31.05.2021

So verändert die Blockchain alle Bereiche der Immobilienbranche

Die diesjährige Blockchain Real findet am 24. Juni 2021 online statt - und widmet sich dem Thema "Die Blockchain im Lebenszyklus einer Immobilie".
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Blockchain Real
Foto: © Adobe Stock
kooperation

Angesichts der Hypes um Kryptowährungen könnte man manchmal fast übersehen, dass die Blockchain-Technologie deutlich mehr bietet als Grundlage für Spekulationsobjekte zu sein. Eine Veranstaltung, die aber genau das wieder ins Gedächtnis rufen wird, ist die „Blockchain Real“, die dieses Jahr am 24. Juni 2021 online abgehalten wird. Im Mittelpunkt steht dabei eine Branche, die für reale Werte steht wie nur wenig andere – die Immobilienbranche.

Das diesjährige Motto lautet „Die Blockchain im Lebenszyklus einer Immobilie“. Dabei wird eine ganze Bandbreite an Perspektiven behandelt: Von der öffentlichen Ausschreibung über die digitale Immobilienverwaltung, die Baufortschrittsdokumentation mittels Blockchain, die Tokenisierierung von Baumaschinen, das Identity Managment im Immobilienbereich und vieles weitere mehr.

Der Blick richtet sich dabei nicht nur auf das mögliche Potenzial von Blockchain-Anwendungen – sondern vor allem auf konkrete Projekte, die bereits erfolgreich umgesetzt wurden. So können etwa Unternehmer*innen einen Blick darauf bekommen, wie blockchain-basierte Immobilienprojekte in der Praxis funktionieren und Rückschlüsse für ihr eigenes Unternehmen ziehen.

Internationale Top-Speaker auf zwei Bühnen

Internationale Top-Speaker werden auf zwei Bühnen die genannten Themen und noch viel mehr beleuchten. Dabei wird es auch einen rechtlichen „Reality Check“ geben – bei dem eine ganze Reihe an Fragen adressiert und geklärt werden: Was sind die regulatorischen Vorgaben? Welche rechtlichen Herausforderungen gibt es bei Blockchain-Projekten im Immobilienbereich? Welche steuerrechtlichen Besonderheiten muss ich berücksichtigen? Unterschiedliche Perspektiven von Finanzmarktaufsicht (FMA), über Rechts- und Steuerberatung sowie Startups bis hin zur Bau- und Immobilienbranche sorgen für eine 360-Grad-Sicht auf das Thema.

Shermin Voshgmir über Immobilientoken

Einer der bekanntesten Namen unter den zahlreichen namhaften Referent*innen ist wohl Shermin Voshmgir vom Blockchain Hub. Die Autorin des Buchs „Token Economy“ wird in ihrem Vortrag über Immobilientoken sprechen und erläutern, wie Blockchain-Netzwerke und das Web3 die Immobilienwirtschaft verändern werden. Außerdem wird Voshmgir an einer Podiumsdiskussion zum Thema Immobilienfinanzierung via Blockchain teilnehmen. Unter der Moderation von „CryptoRobby“ Robert Schwertner diskutieren neben Voshmgir Rechtsanwalt Ronald Frankl (Lansky, Ganzger + Partner Rechtsanwälte), Paul Pöltner von SimplyTokenized, Andreas Zederbauer von dagobertinvest und Domenic Kurz von Crowdlitoken.

Interview mit Rechtsanwalt Ronald Frankl von Lasky, Ganzger & Partner:

„Das Thema Tokenisierung eröffnet für Unternehmer völlig neue Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung und der Finanzierung“, sagt Ronald Frankl. „Man kann das das Thema Tokenisierung ruhig als eine Art Crowdfunding 2.0 betrachtet“. Doch nicht nur für Unternehmer bietet es Vorteile: „Auf der anderer Seite erschließt es für Kleininvestoren eine völlig neue Assetklasse. Bis jetzt ist Kleininvestoren das Investment in Immobilienprojekte verschlossen geblieben.“ Da durch die Tokenisierung Assets aber in kleine Teile aufgestückelt werden können, seien solche Investments noch auch für Kleinanleger möglich. „Sowohl für Unternehmer als auch für Investoren kann ein großer Vorteil da sein durch Tokenisierung“, schlussfolgert der Rechtsanwalt.

Startup-Pitches unter anderem von Brickwise

Zu den Startups, die bei Blockchain Real auftreten, werden zählt etwa Brickwise. Das Grazer Unternehmen bringt interessierte Investoren und Immobilienverkäufer auf einem Marktplatz zusammen und ermöglicht ihnen den Handel tokenisierter Immobilienanteile. Für Startups sind 3-minütige Pitches im Programm vorgesehen. Zusätzlich wird Michael Murg von Brickwise in einer Breakout-Session darüber sprechen, wie einfach Immobilienhandel mittlerweile geworden ist.

Regulatorische Perspektive durch FMA

Auch regulatorische Themen werden eine große Rolle spielen. Bibiane Kaufmann von der Finanzmarktaufsicht (FMA) wird ein Update aus der Perspektive der Behörde liefern und darstellen, welche aktuellen Entwicklungen auf EU-Ebene wie auch in Österreich in Zukunft relevant werden. Der Rechtsanwalt Thomas Nägele von Nägele Attorneys wiederum wird einen Blick auf das Blockchain-Gesetz in Liechtenstein werfen und darstellen, warum es zur Schaffung von Rechtssicherheit und Vertrauen in die Token-Ökonomie beiträgt.

Dies waren aber nur einige Beispiele – das Programm der Blockchain Real umfasst zahlreiche weitere Punkte:

Die Blockchain Real findet am Donnerstag, den 24. Juni 2021, von 9.00 bis 17.00 als Online-Veranstaltung statt. Alle Brutkasten-Leser erhalten 10% Rabatt mit dem Code: BC21BRUD14
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USB-Stick Erfinder Dov Moran im Interview. (c) LinkedIn/Dov Moran

Mit der Gründung von M-Systems und der Erfindung des USB-Flash-Laufwerks sowie revolutionärer Speicherlösungen schrieb der israelische Halbleiter-Pionier Dov Moran Technologiegeschichte, bevor er sein Unternehmen für rund 1,6 Milliarden US-Dollar an SanDisk verkaufte. Heute lenkt er als Managing Partner beim Deep-Tech-Fonds Grove Ventures als einer der angesehensten Tech-Investoren Israels die Zukunft von KI, Halbleitern, Cloud-Infrastruktur und digitaler Gesundheit.

Der Tech-Pionier und Investor erklärt im Interview, dass im aktuellen KI-Boom vor allem die physische Infrastruktur entscheidend ist und sich Europa statt auf Defense-Tech auf Nischen wie Quantentechnologie konzentrieren sollte. Darüber hinaus empfiehlt er staatliche Unternehmensbeteiligungen nach taiwanesischem Vorbild sowie eine Kultur, die echten Gründergeist und Mut zum Risiko fördert.

brutkasten: Sie haben geholfen, mit dem USB-Flash-Laufwerk eine der am weitesten verbreiteten Technologien der Welt zu erfinden. Wenn Sie zurückblicken: Was unterscheidet bahnbrechende Innovationen von Technologien, die niemals skalieren?

Dov Moran: Zunächst einmal ist der USB-Stick heute ein totes Produkt. Nur noch sehr wenige Menschen benutzen ihn, aber genau das ist das Wesen von Technologie: Man baut etwas auf, und das dient dann als Fundament für etwas Fortschrittlicheres. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich einen kleinen Teil zu dieser Infrastruktur beitragen konnte.

Bei M-Systems haben wir damals allerdings noch andere Dinge erfunden, die ich für fast noch wichtiger halte, auch wenn sie für Endkunden weniger sichtbar waren. Damals gab es zwei Arten von Flash-Speicher: NAND-Flash für reine Daten und NOR-Flash – dominiert von Intel und AMD –, um den Code für das Betriebssystem zu speichern. Das gesamte Marktkonzept sah vor, dass jedes System beide Komponenten benötigt. Wir haben damals eine technologische Lösung gefunden, um den NOR-Flash komplett zu eliminieren und den Code direkt in den NAND-Flash zu integrieren. Unser Weg, dieses Problem zu lösen, hat das NOR-Flash-Geschäft für Intel und AMD grundlegend verändert, aber gleichzeitig in jedem einzelnen Telefon auf der Welt den Platzbedarf reduziert und etwa drei Dollar pro Gerät gespart. Bei rund einer Milliarde produzierten Telefonen pro Jahr haben wir der Welt somit jährlich drei Milliarden Dollar eingespart.

Welche Technologie erinnert Sie heute am meisten an die Anfangstage des Flash-Speichers?

Ich denke, wir sehen derzeit eine grundlegende Wende auf dem Markt – weg von einer rein softwaregetriebenen Welt hin zu einer Welt der Infrastruktur. Marc Andreessen sagte einmal: „Software eats the world.“ Heute geht es jedoch vor allem darum, die richtige Hardware- und Infrastrukturbasis zu schaffen: Wir brauchen die richtigen CPUs, wir müssen das enorme Problem des Energieverbrauchs und der Kühlung lösen und wir müssen Rechenzentren bauen, die deutlich effizienter und effektiver sind.

Was heute an Infrastruktur existiert, kann die weltweite Nachfrage schlichtweg nicht bedienen, wenn bald jeder Mensch KI nutzt, forscht und eigene Agenten baut. Wenn auch nur zehn Prozent der Bevölkerung anfangen, intensiv KI-Agenten zu bauen und zu nutzen, würden unsere heutigen Systeme zusammenbrechen. Die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz steht genau vor solchen fundamentalen technologischen Skalierungsaufgaben.

Alle sprechen über KI. Wo sehen Sie die größten Chancen jenseits der aktuellen KI-Welle beziehungsweise wo sollte sich Europa positionieren?

KI ist eine gewaltige Revolution, die das Leben aller Menschen beeinflussen wird – vom Reinigungspersonal bis hin zum Leiter einer Onkologie-Abteilung, dessen Diagnostik und Behandlungsweisen sich grundlegend verändern werden. Eine so große Transformation bringt natürlich für jeden enorme Chancen mit sich – für Einzelpersonen, Krankenhäuser, das Bildungswesen und für ganze Staaten.

Wenn ein Land wie Österreich entscheidet, in diesen Markt zu investieren, sollte der Fokus auf der Infrastrukturebene oder auf sehr gezielten Nischen liegen, nicht auf reinen Anwendungen. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Österreich versuchen sollte, im Bereich Defense Tech zu konkurrieren. Dieser Markt erfordert gewaltige Kapazitäten, riesige Budgets und spezifisches Know-how, wie es in den USA oder aufgrund ständiger Konflikte in Israel und der Ukraine existiert.

Man muss Nischen finden, in denen man wirkliche Wettbewerbsvorteile aufbauen kann. Das könnte zum Beispiel die Quantentechnologie sein, die Kombination aus Gesundheitswesen und KI oder hochentwickelte Sensorik für eine bessere medizinische Überwachung von zu Hause aus.

Israel bringt trotz seines relativ kleinen Marktes kontinuierlich globale Technologie-Champions hervor. Was erklärt diesen Erfolg und wie wird Unternehmertum dort gefördert?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Erfindern, Unternehmern und operativen Managern. Viele Erfinder kommen von Universitäten, aber selbst die beste Erfindung oder das beste Patent scheitert, wenn man nicht weiß, wie man ein Unternehmen führt und skaliert. Ich bin der festen Überzeugung, dass Unternehmertum und Innovation viel früher im Bildungssystem verankert werden müssen – spätestens an den weiterführenden Schulen.

Das Bildungssystem muss weg vom reinen Frontalunterricht und Auswendiglernen, hin zu echter Interaktion, Teamwork und praktischer Projektarbeit. Ich bin selbst Verwaltungsratsmitglied einer 150 Jahre alten jüdischen Schulkette namens ORT. Um den Schülern dieses Denken nahezubringen, habe ich ein Buch über Unternehmer geschrieben, das nach jedem Kapitel Diskussionsfragen aufwirft. Ich beginne darin mit Abraham als dem „ersten jüdischen Unternehmer“, der den Monotheismus erfunden hat.

Im Talmud gibt es die Geschichte, dass Abraham die Götzenstatuen im Laden seines Vaters zerstörte, weil er die Logik dahinter hinterfragte, und danach seine Heimat verließ, um ins Ungewisse nach Israel zu ziehen. Genau das passiert vielen Gründerinnen und Gründern: Sie haben eine Vision, jeder sagt ihnen, dass es unmöglich ist, und sie müssen bereit sein, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen, um ihr Ziel zu erreichen. Schüler müssen lernen, solche kritischen Fragen zu diskutieren: Was bedeutet es, ins Ungewisse zu gehen? Ist Unternehmertum immer gut oder birgt es auch Risiken? Diese mentale Vorbereitung ist die Basis für eine Innovationskultur.

Was kann Europa und speziell ein Land wie Österreich von der israelischen Innovationskultur und anderen globalen Vorreitern lernen?

Zunächst einmal können auch wir viel von Europa lernen – zum Beispiel, wie man ein Land so lebenswert und friedlich gestaltet. Was die Förderung von Technologie betrifft, lohnt sich für Europa jedoch ein Blick nach Taiwan, speziell auf das ITRI-Institut (Industrial Technology Research Institute).

Der Staat dort verteilt nicht einfach nur passiv Fördergelder an Unternehmen, was oft nicht der klügste Weg ist. Stattdessen definieren kluge Köpfe alle paar Jahre strategische Zukunftsmärkte. So wurde vor Jahrzehnten entschieden, dass der Bau von Halbleiterwerken entscheidend sein wird, woraufhin man gezielt den Gründer von TSMC aus den USA zurückholte. Heute hängt die gesamte Weltwirtschaft von TSMC ab, was für Taiwan zugleich ein enorm starkes sicherheitspolitisches Instrument ist.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist, wie Staaten investieren: Wenn staatliche Innovationsbehörden Unternehmen mit Kapital unterstützen, sollten sie dafür im Gegenzug auch Unternehmensanteile (Equity) erhalten, anstatt nur verlorene Zuschüsse zu verteilen. Der Staat sollte sich als stiller Gesellschafter beteiligen, sich nicht in das operative Tagesgeschäft einmischen, aber bei einem erfolgreichen Exit sein Geld inklusive Rendite zurückerhalten. So kann ein Staat mit Innovation tatsächlich Geld verdienen, das wieder in das Ökosystem zurückfließen kann.

Welchen Rat würden Sie Gründern geben, die heute in Europa Deep-Tech-Unternehmen aufbauen?

Schauen Sie sich genau an, wer in der aktuellen Marktphase wirklich Geld verdient. Im KI-Bereich verlieren viele Software- und Anwendungsunternehmen derzeit Milliarden, während diejenigen, die die Infrastruktur und Hardware bereitstellen – wie Nvidia oder TSMC als deren Auftragsfertiger –, enorm erfolgreich sind.

Wir erleben eine Wende: Es reicht nicht mehr aus, nur auf reine Software-Anwendungen zu setzen. Die wahren Deep-Tech-Chancen liegen heute in der Lösung fundamentaler physischer und technischer Probleme – sei es bei der Energieeffizienz, der Kühlung von Rechenzentren, fortschrittlichen Halbleitern oder auch in der Weltraumtechnologie (Space Tech). Wenn Sie ein Unternehmen aufbauen, fokussieren Sie sich auf diese harten Infrastruktur- und Technologieprobleme, die die Welt zwingend lösen muss.

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