03.09.2018

„Blockchain wird Industrien neu definieren und den Welthandel verändern“ – Odelia Torteman, Deloitte Israel

Für Odelia Torteman von Deloitte Israel (Head of FinTech & Blockchain) waren Kryptowährungen erst der Anfang. Sie glaubt, dass die Blockchain in Zukunft verändern wird, wie viele Branchen heute funktionieren. Wir sprachen mit ihr auf dem Forum Alpbach.
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Odelia Torteman von Deloitte Israel sprach mit uns auf dem Forum Alpbach über die Zukunft der Kryptowährungen und der Blockchain.
(c) derbrutkasten. Odelia Torteman von Deloitte Israel sprach mit uns auf dem Forum Alpbach über die Zukunft der Kryptowährungen und der Blockchain.

Auf dem Forum Alpbach führten wir mit Odelia Torteman am 30.08. ein Live-Interview in englischer Sprache. Der folgende Artikel verwendet Teile des Interviews in deutscher Übersetzung. Das vollständige Video-Interview gibt es unten zu sehen.

Odelia Torteman: Kryptowährungen waren erst der Anfang

„Bitcoin und andere Kryptowährungen waren erst der Beginn und der erste Use Case der neuen und innovativen Blockchain-Technologie. Ich denke, 2017 war in der Tat das Jahr für Kryptowährungen, was die Bekanntwerdung betrifft“, summiert Odelia Torteman, Head of FinTech & Blockchain bei Deloitte Israel, im Interview mit derbrutkasten auf dem Forum Alpbach. Sie glaubt aber auch, dass die Technologie und das was sie bereit halte, viel Potential habe, viele Strukturen aufzubrechen. Kryptowährungen seien hier erst der Anfang gewesen.

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Use Cases in Supply Chain, Regierung und Gesundheitswesen

Die Technologie sei noch jung und müsse sich noch stark verändern und anpassen, um besser auf Use Cases zu passen, in denen sie Anwendung finden soll. Der Finanzsektor sei der erste und offensichtlichste Use Case. Aber auch in der Supply Chain, Regierung, im Gesundheitswesen, oder Herstellung gebe es weitere Anwendungsmöglichkeiten. 2017 sei auch das Jahr der ICOs gewesen. Ein dringend notwendiger regulatorischer Rahmen sei hier erst am Entstehen, der aber essentiell ist für die weitere Professionalisierung und Entwicklung des Bereichs.

Investments mit Kryptowährungen?

„Die Blockchain hat ihre eigenen Charakteristika. Die Technologie kann also nur genutzt werden, wenn die Eigenschaften richtig sind für die mögliche Verwendung.“ Im Laufe der Zeit werde sich die Technologie ihrer Meinung nach so verändern, wie der Markt sie brauche. Hierbei komme es darauf an, inwiefern sie bestimmte Prozesse effizienter gestalten könne. Schon jetzt gebe es spannende Use Cases für Banken. Sie hält es für wahrscheinlich, dass zukünftig auch Investments über Kryptowährungen laufen könnten.

Regierungen experimentieren mit Blockchain

„Viele weitere Branchen werden sich mit der Blockchain beschäftigen. 2018 und 2019 sind die Jahre, in denen die Technologie zur Marktreife gebracht wird und spezielle Use Cases in verschiedenen Branchen auftauchen werden. Sie wird Industrien neu definieren, und verändern, wie wir heute auf Welthandel und Ökonomie blicken.“ Zunächst werden nach Einschätzung von Odelia Torteman der Finanz- und Versicherungssektor die Technologie mehr und mehr annehmen. Die Niederlande experimentiere bereits mit der Blockchain, beispielsweise was die digitale Indentität der Bürger betrifft. Und erst kürzlich hat Venezuela die eigene Staatswährung an eine Kryptowährung gebunden.

Odelia Torteman im Interview über die Zukunft der Blockchain

The #Bitcoin hype was yesterday. What will the future of #cryptocurrencies bring? Odelia Torteman, #FinTech Sector Manager at Deloitte Israel, in live interview with Dejan Jovicevic.

Gepostet von DerBrutkasten am Donnerstag, 30. August 2018

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Mitarbeiterbeteiligung - Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu
Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

Transkribus ist eine KI-Plattform, die historische Handschriften automatisch erkennt. Entstanden ist sie an der Universität Innsbruck, heute ist sie als Europäische Genossenschaft organisiert und wird weltweit von Archiven und Forschenden genutzt. Ein Paradebeispiel für ein akademisches Spinoff, nur eben keines aus der Technik, sondern aus den Geisteswissenschaften. Genau solche Gründungen will ein neuer Ausgründungsrahmen künftig systematisch ermöglichen.

„SHAPE Austria“ wurde im Rahmen der ECN-Konferenz von Werner Wutscher (New Venture Scouting) und Sektionschef Elmar Pichl vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy. Der Bericht ergänzt den Ausgründungsrahmen von 2024, der den Hochschulen erstmals einheitliche Standards für Spinoffs vorgab. „Da war der klare Fokus auf skalierbare, technologieorientierte Startups. Die Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Künste sind zu kurz gekommen“, sagt Wutscher. Das Ministerium habe den Rahmen komplettieren wollen.

27 Institutionen in der Arbeitsgruppe

Erarbeitet wurde der Bericht von November 2025 bis Juni 2026 mit einer Arbeitsgruppe aus 27 Institutionen, darunter 16 Hochschulen von der Universität Wien über das Mozarteum bis zur Kunstuniversität Linz. Dazu kamen Interviews mit 16 Einrichtungen, die bereits weiter sind, etwa dem britischen ARC Accelerator, der Erasmus University Rotterdam oder der Universität Köln.

Das Ergebnis sind elf Empfehlungen, sechs an die Leitungsebene der Hochschulen, fünf an Transferstellen und Career Center. „Um auch strategische Themen zu diskutieren, braucht man unbedingt auch die Leitungsebene, also die Rektorate für diese Diskussionen“, so Wutscher.

Andere Sprache, andere Strukturen

Der zentrale Befund: Gründungen aus diesen Disziplinen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen selten aus einer Marktchance, sondern aus einem gesellschaftlichen Problem. Im Bericht ist von „Reluctant Founders“ die Rede, Menschen, die nicht primär ein Unternehmen aufbauen, sondern etwas verändern wollen. „Du musst sehr stark über die Wirkung reden, über den Impact reden, um die dann gut abzuholen“, sagt Wutscher. Empfohlen wird ein „Prinzip der Zweisprachigkeit“: nach innen Wirkungssprache, nach außen klassische Startup-Begriffe, damit Finanzierung und Netzwerke nicht verschlossen bleiben. Statt von Kund:innen spricht man dann von Audiences.

Strukturell sind SHAPE-Gründungen meist günstiger und schneller als Tech-Spinoffs: kein Labor, kein Patentierungsprozess, kürzere Validierungszyklen. Dafür braucht es niederschwellige, mehrstufige Begleitung und offene Rechtsformen. Statt der GmbH kann auch ein Verein, eine Genossenschaft oder ein Hybridmodell passen. „Wenn du einen Verein gründest, um Gesundheitspolitik zu promoten, brauchst du kein Labor“, so Wutscher.

Soft IP statt Patente

Ein eigener Schwerpunkt gilt dem geistigen Eigentum. Wo keine Patente entstehen, sondern Urheberrecht, Software, Daten oder Know-how, greifen die üblichen IP-Richtlinien nicht. Der Bericht empfiehlt getrennte Regeln für Hard und Soft IP mit deutlich günstigeren Konditionen und nennt als Benchmark die University of Bristol: 20 Prozent Beteiligung bei patentbasierten Spinoffs, fünf Prozent bei „IP light“, null Prozent ohne verwertbares IP. Leitprinzip: so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig, inklusive Creative-Commons- und Open-Source-Lizenzen.

Weil die Wirkung im Vordergrund steht, sollen Hochschulen auch nicht auf Lizenzeinnahmen hoffen, sondern Impact messen. Anlage 1 des Berichts liefert dafür beispielhafte Indikatoren, von erreichten Nutzer:innen bis zu Impact Case Studies.

Netzwerk und gemeinsames Programm

Weil die Pipelines einzelner Hochschulen klein sind, empfiehlt der Bericht ein österreichweites SHAPE-Netzwerk nach dem Vorbild des britischen Aspect Network und ein gemeinsames Frühphasenprogramm, angedockt an bestehende Strukturen wie AplusB, ECN oder die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. New Venture Scouting koordiniert dafür ein Jahr lang Quartalstreffen der Arbeitsgruppe. Dazu kommt die Forderung, Transfer und Gründung in Berufungen und Evaluierungen anzuerkennen, im Sinne der CoARA-Initiative, die von rein publikationsbasierten Metriken abrücken will.

Die Beispiele in Anlage 2 reichen von ArtWave, einem Startup zweier Opernsängerinnen für Stressreduktion und Burnout-Prävention, über die Praxissoftware freudio für Psychotherapeut:innen bis zur Kärntner Freiwilligenplattform inmojo. „Wir haben noch sehr wenige. Deswegen haben wir den Ausgründungsrahmen um Success Stories ergänzt, damit sich die Leute das vorstellen können“, sagt Wutscher.

„Da wären wir mit vorne dabei“

Für Wutscher ist der Zeitpunkt entscheidend: Die großen Fragen rund um KI, Ethik oder Medizin bräuchten interdisziplinäre Teams. Und beim SHAPE-Thema stehe ganz Europa noch am Anfang. „Deswegen wäre das jetzt so spannend, wenn wir das jetzt starten könnten. Da wären wir mit vorne dabei.“

Bleibt der Haken: das neue Universitätsbudget. Wutscher, der auch Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Klagenfurt ist, nennt die Kürzungen einen „massiven Dämpfer“. Die große Herausforderung sei, „dass diese Einsparungen nicht dazu führen, dass Innovation und das Neue gedrosselt werden“. Gerade bei Entrepreneurship-Aktivitäten sei die Entwicklung zuletzt nach oben gegangen: Österreichweit gebe es mittlerweile 31 Forschungs-Spinoffs, 2024 waren es noch 25.

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