27.06.2025
DROHENDES ENDE

„Letzter Hilferuf“: Wiener MedTech Brightmind.AI braucht Überbrückungsfinanzierung

Via LinkedIn wendet sich Brightmind.AI-CEO Rene Gilvert an die Öffentlichkeit, um sein Startup vor der Schließung zu retten.
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Brightmind.AI-Gründerin Tamara Gerbert, CEO Rene Gilvert und CTO Gregor Kowarik | (c) Brightmind.AI
Brightmind.AI-Gründerin Tamara Gerbert, CEO Rene Gilvert und CTO Gregor Kowarik | (c) Brightmind.AI

Die Geschichte ist in der heimischen Startup-Szene in den vergangenen Jahren leider kein Einzelfall: Das Produkt funktioniert, die Nachfrage ist da, es werden Erfolge und Preise eingefahren – aber auf dem Weg zum erhofften endgültigen Durchbruch entsteht dennoch ein zu großes finanzielles Loch. So erging es nun auch dem Wiener KI-MedTech-Startup Brightmind.AI.

Brightmind.AI: Nicht-invasive Gehirnstimulierung gegen Migräne

Gerade forschungsintensive DeepTech-Startups haben einen hohen Kapitalbedarf auf dem Weg zur Marktreife. Brigthmind.AI ist eines davon. Es hat eine Methode zur nicht-invasiven Gehirnstimulierung (NIBS) entwickelt, um Migräne – und in weiterer Folge weitere neurologische Probleme – zu behandeln (brutkasten berichtete bereits).

17.000 Patient:innen stehen bereit

Das Startup schaffte es damit unter anderem unter die Top 30 beim EIT Health Catapult, wurde in das Venture-Programm der Oxford University Innovation aufgenommen und holte sich ein Investment des heimischen Science-VCs xista. 2022 wurde das Gründer:innen Team von der brutkasten-Community zum „Innovator of the Year“ gewählt. 17.000 Patient:innen stünden gemäß zwei Letters of Intent ab Tag 1 nach dem geplanten Launch zur Behandlung bereit – ein potenzieller mehrstelliger Millionenauftrag, so CEO Rene Gilvert.

Brightmind.AI steht vor „kritischer Funding-Lücke“

Doch es kommt möglicherweise niemals soweit. Denn Brightmind.AI steht vor einer „kritischen Funding-Lücke“, wie Gilvert in einem LinkedIn-Posting schreibt. „Ohne sofortige Unterstützung könnten wir gezwungen sein, den Betrieb einzustellen – und riskieren, eine Plattform zu verlieren, die die Migränebehandlung für Millionen Menschen verändern könnte“, so der Gründer. „Wir suchen aktiv nach Überbrückungsfinanzierungen, strategischen Intros oder Ideen von Unterstützer:innen, die verstehen, was auf dem Spiel steht. Selbst ein kleiner Schritt könnte alles verändern.“ Aufgeben wolle man jedenfalls noch nicht.

„Ohne sofortige Überbrückungsfinanzierung werden wir die Woche nicht überstehen“

In einem weiteren LinkedIn-Posting legt der Brightmind.AI-CEO nach: „Das ist unser letzter Hilferuf.“ Eine Schließung drohe innerhalb von Tagen. Man habe seit dem ersten Posting viel Ermutigung und Solidarität bekommen. „Aber die Realität ist einfach: Ohne eine sofortige Überbrückungsfinanzierung oder eine strategische Intro, die diese ermöglicht, werden wir die Woche nicht überstehen.“

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(c) Adobe Stock

Mit dem Marienkäfer-förmigen Sensor „Mary“, der an der Unterwäsche von Babys und Kleinkindern angebracht werden kann, und dort Vitalwerte wie Temperatur und Atmung misst, wollte das Klagenfurter Startup Sticklett durchstarten. 2016 gestartet, holte man sich 2017 ein sechsstelliges Investment, wie brutkasten berichtete. 2018 schloss man eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne ab, im Jahr danach gab es eine Investment-Zusage in der Show 2 Minuten 2 Millionen – samt Listung bei Bipa. Hinzu kam eine ganze Reihe von Awards in den Folgejahren.

„Geschäftsverlauf ist hinter den Erwartungen geblieben“

Doch der große Durchbruch gelang dem Startup seitdem nicht. Und wie die Kreditschutzverbände nun vermelden, musste das Unternehmen einen Konkursantrag einbringen.

Die Kosten für Produktentwicklung und Markteinführung seien in den ersten Jahren primär durch Eigenmittel und Förderungen gedeckt worden, wird beim AKV aus dem Konkursantrag zitiert. „Der Geschäftsverlauf ist jedoch trotz grundsätzlich guter Voraussetzungen (funktionierende Produkte; funktionierender Produktionsprozess) letztendlich leider hinter den Erwartungen geblieben, da es nicht gelungen ist, die Produktionskosten auf ein solches Maß zu senken, dass auch die Attraktivität und damit die Nachfrage am Markt eine entsprechende Steigerung erfahren hätte.“

Zuletzt geplatztes Millioneninvestment

Für Vertriebs- bzw. Marketingaktivitäten, die es ermöglicht hätten, einen weit größeren Bekanntheitsgrad zu erlangen und damit einen weit größeren Markt zu erschließen, habe das Geld nicht ausgereicht. Zuletzt habe man noch intensiv versucht, Investor:innen zu finden und dabei auch über ein Investment in Höhe von einer Million Euro verhandelt. „Bedauerlicherweise ist es – trotz zunächst auch positiv abgeschlossener Gespräche – dann zu keiner Umsetzung des Investments gekommen“, heißt es von Sticklett. Entsprechend könne man aktuell keine positive Fortbestandsprognose stellen.

Möglicher Sanierungsantrag steht noch im Raum

Insgesamt sind zwölf Gläubiger:innen betroffen. Dienstnehmer:innen hatte das Unternehmen hingegen zuletzt keine mehr. Die Passiva betragen 550.527 Euro. Diesen stehen laut Unternehmensangaben Aktiva von rund 124.000 Euro gegenüber. Es scheint aber noch einen Hoffnungsschimmer für das Startup zu geben: Noch stehe nicht fest, ob ein Sanierungsplan gestellt werden kann oder nicht, heißt es im Konkursantrag.

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