07.06.2021

Black Founders Fund: Google prämiert Playbrush-Gründer Ogunsina sechsstellig

Googles kürzlich gestarteter Black Founders Fund soll das Wachstum von von People of Color (POC) gegründeten Tech-Unternehmen unterstützen.
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Playbrush: Co-Founder Tolulope Ogunsina ist unter den ersten 30 mit Googles Black Founders Fund prämierten
(c) Playbrush: Co-Founder Tolulope Ogunsina ist unter den ersten 30 mit Googles Black Founders Fund prämierten

Nicht einmal 0,5 Prozent der Risikokapital-Finanzierungen gehen an von People of Color (POC) geführte Startups. Denn schwarzen Gründern fehle überproportional häufig der Zugang zu Netzwerken und dem notwendigen Kapital für ein erfolgreiches Wachstum, erklärt Google in einer Aussendung. Das wolle man mit dem neu ins Leben gerufenen Black Founders Fund ändern. Die Initiative soll Tech-Unternehmen unterstützen, deren Gründer-Team mindestens ein POC-Mitglied hat.

Playbrush Co-Founder unter ersten 30 Black Founders Fund-Gewinnern

Der erste Durchgang, bei dem insgesamt zwei Millionen US-Dollar an 30 Startups vergeben wurden, ist nun abgeschlossen. Bewerben konnten sich Startups aus ganz Europa, die bereits ein Software-Produkt auf dem Markt haben oder bei welchen die Technologie der Schlüssel zur Skalierung ist. Einer der Gewinner ist Tolulope Ogunsina, Co-Founder des Startups Playbrush mit Sitzen in Wien und London. Das Unternehmen erhält von Google einen nicht näher genannten sechsstelligen Betrag, der sich aus einer Geldprämie und Marketingbudget des Internet-Riesen zusammensetzt. Der 31-jährige Londoner mit nigerianischen Wurzeln ist 2019 bereits als einer der „30 under 30“ von Forbes ausgezeichnet worden.

Ogunsina ist das Mastermind hinter der Software der Playbrush Apps, die – kombiniert mit einer speziellen elektrischen Zahnbürste – Kinder und inzwischen auch Erwachsene spielerisch bei der Zahnputz-Routine unterstützen sollen. Das Marketing-Budget aus dem Black Founders Fund wolle man nun nutzen, um den Bekanntheitsgrad des Erwachsenen-Produkts „Smart One“ im deutschsprachigen Raum zu steigern, heißt es vom Startup.

Ogunsina: „Indem wir schwarze Gründer finanzieren, ermutigen wir andere, es ihnen gleichzutun“

„Positive Maßnahmen wie diese sind der erste Schritt, auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam zu machen. Indem wir schwarze Gründer finanzieren, ermutigen wir andere, es ihnen gleichzutun. Wenn wir in einer homogenen Unternehmerschaft verharren, leiden nicht nur die marginalisierten Gruppen darunter, sondern die Gesellschaft verliert Kreativität, Innovation und Lösungen“, kommentiert der Gründer, der bereits mit 21 Jahren sein erstes Unternehmen für IT-Support in Nigeria gegründet hatte.

Als immigrierter Gründer habe er früh gelernt, sich mit der Wahrnehmung und den Erwartungen, die andere an ihn herantragen, auseinanderzusetzen, sagt Ogunsina. Einen Nachteil als POC habe er nicht erlebt – systemischer Rassismus sei ihm dennoch kein Fremdwort. „Ich denke, jeder Gründer hat mit dem Impostor-Syndrom zu kämpfen. Aber ich habe früh gelernt, dass ich allein dafür verantwortlich bin, wie ich mich fühle und handle. Ich bin nicht für die Voreingenommenheit anderer verantwortlich“, so der Playbrush-Gründer.

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Prewave
Harald Nitschinger, Gründer von Prewave | (c) Prewave

Es nennt sich Quantified Resilience und soll zeigen, was Lieferkettenrisiken tatsächlich kosten. Das neue Portfolio des Wiener Startups adressiert die Risikolandschaft für globale Lieferketten, die sich seit Covid, der Chipknappheit sowie dem Krieg im Iran und in Russland verändert hat. Unternehmen haben in den vergangenen Jahren darauf reagiert und auf mehr Transparenz gesetzt, mehr Lieferanten überwacht und mehr Signale und Warnmeldungen verfolgt. Doch Einkaufsteams wollen nicht mehr Informationen, meint Co-Founder und seit Jänner alleiniger CEO Harald Nitschinger. „Sie wollen eine belastbare Entscheidungsgrundlage“, sagt er und bezieht sich auf eine Gartner-Studie aus 2026 mit dem Titel: „Market Overview for Supplier Risk Management Solutions.“ Teams, die ihre Zeit damit verbringen, schwer fassbare Risiken bei Sub-Tier-Lieferanten zu recherchieren und zu bewerten, hätten kaum Kapazitäten, um langfristige Resilienz aufzubauen.

Prewave: KI-Agenten übernehmen Recherche

Hier soll Quantified Resilience helfen, die globalen Risikodaten von Prewave mit den eigenen Daten eines Unternehmens zu verbinden, darunter Stücklisten, Lagerbestände, alternative Bezugsquellen und Umsatzzahlen. Spezialisierte KI-Agenten würden dann die Recherche übernehmen, Risiken priorisieren und deren mögliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen bewerten.

Ein Bestandteil des neuen KI-Portfolios heißt Prewave Respond und beinhaltet KI-Agenten, die Signale aus der gesamten Plattform bündeln und Risikosituationen danach ordnen, wie dringend Handlungsbedarf besteht. Risikomanager würden so auf einen Blick sehen, welche Situationen jetzt Aufmerksamkeit erfordern und welche warten können. Die Agenten lassen sich an die eigenen Prozesse und Prioritäten des jeweiligen Unternehmens anpassen.

Plattform zeigt Betroffenheit

„Die Bewertung einer Störung hat unser Risikoteam früher einen halben Tag gekostet, plus Abstimmung mit den Konzerneinkäufern, um die Auswirkungen auf die Lieferanten zu verifizieren“, erklärt Verena Rausch, Group Risk Manager bei der Vaillant Group, wie Prewave den Aufwand bei der Bewertung einzelner Störungen reduziert. „Beim Erdbeben von Kumamoto hat Prewave rund 50 aufgezeigte Lieferanten auf 11 eingegrenzt, die geprüft werden mussten, und einen unmittelbaren Produktionsstopp aufgezeigt. Das verkürzt den Zeitaufwand für jede Bewertung.“

Der Schlüssel zu dieser Priorisierung liege darin zu verstehen, was eine Störung für das Geschäft bedeutet. Die Prewave-Plattform kombiniert Informationen zu globalen Ereignissen, Lieferantenstandorten, Tier-n-Beziehungen und Rohstoffabhängigkeiten mit den eigenen Lieferketten- und ERP-Daten des Unternehmens. Sie zeige so, welche Lieferanten, Materialien oder Produkte tatsächlich betroffen sind.

Für Nitschinger ist Quantified Resilience der nächste Schritt im Umgang mit zunehmend komplexen Lieferkettenrisiken: „Unseren Kunden fehlt es nicht an Informationen. Im Gegenteil, sie werden mit Warnmeldungen, Ratings und Lieferanten-Updates überflutet. Wir geben ihnen jetzt Werkzeuge an die Hand, die diese Signale in eine konkrete Entscheidungsgrundlage verwandeln: Was verdient meine Aufmerksamkeit? Wo bin ich tatsächlich exponiert? Was steht finanziell auf dem Spiel? Und wo sollten wir Resilienz aufbauen, um die größte Wirkung zu erzielen? Quantified Resilience macht diese Zusammenhänge messbar und damit steuerbar.“

Resilienz von Kostenfaktor soll zur Investitionsentscheidung werden

Über die Priorisierung hinaus berechnet Prewave die finanziellen Auswirkungen einer Störung anhand von Daten wie Lagerbeständen, Stücklisten und Umsatz, heißt es. Damit soll die Resilienz von einem Kostenfaktor zu einer Investitionsentscheidung werden. Unternehmen könnten Ausgaben dorthin lenken, wo sie am meisten bewirken, und sie gegenüber Geschäftsführung und Vorstand mit belastbaren Zahlen untermauern.

Künftig will Prewave diesen Ansatz nutzen, um die Lieferketten seiner Kunden ganzheitlich und proaktiv zu optimieren. Prewave Optimise, ein weiteres Tool aus der „Quantified Resilience“-Strategie, das sich derzeit in der Beta-Phase befindet, soll zeigen, wo Absicherungen über das notwendige Maß hinausgehen und wo gefährliche Lücken bestehen. Ziel ist ein Lieferantennetzwerk, das Kosten und Resilienz entsprechend der individuellen Risikobereitschaft eines Unternehmens ausbalanciert.

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