31.07.2025
DEUTLICHE WORTE

Bitpanda-Gründer Demuth: „EU ist zu einem bürokratischen Tumor geworden“

Nach der Einigung zum Handelsdeal zwischen der EU und den USA äußert sich Bitpanda-Gründer Eric Demuth in einem LinkedIn-Posting deutlich.
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Eric Demuth | (c) Bitpanda
Eric Demuth | Foto: Bitpanda

Nach dem Abschluss des Handelsdeals zwischen der EU und den USA vor einigen Tagen gab es bereits eine Welle der Kritik. Ab dem ersten August gilt der neue Zoll-Deal: Statt der ursprünglich angedachten 30 Prozent Zölle auf europäische Exporte gilt nun ein Basiszollsatz von 15 Prozent auf die meisten Waren. Zölle auf Stahl und Aluminium bleiben bei 50 Prozent.

„Die EU ist dabei zu sterben“

Auch Eric Demuth, Gründer und CEO des Wiener Unicorns Bitpanda, äußerte sich nun mit deutlichen Worten dazu. „Die EU ist dabei zu sterben“, schreibt er in einem LinkedIn Posting. Der Handelsdeal sei „der jüngste Beweis für Europas Niedergang“. „Um das klar zu machen: Der Deal ist kein Skandal. Er ist nicht einmal überraschend. Er zeigt nur die brutale Realität, wo wir heute in der Welt stehen. Kein Einfluss. Keine Einheit. Keine Relevanz“, so Demuth.

Er selbst glaube dabei an ein starkes, wettbewerbsfähiges und einiges Europa. Doch die EU sei in ihrem derzeitigen Modus selbst zum Problem geworden. Demuth unterlegt das mit Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung im Vergleich zu den USA in den vergangenen Jahrzehnten.

„Bürokratischer Tumor, der weiterhin unkontrolliert wächst“

Konkret bekrittelt der Bitpanda-CEO unter anderem eine fehlende gemeinsame Linie der 27 EU-Mitgliedsstaaten. „Wir agieren nicht wie eine Union sondern wie 27 voneinander getrennte mittelgroße Staaten, die in endlosen Verhandlungen festhängen“, so Demuth. Während man in der EU noch diskutiere, hätten andere bereits geliefert.

Es gebe keine Kapitalmarktunion, keine gemeinsame Tech- und Energie-Strategie und massive regulatorische Unterschiede auch innerhalb des Systems. „Wir schwächen uns selbst von innen“, konstatiert der Gründer und formuliert durchaus drastisch: „Die EU ist zu einem bürokratischen Tumor geworden, der weiterhin unkontrolliert wächst.“

Bitpanda-Gründer warnt vor „weiteren Brexits“ und Kollaps der EU

Es brauche daher schnelle, umfassende Reformen, eine echte Kapitalmarktunion, klare strategische Prioritäten, eine drastische Deregulierung und Entbürokratisierung und den politischen Willen, gemeinsam zu handeln, meint Demuth. Andernfalls erwarte er „weitere Brexits“ in den kommenden zehn Jahren – „und damit den Kollaps der EU, wie wir sie kennen“.

Die absolute Grundlage sei dabei Kapital. Neben dem bereits erwähnten einheitlichen europäischen Kapitalmarkt brauche Europa „eine Börse mit hoher Liquidität, nicht 20 fragmentierte Börsen mit leeren Orderbüchern“, so Demuth. Zudem brauche es einen „echten Binnenmarkt“ für Risikokapital und IPOs. „Ohne das können wir keine Innovationen finanzieren. Und ohne die Finanzierung und Förderung von Innovationen wird Europa weiterhin irrelevant bleiben und sich mit den ‚Deals‘ zufrieden geben müssen, die man uns vorlegt“, schließt der Bitpanda-Günder.

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Lovable-CEO Anton Osika (r.) im Gespräch mit Times Senior Editorin Ayesha Javed. © brutkasten

Kaum ein Tool steht so sehr für den KI-Bauboom wie Lovable. Erst im August 2026 hat das schwedische Startup, wie brutkasten berichtete, eine Series-C-Runde über 400 Millionen US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Menlo Ventures und mit dem EQT-gemanagten Scaleup Europe Fund als Co-Lead, bei einer Bewertung von 13,3 Milliarden US-Dollar.

Für Gründer und CEO Anton Osika ist das mehr als eine Finanzierungsrunde: Es sei ein Indikator dafür, dass KI-gestützte No-Code- und Low-Code-Plattformen die Nische verlassen hätten und im Mainstream angekommen seien.

Weg vom Entwickler-Monopol

Auf der Dreamforce in San Francisco erläutert Osika die zentrale These hinter Lovable: „Menschen mit Fachwissen über das jeweilige Problem sollten diejenigen sein, die Software bauen“, so Osika. Wer ein Problem am besten kenne, solle auch die Lösung bauen, egal ob in Marketing, HR, Finance oder Operations. Nicht die formale Qualifikation zähle, sondern die Nähe zum Problem.

Dass Lovable längst kein reines Anfänger-Werkzeug sei, belegt Osika mit einer internen Zahl: 55 Prozent der Lovable-Nutzer:innen brächten mehr als elf Jahre Berufserfahrung in ihrem Fachgebiet mit. Entscheidend sei laut dem Co-Founder nicht das klassische Programmieren, sondern die Fähigkeit, komplexe, unstrukturierte Probleme systematisch in funktionierende Systeme zu zerlegen.

Vom Nebenprojekt zur Unternehmenslösung

Besonders aufschlussreich sind die Praxisbeispiele, die Osika im Gespräch anführt. Bei einer Healthcare-Staffing-Firma habe ein Fachbereichsleiter eine komplette neue Produktlinie für die Zertifizierung von Pflegekräften aufgebaut, samt Verwaltung und Terminplanung, und anschließend mehr als zehn weitere interne Anwendungen vernetzt. In den nordischen McDonald’s-Filialen laufe mittlerweile ein auf Lovable gebautes Interface, über das rund 300 Standorte operative Anfragen abwickeln würden.

Solche Geschichten seien laut Osika keine Ausnahme: Bei knapp zwei Dritteln der Fortune-500-Unternehmen, darunter Adidas und Nvidia, würden Mitarbeitende die Plattform nutzen. Häufig beginne es als kleines Team-Projekt und wachse zur unternehmensweiten Lösung heran.

Entwicklung unter Aufsicht

Damit das nicht in unkontrollierter Schatten-IT ende, setzt Lovable laut Unternehmensangaben auf Admin- und Audit-Funktionen, mit denen IT-Verantwortliche nachvollziehen können sollen, welche Anwendungen entstehen, wo sensible Daten verarbeitet werden und wo Sicherheitslücken drohen. Genau das mache aus der anfänglichen Skepsis von IT-Abteilungen häufig Zustimmung, so Osika: „Es wird vom letzten Nein zu dem, was man ausrollen wollte, zum ersten Ja. So verhindern wir Schatten-IT und die Zersplitterung in unzählige Tools, die niemand mehr überblickt“, erklärt Osika.

Überflüssig würden Engineers durch die Lovable-Nutzung anderer trotzdem nicht, meint Osika: Ihre Rolle verschiebe sich von Routineaufgaben hin zu Architektur, Systemanbindung und der Betreuung unternehmenskritischen Codes.

Warum heißt Lovable eigentlich Lovable?

Zum Schluss des Gesprächs räumt Osika mit einem gängigen Klischee über den europäischen Tech-Standort auf: „Viele halten Europa für langsam, aber wenn man in die Tech-Hubs Europas geht, brodelt es dort wie nie zuvor“, sagt Osika. Dass der Produktfokus so stark auf dem Nutzererlebnis liege, führt Osika auch auf den Standort Stockholm zurück, wo der Großteil des Engineering-Teams sitzt. Man habe in den nordischen Ländern genaue Vorstellungen davon, wie ein Produkt funktionieren solle – oder eben nicht. Diese „I-Tüpfelchen-Reiterei“ mache Lovable erst zu dem was es heute ist.

Warum das Unternehmen ausgerechnet „Lovable“ heißt, erklärt er mit einer letzten Zeile, die zugleich als Leitmotiv des Gesprächs steht: „Software sollte nicht einfach nur funktionieren. Sie soll die Emotionen der Menschen wecken“, so Osika.

Vom Vibe zum Volumengeschäft

Was also vor nicht allzu langer Zeit noch als spielerisches „Vibe-Coding“ belächelt wurde, ist laut Osika längst zu einer Infrastruktur geworden, auf der Enterprisekund:innen die nächsten Prozesssysteme entwickeln. Der Markt für KI-gestütztes Bauen sei, so der Lovable-Gründer, endgültig über das reine Ausprobieren hinausgewachsen – und weit über das Vibecoding hinaus.

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