21.08.2018

Venezuela bindet Staatswährung an Kryptowährung Petro

Angesichts von Wirtschaftskrise und Hyperinflation greift Venezuelas Staatspräsident Nicolas Maduro zu einer - vorsichtig ausgedrückt - gewagten Maßnahme.
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Die hyperinflationäre venezolanische Währung Bolivar wurde ausgetauscht (Bolivar Soberano) und zugleich an die Kryptowährung Petro gebunden.
(c) fotolia.com - sunsinger: Die hyperinflationäre venezolanische Währung Bolivar wurde ausgetauscht und zugleich an die Kryptowährung Petro gebunden.

Auf 108.000 Prozent schätzt Bloomberg die jährliche Inflation Venezuelas. Bis zum Jahresende erwarteten Analysten jüngst sogar den Anstieg auf eine Million Prozent. Bereits Anfang des Jahres sah sich der krisengebeutelte Staat daher nach einer Alternative im Krypto-Bereich um und vergab den „Petro“, der an den Ölpreis gebunden ist, in einem ICO. Die Expertenmeinungen zum auf der Ethereum-Blockchain basierten ERC20-Token waren teils wenig schmeichelhaft. Die Rating-Seite ICOindex.com stufte ihn etwa als Scam ein. Dennoch: Der ICO brachte rund drei Milliarden US-Dollar ein. Noch ist der Coin nicht handelbar.

+++ Gute Anlage oder “Staats-Shitcoin”? +++

Neuer „Bolivar Soberano“ wird an Petro gekoppelt

Nun brachte Staatspräsident Nicolas Maduro eine weitere – vorsichtig ausgedrückt – gewagte Maßnahme. Nicht nur setze er den bereits angekündigten Wechsel der Staatswährung Bolivar zum „Souveränen Bolivar“ um – dabei wurden, einfach ausgedrückt, fünf Nullen gestrichen. Zugleich bindet Maduro die neue Staatswährung an die (noch nicht handelbare) Staats-Kryptowährung Petro – mit einem Wechselkurs von einem Petro zu 3600 Bolivar Soberano. Damit ist die Staatswährung über den Umweg der Staats-Kryptowährung an den Ölpreis gekoppelt – theoretisch.

Der Öl-Coin und die „dumb money“-Falle

Denn der Kurs des Petro wird, wie jener aller anderen Kryptowährungen, vom Tagesgeschäft der Trader und damit von den Kursen der großen Coins abhängig sein. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von „dumb money“, im Gegensatz zu „smart money“. Dabei ist eine Nutzung des Ölpreises im südamerikanischen Land durchaus logisch. Venezuela sitzt auf einem der größten Erdölvorkommen der Welt. Im Gegensatz zu anderen Ländern konnte es den Rohstoff-Reichtum bislang aber nicht volkswirtschaftlich nutzen und steckt seit Jahren in einer tiefen Wirtschaftskrise. Die autoritäre Führung rund um Maduro vermag mit ihrer nach Eigendefinition „sozialistischen“ Politik bislang nichts daran zu ändern. In den vergangenen Monaten flüchteten hunderttausende Menschen über die Grenze – vorwiegend ins Nachbarland Brasilien.

⇒ Hintergrundinfos zur Staats-Kryptowährung auf Bloomberg

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© kalkül - Michael Leister (links) und Lukas Weilguny (rechts) von kalkül.

Entstanden ist kalkül aus einem eigenen Problem. Lukas Weilguny und Michael Leister entwickeln als Selbstständige seit 2017 Software für Unternehmen. Als ihr damals genutztes Rechnungsprogramm nach einer Übernahme spürbar schlechter wurde, sahen sie sich nach Alternativen um und testeten mehr als zehn Buchhaltungsprogramme.

„Wir haben kein einziges gefunden, das wirklich einfach und gleichzeitig auf Österreich zugeschnitten war. Buchhaltung ist der langweiligste Teil im Alltag von Selbstständigen. Niemand will stundenlang eine Software lernen, nur um die erste Rechnung zu schreiben. Genau das ändern wir“, erinnert sich Leister.

kalkül: von 1.000 auf 10.000 Nutzer:innen

Also schufen sie 2023 eine eigene Lösung: Ihre Software, die von der we-dev e.U. betrieben wird, dient der Erstellung von Angeboten und Rechnungen, führt die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung mit und deckt Mahnwesen und Zahlungsabgleich ab. Laut Unternehmen ist sie auf die österreichischen Steuervorgaben abgestimmt.

Im November 2024 zählte kalkül 1.000 Nutzer:innen, im Februar 2026 waren es 5.000. Seither hat sich die Zahl innerhalb von sieben Monaten noch einmal verdoppelt. Treibende Kraft hinter dem organischen Wachstum waren den Gründern zufolge persönliche Empfehlungen und die Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Bezahlte Werbeanzeigen testen die Gründer erst seit Kurzem. Das Unternehmen ist eigenfinanziert und hat bis heute keine externe Finanzierung aufgenommen.

Allgemein wird der Markt für Rechnungssoftware im deutschsprachigen Raum von deutschen Anbietern dominiert. Österreich werde dort meist nur als kleines Nischenland mitgedacht. Besonderheiten wie Kleinunternehmerregelung, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, BAO-Aufbewahrungspflichten oder Verzugszinsen nach österreichischem Recht werden oft nur oberflächlich abgedeckt, sagen die Founder. Kalkül sei hingegen exakt für diesen Markt gebaut, inklusive Rechnern für Einkommensteuer, SVS-Beiträge, Gewinnfreibetrag und Abschreibungen.

Freemium-Modell

Um Selbstständige gerade zu Beginn zu entlasten, setzt kalkül auf ein Freemium-Modell: Kernfunktionen wie Angebote, Rechnungen, Mahnwesen und die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sind ohne Limits dauerhaft kostenlos. Ein Abo indes schaltet Zusatzfunktionen wie den automatischen Bankabgleich mit über 2.600 Banken frei. Der überwiegende Teil der 10.000 Nutzer:innen verwendet die Gratisversion, wie man mitteilt.

„Als wir das Abo eingeführt haben, gab es dafür wochenlang praktisch keine exklusiven Funktionen. Trotzdem haben Leute bezahlt, einfach um die Entwicklung zu unterstützen. Das war für uns das ehrlichste Feedback, das wir bekommen konnten“, sagt Weilguny.

Integrierte Registrierkassenlösung als nächster Schritt

Als nächsten großen Schritt kündigen die Gründer eine integrierte Registrierkassenlösung an. Parallel baut kalkül die Zusammenarbeit mit Steuerberatern aus: Enger Partner ist die Linzer Kanzlei Raml & Partner, die zwölffach als „Steuerberater des Jahres“ (in der Kategorie „Allrounder Oberösterreich“) ausgezeichnet wurde. Weitere Kooperationen sind geplant. Mittelfristig soll außerdem eine KI-gestützte Belegerkennung Ausgaben automatisch auslesen und kategorisieren.

Welche Funktionen zuerst kommen, entscheidet – laut Foundern – weitgehend die Community: Je häufiger ein Feature angefragt wird, desto weiter rückt es nach vorn. „Wir wollen das einfachste Rechnungsprogramm für Selbstständige in Österreich sein“, sagt Leister. „Mit 10.000 Nutzern sind wir ein gutes Stück weiter, aber bei 376.112 Ein-Personen-Unternehmen im Land haben wir noch viel vor uns.“

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