11.07.2025
KOOPERATION

Better Mobility Accelerator: Wie Startups die Mobilitätswende vorantreiben

Der Better Mobility Accelerator vernetzt Europas innovativsten Köpfe, um gemeinsam an barrierefreien, bezahlbaren und klimafreundlichen Mobilitätslösungen zu arbeiten. Wir waren beim Better Mobility City Lab in Wien live vor Ort und haben uns umgehört, an welchen Lösungen gearbeitet wird.
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Claudia Falkinger im Rahmen des Better Mobility City Labs in Wien | (c) POINT& - Tanja Punz-Wagner

Mitte Mai fiel der Startschuss für den dritten Durchgang des Better Mobility Accelerators, Europas Leitprogramm für barrierefreie, bezahlbare, sichere und klimafreundliche Mobilität. Zwölf Startups aus rund 50 Einreichungen schafften den Sprung in das sechsmonatige Programm, das im Dezember mit einem Demo-Day endet. Kernstücke sind zwei Better Mobility City Labs: ein dreitägiger Deep-Dive, der Ende Juni in Wien stattgefunden hat, und ein weiterer Mitte September in Lissabon, wo die Teams ihre Lösungen unter realen Bedingungen testen.

„Heute sitzen Startups, Städte, Unternehmen und Ministerien an einem Tisch, um zu sehen, wohin sich Mobilität entwickeln muss“, erklärte Claudia Falkinger, Managing-Partner bei POINT& und Co-Initiatorin des Better Mobility Accelerators, im Zuge des Mobility City Labs in Wien. Die Jury habe sich bewusst für ein diverses Line-up entschieden, ergänzt sie: “Bis 2050 werden 80 Prozent der Menschen in Städten leben – wir müssen jetzt Lösungen schaffen, die alle mitnehmen.”

Ein wachsendes Ökosystem

Getragen wird der Accelerator von POINT&, Impact Hub Vienna, dem portugiesischen Studio Productized sowie EIT Urban Mobility. Wien fungiert als Tor zu Mittel- und Osteuropa, Lissabon als Brücke in den iberischen Raum. Das Ökosystem umfasst bereits über 500 Mobilitäts­innovationen, sowie mehr als 100 Mentor:innen und 30 Partner aus Industrie und Stadtverwaltungen. 

(c) POINT& – Tanja Punz-Wagner

Easily: Ladeinfrastruktur aus Österreich

Unter den zwölf Startups ist auch Easily aus Graz. Das Startup will das Laden von Elektroautos „radikal vereinfachen“ und zugleich international skalieren. „Der Accelerator gibt uns die Möglichkeit, in neue Märkte vorzustoßen und komplett frische Eindrücke zu sammeln“, sagt Gründer Norbert Rainer. Die sechs Monate zwischen Wien und Lissabon passen ideal zur Roadmap; der Demo-Day im Dezember soll Investor:innen und Kommunen zusammenbringen. Während des Wiener City Labs erkundete das Easily-Team die Seestadt Aspern und das Nordbahnviertel und diskutierte mit der Magistrats­abteilung Verkehr über Pilotflächen.

(c) POINT& – Tanja Punz-Wagner

CLIP: Plug-and-Play-E-Bike aus New York

Noch transatlantischer denkt CLIP, das französisch-amerikanische Startup des New-Yorkers Som Ray. Das Unternehmen verkauft einen steckbaren E-Bike-Antrieb, der jedes Fahrrad in wenigen Minuten elektrifiziert. “Wir haben 3.000 Kund:innen in den USA und wollen jetzt unsere Europastrategie justieren“, berichtet Ray. Wien eigne sich gut, weil hier viele klassische Räder unterwegs seien: „CLIP macht sie elektrisch, ohne dass jemand sein Lieblingsbike aufgeben muss.“ Im Rahmen des Accelerators stehen B2B- und B2G-Gespräche mit Bike-Sharing-Anbietern in Frankfurt und Tests im Lissaboner Living Lab auf seiner Agenda. Alle teilnehmenden Startups vom Accelerator 2025 findest ihr übrigens hier.

(c) POINT& – Tanja Punz-Wagner

Trend­report deckt weiße Flecken auf

Strategische Leitplanken liefert der neue Better Mobility Trendreport 2025 (kostenloser Download hier), der Daten von mehr als 300 Innovationen und 100 Expert:innen aus ganz Europa analysiert. Eine zentrale Erkenntnis: Nur fünf Prozent aller Mobilitäts-Startups adressieren bislang den Tourismus, obwohl allein Österreichs Gästesektor enorme Testmärkte bietet. Genau hier setzt das Wiener City Lab gemeinsam mit der Österreich Werbung und deren Initiative Change Tourism Austria an, um Potentiale aufzuzeigen und neue Pilotprojekte zu entwickeln.

Vom Testfeld zur Skalierung

Nach dem Wiener Auftakt reist die Kohorte im September nach Lissabon; dort liegt der Schwerpunkt neben dem Testen am portugiesischen Markt auf den Themen aktive Mobilität bis hin zu Elektromobilität, denn Portugal verzeichnete 2024 europaweit einen der kräftigsten Zuwächse bei E-Autos. Für Falkinger ist der modulare Aufbau des Programms entscheidend: „Nur wer heute gemeinsame Standards setzt, kann morgen international skalieren.“

Ob das gelingt, zeigt sich am 4. Dezember, wenn Easliy, CLIP und ihre zehn Mitstreiter:innen beim Demo-Day vor Investor:innen, Städten und Ministerien pitchen. Fest steht schon jetzt: Der Weg zu einer wirklich inklusiven Mobilität von morgen führt in diesem Jahr über Wien und Lissabon.

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Der European Venture Sentiment Index deutet eine positive Entwicklung für das nächste Quartal an (c) Adobe Stock
(c) Adobe Stock

„Gute Zahlen, verhaltene Stimmung“ titelte brutkasten im Juli zur letzten Ausgabe des quartalsweise erscheinenden European Venture Sentiment Index (EVSI) von Venionaire Capital. Denn obwohl das Investment-Volumen in Europa im zweiten Quartal einen Rekordwert erreichte, fiel die im Indexwert aggregierte Stimmungslage zwar besser als ein Quartal zuvor erwartet, aber doch knapp negativ aus. Der nun erschienene EVSI für das dritte Quartal zeigt das umgekehrte Bild: Zwar ging das Investmentvolumen wieder zurück, die Stimmungslage übertrifft die Erwartung aus dem Vorquartal (4,4 Punkte; 5 ist neutral) aber deutlich und liegt mit 5,4 Punkten wieder knapp im positiven Bereich.

(c) Venionaire Capital

Die Stimmungsindikatoren im Detail: Getragen wurde die Verbesserung laut Venionaire vor allem von einer deutlich höheren Investor:innenaktivität, die gegenüber dem Vorquartal um 33,9 Prozent zulegte. Auch das Fundraising-Umfeld habe sich um 27,3 Prozent verbessert, die Qualität der Dealflows um 16,7 Prozent. Gleichzeitig gingen die Startup-Bewertungen um 6,4 Prozent und der Wettbewerb um Deals um 6,2 Prozent zurück.

Die aktuelle Prognose für das kommende Quartal ist mit dem neutralen Wert 5 wieder etwas verhaltener. Bei den konkreten Indikatoren erwarten die befragten Investor:innen aber weitreichende Verbesserungen, konkret ein Plus von 34,7 Prozent bei der Investor:innenaktivität, plus 10,6 Prozent bei Startup-Bewertungen, plus 8,2 Prozent beim Fundraising-Umfeld und plus 1,7 Prozent bei der Qualität des Dealflows. Lediglich beim Wettbewerb um Deals wird ein Minus von 8,8 Prozent erwartet.

Dealvolumen gesunken, aber deutlich über Vorjahresniveau

Das tatsächliche europaweite Dealvolumen sank im dritten Quartal zwar, wie erwähnt, im Vergleich zum Vorquartal, lag aber laut begleitender EVSI-Analyse dennoch deutlich über dem Vorjahresniveau. Demnach wurden europaweit 24,7 Milliarden US-Dollar investiert – ein Rückgang von 14,9 Prozent gegenüber Q2, aber ein Plus von 64,9 Prozent gegenüber Q3 2025. Die Zahl der Transaktionen sank gegenüber dem Vorquartal um 10,5 Prozent auf 864 Deals, lag damit aber weiterhin 1,1 Prozent über dem Vorjahreswert.

(c) Venionaire Capital

13,9 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 56,2 Prozent des gesamten investierten Kapitals entfielen dabei im dritten Quartal auf Late-Stage-Finanzierungen. Seed- und Angel-Runden stellten mit 521 Deals zwar weiterhin mehr als 60 Prozent aller Transaktionen, machten mit 1,8 Milliarden US-Dollar jedoch lediglich 7,4 Prozent des investierten Kapitals aus. Und ein weiteres spannendes statistisches Detail: Sowohl Deutschland (6,1 Milliarden US-Dollar) als auch Frankreich (5 Milliarden) überholten beim Dealvolumen im dritten Quartal das Vereinigte Königreich (4,9 Milliarden). Herausstechend waren dabei die Investments für Mistral AI mit 3,5 Milliarden US-Dollar, Helsing mit 1,8 Milliarden US-Dollar und Quantum Systems mit 1,2 Milliarden US-Dollar.

Venionaire-Chef Berthold Baurek-Karlic kommentiert: „Der europäische Venture-Markt entwickelt sich zunehmend auf zwei unterschiedlichen Bahnen. An der Spitze zeigt Europa eine größere Bereitschaft, strategische Technologien in großem Maßstab zu finanzieren, insbesondere in den Bereichen KI, Verteidigung und DeepTech. Europa wird immer besser darin, seine stärksten Unternehmen in großem Maßstab zu finanzieren, während die Finanzierung in der Frühphase nach wie vor eine größere Herausforderung darstellt.“ Das vierte Quartal werde „turbulent“. „Wir erwarten, dass zum Jahresabschluss jede Investorin und jeder Investor noch versuchen wird, Deals zu finalisieren.“

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