04.04.2015

Brutkasten.Interview: Drei Wiener mischen E-Bike-Markt auf – eine Erfolgsgeschichte per Crowdinvesting

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© Freigeist: Drei Wiener mit großer Vision: Sie wollen E-Bikes von ihrem staubigen Image befreien.

Österreich ist mobil. Aber nicht unbedingt per Auto. Immer mehr greifen auf öffentliche Verkehrsmittel zurück, gehen zu Fuß oder nutzen ein Fahrrad zur Fortbewegung. Fast sieben von zehn benutzen ein Fahrrad um von A nach B zu kommen. Die Wiener sind Vorreiter mit 72 Prozent, die auf das Auto verzichten. Danach folgen Innsbruck und Bregenz.

Der Markt für Fahrräder hat dementsprechend großes Potential – das noch lange nicht ausgeschöpft ist. Vor allem Elektro-Fahrräder rücken immer mehr ins allgemeine Interesse. Längere Strecken können mit den E-Bikes schneller und mit weniger Kraftaufwand zurück gelegt werden – ein Vorteil, vor allem, wenn man knapp bei Puste ist.

Das immense Potential, das hier versteckt liegt, haben drei Wiener erkannt und vor rund einenhalb Jahren ihre Jobs – sie waren in der Juristerei, im Ingenieurswesen und im Consulting tätig – an den Nagel gehängt. Sie haben das Startup FREYGEIST gegründet und ein E-Bike entwickelt, das genauso viel wiegt wie ein normales Fahrrad- und auch so aussieht. Ein Vorteil gegenüber anderen Mitbewerbern, deren Modelle oft plump aussehen und schwer sind. Damit ihre elektrischen Fahrräder in Produktion gehen können, haben sie eine Crowdinvesting Kampagne auf Companisto gestartet.

Innerhalb von wenigen Stunden wurde die minimale Fundinggrenze erreicht und die Schwelle nun bereits zum dritten Mal angehoben. Aktuell haben beinahe 600 Companisten über 750.000 Euro investiert – knappe 40 Tage läuft die Kampagne noch. Der Erfolg beweist, dass nicht nur das Potential da ist, sondern auch tatsächliches Interesse.

Co-Gründer Martin Trink von Freygeist hat dem Brutkasten beantwortet, wie er auf die Idee kam, wieso sie den Weg des Crowdinvesting gewählt haben und ob es ein Rezept für eine erfolgreiche Kampagne gibt.

Welchen Vorteil bietet das Freygeist E-Bike gegenüber anderen E-Bikes?

E-Bikes in Städten sind DAS Thema der Zukunft. Aktuelle Modelle sind aber meist schwere, klobige „elektrische Mofas“. Mit 25 kg Durchschnittsgewicht werden ein paar Stiegen, etwa in den Radkeller oder zur U-Bahn, im Alltag eine unüberwindliche Hürde. Auch die Nutzung bei leerem Akku ist nur sehr eingeschränkt möglich. Damit geht bis jetzt auch ein eher rückständiges und langweiliges Image einher. Uns ist die Symbiose aus klassischem Fahrrad und modernem e-Bike gelungen. Mit 12 kg und vollwertiger Schaltung sind ein leerer Akku oder ein paar Stiegen kein Problem mehr. Das Freygeist E-Bike ist auch nicht mehr als E-Bike erkennbar. Das alles aber ohne Einschränkungen bei Leistung oder Reichweite. Damit erzeugen wir nicht nur ein völlig neues Fahrerlebnis sondern ändern auch das verstaubte Image, das man mit e-Bikes verbindet. Wir sprechen eine global im Wachstum befindliche Käufergruppe, die „Urban Professionals“, an, für die bisher ein E-Bike keine Option war.

Freygeist ist eine Symbiose aus klassischem Fahrrad und modernem e-Bike. Mit 12 kg und vollwertiger Schaltung sind ein leerer Akku oder Stiegen kein Problem mehr.

Wie seid ihr denn auf die Idee gekommen? Und wie kam es zum Team?

Ich habe mich immer geärgert, wenn ich mit dem Auto irgendwohin fahren musste und dann unendlich viel Zeit verloren habe, weil ich im Stau stand oder stundenlang Parkplatz suchen musste. Und erst der Weg in der Früh in die Arbeit: Die Wahl zwischen der überfüllten Straßenbahn oder verschwitzt mit dem Fahrrad im Büro kommen, war jedes Mal ein Qual. So kam ich schließlich auf die Idee, das Projekt Freygeist zu starten.

Und wieso gerade ein E-Bike? Es gibt kein Verkehrsmittel das einen innerstädtisch schneller von A nach B bringt oder ohne Anstrengung am Radweg am Stau vorbei fährt – und das alles zu einem Bruchteil der Kosten eines KFZ. Von den positiven Auswirkungen auf die Gesundheit, die ja inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen sind, und reduziertem CO2 Ausstoß gar nicht zu sprechen…

Wofür steht der Name Freygeist?

Der Name „Freygeist“ steht für “Freiheit”. In den Nachkriegsjahren wurde für viele Menschen erstmals ein eigener PKW leistbar. Wir kennen alle die Geschichten wie die ganze Familie im Käfer nach Italien auf Urlaub fahren konnte – großartig! Der PKW vermittelte eine neue Freiheit. Heute hat sich das im städtischen Bereich doch völlig ins Gegenteil verkehrt. Mit dem Auto steht man im Stau, sucht Parkplatz und die Politik versucht dem Verkehrschaos durch finanzielle Belastungen Herr zu werden. Genau diese Freiheit und Lebensfreude möchten wir den Menschen mit unseren Bikes zurück geben.

Wie seid ihr an die Entwicklung herangegangen?

Erster Schritt war für uns verschiedene Motoren zu testen. Dann haben wir extremen Leichtbau betrieben um zu sehen was technisch möglich ist – da war etwa ein fahrfähiges E-Bike mit 8,6 kg dabei. Nächster Schritt war ein Konzept zu designen, das eine breite Käuferschicht anspricht. Wir haben dann nach Zulieferern und Kooperationspartnern gesucht um dieses Konzept umzusetzen. Den Aufbau haben wir bei den Prototypen in einer zur Werkstatt umfunktionierten Garage gemacht – geleitet wurde das von Usama Assi, unserem Techniker.

Was waren eure bisherigen Milestones und habt ihr bereits vor der Kampagne Finanzierung aufgestellt?

Start-Up ist natürlich finanziell zu Beginn ein schwieriges Thema. Wir Gründer haben ja unsere Jobs aufgegeben, um uns ganz auf Freygeist konzentrieren zu können. Die ersten Monate haben wir von unseren Ersparnissen gelebt und damit auch Testmotoren und Bauteile finanziert. Dann haben unsere Familien uns unterstützt wo es ging, bis wir einen fahrfähigen Prototypen hatten. Damit sind wir dann zu mehreren Investoren gegangen, haben aber erst mit Martin Egger (und Christian Köhler, Trend Consulting GmbH) den perfekten Partner für Freygeist gefunden, der an den Erfolg des Projekts zu 100% geglaubt hat – er hat die weitere Finanzierung übernommen. Durch die “Companisten” sind wir jetzt natürlich nicht nur finanziell sehr gut aufgestellt, sondern haben auch unseren Bekanntheitsgrad deutlich steigern können.

Wieso habt ihr euch für Crowdinvesting entschieden?

Crowdinvesting ist für uns die ideale Markteintrittsstrategie. Das hat drei Aspekte:

  • zum einen ist die Finanzierung sichergestellt,
  • dann haben wir durch die Prämien erreicht, dass wir eine kritische Masse an Rädern in kürzestem Zeitraum auf die Straße bringen können
  • und schlussendlich haben wir durch das erfolgreiche Crowdinvesting mit einem Schlag einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht.

Wieso Companisto und keine andere Crowdinvesting-Plattform? Und wieso jetzt?

Österreichische Plattformen haben, abgesehen von der aktuellen Rechtslage, ganz klar nicht die Kapazität um so hohe Beträge zu generieren oder so viele Menschen zu erreichen. Um so eine Kampagne erfolgreich umzusetzen, mussten wir zu einer der größten Plattformen im deutschsprachigen Raum. Wir glauben, dass Companisto der ideale Partner für Freygeist ist. Wir brauchten die Finanzierung vor allem deswegen, da wir an den Punkt angelangt sind, an dem das Freygeist E-Bike reif ist für die Produktion in Serie. Die Jahreszeit im Frühjahr bzw. Frühsommer ist auch ideal, weil viele Menschen jetzt wieder aufs Rad steigen.

Habt ihr damit gerechnet, einen so durchschlagenden Erfolg auf Companisto zu haben? Und wie war das Gefühl zu sehen, dass die Investoren auf der Comapnisto-Plattform minütlich einen Betrag investieren?

Wir waren schon zuversichtlich, dass wir im Laufe der Kampagne eine halbe Million erreichen werden. Dass dieses Ziel nach einer Woche erreicht war, damit haben wir absolut nicht gerechnet! Es ist für uns natürlich sehr schön zu sehen, dass viele Menschen die Opportunity sehen und Freygeist auf diesem Weg begleiten wollen. Das hat ja einen Mehrwert der weit über das eingesammelte Kapital hinausgeht!

Ja, das war schon ein tolles Gefühl als man gesehen hat, dass hier so viele Menschen bereit sind Geld zu investieren, weil sie Bedarf für Veränderung und Potential sehen – und Freygeist zutrauen hier eine Lösung zu bringen, die am Markt nachhaltig erfolgreich ist.

Wie hoch soll die Finanzierungsrunde sein?

Unser Business Plan geht von einem Kapitalbedarf von 1,2 Mio. Euro aus. Diese Summe sollte ursprünglich durch einen Mix aus Mitteln der Companisten sowie unseres Investors erreicht werden. Dass jetzt der Anteil der Companisten höher wird, ist natürlich aus der Sicht vom Aufbau der Marke sehr positiv. Die absolute Obergrenze im Rahmen der Kampagne liegt bei EUR 1,5 Mio. Sollte (wonach es derzeit aussieht) mehr Kapital zur Verfügung stehen als ursprünglich vorgesehen, wird dieses für die Finanzierung der höheren Stückzahlen sowie die raschere Umsetzung der Technologieroadmap genutzt. Also ausschließlich Bereiche die den Unternehmenswert steigern und somit ganz im Interesse der Companisten liegen.

Habt ihr denn überhaupt die Kapazität so viele E-Bikes zu produzieren? Und, hattet ihr von Beginn an eine Werkstatt?

Es ist natürlich ein Thema, dass wir nicht mit so einer starken Nachfrage gerechnet haben und jetzt auch bei höheren Stückzahlen primär die Qualitätssicherung sicherstellen müssen. Für Vorbestellungen die derzeit eingehen, können wir aber noch eine Lieferung in diesem Jahr garantieren.

Wir haben freilich einen Ort gebraucht, um an Prototypen zu bauen, also haben wir kurzerhand einen leerstehenden Raum unseres Co–Gründers Stephan Hebenstreit zur Werkstatt umfunktioniert. Damit erfüllt Freygeist perfekt das Klischee der „Garagengründung“. Für die Serienfertigung arbeiten wir aber mit etablierten Partnern zusammen. Klingt zwar weniger romantisch, stellt aber Professionalität und gleichbleibend hohe Qualität sicher.

Ist Wien der richtige Ort, um durchzustarten? Man hört oft, dass man ins Ausland gehen muss, um ein Startup erfolgreich in die Zukunft zu führen.

In Wien entstand zwar die Idee, die FREYGEIST GmbH hat ihren Sitz mittlerweile aber in Berlin, wo die Start–Up Szene deutlich stärker ausgeprägt ist. Unsere Zulieferbetriebe und Kooperationspartner sind auf der ganzen Welt verteilt.

Sieht man sich die Erfolgsstories an, hat der angelsächsische Raum, speziell Silicon Valley, schon den Ruf als „the place to be“ für ein High Tech Start-Up. Der rasche Erfolg unserer (und anderer) Kampagnen zeigt aber klar, dass auch in Kontinentaleuropa zukunftsweisende Projekte möglich sind und die Menschen viel offener sind als ihr Ruf das nahelegen würde.

Gibt es Learnings, die ihr bereits mitgenommen habt?

Ganz entscheidend ist der Mehrwert den ein Investor abgesehen vom Kapital in ein Start-Up einbringt. Erfahrung, Netzwerk und persönliches Engagement des Investors spielen hier eine entscheidende Rolle. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht und profitieren jeden Tag von der Zusammenarbeit mit Martin Egger.

Ansonsten gibt es viele Menschen die meinen, Start-Up bedeutet, ein paar verträumte Studenten haben eine geniale Idee und ein paar Jahre später sind sie Millionäre. Die Realität sieht natürlich ganz anders aus. Gute Ideen haben viele, 90 Prozent der Arbeit ist es aber, die Ideen in die Realität umzusetzen. Unsere Arbeit ist auch nicht immer spannend oder kreativ, die ersten Jahre als Gründer ist man auch Sekretärin, Mechaniker und Laufbursche. Das muss man können und wollen.

Ein klares Learning ist der Mehrwert den ein Investor abgesehen vom Kapital in ein Start-Up einbringt: Seine Erfahrung, sein Netzwerk und persönliches Engagement.

Was sind eure nächsten Ziele? Kurzfristig, Mittel- und auch Langfristig?

Dieses Jahr geht es darum mit der Serienproduktion der Nachfrage nachzukommen und dabei die hohe Qualität durchgehend sicherzustellen. Daneben bauen wir nachhaltig tragfähige Strukturen auf, wobei hier von Zusammenarbeit und Unterstützung unseres erfahrenen Business Angels profitieren.

Mittelfristig werden wir aufbauend auf unserer aktuellen Plattform weitere Modelle auf den Markt bringen, der Fokus liegt dabei auf noch geringerem Gewicht und puristischem Design – natürlich auch weiterhin ohne Einbußen bei Leistung oder Reichweite. Aus unternehmerischer Sicht ist Markenaufbau ein ganz wesentlicher Punkt und wir werden die ersten Projekte im Bereich Forschung und Entwicklung umsetzen.

Langfristig arbeitet FREYGEIST an der Entwicklung einer Technologieplattform im Bereich der elektrischen Leichtfahrzeuge für den urbanen Bereich. Wir bewegen uns also in einen technologieintensiven Bereich. Hier liegt ganz klar das Zukunftspotential.

Habt ihr Tipps für erfolgreiche Crowdfinancing Kampagne?

Es gibt Produkte und Geschäftsmodelle die besser für Crowdfinancing geeignet sind, als andere. Es ist eine Kombination aus mehreren Faktoren. Zu allererst müssen Produkt, Geschäftsmodell und Markt relativ unkompliziert zu erklären sein. Crowdinvestoren sind ja meist keine hauptberuflichen Venture Capitalists, die die Kapazität haben, hochkomplexe Geschäftsmodelle im Detail zu verstehen.

Darüber hinaus hatten wir den Vorteil ein serienreifes Produkt vorzeigen zu können, viele Companisten sind zu einer Testfahrt gekommen und haben sich danach für eine Investition in Freygeist entschieden. Das ist mit webbasierten Anwendungen oder komplexen b2b Produkten nicht möglich.

 

Freygeist

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Lirone Glikman, Branding-Expertin und Gründerin der Agentur The Human Factor, spezialisiert auf Founder-Led Branding

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


In einer Welt, in der KI Inhalte massenhaft produziert und Unternehmen täglich neu entstehen, verschiebt sich der entscheidende Wettbewerbsfaktor: weg vom reinen Produkt, hin zum Vertrauen. „Founder Led Branding“ heißt das Konzept, das Gründer:innen dazu bringt, sich selbst als sichtbare Persönlichkeiten ihrer Unternehmen zu positionieren – authentisch, strategisch und mit klarer Botschaft. Anders als beim klassischen Personal Branding geht es dabei nicht nur um die eigene Person, sondern um die enge Verzahnung von Founder-Identität und Unternehmensmission. Studien und Beobachtungen auf LinkedIn zeigen: Beiträge von Personen erzielen deutlich höhere Reichweiten als jene von Unternehmensseiten. Investoren prüfen Profile, bevor sie ein Meeting zusagen. Kunden googeln Gründer, bevor sie kaufen. Wer als Founder unsichtbar bleibt, verliert Deals – noch bevor sie überhaupt verhandelt werden.

Eine, die dieses Thema international bearbeitet, ist Lirone Glikman. Die israelisch-französische Branding-Expertin begann bereits mit 16 Jahren ihre Karriere, indem sie beim CEO eines israelischen Radiosenders an die Tür klopfte und kurz darauf jüngste Radiomoderatorin des Landes wurde. Heute leitet sie ihre Agentur The Human Factor, die sich auf Founder-Led Branding spezialisiert hat, unterrichtet seit über zwölf Jahren in 28 Ländern und ist Autorin des Buchs „The Super Connector’s Playbook“. Zudem ist sie Executive Director des NGO Committee on Sustainable Development – NY, das mit der UNO affiliiert ist. Im Interview spricht sie über die Trust Economy, häufige Fehler von Gründern und darüber, warum es heute nicht mehr genügt, einfach nur ein gutes Produkt zu haben.

brutkasten: Frau Glikman, beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wer sind Ihre Kundinnen und Kunden?

Glikman: Ich pendle zwischen Berlin und Tel Aviv. Meine Klienten sind Startups in frühen oder späteren Phasen, die Sichtbarkeit brauchen; meist dann, wenn sie Kapital aufnehmen, Kunden gewinnen oder in einen neuen Markt eintreten wollen. Dazu kommen Innovationsmanager in Konzernen.

Ein Beispiel ist Celleste Bio, ein israelisches Startup, das als erstes Unternehmen der Welt Milchschokolade mit echter Kakaobutter aus Zellsuspensionskultur-Technologie vorgestellt hat; ein Meilenstein für eine skalierbare, kommerziell tragfähige Kakao-Lieferkette. Jüngst wurde gemeinsam mit Mondelez die erste Tafel produziert, deren Kakaobutter zu 100 Prozent bio-identisch im Labor erzeugt wurde.

Wie nähern Sie sich einem Founder, der mehr Sichtbarkeit braucht?

Zuerst geht es um die Bereitschaft. Viele Gründer wissen, dass sie sichtbar sein müssen – bevor sie einen Raum betreten, ist die Entscheidung beim Investor oft schon teilweise gefallen. Er googelt, schaut auf LinkedIn, gleicht ab, ob das Gesagte zum Gesendeten passt. Unsere Marke arbeitet für uns, bevor wir den Raum betreten – aber zwischen dem Wissen und dem Tun klafft eine Lücke. Viele sind kamerascheu oder arbeiten lieber am Produkt.

Wenn sie zu mir kommen, beginnen wir mit der Strategie. Founder-Persönlichkeit und Unternehmenswerte liegen am Anfang oft sehr nah beieinander. Wir bauen eine Markenidentität auf – authentisch, nicht aufgesetzt. Welche Botschaften, welche Werte, welche Stärken? Ist die Person warm, eher kühl, fürsorglich? Wir nehmen, wer sie sind, und betonen die relevanten Aspekte online.

Was unterscheidet Founder-Led Branding vom klassischen Personal Branding?

Personal Branding ist ein abgenutzter Begriff – wir alle haben eine Marke, ob wir wollen oder nicht. Founder-Led Branding bedeutet, dass man als Gründer bewusst Botschaften platziert, die einem selbst und dem Unternehmen dienen. Heute vertrauen wir Institutionen, großen Namen und Regierungen weniger – wir vertrauen einander.

Wenn Vertrauen zur Währung wird – gerade in einer Welt, in der KI Posts schreibt und Unternehmen über Nacht entstehen lässt – bleibt das Menschliche. Wenn Sie mir vertrauen, vertrauen Sie vielleicht auch meinem Unternehmen.

Auf LinkedIn performt Founder-Content stärker als Unternehmenscontent. Warum?

Der Algorithmus will, dass Sie sich mit einer Person verbinden. Unternehmensbeiträge werden weniger ausgespielt. Es geht um die Verbindung von Mensch zu Mensch.

Was sind die größten Fehler, die Gründer machen?

Erstens: Viele halten Sichtbarkeit für ein „Nice to have“. Damit fehlt die Konsistenz.

Zweitens: Es gibt keinen roten Faden. Wenn man sich Posts der letzten Monate ansieht, sollte ein Muster erkennbar sein. An einem Tag der Urlaub, am nächsten das Unternehmen, dann etwas anderes – das funktioniert nicht. Es braucht Markensäulen.

Drittens: Viele teilen nur Beiträge ihrer Firmenseite oder von Kollegen. LinkedIn mag das nicht. Die Plattform will wissen, was Sie zu sagen haben, was Ihre Kämpfe und Erkenntnisse sind.

Und viertens: Manche gehen zu Medien, die nicht zu ihrer Phase passen. Wenn das Produkt noch nicht reif ist, sollte man etwa in einem Podcast über das Feld sprechen, nicht über die Lösung. Sonst verspricht man zu viel und liefert zu wenig.

Wie viele Posts pro Woche sind realistisch sinnvoll?

Optimal wären zwei pro Woche. Realistisch reicht ein guter, tiefgehender Post pro Woche, der eine eigene Perspektive zeigt. LinkedIn liebt sogenannte „Scar Stories“ – Geschichten von Verletzungen, aus denen man gelernt hat.

Über Fehler zu sprechen ist guter Content?

Ja, weil es verbindet. Es muss nicht der größte Fehler sein. Sie können sagen: Wir haben anfangs in diese Richtung investiert, dann hat sich der Markt verändert, also haben wir gepivotet. Das ist „Building in Public“ – Sie nehmen Ihre Follower mit auf die Reise. Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre eigene Show!

Im DACH-Raum spricht kaum jemand über Misserfolge. Wie ist das in anderen Kulturen?

Es geht nicht darum, sich in schlechtem Licht zu zeigen, sondern Lernerfahrungen zu teilen. Die israelische Kultur ist sehr expressiv und leidenschaftlich. Wir haben Gründer, die ihre tiefen Kämpfe und Frustrationen während des Aufbaus ihres Unternehmens radikal offen teilen. Das gibt anderen Gründern die Erlaubnis, es ihnen gleichzutun – was am Ende sowohl persönlich als auch für das Unternehmen hilfreich ist.

In asiatischen Kulturen, im Baltikum, im DACH-Raum oder in Skandinavien sind Menschen reservierter und risikoaverser. Das ist nicht schlecht – Israelis springen auf jede Idee; manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Die Frage ist: Wie viel kann ich teilen, das mir dient, anderen Wert gibt, mir aber nicht schadet?

Wie misst man eigentlich, ob Sichtbarkeit auch Umsatz bringt?

Anders als im Vertrieb, wo Sie 50 Leute ansprechen und zwei Deals abschließen, geht es hier um Signale. Verbinden sich qualitativ relevante Menschen aus Ihrer Zielgruppe mit Ihnen? Merken Sie, dass Investoren Sie schon kennen, bevor Sie den Raum betreten? Sprechen Menschen über Sie? Das nennt man „Dark Social“ – wenn das passiert, funktioniert Ihre Marke.

Ein konkreter Tipp zur Monetarisierung: Vor jedem Meeting werden Sie beobachtet. Posten Sie zwei oder drei Tage vorher etwas, das Fragen oder Einwände beantwortet, die im Gespräch kommen werden. Wenn Investoren an der Skalierbarkeit zweifeln könnten, schreiben Sie über die Skalierbarkeit Ihrer Branche.

Das ist strategische Kommunikation pur…

Genau. Wenn Sie sich auf ein Meeting vorbereiten, gehört ein LinkedIn-Post auf die To-do-Liste. Sichtbarkeit ist kein Privileg, sondern ein Business-Tool, eine Infrastruktur.

Wie viel Zeit sollte ein Gründer investieren?

Mit KI ist das heute leichter. Erstellen Sie ein Projekt in ChatGPT oder Claude, füttern Sie es mit Ihrer Marke, Werten, Botschaften, kopieren Sie E-Mails oder Texte hinein. Dann sagen Sie: Ich möchte über die Skalierbarkeit unseres Geschäfts schreiben, hier sind drei Punkte. So entstehen Posts in Ihrer Stimme. Minimum: ein Post pro Woche. Sie können sich 30 Minuten wöchentlich Zeit nehmen oder einmal im Monat ein, zwei Stunden für alle Posts.

LinkedIn ist mit KI-Content geflutet. Sehen wir eine Gegenbewegung hin zu mehr Authentizität?

Es heißt, etwa 80 Prozent der Posts seien KI-generiert – ich denke, es sind mehr. Was Sie vermeiden sollten: den langen Gedankenstrich, den alle KI-Tools lieben; und typische Strukturen wie „Don’t do X, do Y“ oder kurze Sätze mit Punkt am Ende. Ich habe gestern in einem Post einen Tippfehler gefunden und ihn drin gelassen – weil er menschlicher ist. Verwenden Sie keine Wörter, die Sie sonst nie benutzen. KI können Sie trainieren, aber vertrauen Sie ihr nicht zu 100 Prozent.

Welche Trends sehen Sie auf LinkedIn?

Authentizität mit eigenem Stil und visuellen Wiedererkennungsmerkmalen. Und Spezifität: LinkedIn will Sie mit relevanten Menschen vernetzen – fokussieren Sie sich also auf Ihr Fachgebiet.

In Österreich gibt es Gründer, die sehr laut auftreten. Birgt das Risiken?

Kulturell, ja. Wenn Sie Wertvolles teilen, das anderen hilft, ist Lautstärke okay. Aber im DACH-Raum kann das Türen schließen. In Israel sind die Menschen wie gesagt von Natur aus lauter und leidenschaftlicher. Heute sehen wir auch einen Shift zu Solopreneuren oder Drei-Personen-Unicorns. Als Solopreneur müssen Sie Ihre Marke draußen haben – das Ziel sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Gibt es internationale Vorbilder?

Jensen Huang von Nvidia versteht, dass er das Gesicht des Unternehmens ist. Auf seinem LinkedIn-Profil steht Nvidia und davor ein Job als Tellerwäscher in einem Burgerladen.

Oder Sam Altman: Vor drei Jahren, als die Menschen Angst vor OpenAI hatten, machte er mit seinem Mitgründer eine Welttournee, traf Menschen auf Events. Sie nutzten ihre Founder-Marke, um Botschaften zu transportieren und Vertrauen aufzubauen.

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