19.03.2026
PERSONALIEN

Bitpanda holt 3 Leute in Verwaltungsrat, darunter deutschen Ex-Minister zu Guttenberg

Das Wiener Krypto-Unicorn Bitpanda baut die Governance-Strukturen seiner Holdinggesellschaft weiter aus. Wie das Unternehmen am 19. März 2026 bekannt gab, verstärken künftig drei international erfahrene Personen den Verwaltungsrat der Bitpanda Group AG.
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Karl-Theodor zu Guttenberg, Katrin Stark und Nirav Tolia sind neu im Bitpanda-Verwaltungsrat | Fotos von Bitpanda bereitgestellt
Karl-Theodor zu Guttenberg, Katrin Stark und Nirav Tolia sind neu im Bitpanda-Verwaltungsrat | Fotos von Bitpanda bereitgestellt

Bereits 2023 verlegte das Wiener Krypto-Unicorn Bitpanda seinen Hauptsitz in die Schweiz. Die dortige Holdinggesellschaft, die Bitpanda Group AG, hat als Schweizer Aktiengesellschaft einen sogenannten „Verwaltungsrat“ – ein Gremium, das im Schweizer Recht die oberste Leitung und die Überwachung der Geschäftsführung vereint. Die Befugnisse gehen somit über einen Aufsichtsrat nach österreichischem Recht hinaus.

Geleitet wird dieser Verwaltungsrat von Co-Founder Eric Demuth, der im November vergangenen Jahres die Rolle des CEO abgab und als Executive Chairman an die Spitze des Verwaltungsrats wechselte – brutkasten berichtete. Nun holte das Unicorn gleich drei weitere Leute ins Gremium.

Polit-, Valley- und Banken-Expertise

Die wohl prominenteste Neubesetzung im Bitpanda-Verwaltungsrat ist der ehemalige deutsche Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Der 54-jährige Gründer von Spitzberg Partners soll nun vor allem seine Erfahrung aus hochrangigen politischen Ämtern und seine Expertise im Bereich internationaler Beziehungen und Regulatorik in den Rat einbringen.

Doch auch die anderen beiden Neuzugänge sind keine Unbekannten. Nirav Tolia ist Mitgründer und CEO der Nachbarschaftsplattform Nextdoor und gilt als Schwergewicht im Silicon Valley. Er soll Bitpanda bei der globalen Skalierung unterstützen. Katrin Stark ist Informatikerin und ausgewiesene Bankexpertin und war in der Vergangenheit in Führungspositionen bei der Commerzbank, der Deutschen Bank sowie der Silicon Valley Bank Germany tätig.

Demuth: „Schärft unseren Wettbewerbsvorteil erheblich“

Demuth sieht die Erweiterung des Gremiums als „gezielten Schritt“, um sich in der nächsten Wachstumsphase „mit herausragendem globalem Talent zu umgeben“. „Diese Kombination schärft unseren Wettbewerbsvorteil erheblich. Es ist die ideale Verbindung aus institutioneller Expertise und Tech-DNA, um sicherzustellen, dass Bitpanda weiterhin an der Spitze finanzieller Innovation bleibt“, so der Bitpanda-Gründer.

Für Bitpanda-CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad gehen die Neuzugänge über reine Aufsichtsfunktionen hinaus. Er sieht in den neuen Mitgliedern strategische Partner für die weitere Expansion: „Sie liefern uns erstklassige Sparringspartner. Ich freue mich auf ihre Impulse und strategische Perspektive, während wir unsere Strukturen weiter professionalisieren und Bitpandas Position als führender Infrastrukturpartner für Institutionen sowie als vertrauenswürdige Plattform für Privatanleger stärken.“

Dem Verwaltungsrat gehören neben den Neuzugängen und Eric Demuth weiterhin die Mitgründer Paul Klanschek und Christian Trummer sowie James Fitzgerald, Caspar Wahler, Pius Sprenger und Tom Lesche an.

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Speedinvest ist Teil des
Speedinvest ist Teil des "German Venture & Growth Forum" | (c) Speedinvest

Die Situation beim Wachstumskapital ist bei Österreichs großem Nachbarn zumindest statistisch gesehen besser als hierzulande. Doch auch in Deutschland bestehe eine erhebliche Finanzierungslücke, sind die Initiator:innen des German Venture & Growth Forum überzeugt. Die neu gegründete Initiative von 24 großteils deutschen Venture-Capital- und Wachstumsinvestoren legte nun das „German Venture & Growth Playbook“ vor, um das zu ändern.

Ein paar Prozent von 2,8 Billionen Euro

Während in den USA jährlich rund 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Venture- und Growth-Kapital investiert werden, liege die Quote in Deutschland bei weniger als 0,2 Prozent – so die Ausgangslage. Daraus ergebe sich ein jährliches Delta von rund 30 Milliarden Euro, rechnet man bei der Initiative vor. Zumindest die Hälfte davon, also jährlich 15 Milliarden Euro, soll mit den im „Playbook“ vorgeschlagenen Maßnahmen mobilisiert werden, so die Forderung. Denn deutsche institutionelle Investoren würden ein Vermögen von nicht weniger als rund 2,8 Billionen Euro verwalten. Bereits geringe Allokationen im niedrigen Prozentbereich könnten demnach erhebliche zusätzliche Mittel für innovative Wachstumsunternehmen bereitstellen.

„Die wachsende Wirtschaftslücke zwischen den USA und Europa geht zu einem großen Teil auf den Mangel an Wachstumskapital zurück. Unternehmen wie die Magnificent Seven wären ohne VC-Investoren nicht entstanden. Startups entwickeln nicht nur disruptive Technologien, sondern sie bauen Zukunftsindustrien auf. Deutschland hat die Mittel, genau diese Industrien zu finanzieren“, kommentierte Technologieinvestor Alexander Kudlich bei der Präsentation in Berlin.

Speedinvest und andere große Namen als Partner an Bord

Der Großteil der 24 am German Venture & Growth Forum beteiligten Investmentgesellschaften hat seinen Sitz in Deutschland mit großen Namen wie Cherry Ventures, Earlybird und High-Tech Gründerfonds (HTGF). Es sind jedoch auch internationale Akteure vertreten, darunter Österreichs größter VC Speedinvest. Das ist kaum verwunderlich, ist Deutschland doch mit 72 Beteiligungen (Stand Anfang 2026) am stärksten im Portfolio des Early-Stage-VCs vertreten, der wiederum zu den aktivsten seiner Art in Deutschland zählt.

Anm.: Der folgende Absatz wurde nach Veröffentlichung hinzugefügt

„Wir sind als offizieller Unterstützer dieser Initiative aufgetreten, weil wir fest überzeugt sind, dass Deutschland und Europa dringend eine signifikante Umschichtung der wirklich großen Kapitalpools in Richtung Innovationsökonomie benötigen. Dort wird die Wertschöpfung stattfinden und es wäre gesellschaftlich unverantwortlich, die breite Gesellschaft nicht daran teilhaben zu lassen“, kommentiert Speedinvest-Gründer Oliver Holle auf brutkasten-Anfrage. „Nun hoffen wir alle, dass auf die hoffnungsvollen Worte auch Taten folgen und die die relevanten Entscheidungsträger rasch agieren.“

Zentrales Ziel des Forums ist eine Neubewertung von Venture Capital als Anlageklasse durch institutionelle Investoren. Das Playbook verweist auf durchschnittliche Renditen europäischer Venturefonds von rund 14 bis 18 Prozent und hebt zugleich deren Diversifikationseffekt wegen einer geringen Korrelation zu Aktien- und Anleihemärkten hervor. „Für dieses Argument stehen wir seit Jahren. Jetzt bestätigen es die Daten, die politischen Rahmenbedingungen stimmen, und institutionelle Investoren sind bereit zuzuhören. Ich bin überzeugt: Wir stehen kurz davor, den gordischen Knoten zu durchschlagen“, sagt Christian Miele, General Partner bei Headline.

Drei Zugangswege für institutionelle Investoren

Erhebliches Potenzial für neue europäische Marktführer gebe es vor allem in den Bereichen Deep Tech, Künstliche Intelligenz, Robotik, Quantentechnologie, Energie, Verteidigung und Raumfahrt, meinen die Initiator:innen. Das „Playbook“ beschreibt dabei drei mögliche Zugangswege für Pensionskassen, Versicherungen, Versorgungswerke und Stiftungen: Investitionen in Einzelfonds, Dachfonds sowie Co-Investments. Dabei bietet der Text in fünf Kapiteln eine recht genaue Beschreibung, wie diese Investment-Strategien konkret umgesetzt werden können. So soll ohne staatliche Sondervermögen oder Garantien und bei marktkonformen Renditeerwartungen ein wesentlicher Beitrag zu einer „neuen Gründerzeit“ geleistet werden.

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