08.03.2022

Bitpanda wird erstes E-Geld-Institut in Österreich – was ist das?

Die österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) hat der Tochtergesellschaft des heimischen Scaleups Bitpanda die Genehmigung erteilt, Zahlungsdienstleistungen als E-Geld-Institut anzubieten.
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die Bitpanda-Cofounder Christian Trummer, Paul Klanschek und Eric Demuth
Die Bitpanda-Co-Founder Christian Trummer, Paul Klanschek und Eric Demuth | © Bitpanda

Nachdem sie bereits 2019 die Konzession als Zahlungsdienstleister erhalten haben, wird die Tochtergesellschaft der Wiener Bitpanda Group, Bitpanda Payments, zukünftig auch Zahlungsdienstleistungen als E-Geld-Institut (EMI) entsprechend des europäischen Rechts (EMD2) anbieten. Die Genehmigung erhielt Bitpanda Payments von der österreichischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA). Mit diesem Schritt wolle man die regulatorische Aufstellung von Bitpanda stärken und die Zahlungsdienstleistungen erweitern, heißt es vom Unternehmen.

Was ist ein E-Geld-Institut?

Wie der Name bereits sagt, ist ein E-Geld-Institut ein Finanzinstitut mit der Berechtigung, E-Geld auszugeben und Kundengelder unbegrenzt aufzubewahren. Zusätzlich zu den bisherigen Dienstleistungen traditioneller PSPs (Payment-Service-Provider) bzw. Zahlungsdienstleister kann Bitpanda Payments nun also auch E-Geld ausgeben.

Vereinfacht gesagt, darf ein Zahlungsinstitut Zahlungsverkehr abwickeln, welcher ausschließlich von Absender:in und Empfänger:in genutzt werden darf. Bei einem E-Geld-Institut werden wiederum Forderungen und Verbindlichkeiten gespeichert, die auch von Dritten verwendet werden dürfen. Hierbei werden Vorgänge wie die Ausgabe von Zahlungskarten und anderer Zahlungsinstrumente, oder auch die Bereitstellung von E-Wallet-Diensten ermöglicht.

Der Zugang zu den Finanzmärkten soll weiter erleichtert werden

Bitpanda Payments hält bereits seit drei Jahren eine PSD2 Lizenz um als Payment Service Provider (PSP) zu agieren. Mit der jüngst erteilten Genehmigung der FMA ist es nun zusätzlich dazu das erste Unternehmen in Österreich, das E-Geld emittieren kann. Das erklärte Ziel sei es, bald weitere innovative Zahlungsdienstleistungen anzubieten. Das Wiener Krypto-Scaleup betont, dass es mit seinen lizenzierten und mit bedeutenden Finanzzentren kooperierenden Tochtergesellschaften gut positioniert sei. Mit diesen könne es seinen europaweit mehr als drei Millionen Nutzer:innen vielfältige Fintech-Dienstleistungen bieten.

„Jede neue Lizenz ist ein wichtiger Meilenstein für Bitpanda, denn sie bedeutet, dass die Aufsichtsbehörde unsere Mission – nämlich allen Menschen Zugang zu den Finanzmärkten zu ermöglichen – anerkennt. Es ist aber nicht nur ein großer Erfolg für uns als Unternehmen, sondern auch ein Schritt für Österreich als aufstrebenden Fintech-Standort“, meint Bitpanda Chief Product Officer und Geschäftsführer von Bitpanda Payments, Lukas Enzersdorfer-Konrad. Zudem erklärt Managing Director von Bitpanda Payments, Philipp Bohrn, dass Bitpanda Payments mit diesem Meilenstein einen weiteren Schritt hin zur Öffnung der Welt der Geldanlage geschafft habe.

Das 2014 von Eric Demuth, Paul Klanschek und Christian Trummer gegründete Fintech-Scaleup ist sowohl bei der französischen Autorité Des Marchés Financiers (AMF) als auch bei der österreichischen FMA registriert. Es hält dementsprechend die MiFID II-Lizenz und die PSD2-Lizenz und verfügt über einen vollständig AML5-konformen KYC-Prozess (Know Your Customer).

DisclaimerDie Bitpanda GmbH ist mit 3,9849 % an der Brutkasten Media GmbH beteiligt.

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signteq-Gründer Simon Schnabl | © Daniel Willinger | dwphoto.at
signteq-Gründer Simon Schnabl | © Daniel Willinger | dwphoto.at

Digitale Identifikation, regulatorische Prüfungen (u.a. KYC und KYB) und rechtsgültige digitale Verträge – damit überzeugte das 2019 gegründete Wiener RegTech-Unternehmen schon bislang Banken wie die Raiffeisen Bankengruppe und die Bawag, Versicherungen wie Wüstenrot, Fintechs wie froots und Conda, Krypto-Unternehmen wie Cryptonow und WhiteBIT und öffentliche Institutionen wie Wiener Wohnen. Neben Österreich ist man etwa auch in Deutschland, der Schweiz und mehreren Ländern in Südost- und Osteuropa aktiv.

„Know Your Agent“ als zusätzliches Geschäftsfeld

Eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung des Angebots soll nicht nur die European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) spielen, die bis Ende dieses Jahrs von allen EU-Staaten bereitgestellt werden muss. Mit „Know Your Agent“ (KYA) will signteq auch ein zusätzliches Geschäftsfeld aufbauen, das den Boom-Bereich Agentic AI aus RegTech-Perspektive adressiert. „Heute müssen Unternehmen wissen, wer ihr Kunde ist. Morgen müssen sie zusätzlich wissen, welcher KI-Agent für wen handelt, wozu er berechtigt ist und wer dafür verantwortlich ist“, erläutert Simon Schnabl, Gründer und Geschäftsführer von signteq.

Steinberger, Giretzlehner, Compass-Verlag u.a. investieren

Für diese Pläne und die weitere internationale Expansion holte sich signteq nun eine nicht genau bezifferte siebenstellige Kapitalspritze. Mit OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger gewann das Unternehmen dabei nicht nur einen denkbar prominenten Investor, sondern auch eine der international zentralen Figuren im neuen Zielmarkt Agentic AI. Hinzu kommen in der aktuellen Runde der bereits seit 2024 beteiligte Compass-Verlag, Runtastic-Mitgründer René Giretzlehner, die Franz-MayrMelnhof-Saurau Beteiligungs GmbH und weitere nicht genannte Investor:innen.

Steinberger kommentiert in einem Statement: „KI-Agenten werden schon bald eigenständig für Menschen und Unternehmen handeln. Damit wird Vertrauen zur Schlüsselfrage: Wer steckt hinter einem Agenten – und was darf er? signteq baut dafür heute schon die Infrastruktur und denkt digitale Identität konsequent weiter: von Know Your Customer zu Know Your Agent. Diese Kombination aus starkem Kerngeschäft und klarer Zukunftsvision hat mich überzeugt.“

„Was wir in Österreich aufgebaut haben, skalieren wir jetzt international“

„Digitale Identität ist längst zu einer zentralen Infrastruktur für digitale Geschäftsmodelle geworden. Was wir in Österreich gemeinsam mit Banken, Versicherungen, Technologieunternehmen und der öffentlichen Hand aufgebaut haben, skalieren wir jetzt international – mit Europa als starkem Ausgangspunkt“, kommentiert Gründer Simon Schnabl. Zugute kommen sollen dem Unternehmen neben der erwähnten EUDI-Wallet, die Teil der eIDAS 2.0-Verordnung ist, noch weitere Regulierungen aus diesem Gesetzespaket sowie die kommendes Jahr anwendbare europäische Geldwäscheverordnung AMLR.

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