13.06.2022

Bitcoin: 21 wichtige Menschen, die du kennen musst

21 Persönlichkeiten, die die Bitcoin-Welt bewegen und denen man auf Twitter und Co. folgen sollte.
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Bluma Berlin und Niko Jilch moderieren
Bluma Berlin und Niko Jilch moderieren "Late Night Bitcoin" © brutkasten

Sie sind Informatiker:innen, Podcaster:innen, Politiker:innen, Unternehmer:innen und Analyst:innen – und haben eines gemeinsam: Sie sind voll und ganz auf Bitcoin reingekippt. In Late Night Bitcoin stellen Bluma Berlin und Niko Jilch euch die 21 interessantesten Persönlichkeiten rund um Bitcoin vor – aus Deutschland, Österreich, Norwegen, der Schweiz und natürlich Amerika. Denn Bitcoin ist global – und geht uns alle an. Egal ob es um das Geldsystem, die Zahlungsmöglichkeit oder die Philosophie dahinter geht. Die vollständige Liste gibt es hier zum Nachlesen:

Hal Finney – Cypherpunk

Hal Finney ist angeblich der erste Empfänger einer Bitcoin Transaktion – von Satoshi selbst. Er soll mit ihm die erste Testüberweisung durchgeführt haben. Der „zweite Miner der Welt“ war also seit Stunde eins dabei und wird immer wieder verdächtigt, selbst Satoshi zu sein. Er dementierte: Satoshi hat in C++ programmiert und er selbst konnte nur C. Finney verstarb 2014 an der Nervenkrankheit ALS.

Der Gigi

Unter dem Pseudonym „Der Gigi“ firmiert in Österreich ein Szene-bekannter Bitcoin-Maximalist, der sich auch als einschlägiger Buchautor einen Namen gemacht hat. Er ist Podcaster, Interviewgast, Keynote-Speaker, aber niemand weiß, wie er aussieht oder heißt. Auf Konferenzen tritt er mit einem grünen Ganzkörperanzug auf.

Abigail Johnson

Hat Ursprünglich Kunstgeschichte studiert und dann übernahm dann von ihrem Vater die größte Fondsgesellschaft der Welt: Abigail Johnson ist CEO und Chairwomen von Fidelity Investment.
Sie ist eine der mächtigsten und reichsten Frauen der Welt, gibt nicht gerne Interviews und hält ihr Privatleben abgeschirmt. 2018 hat sie Bitcoin bei Fidelity eingeführt, damit sich Großinvestorenan der Kryptowährung nicht den Kopf zerbrechen: „Ich liebe dieses Zeug – Bitcoin, Blockchain-Technologie – und was die Zukunft bringt.“ Im letzten Fidelity Report wurde Bitcoin zum Rohstoff erklärt.

Jack Dorsey

Jack Dorsey ist Founder und ehemaliger CEO von Twitter – 16 Jahre lang war er das, bis er sich neu orientierte. Sein Styling hat sich in den letzten Jahren radikal verändert und das ging Hand in Hand mit seiner Entwicklung zum Bitcoin-Maximalisten. Er hat Twitter verlassen um sich nur noch mit Bitcoin zu beschäftigen. Heute ist er CEO von Block – ein App, die in Twitter integriert ist, um Zahlungen zu tätigen und Tips zu erhalten. Dorsey steht auf Yoga.

Meghan Thee Stallion

Meghan ist Rapperin und IT-Girl-Bitcoinerin. Ihre Devise: BTC is für Hotties. Sie hat über 40 Millionen Follower auf den verschiedensten Plattformen verteilt und die meisten kennen Bitcoin nicht. Ihre Reichweite nutzt sie, um die junge Generation kurz und knackig zum Thema Finanz & BTC aufklären – dafür hat sie auch in zwei Videos mitgewirkt.

Roman Reher

Wer auf YouTube nach Bitcoin sucht und dabei auf deutschen Content besteht, der kommt an Roman nicht vorbei. Unter dem Label Blocktrainer macht er seit Februar 2018 Videos – und hat sich als größter und wichtigster Kanal für Bitcoin etabliert. 130.000 Follower auf Youtube können sich nicht irren, oder? Wohlgemerkt Bitcoin – nicht Krypto – da gibt es unzählige andere Kanäle, die man meistens am Edward Grieg Face erkennen kann.

Roman hat aus dem Blocktrainer längst ein Unternehmen gemacht, mit einigen Mitarbeitern und verschiedenen Kanälen. Auf seiner Website blocktrainer.de findet man stets die neuesten News, auf deutlich besserem Niveau als bei Bild oder Focus – und meist aus der Feder seines Kollegen Rene.

Lina Seiche

Noch eine Deutsche! Lina Seiche ist seit spätestens 2017 fix im Space und hat irgendwann angefangen, die Bitcoin-Welt als Comic zu dokumentieren. Ihr Protagonist ist der Little Hodler – benannt nach diesem berühmten Wort HODL. Das kommt von einem Verschreiber im Bitcoin-Forum. Eigentlich wollte er Hold schreiben, also halten im Sinne von Bitcoin halten.

Der Rest ist Geschichte und der Little Hodler ist nicht nur als Comic ein Erfolg – sondern auch als Plüschtier, das um die Welt geht. Für mich ist die Arbeit von Lina so wichtig, weil sie zeigt: es muss sich nicht immer um Zahlen oder Geld drehen. Bitcoin greift in viele Lebensbereiche und kann auch flauschig daher kommne.

Peter McCormack

Der OG Podcaster. Ein Brite mit Suchtgeschichte und Vergangenheit in der Werbeindustrie. Er hat das Bitcoin-Podcast-Game auf eine ganz neue Ebene gehoben, hat Millionen von Downloads und ballert zwei bis drei Episoden pro Woche raus. Peter hatte schon alle im Podcast. Sogar Nayib Bukele, den Präsidenten von El Salvador.

Peters Trick: Er kann sich gut blöd stellen und in die Rolle der Hörer reinversetzen. Er stellt immer die scheinbar naiven Fragen und deswegen wird es bei ihm selten zu technisch oder ökonomisch. Es gibt noch viele andere Podcast-Helden, etwa Preston Pysh oder Guy Swann – aber Peter steht da irgendwie drüber.

Michael Saylor

Einer, der auch schon bei Peter zu Gast war – und auch sonst auf allen Kanälen zum Thema Bitcoin spricht: Michael Saylor. Zu Deutsch: Michael Seemann. Er ist 2020 aufgeschlagen wie eine Bombe und gehört mit seiner Firma Microstrategy zu den größten Käufern von Bitcoin überhaupt. Saylor hat Milliarden in die digitale Münze gesteckt und die Aktie von Microstrategy ist ein beliebtes indirektes Bitcoin-Investment an der Wall Street.

Saylor ist bekannt für seine Direktheit. Er ist seit Jahrzehnten in der Techindustrie tätig und hat auch den Aufstieg von Smartphones und Apple gut vorhergesehen. Saylor ist kompromisslos. Er nennt Bitcoin den Apex predator der Finanzwelt, also quasi das stärkste Tier im Dschungel und sagt, dass es entweder auf null geht oder auf eine Million – wobei er nicht erwartet, dass es auf null geht, natürlich.

Kjell Inge Rokke

Eines der unbekannteren Gesichter auf dieser Liste. Kjel Inge Rokke ist der reichste Mann Norwegens und der Besitzer von Aker, einem der wichtigsten Energiekonzerne des Landes. Rokke ist ein self made man der als einfacher Fischer angefangen hat. Nach seinem Tod soll der Großteil seines Vermögens gespendet werden und vor allem dem Schutz der Meere zu Gute kommen. Rokke hat sich Bitcoin genau angesehen und ist zu dem Schluss gekommen, dass diese Technologie die Welt verändern wird – angefangen mit seinem Heimatmarkt, der Energie.

Anders als viele Kritiker sieht er in Bitcoin einen enormen Anreiz zum Ausbau erneuerbarer Energiequellen und hat mit Seetee eine eigene Firma gegründet, die hier voranschreiten soll – sowie auch in anderen Bitcoin-Bereichen tätig sein wird. Sein Brief an die Aktionäre von Aker liest sich wie ein Liebesbrief an Bitcoin, er ist 23 Seiten lang und absolut faszinierend. Ich finde, wenn jemand wie Rokke auf das Thema aufmerksam wird, dann sollte man zuhören.

Jordan Peterson

Er ist klinischer Psychologe, Autor, Universitätsprofessor und sehr umstritten. Der Kanadier wird von einigen geschätzt und von einigen gehasst. Er hat einen IQ von 150 und Bitcoin blitzschnell verstanden. Seine Erleuchtung hatte er während eines Podcast-Interviews mit Saifedean Ammous („Der Bitcoin Standard“). 2022 war er Speaker auf der größten BTC Konferenz der Welt in Miami.

Niklas Nikolajsen

Der Däne Niklas Nikolajsen gilt als „Bitcoin Dagobert Duck“ der Schweiz. Er hat bereits 2013 mit der Bitcoin Swiss AG einen der bekanntesten Bitcoin-Finanzdienstleister Europas gegründet. Seine ersten 1000 Bitcoin soll er noch um 0,8 Franken pro Stück gekauft haben. Zudem gilt er als Besitzer des größten Goldnuggets, das je gefunden wurde.

Nayib Bukele

Nayib Bukele ist Präsident von El Salvador und das erste Staatsoberhaupt, das Bitcoin als Landeswährung einführte – mit einem eigenen Staatswallet namens Chivo. Neulich hat er 44 Nationen zu sich eingeladen um ihnen Bitcoin und Lightning zu erklären: Die Zentralbanker und Staatsmänner standen Schlange um sich ein D.Wallet installieren zu lassen. Außerdem hat er den Entwurf der Bitcoincity präsentiert – die er jetzt bauen lässt. Dort wird gemint was das Zeug hält und zwar mit grüner Vulkanenergie.

Max & Stacy

Absolute VIPs im Bitcoin-Bereich. Max Keiser ist eigentlich Showmaster und war Stock Broker an der Wall Street. Stacy Herbert war Moderatorin in Hollywood. Die beiden sind verheiratet und haben begonnen, gemeinsam Finanzshows zu machen: Keiser Report und Double Down. Max Kaiser soll schon 1998 eine digitale Währung erfunden haben – mit dem Hollywood Dollar sollte man Schauspieler:innen und Filme wie Aktien handeln können.

Lightrider

Lightrider ist unter anderem deutschsprachiger Youtuber und macht unterhaltsamen Satirecontent zum Thema Krypto. Lightrider kann sowohl mit Soft-, als auch mit Hardware umgehen und baut das Lightning Network aus und entwickelt Fullnodes.

Ijoma Mangold

Den deutschen Feuilletonisten und Literaturkritiker Ijoma Mangold ist eine faszinierende Persönlichkeit. Als Redakteur der „Zeit“ hat er vergangenes Jahr einen bemerkenswerten Text gebracht über Bitcoin: das schlaue Gold. Er sieht in Bitcoin so etwas wie eine rebellische Jugendbewegung, die einst spießige Werte wie Sparen und Eigenverantwortung wieder cool macht – und findet das gut. Im kommenden Jahr erscheint sein Buch, die orange Pille. Orange, weil das die offizielle Bitcoin-Farbe ist. Und Pille, weil wenn man die einmal geschluckt hat, dann kommt man nicht mehr zurück.

Caitlin Long

22 Jahre lang war Caitlin Long an der Wall Street tätig. Eine Veteranin. Sie war bei Morgan Stanley, Credit Suisse und Salomon Brothers. Aber ab 2012 ist sie auf Bitcoin abgefahren. Inzwischen ist sie voll dabei. Long ist die Gründerin und Geschäftsführerin von Custodia Bank, einer amerikanischen Bitcoin-Bank und gehört in den USA zu den prominentesten Fürsprecherinnen von Bitcoin.

Long glaubt, dass auf der Basis von Bitcoin ein besseres und faireres Finanzsystem errichtet werden kann. Long steckt auch tief drinnen im Washington-Game, wo ähnlich wie in Brüssel über die Zukunft von Bitcoin und Krypto-Assets nachgedacht und gestritten wird. Sie beobachtet jedes Detail und versucht, im Sinne von Bitcoin zu lobbyieren.

Senator Cynthia Lummis

Die Republikanerin aus Wyoming gehört zu den größten Bitcoin-Fans überhaupt in der amerikanischen Politik. Sie hat keinerlei Problem damit, sich öffentlich zu Bitcoin zu bekennen und schreibt auf Twitter, dass Bitcoin das härteste Geld ist, das die Welt je gesehen hat.

Jetzt hat sie gemeinsam mit Kirsten Gillibrand, einer Demokratischen Senatorin aus New York, ein neues Gesetz zur Regulierung von Bitcoin, Krypto und Stablecoins vorgelegt. Dem zufolge würde Bitcoin in Zukunft als Rohstoff behandelt werden während alle andern Kryptos (möglicherweise mit Ausnahme von Ethereum) als Finanzinstrumente reguliert würden. Der Ansatz ähnelt etwa den alten Bitcoin-Steuergesetzen in Österreich, wo Bitcoin wie Gold behandelt wurde. Freilich: Ein Gesetzesentwurf heißt noch nicht viel – aber die USA sind Europa weit voraus.

Adam Back

Adam Back wurde bereits im Bitcoin-Whitepaper zitiert. Er ist der Erfinder von proof of work, das via Mining Bitcoin zum Leben erweckt. Er ist auch der einzige aus den frühen Bitcoin-Tagen, der heute noch an vorderster Front am Erfolg von Bitcoin arbeitet. Back gilt als aussichtsreicher Kandidat für Satoshi Nakamoto und ein YouTube-Video hat ihn vor einigen Jahren sogar zu „enttarnen“ versucht. Aber Back streitet das ab und sagt, dass er erst 2013 wirklich ins Bitcoin-Rabbit-Hole gefallen ist. In der Community wird er jedenfalls oft liebevoll Satoshi genannt. Mit seiner Firma Blockstream ist er sehr aktiv dabei, Bitcoin als Basistechnologie für neue Anwendungen einzusetzen. Dazwischen findet man ihn auf Twitter. Jeden Tag.

Lyn Alden

Lyn Alden ist nicht wegzudenken aus dem englischen Podcast-Zirkus. Sie betreibt ihren eigenen Newsletter und analysiert die Lage der Wirtschaftswelt mit großem Scharfsinn und Tiefgang – und zwar alles, von Aktien über Gold, Staatsanleihen, Rohstoffe und natürlich Bitcoin. Lyn erzielt regelmäßig die höchsten Einschaltquoten mit ihren Analysen. Generell ist die Debatte in den USA schon viel weiter, weil die Politik sich der Sache angenommen hat – aber auch, weil die gut ausgebauten Finanzmärkte viel Aufmerksamkeit und Debatte bringen. Viel mehr als in Österreich, wo Geldanlage und Börse nie wirklich ein Thema war. Die gute Nachricht: der deutschsprachige Bitcoin-Space wächst und wächst…

Niko & Bluma

Nikolaus Jilch ist Finanzjournalist und einer der bekanntesten Bitcoin-Erklärer Österreichs. Bluma Berlin ist Original Bitcoin Artist und schon seit 2013 Bitcoinerin. Jilch hat sich nach seiner Zeit als Wirtschafts- und Finanzjournalist bei der Tageszeitung „Die Presse“ und als Ökonom bei dem Think-tank Agenda Austria voll und ganz dem Thema Bitcoin verschrieben. Kolumne beim brutkasten, eigener Podcast und natürlich „Late Night Bitcoin“, die coolste Bitcoin-Show, die er gemeinsam mit Bluma Berlin gestaltet und moderiert.

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24.08.2026

KOKUYO-Manager:“Der innovativste Raum ist nicht der technisch fortschrittlichste“

Das japanische Unternehmen KOKYUO denkt Arbeitsumgebungen seit mehr als 120 Jahren vom Menschen her, nicht vom Schreibtisch. Im schriftlichen Interview spricht Kentaro Imai, Global Marketing Division von Kokuyo, über Life-Based Working, die Rolle von Brückenbauern zwischen Innovationsökosystemen und darüber, was österreichische und japanische Organisationen voneinander lernen können.
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Kentaro Imai leitet die Global Marketing Division von Kokuyo | (c) Kokuyo

Wenn über die Zukunft der Arbeit gesprochen wird, geht es meist um Technologie. Bei KOKUYO geht es zuerst um den Menschen. Das japanische Unternehmen wurde im Oktober 1905 in Osaka gegründet, damals als kleiner Betrieb, der Umschläge für Rechnungsbücher herstellte. Daraus wurde über 120 Jahre hinweg ein Konzern, der Schreibwaren, Büromöbel, Raumgestaltung und Beratung verbindet. Im Alltag bekannt ist KOKUYO vor allem durch die Campus-Notizbücher, die seit 1975 zum Standard in japanischen Schulen und Büros gehören.

Prägender für die Arbeitswelt-Debatte ist allerdings ein anderer Strang der Firmengeschichte: KOKUYO nutzt die eigenen Büros seit Jahrzehnten als Labor. Bereits 1969 machte das Unternehmen sein damals neues Headquarter öffentlich zugänglich und startete damit die Live-Office-Initiative. 2021 folgte The Campus im Tokioter Stadtteil Shinagawa, wo Teile des Bürogebäudes für die Nachbarschaft geöffnet wurden, samt Park, Shop und Coffee Stand. Im Mai 2026 eröffnete KOKUYO in Osaka ein neues globales Headquarter, ebenfalls als offener Experimentierraum angelegt.

Dazu kommt die Forschungsseite: Das hauseigene Workstyle Research Lab stützt sich auf eine jährliche globale Befragung von rund 5.000 Personen sowie auf Arbeitsplatzforschung in 30 Ländern und an mehr als 1.000 Standorten.

Wie KOKUYO dieses Denken auf europäische Märkte überträgt, verantwortet Kentaro Imai. Als General Manager der Global Marketing Division im Global Workplace Business ist er erster Ansprechpartner für Hersteller und Händler in Europa und Nordamerika. Was Life-Based Working bedeutet, warum es Brückenbauer zwischen den Innovationsökosystemen braucht und was sich Österreich und Japan gegenseitig abschauen können, erzählt Imai hier im Interview.


brutkasten: Herr Imai, was bedeutet es bei KOKUYO, an der Zukunft zu arbeiten?

Für uns bedeutet es nicht, eine einzige, endgültige Zukunft vorherzusagen. Es bedeutet, mögliche Zukünfte so greifbar zu machen, dass Menschen sie über ihre eigene Neugier erfahren können.x

Bei unseren Produkten heißt das, über den Gegenstand hinauszudenken. Ein Sessel ist nicht nur ein Sessel, er kann Bewegung, Konzentration, Interaktion und Wohlbefinden beeinflussen. Bei unseren Räumen heißt es, Umgebungen zu gestalten, die sich mitverändern, wenn sich Tätigkeiten und Erwartungen der Menschen verändern. In unseren Teams heißt es: Menschen genau beobachten, empathisch zuhören, Ideen prototypisch bauen und aus dem lernen, was tatsächlich passiert.

Unsere Büros, Forschungseinrichtungen und Räume wie The Campus funktionieren deshalb als lebende Labore. Wir testen neue Verhältnisse zwischen Arbeit, Leben, Lernen, Gemeinschaft und Technologie in realen Situationen, statt sie nur theoretisch zu diskutieren. Unser Anspruch ist es, ein Morgen zu zeigen, auf das man nicht warten will. Das verlangt Neugier, Experimentierfreude und den Mut, Zukunft sichtbar zu machen, bevor jede Antwort feststeht.

Bild: Bürosessel ingCloud, ausgezeichnet mit dem Red Dot: Best of the Best 2026 | © KOKUYO

Wie prägen „Be Unique“ und Life-Based Working das Zukunftsverständnis von KOKUYO?

„Be Unique“ beginnt mit der Überzeugung, dass Individualität eine Wertquelle ist und nichts, was Organisationen wegstandardisieren sollten.

Menschen haben unterschiedliche Körper, Persönlichkeiten, Verantwortlichkeiten, kulturelle Hintergründe, Arbeitsrhythmen und Denkweisen. Life-Based Working bedeutet, bei diesen Realitäten des menschlichen Lebens anzusetzen, statt bei den traditionellen Annahmen des Büros.

Statt den einen idealen Arbeitsplatz zu entwerfen oder die eine richtige Art zu arbeiten vorzuschreiben, schaffen wir Ökosysteme der Wahlmöglichkeiten. Menschen brauchen Orte für konzentriertes Arbeiten, für Zusammenarbeit, für Gespräche, für Lernen, für Erholung, für Bewegung und für soziale Verbindung. Und sie brauchen die Autonomie, jene Umgebung zu wählen, die zu ihrem jeweiligen Vorhaben passt.

Gleichzeitig darf Individualität nicht Isolation bedeuten. KOKUYOs langfristige Vision ist eine selbstbestimmte, kooperative Gesellschaft: eine, in der Menschen ihre Einzigartigkeit ausdrücken können, andere respektieren und gemeinsam neuen Wert schaffen. Die Zukunft der Arbeit sollte den Menschen also mehr Handlungsspielraum geben und zugleich ihre Beziehungen zu Kolleginnen und Kollegen, zu Communities und zur Gesellschaft stärken.

Wie wichtig sind Brückenbauer zwischen Kulturen und Innovationsökosystemen?

Sie sind unverzichtbar, weil Ideen sich nicht einfach von einem Land in ein anderes kopieren lassen. Sie müssen übersetzt werden, nicht nur sprachlich, sondern kulturell und organisatorisch, hinein in den Kontext der jeweiligen Community.

Ein Konzept, das in Japan funktioniert, muss für Österreich oder einen anderen europäischen Markt womöglich neu gerahmt werden. Erwartungen an Hierarchie, Entscheidungsfindung, Privatsphäre, Zusammenarbeit, Risiko und individuelle Autonomie können sich unterscheiden. Brückenbauer helfen beiden Seiten zu verstehen, welche menschlichen Bedürfnisse universell sind und welche Annahmen lokal geprägt.

Büro als soziale Infrastruktur: In The Campus treffen KOKUYO-Mitarbeitende auf Gäste, Anrainerinnen und Anrainer. Für Imai entsteht Innovation genau in solchen Begegnungen. | © KOKUYO

Sie verbinden außerdem Organisationen, die einander sonst nie begegnen würden: etablierte Unternehmen, Startups, KMU, Forschende, Designerinnen und Designer, Verwaltungen, Bildungseinrichtungen und lokale Communities. Organisationen wie We Are Unicorns, CIC und Venture Café liefern dafür die Beziehungen und die gemeinsame Sprache.

KOKUYO hat ein wachsendes internationales Netzwerk. Unser Ziel sollte aber nie sein, eine japanische Lösung zu exportieren oder eins zu eins zu übersetzen. Die eigentliche Chance liegt darin, japanisches Wissen mit lokaler europäischer Erfahrung zu verbinden und gemeinsam etwas zu entwickeln, das keine der beiden Seiten allein hervorgebracht hätte.

Warum sind physische Begegnungsorte für Innovation wichtig?

Digitale Technologie erlaubt Kommunikation über enorme Distanzen. Aber Kommunikation allein erzeugt nicht automatisch Vertrauen, Zugehörigkeit oder Zusammenarbeit.

Innovation beginnt oft mit Beobachtung, informellen Gesprächen, unerwarteten Begegnungen und Co-Creation. Menschen bemerken etwas, tauschen Perspektiven aus, fordern einander heraus und entwickeln nach und nach das Zutrauen, gemeinsam zu experimentieren. Physische Orte schaffen die Bedingungen dafür.

The Campus ist deshalb mehr als ein Showroom oder ein Büro. Es ist ein Experimentierfeld für die Zukunft von Arbeit, Leben und Lernen. Indem Teile des Arbeitsplatzes für die Nachbarschaft geöffnet werden, begegnen einander Mitarbeitende, Gäste, Kreative und Anrainerinnen und Anrainer auf andere Weise.

Wir verstehen solche Räume als soziale Infrastruktur. Ihr Zweck ist nicht, Menschen unterzubringen, sondern Neugier, Beteiligung und neue Beziehungen zu ermöglichen. Der innovativste Raum ist nicht zwangsläufig der technisch fortschrittlichste. Es ist jener, in dem Menschen, die einander sonst nie treffen würden, beginnen, gemeinsam etwas zu denken und zu bauen.

The Campus in Tokio-Shinagawa: KOKUYO hat einen Teil des eigenen Firmengeländes in einen offenen Park mit Shop und Coffee Stand verwandelt, der allen zugänglich ist. | © KOKUYO

Wie wichtig sind internationale Zusammenarbeit und das Lernen von anderen Perspektiven?

Internationale Zusammenarbeit ist keine Zusatzaktivität am Rand von Innovation. Sie wird zu einer ihrer zentralen Voraussetzungen.

Die Zukunft der Arbeit wird in Tokio, Wien, Mumbai, Shanghai oder Sydney nicht dieselbe sein. Demografie, Wohnen, Mobilität, Technologie, Führungspraktiken und gesellschaftliche Erwartungen prägen, wie Menschen Arbeit und Leben erfahren.

Seit 2021 öffnet KOKUYO Teile seiner Tokioter Zentrale für die Nachbarschaft. Die Live-Office-Idee, eigene Büros als Versuchsfläche zu nutzen, verfolgt das Unternehmen seit 1969. | © KOKUYO

Unser Workstyle Research Lab stützt sich auf eine jährliche globale Befragung von rund 5.000 Personen und auf Arbeitsplatzforschung in 30 Ländern und an mehr als 1.000 Standorten. Das hilft uns, Muster zu erkennen. Es erinnert uns aber auch daran, dass es weder den einen globalen Mitarbeiter noch die eine universelle Arbeitsplatzlösung gibt.

Internationale Kooperation erlaubt uns, die eigenen Annahmen infrage zu stellen. Manchmal hilft eine andere Kultur dabei, etwas wieder zu sehen, das man selbst längst nicht mehr wahrnimmt, weil es normal geworden ist. Unsere Aufgabe ist deshalb nicht, die eine globale Best Practice zu bestimmen und überall zu wiederholen. Sie besteht darin, einen globalen Lernprozess zu schaffen: Evidenz teilen, Ideen lokal testen und Lösungen gemeinsam mit jenen anpassen, die sie am Ende nutzen.

Was können österreichische und japanische Organisationen voneinander lernen?

Wir sollten aufpassen, keines der beiden Länder auf ein Klischee zu reduzieren. Dennoch gibt es einander ergänzende Stärken, aus denen sich wertvolle Lernprozesse ergeben können.


Mehr über We Are Unicorns

We Are Unicorns wurde von Marie-Therese Barth und Florian Moosbeckhofer in Wien gegründet. Die beiden arbeiteten zuvor knapp sieben Jahre lang gemeinsam in der Wirtschaftskammer Österreich im Digitalisierungsbereich, unter anderem an der Innovation Map. Ihr Unternehmen versteht sich als „Innovationsabteilung as a Service“ für kleine und mittlere Unternehmen, die für aufwendige Strategieprozesse meist weder Zeit noch eigene Ressourcen haben.

Kern des Angebots ist der Future Radar, ein kostenfreies digitales Werkzeug, das Betrieben 55 konkrete Chancen für den eigenen unternehmerischen Erfolg aufzeigt. Ein eigens entwickelter KI-Assistent ordnet die Themen ein und leitet daraus nächste Schritte für das jeweilige Unternehmen ab. Mehr dazu im brutkasten-Talk: „Lust auf Zukunft machen“: Wie We Are Unicorns KMU unterstützen will

Tipp der Redaktion:

Wer sich selbst ein Bild von KOKUYO Zugang zur Arbeitswelt machen will, hat dazu im Herbst Gelegenheit: Der japanische Konzern stellt auf der Orgatec aus, der internationalen Leitmesse für Arbeits- und Objekteinrichtung, die von 27. bis 30. Oktober 2026 in Köln stattfindet. Die Messe steht heuer erstmals unter einem Leitthema, „From rooms to relationships“, und rückt damit die Beziehungen zwischen Menschen im Arbeitsumfeld in den Mittelpunkt.

Disclaimer: Dabei handelt es sich um eine Themenpartnerschaft, die Teil des brutkasten-Magazins „Aufbrechen“ ist – in Kooperation mit WeAreUnicorns.

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