01.06.2017

Pioneers 2017: Ein Browser für alle

Jon von Tetzchner war bereits an der Gründung von Opera beteiligt. Mit Vivaldi hat er 2013 ein neues Projekt gestartet. Die Idee dahinter: Ein Browser, der möglichst vielen Personen einen Internetzugang ermöglichen, und die Privatsphäre schützen soll.
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Jon Tetzchner

Ein Produkt auf den Markt bringen, das nicht nur technischen, sondern auch ethischen Standards entspricht – das hat sich Jon von Tetzchner zur Aufgabe gemacht. Nachdem er Opera 1995 mitgegründet hatte und 17 Jahre für das Unternehmen tätig war, entschied er sich 2013, einen neuen Weg einzuschlagen. Wieder gründete er eine Browser-Company, diesmal mit dem Namen „Vivaldi“ Warum? „Weil ich wusste, dass es genug User gibt, die unglücklich sind und nach einer Alternative zu ihrem aktuellen Browser suchen“, sagt er.

Internet für alle

Das Hauptanliegen des Unternehmens sei es, das Internet für alle (wirklich alle) Menschen zugänglich zu machen. Selbst in Ländern mit einer online-affinen Bevölkerung gäbe es noch genug Menschen, die keinen Zugang zum Internet hätten. Das liegt nicht immer nur an einer schlechten geographischen Lage, sondern auch an körperlichen Beeinträchtigungen wie etwa schlechtem Sehvermögen oder auch am Mangel geeigneter Hardware. Gerade deshalb müsse man bei der Entwicklung jedes Features die einzelnen Nutzer vor sich haben und sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren. Dabei lautet Tetzchners Mantra: „When in doubt, make it an option“.

Redaktionstipps

Privatsphäre zählt

Um Vivaldi einer größtmöglichen Anzahl an Benutzern zugänglich zu machen, arbeitet das Unternehmen mit Freiwilligen zusammen, die es in fünfzig Sprachen übersetzen. Außerdem werden die User dazu aufgerufen, sich auf der Community Site miteinander auszutauschen. Und Tetzchner hat noch eine weitere Doktrin: „Privacy matters“. Nur weil es technisch möglich sei, wäre es ethisch dennoch nicht korrekt, Userdaten weiterzuverkaufen, meint er.

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Die Hone-Gründer vl.: Carlo Kobe, Moritz Stephan und Oliver Brady | (c) Hone
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Er war gerade einmal 17 Jahre alt, als brutkasten 2017 erstmals über ihn berichtete. Damals hatte der Wiener Moritz Stephan gemeinsam mit Konstantin Klinger, mittlerweile Co-Founder und CEO des millionenfinanzierten Londoner Startups Seamflow, sein erstes Startup-Projekt gestartet. Mit dem Bücher-Lieferservice Lobu wollten die beiden Schüler der Wiener Hochbegabten-Schule Sir Karl Popper Schule damals Amazon und Co. lokal die Stirn bieten und holten sich wenig später eine kleine Investmentzusage bei 2 Minuten 2 Millionen.

Ein weiteres Mal war von Stephan im Jahr 2020 als Co-Founder des 2016 gegründeten Wiener Neustädter SpaceTech-Startups Tumbleweed zu lesen, das einen windbetriebenen Marsrover bauen wollte. Noch im selben Jahr verließ er aber laut seinem LinkedIn-Profil das Startup. Kein Wunder, war er doch seit 2019 an der Elite-Uni Stanford inskribiert. Eine weitere Gründung, diesmal mit Y-Combinator-Teilnahme, und einige Jobs, unter anderem bei Sarah Buchners Trunk Tools und zuletzt beim AI-Scaleup Cognition, folgten. Im Mai dieses Jahres ging Stephan schließlich gemeinsam mit den Co-Foundern Oliver Brady und Carlo Kobe, mit dem er bereits zuvor gemeinsam gegründet hatte, mit dem KI-Startup Hone an den Start.

„AI Engines“ als nächste Ausbaustufe über KI-Agenten

Das Produktversprechen von Hone: „AI Engines“, die im Unternehmen Ownership für konkrete Resultate übernehmen. „Chatbots geben Antworten. Agenten erledigen Aufgaben. Engines liefern Ergebnisse, und wir geben ihnen die Verantwortung, echten Wert zu schaffen – gemessen in Dollar anstatt in Tokens oder Vibes“, so der Claim des Startups. „Man richtet sie auf eine Geschäftskennzahl aus, und die Engine übernimmt den Rest. Sie arbeitet sich selbst ein, baut die notwendigen Agenten, Fähigkeiten und Wissensspeicher auf, arbeitet mit den richtigen Personen zusammen und wird durch Erfahrung immer besser.“

Von den Unternehmen festgelegte Regeln, an welchen Stellen es menschliche Bestätigung braucht, etwa im Umgang mit sensiblen Daten, sollen dabei für die notwendige Sicherheit sorgen. Man schließe mit „AI Engines“ letztlich eine „große Lücke“ zwischen dem, wozu Frontier-KI fähig ist und dem, was Unternehmen tatsächlich damit herausholen, heißt es von Hone.

„Fünf weitere Moritze“

Das Konzept überzeugte nun auch eine Reihe von Investoren: Mit Benchmark und Index Ventures übernehmen zwei US-VCs den Lead in einer 60 Millionen US-Dollar schweren Finanzierungsrunde nur vier Monate nach der Gründung. Elad Gil, Hanabi, Definition, Diffusion, Lux, SV Angel, and Align komplettieren die Finanzierungsrunde.

In einem Blog-Beitrag von Index Ventures zum Investment heißt es, man habe Stephan bereits in seiner Zeit beim vorigen Arbeitgeber Cognition als Ausnahmetalent kennengelernt. „Weithin als Umsetzungsmaschine angesehen, war er ein Ein-Mann-Entwicklungsteam. Sein Name wurde im Unternehmen zum Synonym für Exzellenz und Produktivität; man sagte nur halbscherzhaft, dass Cognition ‚fünf weitere Moritze‘ bräuchte“, schreiben Shardul Shah und Mark Xu von Index unter anderem.

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