16.03.2022

Größte Bank als Partner: Wiener FinTech will in Nigeria durchstarten

Das FinTech Bluecode startete mit seiner Payment-Lösung eine Kooperation mit drei nigerianischen Banken. Weitere folgen bald.
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Bluecode ermöglicht Zahlungen über das Smartphone.
Bluecode ermöglicht Zahlungen über das Smartphone. | Foto: © Bluecode

Als heimisches FinTech mit einer Payment-Lösung ausgerechnet nach Nigeria zu expandieren, kann als gewagt gesehen werden, hat das bevölkerungsreichste Land Afrikas doch selbst eine florierende FinTech-Szene. Doch eben das hat das Wiener Unternehmen Bluecode nun gemacht (Anm.: operativer Sitz in Wien, Firmensitz in der Schweiz). In einer Aussendung bezeichnet man Nigeria als „einen der dynamischsten Payment-Märkte der Welt“.

Bei drei Banken bereits integriert, größte Bank des Landes folgt bald

Seit Jänner kooperiert man mit drei nigerianischen Banken, die zusammen auf rund sieben Millionen Kund:innen kommen. Sie bieten nun auch Bluecode als Bezahloption an. Zudem ist das System an die nigerianische NIBSS Instant Payment-Plattform angeschlossen, wodurch Transaktionen über die App des FinTechs oder deren Partner in Echtzeit durchgeführt werden. Händler bekommen bei Zahlungen bereits nach wenigen Sekunden eine Eingangsbestätigung. Weitere Banken wie die United Bank of Africa mit mehr als 21 Millionen Kund:innen und die Neobank Kuda mit knapp 1,5 Millionen Nutzer:innen hätten die Integration ebenfalls bereits gestartet, heißt es vom Unternehmen.

Bluecode: Auch Europa würde von Instant Payment profitieren

Bluecode-CEO Christian Pirkner bringt sieht in einer Instant Payment-Lösung auch potenzielle Vorteile für Europa: „Auch in Europa ist die Umsetzung von Instant Payment mit Bluecode möglich. Von Bluecode Instant Payment-Transaktionen würden Konsumentinnen und Konsumenten sowie Händler aber auch die Kreditwirtschaft vielfach profitieren“. Er wiederholt zudem seinen Anspruch sich als globaler Anbieter positionieren zu wollen: „Wir möchten den Export europäischer Payment-Innovation in die ganze Welt fördern und liefern unser ‚Payment Scheme-as-a-Service‘ an die Kreditwirtschaft des jeweiligen Landes. Es inkludiert flexible Akzeptanztechnologien für Händler und Ihre Banken, Technologie für die Integration in die Rechenzentren und die Apps der Zahler“. Zudem stelle es ein „rechtliches und kommerzielles Rahmenwerk im Sinne alle Teilnehmer“ dar.

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Teamfoto Klartext AI | (c) Leandra Schurz Photography

Elektronikprodukte enthalten wertvolle Rohstoffe, werden aber häufig so entwickelt, dass sie sich nicht einfach reparieren, wiederverwenden oder recyceln lassen. Das Wiener Startup Klartext AI will mit Künstlicher Intelligenz dazu beitragen, das zu ändern. Das 2025 gegründete Unternehmen entwickelt KI-Lösungen für unterschiedliche Anwendungsbereiche, darunter doclarity, ein Tool zur Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente. Im Rahmen des Eureka-Forschungsprojekts „ManageR“ entwickelt es einen KI-Assistenten, der Elektronikhersteller bei Entscheidungen zur Kreislaufwirtschaft unterstützen soll. Dafür erhält Klartext AI eine Förderung von rund 250.000 Euro von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

Das Projekt startete am 1. Oktober 2026 und läuft über drei Jahre. Klartext AI ist dabei für die KI-Technologie zuständig und entwickelt den sogenannten ‚ManageR Copilot‘. Dieser soll Informationen über Produkte, Materialien und gesetzliche Vorgaben zusammenführen und daraus Handlungsempfehlungen ableiten.

KI soll Reparatur und Wiederverwendung bewerten

Im Mittelpunkt von ManageR steht ein digitales Bewertungs- und Optimierungstool. Dieses soll Unternehmen dabei helfen, für einzelne Produkte und Komponenten geeignete Kreislaufstrategien zu finden. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, ob Bauteile repariert, wiederverwendet, aufbereitet oder recycelt werden sollten. Die Software soll in unterschiedlichen Phasen des Produktlebenszyklus zum Einsatz kommen – etwa bei der Entwicklung oder im Einkauf. Je nach Lebenszyklusphase soll das System unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Neben ökologischen Faktoren soll dabei auch die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden.

Eine Herausforderung ist dabei die Vielzahl an benötigten Informationen. Dazu zählen etwa Produktstücklisten, Materialdaten, regulatorische Anforderungen und branchenspezifisches Fachwissen. Diese Informationen sind häufig auf unterschiedliche Systeme und Abteilungen verteilt oder liegen bei einzelnen Experten. Das Wiener Startup entwickelt deshalb ein KI-Agentensystem samt Benutzeroberfläche, das die Daten verknüpfen soll. Ein besonderer Schwerpunkt liegt laut Anna Poledna, Business Development bei Klartext AI, auf der Nachvollziehbarkeit: Nutzer sollen erkennen können, auf welchen Informationen und Quellen die Vorschläge beruhen. Technologisch setzt das Startup dafür unter anderem auf Wissensgraphen und Multi-Agenten-Systeme.

Eine Rolle bei der Entstehung des Projekts spielten laut Poledna auch neue EU-Vorgaben. Die Ökodesign-Verordnung (ESPR) soll unter anderem die Langlebigkeit und Reparierbarkeit von Produkten verbessern. Der Digitale Produktpass soll künftig Informationen zu Materialien, Reparaturmöglichkeiten und Umweltauswirkungen verfügbar machen.

Zusammenarbeit mit Fraunhofer und Industrieunternehmen

An ManageR sind neben Klartext AI das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), die Universität Stuttgart sowie die deutschen Unternehmen ifm und Ansmann beteiligt. Fraunhofer koordiniert das Projekt und entwickelt unter anderem ein Bewertungsmodell, während die Universität Stuttgart ihre Expertise in der Ökobilanzierung einbringt. Die beiden Industrieunternehmen stellen ein 3D-Kamerasystem und ein Ladegerät zur Verfügung, an denen die Technologie getestet werden soll.

„Für uns ist es großartig, dass wir unsere KI-Forschung direkt in die Anwendung bringen können. In ManageR entwickeln wir gemeinsam mit führenden Forschungseinrichtungen neue Methoden und testen sie gleichzeitig an echten Industrieprodukten“, sagt Poledna.

Nach Abschluss des Forschungsprojekts im September 2029 soll die Technologie laut Poledna kommerziell angeboten werden. Geplant ist, sie künftig auch für weitere Elektronikprodukte einzusetzen. Wie breit das System anwendbar sein wird, hängt insbesondere von der Verfügbarkeit entsprechender Daten ab.

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