28.10.2021

Dieser ehemalige J.P.-Morgan-Banker ist nun CEO von Bitpanda Pro

Das Wiener Investment-Scaleup hat Joshua Barraclough zum Chef seiner Exchange Bitpanda Pro gemacht. Der Fintech-Experte arbeitete zuvor für die US-Großbank J.P. Morgan in London und soll den Handelsplatz, der sich an institutionelle Anleger wie auch an erfahrene Privatinvestoren richtet, auf die nächste Stufe heben.
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Joshua Barraclough
Der neue Bitpanda-Pro-CEO Joshua Barraclough | Foto: Bitpanda

Bitpanda ist schon länger dabei, ein Angebot für institutionelle Investoren und Unternehmen aufzubauen – etwa mit der im Sommer gestarteten „White Label“-Lösung, die es beispielsweise Banken oder Fintechs ermöglicht, ihren eigenen Kundinnen und Kunden die selben digitalen Assets anzubieten wie Bitpanda. Doch auch die im August 2019 gestartete eigene Börse Bitpanda Pro richtet sich neben erfahrenen Privatanlegern an institutionelle Investoren. So wird sie beispielsweise von Family Offices oder Privatbanken genutzt. Im ersten Halbjahr 2021 hat sich das durchschnittliche Handelsvolumen auf der Plattform nach Unternehmensangaben vervierfacht und die Zahl der aktiven Trader verdreifacht. Jetzt folgt der nächste Schritt bei Bitpanda Pro: Der Fintech-Experte Joshua Barraclough wurde zum CEO ernannt.

Er war bisher bei der US-Großbank J.P. Morgan in London tätig. Insgesamt arbeitete er dort mehr als fünf Jahre, zuletzt als Co-Head of Digital Innovation. Als solcher war er für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder, Produkte und Dienstleistungen verantwortlich. Davor leitete er als Global Head das Fintech-Team von J.P. Morgan. Dieses kümmert sich unter anderem um Fintech-Partnerschaften, Inkubationen sowie um M&A-Möglichkeiten.

Fintech-Experte soll Bitpanda Pro „auf das nächste Level“ heben

„Ich freue mich sehr, Bitpanda Pro auf das nächste Level zu heben, während wir die Lücke zwischen traditionellen Märkten und aufstrebenden digitalen Assets schließen“, wird Barraclough in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert. Investitionen in Krypto würden stetig zu einem Teil der Mainstream-Finanzmärkte, führt der nunmehrige Bitpanda-Pro-CEO weiter aus. Deshalb würden private und institutionelle Anleger Services und Werkzeuge nachfragen, die es ihnen ermöglichen, traditionelle Anlagestrategien zu verfolgen und gleichzeitig Handelsnuancen zu steuern, die für digitale Vermögenswerte spezifisch seien. „Dieser Bereich ist komplex und es gibt eine große Anzahl von Unternehmen da draußen, die hier gewinnen wollen. Allerdings hat kaum wer die richtige Technologie, Expertise und Kultur parat, um dies auch zu erreichen. Bitpanda hat hier einen klaren Vorteil“, sagt Barraclough.

Bitpanda-CEO und Mitgründer Eric Demuth hebt hervor, dass Barraclough „eine außergewöhnliche Erfolgsbilanz im Rahmen von Innovation sowie der Einführung neuer Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen“ habe. Darüber hinaus habe er sein Talent bereits vielfach beim Aufbau erfolgreicher Organisationen unter Beweis gestellt können. Deshalb sei man bei Bitpanda „zuversichtlich, dass er die treibende Kraft sein wird, mit der Bitpanda Pro das nächste erfolgreiche Kapitel aufschlägt“.

Bereits zwei C-Level-Hires im Sommer

Im Juni hatte Bitpanda Lindsay Ross als Chief Human Resources Officer (CHRO) präsentiert. Sie kam von niederländischen Unicorn MessageBird. Bereits im Juli folgte das nächste C-Level-Hire: Irina Nicoleta Scarlat wurde Chief Growth Officer, sie war zuvor unter anderem bei Revolut und Uber tätig gewesen. Das Team von Bitpanda besteht aktuell aus mehr als 600 Personen, die aus über 50 Ländern stammen. Aktuell unterhält das Fintech Technologiezentren in acht europäischen Städten – darunter Wien, Berlin, London und Paris.

Bitpanda hat 2021 gleich zwei Finanzierungsrunden im dreistelligen Millionenbereich abgeschlossen. Im August nahm das Unternehmen in einer Series-C-Runde 263 Mio. US-Dollar (umgerechnet rund 224 Mio. Euro) auf und wurde darin mit 4,1 Mrd. Dollar (rund 3,5 Mrd. Euro) bewertet. Zum Unicorn war das Unternehmen nur wenige Monate zuvor geworden – und zwar im März mit einer 170 Mio. Dollar (rund 141 Mio. Euro) schweren Series-B-Runde.

Disclaimer: Die Bitpanda GmbH ist mit 3,9849 % an der Brutkasten Media GmbH beteiligt.

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European Innovation Act
© European Commission

Europa verfügt über eine starke Forschungslandschaft sowie über qualifizierte Fachkräfte und innovative Unternehmen. Gleichzeitig bestehen innerhalb der EU unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen, und der Zugang zu Finanzierungen kann für innovative Unternehmen eine Herausforderung darstellen. Dadurch werden in Europa entwickelte Innovationen nicht immer in Europa weiterentwickelt und wirtschaftlich genutzt. Der nun von der EU-Kommission vorgeschlagene European Innovation Act soll dazu beitragen, diese Rahmenbedingungen zu verbessern und Unternehmen dabei zu unterstützen, grenzüberschreitend zu wachsen und international wettbewerbsfähig zu werden.

Zugang zu Finanzierung und Vergabeverfahren

Der Vorschlag setzt im Prinzip an zwei zentralen Herausforderungen für Innovationen in Europa an: dem Zugang zu Finanzierung und der stärkeren Nutzung öffentlicher Beschaffung.

Erstens soll der Zugang zu Finanzierungen für innovative Unternehmen erleichtert werden. Viele Startups und Scaleups verfügen über Patente, geistiges Eigentum und andere immaterielle Vermögenswerte. Deren Bewertung kann jedoch komplex sein und den Zugang zu Investitionen erschweren.

Der Vorschlag sieht daher einen gemeinsamen EU-Rahmen für die Bewertung von geistigem Eigentum vor. Zudem soll ein digitaler Marktplatz geschaffen werden, der Anbieter und Interessenten für geistiges Eigentum zusammenbringen und Unternehmen durch fachliche Unterstützung bei der Vermarktung ihrer Innovationen unterstützen soll.

Nach Angaben der Kommission könnten diese Maßnahmen die Verwaltungskosten um rund 35 Mio. Euro senken und zusätzliche Finanzierungen von bis zu 10,2 Mrd. Euro pro Jahr über IP-gestütztes Risiko- und Fremdkapital ermöglichen.

F&E-Aufträge

Zweitens soll ein gemeinsames Verfahren für die Vergabe von Forschungs- und Entwicklungsaufträgen (F&E) eingeführt werden. Dieses soll für mehr Rechtssicherheit sorgen und dazu beitragen, neue Technologien schneller zur Marktreife zu bringen. Dazu zählen auch Technologien, die zur Bewältigung gemeinsamer gesellschaftlicher Herausforderungen etwa in den Bereichen Gesundheit, Bildung und saubere Mobilität beitragen können. Zudem soll die gemeinsame Durchführung von F&E-Aufträgen durch öffentliche Auftraggeber aus verschiedenen Mitgliedstaaten erleichtert werden.

Nach Angaben der Kommission könnten diese Maßnahmen zu Einsparungen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr bei öffentlichen Auftraggebern führen und zusätzliche jährliche Gewinne von 25,92 Mrd. Euro für Unternehmen ermöglichen. Nach Einschätzung der Kommission könnte zudem das EU-BIP im zehnten Jahr um 0,24 bis 0,42 Prozent über dem Niveau (Anm.: ohne die Maßnahmen) liegen. Im selben Zeitraum könnten – so die Erwartung – bis zu 507.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

„Mit dem Europäischen Innovationsgesetz gehen wir der Fragmentierung direkt entgegen: einen Rahmen für die Bewertung von Rechten des geistigen Eigentums, einen digitalen Marktplatz, der Käufer und Verkäufer verbindet, und einen einfacheren Weg für die Vergabe öffentlicher Aufträge für Spitzenforschung und -entwicklung. Und das ist erst der Anfang. Bis 2028 werden wir einen echten Binnenmarkt schaffen, in dem Ideen schneller skalieren, Finanzen freier zirkulieren und die strategische Autonomie Europas gestärkt wird. Das ist das Europa, das wir aufbauen“, sagt Ekaterina Sacharieva, EU-Kommissarin für Startups, Forschung und Innovation.

EU-Referenzrahmen für Reallabore

Parallel – und separat zum European Innovation Act zu sehen – möchte die Kommission Innovator:innen zudem dabei unterstützen, neue Ideen schneller in marktfähige Lösungen zu überführen. Dazu ist ein Vorschlag für einen gemeinsamen Rahmen für regulatorische Reallabore vorgesehen.

Reallabore ermöglichen es Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden, neue Produkte, Dienstleistungen oder Technologien zeitlich begrenzt in einem kontrollierten Umfeld und unter Aufsicht der zuständigen Behörden zu erproben. Dadurch sollen Erfahrungen mit den geltenden regulatorischen Anforderungen gesammelt werden. Gleichzeitig erhalten Behörden Erkenntnisse darüber, wie bestehende Vorschriften auf neue Technologien angewendet werden können und ob gegebenenfalls Anpassungsbedarf besteht.

In einzelnen Bereichen des EU-Rechts gibt es bereits regulatorische Reallabore. Ein einheitlicher europäischer Ansatz besteht bislang jedoch nicht, sodass sich unterschiedliche Verfahren und regulatorische Rahmenbedingungen ergeben. Eine geplante Empfehlung des Rates soll daher einen gemeinsamen EU-Referenzrahmen für Reallabore in Bereichen schaffen, die bislang nicht durch entsprechende EU-Rechtsvorschriften abgedeckt sind. Dabei sollen Erfahrungen aus den Mitgliedstaaten und bestehenden EU-Initiativen einbezogen werden – mit dem Ziel, die Erprobung innovativer Lösungen zu erleichtern und gleichzeitig öffentliche Interessen zu berücksichtigen.


Zusammenfassung

Worum geht es?
Der European Innovation Act soll Hindernisse für Innovation abbauen, den Weg von der Forschung zum Markt beschleunigen und die Nutzung von geistigem Eigentum erleichtern.

Drei zentrale Maßnahmen

  • Bewertung von geistigem Eigentum: Ein EU-weiter Rahmen soll die Bewertung von Patenten und anderem geistigem Eigentum vereinheitlichen und dadurch den Zugang zu Finanzierung für innovative Startups erleichtern.
  • Digitaler Marktplatz: Eine digitale Plattform soll Käufer und Verkäufer von geistigem Eigentum zusammenbringen.
  • F&E-Beschaffung: Ein gemeinsames Verfahren für die öffentliche Beschaffung von Forschung und Entwicklung soll die Beschaffung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit vereinfachen und die Entwicklung und Erprobung innovativer Lösungen fördern.

Erwartete Auswirkungen

  • 10,2 Mrd. EUR zusätzliche Finanzierung für Unternehmen pro Jahr durch die bessere Nutzung von geistigem Eigentum
  • 35 Mio. EUR jährliche Einsparungen bei Verwaltungskosten für Unternehmen durch eine harmonisierte Bewertung von geistigem Eigentum
  • 1 Mrd. EUR jährliche Einsparungen bei öffentlichen Auftraggebern durch effizientere FuE-Beschaffung und vereinfachte grenzüberschreitende Verfahren
  • 25,9 Mrd. EUR zusätzliche jährliche Gewinne für Unternehmen, die an FuE-Beschaffung beteiligt sind
  • 0,24–0,42 % erwarteter Anstieg des EU-BIP über die nächsten zehn Jahre
  • bis zu 507.000 zusätzliche Arbeitsplätze in der EU innerhalb der nächsten zehn Jahre

Quelle: Europäische Kommission, „European Innovation Act“, September 2026. Bei den genannten wirtschaftlichen Effekten handelt es sich um erwartete Auswirkungen.

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