30.03.2026
SPIELZEUG

Bioblo: Tullner Unternehmen startet B2B-Modell – Erste Bank mit Sparefroh als Kunde

Der österreichische Spielzeug-Hersteller Bioblo erweitert sein Geschäftsmodell in Richtung B2B – und setzt dabei auf Produkte als "Kommunikationsmedium".
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Bioblo, Stapelstein, Klemmbaustein, Lego
© Bioblo - (v.l.) Die Bioblo-Gründer Dietmar Kreil, Stefan Friedrich und Hannes Frech.

Das Tullner Unternehmen Bioblo feierte im Vorjahr sein zehnjähriges Bestehen – brutkasten berichtete – und erweiterte kurz darauf mit „Pixel“ sein Spielkonzept. Nun ging man den nächsten Schritt und startete mit der Sparkasse, der Erste Bank (beide bereits im Vorjahr) und der H2O-Therme neue B2B-Projekte.

Bioblo: über eine Viertelmillion Kinderzimmer

Dabei reagiert der österreichische Spielzeug-Hersteller im Sinne von Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung mit einem neuen Ansatz zu Streuartikeln bzw. Giveaways. Man will sich bewusst vom klassischen Kommunikationsdenken lösen: Spielzeug nicht als kurzfristiges Wegwerf-Werbemittel zu sehen, sondern als langfristig genutztes Medium.

Heutzutage sind eigenen Angaben nach mehr als 250.000 Kinderzimmer in Europa mit den Bioblo-Bausteinen ausgestattet. Produziert wird ausschließlich in Europa, der Materialmix kombiniert recycelte Kunststoffe mit Holzfasern aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Die Bausteine tragen unter anderem das Österreichische Umweltzeichen und den Blauen Engel.

Jenseits von Logos und Kampagnenlogik

Während internationale Spielwarenkonzerne vor allem auf Lizenzen, Serienproduktion und globale Skalierung setzen, verfolgt Bioblo einen anderen Ansatz. Die Produkte entstehen in „gut planbaren Stückzahlen“ und sind langlebig ausgelegt. Genau darin liegt aus Sicht des österreichischen Herstellers ihr strategischer Wert für Marken.

„Ein Objekt, das über Monate oder Jahre Teil des Familienalltags bleibt und immer wieder neu kombiniert werden kann, transportiert Werte leiser, aber nachhaltiger und sympathischer als klassische Kommunikationsmittel“, so der Claim. Spielzeug werde so zu einem dauerhaften Berührungspunkt zwischen Marke und Mensch – jenseits von Logos und Kampagnenlogik.

B2B-Projekte mit Sparkasse, Erste Bank und H2O-Therme als Proof of Concept

Wie dieser Ansatz in der Praxis funktioniert, sollen große Kooperationen zeigen. Unter anderem gemeinsam mit der Sparkasse und der Erste Bank wurde ein, im heimischen kollektiven Gedächtnis festverankertes, Symbol neu interpretiert: Der „Sparefroh“ etwa erschien zum letztjährigen Weltspartag als exklusives, limitiertes Bioblo-Set aus 51 Pixel-Steinen.

Bioblo, Sparefroh
© Bioblo – Die Sparefroh-Figur.

„Unsere Weltspartags-Geschenke müssen klaren Anforderungen entsprechen: Sie sollen von regionalen Produzenten stammen, um die heimische Wirtschaft zu stärken, und nachhaltig sowie ökologisch gefertigt sein. Mit Bioblo haben wir einen Partner gefunden, der all diese Kriterien erfüllt – und das zu einem attraktiven Preis,“ sagt Florian Haiderer, Leiter Werbung und Öffentlichkeitsarbeit bei der Sparkasse NÖ Mitte West.

Weitere Kooperationen in Planung

Auch im Freizeit- und Tourismusbereich wird nun der nachhaltige Zugang weitergeführt. In Zusammenarbeit mit der H2O-Therme wird 2026 das Thermen-Maskottchen als limitierte Edition umgesetzt. „Die Zusammenarbeit mit Bioblo ermöglicht es uns, unseren Gästen ein kreatives und nachhaltiges Abreisegeschenk zu überreichen, das unser Maskottchen HopiHo auf besondere Weise erlebbar macht“, sagt Vera Strasek, Verkaufsleiterin der H2O-Hoteltherme GmbH.

Weitere Kooperationen mit Unternehmen aus Finanzdienstleistung, Freizeitwirtschaft, Handel, Automobilbranche und Bildung sind in Vorbereitung.

Bioblo: „Spielzeug nicht als Werbefläche…“

Im Vergleich zu anderen globalen Anbietern positioniert sich Bioblo schon lange bewusst anders: Kurze Entscheidungswege statt komplexer Konzernstrukturen, Entwicklungen statt standardisierter Lizenzprodukte und Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil der Produktentwicklung sind laut Gründern Teil der Firmen-DNA.

„Wir sehen Spielzeug nicht als Werbefläche, sondern als Beziehungsträger. Wirkung entsteht nicht durch Lautstärke, sondern wenn ein Produkt Teil des Alltags wird“, sagt Stefan Friedrich, CEO von Bioblo. „Genau darin liegt die Chance für Unternehmen: Marken erlebbar zu machen, ohne sich aufzudrängen.“

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vlnr.: Lisa Fassl, Natascha Fürst und Florian Haas | (c) Viktoria Waba/brutkasten / Martina Trepczyk / brutkasten

Es ist wieder soweit: Die halbjährliche Trilogie der EY-Reports zur Startup-Finanzierung in Österreich wird mit der gewohnten Hiobsbotschaft komplettiert. Während die allgemeine Investment-Statistik Zyklen unterliegt, die sich in der langfristigen Betrachtung durchaus aufwärts bewegen, zeigt sich beim Female Startup Funding Index, den EY gemeinsam mit Female Founders und Fund F herausbringt, immer das gleiche Bild: Verbesserungen und Verschlechterungen passieren im Prozentpunkt-Bereich auf konstantem Keller-Niveau.

94,9 Prozent des Kapitals an rein männliche Teams

Die konkreten aktuellen Zahlen: Von den statistisch erfassten 472 Millionen Euro Risikokapital für österreichische Startups im ersten Halbjahr 2026 flossen 94,9 Prozent an rein männliche Founding-Teams, gemischte Teams erhielten 4,8 Prozent des Kapitals und rein weibliche Teams lediglich 0,3 Prozent; der Frauenanteil unter den Gründer:innen von Startups mit Investment im ersten Halbjahr liegt bei nur 13 Prozent; nur drei der 95 für den Index analysierten Startups mit Finanzierung haben ein ausschließlich weibliches Founding-Team; und bei Finanzierungen über zehn Millionen Euro gibt es kein einziges Gründungsteam mit weiblicher Beteiligung.

Fassl: „Der Aufschwung hat ein Geschlecht“

„2026 ist das Kapital zurück: 472 Millionen Euro Risikokapital für Österreichs Startups, mehr als eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr, und so viele Finanzierungsrunden wie nie zuvor. Bei Frauen ist davon nichts angekommen. Während rein männliche Teams fast das gesamte Volumen einsammelten, gingen 0,3 Prozent des Geldes an rein weibliche Teams – rund 1,4 Millionen Euro im gesamten Halbjahr. Damit ist klar: Der Aufschwung hat ein Geschlecht“, kommentiert Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F und Co-Gründerin von Female Founders.

Dass die Schieflage auch in einem starken Marktumfeld bestehen bleibt, habe mehrere Gründe, analysieren die Studienautor:innen: Große Finanzierungsrunden würden häufig von etablierten Venture-Capital-Fonds getragen, die auf bestehende Netzwerke, frühere Investmenterfolge und bekannte Muster zurückgriffen. Gleichzeitig zeige sich seit Jahren, dass Gründerinnen insbesondere beim Zugang zu Investorennetzwerken und großen Wachstumsfinanzierungen häufiger auf Hürden stoßen. Genau diese späten Finanzierungsphasen hätten jedoch den größten Einfluss auf die Verteilung des investierten Kapitals. „Das Problem beginnt nicht erst bei der Finanzierung, wird dort aber besonders sichtbar“, kommentiert Florian Haas, Head of Startup bei EY Österreich.

Fürst: „Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ“

Wie oben erwähnt, liegt der Frauenanteil unter den Gründer:innen jener Startups, die erfolgreich eine Finanzierung erhalten haben, bei rund 13 Prozent (31 von insgesamt 248 Gründer:innen). Eine weitere Aufschlüsselung: Von den insgesamt 95 erfassten Startups mit Investment im ersten Halbjahr, deren Gründungsteam bekannt ist, haben 72 ein ausschließlich männliches Founding-Team (76 Prozent), weitere 20 ein gemischtes Team (21 Prozent) und lediglich drei ein rein weibliches Gründungsteam (3 Prozent). Dabei handelt es sich um Factorymaker, Faund Social Dating Club und Recruitiverse.

Natascha Fürst, CEO von Female Founders, leitet daraus ab: „Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ: Es gründen genug Frauen – das Problem ist, wer von ihnen ans Kapital kommt.“ Die Studie zeige kein Problem an der Gründungsbasis, sondern ein strukturelles Versagen des Kapitalmarkts. „Und das lässt sich nicht wegdiskutieren“, so Fürst.

Lisa-Marie Fassl legt nach: „Noch nie saßen so viele Frauen in finanzierten Gründungsteams wie jetzt: 13 Prozent. Und trotzdem floss fast das komplette Kapital an rein männliche Teams. Mehr Frauen am Tisch heißt offensichtlich nicht mehr Geld für Frauen. Wer glaubt, dass das der nächste Aufschwung von selbst reguliert, hat die letzten vier Jahre die Augen zugemacht. Es wird Zeit, dass wir aufhören, eine rationale, wirtschaftliche Diskussion emotional zu führen. Denn als Standort lassen wir Rendite auf dem Tisch liegen, nachweislich, Jahr für Jahr.“

Keine Frau in Gründungsteams mit Investments über 10 Mio. Euro

Konkret lag bei Startups mit Finanzierungen bis zu einer Million Euro der Gründerinnenanteil bei 17 Prozent. Bei Finanzierungen zwischen einer und zehn Millionen Euro waren acht der insgesamt 75 Gründer:innen Frauen (11 Prozent). Bei allen analysierten Finanzierungen über zehn Millionen Euro bestanden die bekannten Gründungsteams ausschließlich aus Männern.

„Dass Gründerinnen bei kleineren Runden sichtbar sind, bei größeren Tickets aber praktisch verschwinden, zeigt sehr deutlich, wo die größte Herausforderung liegt: beim Zugang zu Wachstumskapital. Dort entscheidet sich letztlich, welche Unternehmen zu internationalen Champions werden“, analysiert Florian Haas.

Health-Sektor sticht positiv heraus

Deutliche Unterschiede beim Gender Investment Gap zeigen sich übrigens auch im Branchenvergleich: Hier sticht vor allem der Health-Sektor heraus, in dem insgesamt 17 Startups eine Finanzierung erhielten. Dort lag der Frauenanteil bei knapp 23 Prozent. Unter den insgesamt 48 Gründer:innen dieser Unternehmen befanden sich elf Frauen. Demgegenüber weisen mehrere technologieintensive Bereiche keine einzige Gründerin unter den finanzierten Startups auf, darunter SpaceTech/NewSpace, FinTech/InsurTech, Education, DefenseTech sowie ClimateTech/GreenTech/CleanTech.

„Gerade der Bereich Health zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven in Gründungsteams zusammenkommen“, kommentiert Natascha Fürst. „Vielfalt ist kein Selbstzweck, sondern ein Innovationsfaktor. Unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel führen zu besseren Produkten, neuen Märkten und nachhaltigeren Unternehmen.“

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