehmensangaben mehr als 60 Millionen Projekte angelegt. Die damit gebauten Apps kommen demnach zusammen auf über 900 Millionen Besuche pro Monat.

Innerhalb des ersten Jahres erreichte Lovable eigenen Angaben zufolge Mitarbeiter:innen bei der Hälfte der Fortune-500-Konzerne, mittlerweile seien es knapp zwei Drittel. Als Referenzkund:innen nennt das Unternehmen unter anderem Adidas, Nvidia und die Deutsche Telekom sowie Zendesk, Handshake und Checkr.

Laut einer Nutzer:innenbefragung, auf die sich Lovable beruft, bauen fast acht von zehn Nutzer:innen ein Unternehmen oder ein Nebenprojekt, das sie monetarisieren wollen. Mehr als ein Drittel davon erwirtschafte bereits Umsatz.

Vom App-Baukasten zur Betriebssoftware

Die Positionierung verschiebt sich mit der Runde: Lovable will nicht mehr nur das Werkzeug sein, mit dem Software entsteht, sondern jenes, mit dem Unternehmen laufen. Seit der Series B im Dezember 2025 hat das Unternehmen Payment-Funktionen, SEO- und AI-Search-Tools sowie Integrationen zu Google Workspace, Microsoft 365, Salesforce, Stripe und ElevenLabs ergänzt. Dazu kamen automatisierte Security-Scans, Governance-Funktionen und die AIUC-1-Zertifizierung für KI-Agenten.

Drei Prioritäten nennt Lovable für die kommenden Monate. Erstens soll das Produkt proaktiver werden und Aufgaben erkennen und übernehmen, ohne dass Nutzer:innen sie anstoßen müssen. Zweitens will das Unternehmen sein System darauf trainieren, welche Bauentscheidungen zu erfolgreichen Produkten führen, gemessen an Umsatz, verbesserten Workflows und Unternehmenswachstum. Modellseitig bleibt Lovable bei einem Multi-Model-Ansatz und will weiter offene Modelle nachtrainieren. Drittens soll das Team heuer auf rund 450 Personen wachsen, vor allem in Machine Learning, Produkt, Infrastruktur und Security. Der Hauptsitz bleibt Stockholm, ausgebaut wird in London, Boston, San Francisco und New York.

Wie weit der Anspruch reicht, zeigt ein Kundenbeispiel aus der Aussendung: Beim US-Unternehmen Nursa baute ein Produktverantwortlicher ein neues Enterprise-Produkt an einem Wochenende, danach wurde Lovable auf über 200 Mitarbeiter:innen ausgerollt. Aktuell ersetze das Unternehmen zehn SaaS-Systeme durch selbst gebaute Tools.

Testfall für den europäischen Wachstumsfonds

Für Europa ist vor allem der Co-Lead relevant. Der Scaleup Europe Fund wurde von der Europäischen Kommission gemeinsam mit europäischen Investoren aufgesetzt und im Juni beim European Innovation Council Summit in Brüssel präsentiert. Der Fonds hat ein Zielvolumen von fünf Milliarden Euro, wird von EQT unabhängig und marktbasiert gemanagt und soll die Lücke bei großvolumigen Wachstumsfinanzierungen schließen, wegen der europäische Tech-Unternehmen bislang häufig auf US-Kapital angewiesen waren. Zu den Zielbranchen zählen neben Quanten- und Halbleitertechnologien, Robotik, Energie- und Weltraumtechnologien auch Künstliche Intelligenz.

Bemerkenswert ist das Tempo. Bei der Präsentation im Juni hieß es noch, die ersten Investments seien für Herbst 2026 geplant. Lovable zählt laut Aussendung nun zu den ersten Beteiligungen des Fonds, das allererste Investment war es allerdings nicht.

Victor Englesson, Partner bei EQT und Co-Head des Scaleup Europe Fund, verweist in der Aussendung darauf, dass Anton Osika, Fabian Hedin und ihr Team eines der ambitioniertesten und am schnellsten wachsenden KI-Unternehmen aufgebaut hätten. Genau dafür sei der Fonds geschaffen worden. Matt Murphy, Partner bei Menlo Ventures, argumentiert, Lovable adressiere jene Milliarden Menschen, die Ideen hätten, aber bislang an der technischen Umsetzung scheiterten.

Osika selbst hatte diese Europa-Perspektive bereits im vergangenen November auf der Slush in Helsinki betont. „Europa ist in vielerlei Hinsicht ein besserer Ort, um ein KI- oder Tech-Unternehmen aufzubauen“, sagte er dort auf der Hauptbühne.

Bemerkenswert bleibt dabei ein Detail der Investorenliste: Mit Tencent steigt zeitgleich ein chinesischer Konzern ein. Der Anspruch, ein europäisches Tech-Unternehmen mit europäischem Kapital zu skalieren, trifft damit in derselben Runde auf globale Beteiligungsstrukturen.

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