02.01.2020

Startup Bobsla entwickelt „Mini-Schneeraupe“ für mutige Wintertouristen

Touristen in Obergurgl können am diesem Winter nicht nur snowboarden und skifahren, sondern auch mit einem Mini-Schneemobil namens Bobsla in der Gegend herumdüsen. Erfinder Sergey Ignatyev erläutert dem brutkasten die Hintergründe seines Startups.
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Schneemobil Bobsla in Obergurgl
(c) Bobsla

Touristen in Obergurgl im Ötztal können sich neben dem herkömmlichen Skifahren und Snowboarden mit einer weiteren Attraktion die Zeit vertreiben: Bobsla – ein Gerät, das optisch an eine Mischung aus Schneepflug und Go-Kart erinnert und von den Gästen über einen Schnee-Parcours gesteuert wird. Hinter dem Konzept steht die Bobsla GmbH, welche von österreichischen und russischen Ingenieuren rund um Founder und CEO Sergey Ignatyev gegründet wurde.

Bobsla: Elektrisches Winter-GoKart aus Tirol

„Die Idee kam mir, weil ich Rennen, Schnee und die Berge liebe, aber selbst nicht sportlich genug für Skifahren oder Snowboarden bin“, sagt Ignatyev zum brutkasten. Im Jahr 2018 kündigte er seinen Corporate-Job, um sich Vollzeit dem Startup zu widmen und zog von Moskau nach Tirol: „Denn Österreich ist ein sehr startup-freundliches Land, und Innsbruck ist der ‚Place-to-be‘ für Innovationen im Wintersport.“ Unter anderem gewann Bobsla das Interesse der Austrian Business Agency und diverser Tiroler Institutionen,  wodurch das Produkt in Innsbruck gelaunched werden konnte.

+++Crystal Clear Air: Tiroler verkauft Luft in Dosen+++

Mit wenig privatem Geld fokussierte man sich somit darauf, eine Nische zu bedienen: Wintersport-Unterhaltung, die mit einem Outdoor-Gokart vergleichbar ist und elektrisch betrieben wird – also ohne Motorenlärm und lokale Emissionen. Sicherheit, Einfachheit und Haltbarkeit sind dabei die wichtigsten Faktoren: Bobsla hält laut Ignatyev G-Kräften von 3,5 G stand. Ein Teil des Spaßes ist auch der Tatsache geschuldet, dass der Fahrer nahe am Boden sitzt. „Dadurch ist das Gefühl der Geschwindigkeit noch viel beeindruckender“, sagt der Bobsla-Erfinder.

Wenig Kapital für das Tiroler Schneemobil

Die Einfachheit des Bobsla erlaubte es den Gründern, ihr Produkt in sehr kurzer Zeit zu launchen: Die Erfindung wurde 2018 gemacht, das Unternehmen im Sommer 2019 gegründet und schon im Dezember verschickte man die ersten vier Exemplare. Obergurgl ist dabei das erste Ressort in Österreich, zudem gibt es B2B-Kunden in Skandinavien.

+++Die größten Startup-Investments in Österreich 2019+++

Die Founder haben dabei keine großen Summen benötigt. „Wir hatten lediglich ein paar hunderttausend Euro von Freunden und Familie, sowie von einem Angel Investor“, sagt Ignatyev. Das Team arbeitet sehr kosteneffizient und kann daher noch eine Zeit lang ohne weiteres fremdes Geld arbeiten. „Zugleich ist die Idee aber auch zu großartig, um sie ohne die Hilfe anderer umzusetzen“, sagt er weiters. Mit anderen Worten: Nun werden Investoren gesucht. Unter anderem geht es dabei um die Bearbeitung des nordamerikanischen Marktes: Schon jetzt kommen die ersten Anfragen aus den USA, und die USA und Kanada machen laut Ignatyev gemeinsam rund 80 Prozent des Schneemobil-Weltmarktes aus.

Bobsla für Kinder und den Sommer

Derzeit liegt der Fokus noch auf dem B2B-Segment: Das Team adressiert Skiressorts, die mit dem Bobsla ihre Gäste unterhalten können. Mit zunehmendem Kapitalpolster und mehr Aufmerksamkeit für das Produkt will man aber auch den B2C-Markt ansprechen – zuerst die Sport-Enthusiasten, und später auch zum Beispiel Kinder. Dabei zieht der Founder Parallelen zum mehrere hundert Millionen Euro schweren eBike-Markt: Hier fährt man elektrisch den Berg hinauf, um anschließend wieder hinunter zu rasen. „Wir werden das Gleiche bieten, aber im Schnee“, sagt er: „Und außerdem möchte ich als Vater von drei Kindern einen Schlitten entwickeln, den Eltern nicht den Berg hinauf zerren müssen.“

Zudem wurde bereits eine Sommer-Version des Bobsla getestet. „In den Tests hat sich herausgestellt, dass die Nutzung den Usern wirklich viel Spaß macht“, sagt Ignatyev: „Wir hoffen, schon im kommenden Sommer die ersten Auslieferungen machen zu können.“

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Mit ihrer Reverse-Mentoring-Agentur forciert Ines Hanusch Zukunftssicherheit in Wirtschaft und Politik. © brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Wir leben in einer paradoxen Arbeitswelt: Führungskräfte werden für ihr über Jahrzehnte angesammeltes Wissen bezahlt doch exakt dieses Erfahrungswissen kann angesichts rasanter technologischer und kultureller Umbrüche zum blinden Fleck werden. Genau hier setzt eine Methodik an, die traditionelle Rollenbilder auf den Kopf stellt: Reverse Mentoring.

Ines Hanusch, Gründerin der Reverse-Mentoring-Agentur bond & grow, begleitet Unternehmen und Politik bei diesem Paradigmenwechsel. Für sie ist der Kerngedanke simpel, aber radikal: „Beim klassischen Mentoring lernt die Jüngere von der Erfahreneren. Beim Reverse Mentoring ist es umgekehrt: Die Führungskraft sitzt in der Lernenden-Position gezielt, strukturiert und vor allem nicht nebenbei.“

Kein Kaffeetratsch und keine Therapie

Doch was genau ist Reverse Mentoring in der Praxis? Hanusch wird nicht müde zu betonen, was es nicht ist: Es sei kein lockeres Kaffeegespräch, kein Coaching mit einer einzigen Zielvorgabe und schon gar keine Therapie. Auch der oft gehörte Einwand, man könne sich doch einfach mit den eigenen Kindern austauschen, greift für die Expertin ins Leere: „Mit den eigenen Kindern teile ich eine Sozialisation, ein Machtgefälle, ob ich will oder nicht.

Das Kind wird mir vieles nicht sagen, und ich werde vieles nicht hören wollen.“ Wahre Wirkung entstehe erst durch psychologische Sicherheit ohne persönliche Verstrickung eine Atmosphäre, in der ein junger Mensch kein Interesse daran hat, zu gefallen, sondern ehrlich zu sein.

Der Blick von innen: Reibung als Chance

In klassischen Organisationen verhindert die Hierarchie oft genau jenen Raum der psychologischen Sicherheit, in dem ungefiltert und ohne Angst vor Konsequenzen gesprochen werden kann. Ines Hanusch beschreibt das systematische Dilemma eindrücklich: Je weiter Führungskräfte auf der Karriereleiter nach oben klettern, desto mehr manifestiert sich die Angst vor Inkompetenz und Statusverlust. „Wenn Top-Entscheider:innen plötzlich von jemandem lernen, der dreißig Jahre jünger ist, entsteht unweigerlich intensive Emotion, Irritation und Reibung“ – doch exakt in diesen Momenten verankert sich laut Hanusch der größte Lerneffekt.

Wie sich dieser Rollentausch in der Realität anfühlt, schildert eine 21-jährige Mentorin, die im Rahmen von bond & grow Top-Entscheider:innen begleitet. Kristin Barnowsky sieht in ihrer Aufgabe eine enorme Verantwortung: Für sie bedeutet Reverse Mentoring, erfahrenen Führungskräften neue Perspektiven mit auf den Weg zu geben und dabei auch hin und wieder Reibung zu erzeugen“. Nervosität vor dem ersten Aufeinandertreffen ist keine Seltenheit, wie sie verrät. Ihr persönlicher mentaler Trick für das erste Meeting? „Ich stelle mir einfach vor, dass die Person mich bereits mag und ich sie auch. Dadurch gehe ich wesentlich natürlicher, authentischer und positiver in das Gespräch.“

Die größte Herausforderung im laufenden Prozess ist für sie das Gespür dafür, wie tief man in die Glaubenssätze des Mentees eindringen darf. Wenn auf Mentee-Seite Widerstand entsteht, stecke dahinter oft eine unbewusste Angst; etwa das Gefühl, nicht gehört oder gesehen zu werden. Es erfordere Empathie und präzises Timing, unangenehme Themen anzusprechen, ohne die Führungskraft emotional zu überfordern, erklärt die 21-Jährige.

Für wen das Konzept geeignet ist – und wann es scheitert

Die Zahlen sprechen für sich, doch Reverse Mentoring ist kein Selbstläufer. Laut Hanusch eignet es sich primär für Führungskräfte, die Nichtwissen als Startpunkt und nicht als Schwäche betrachten. In hierarchisch geprägten Unternehmen erfordere das immense Größe. „Statusverlust berührt das Selbstbild direkt, und das ist unbequem“, analysiert Hanusch. Viele Führungskräfte fürchten den Moment, in dem sie erkennen müssen, dass jemand, der viele Jahre jünger ist, über entscheidendes Know-how verfügt – sei es über moderne Arbeitskulturen, neue Konsumgewohnheiten oder schlicht den Umgang mit Unsicherheit in Krisenzeiten.

Wann also scheitert Reverse Mentoring? Die Expertin zieht eine klare Grenze: „Ich rate ab, wenn Unternehmen Reverse Mentoring als Imagemaßnahme einsetzen wollen, ohne wirkliche Bereitschaft, etwas zu verändern.“ Ohne intrinsische Motivation beider Seiten, einen geschützten Rahmen und professionelles Matching wird das Format zur reinen Simulation.

Innovation durch unbefangenes Denken

Wenn die Rahmenbedingungen jedoch stimmen, entpuppt sich Reverse Mentoring als machtvoller Innovationsmotor. In vielen Branchen sind junge Menschen näher an der Zielgruppe oder stellen diese gar selbst dar. Sie spüren kulturelle Trends früher und besitzen den Mut, Unbequemes auszusprechen. Kristin Barnowsky erlebt das regelmäßig in ihren Mentoring-Sessions, etwa wenn es um künstliche Intelligenz, Automatisierung von Workflows oder den Einsatz von Social Media geht. Doch der tiefere Wert liegt oft jenseits der Technologie: Es geht um das Hinterfragen erstarrter Prozesse. „Oft sehen die Dinge, die uns Sorgen machen, nur für uns so aus; aus einer anderen Perspektive sind sie plötzlich Chancen für innovative Veränderungen“, resümiert die Mentorin.

Letztlich profitiert nicht nur die Führungskraft auch die jungen Mentor:innen wachsen, bauen sich ein Netzwerk auf und erleben direkte Selbstwirksamkeit. Die wichtigste Frage für Ines Hanusch: „Was, wenn du von denen lernst, die bisher nicht gefragt wurden? Es tut manchmal weh, sich spiegeln zu lassen. Aber nur so entsteht Fortschritt.“ In einer Wirtschaft, die händeringend nach Fachkräften und neuen Wegen sucht, könnte die Bereitschaft, vom Nachwuchs zu lernen, bald über die Existenz von Unternehmen entscheiden. Oder wie Ines Hanusch sagt: „Wer heute keine Kultur des gegenseitigen Lernens etabliert, verliert morgen den Anschluss bei existenziellen Themen wie Mitarbeiterbindung und Innovation.“

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Startup Bobsla entwickelt „Mini-Schneeraupe“ für mutige Wintertouristen

Touristen in Obergurgl im Ötztal können sich neben dem herkömmlichen Skifahren und Snowboarden mit einer weiteren Attraktion die Zeit vertreiben: Bobsla – ein Gerät, das optisch an eine Mischung aus Schneepflug und Go-Kart erinnert und von den Gästen über einen Schnee-Parcours gesteuert wird. Hinter dem Konzept steht die Bobsla GmbH, welche von österreichischen und russischen Ingenieuren rund um Founder und CEO Sergey Ignatyev gegründet wurde. Unter anderem gewann Bobsla das Interesse der Austrian Business Agency und diverser Tiroler Institutionen,  wodurch das Produkt in Innsbruck gelaunched werden konnte. Die Einfachheit des Bobsla erlaubte es den Gründern, ihr Produkt in sehr kurzer Zeit zu launchen: Die Erfindung wurde 2018 gemacht, das Unternehmen im Sommer 2019 gegründet und schon im Dezember verschickte man die ersten vier Exemplare. „In den Tests hat sich herausgestellt, dass die Nutzung den Usern wirklich viel Spaß macht“, sagt Ignatyev übere eine getestete Sommer-Version: „Wir hoffen, schon im kommenden Sommer die ersten Auslieferungen machen zu können.“

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