18.08.2025
NEUES KONZEPT

Betriebsnachfolge: Wefox übernimmt Klosterneuburger Kanzlei – mehr sollen folgen

Wefox Austria legt mit seiner neuen Holding ein Konzept zur Betriebsnachfolge vor. Eine erste Übernahme wurde nun verkündet.
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v.l.n.r.: René Besenbäck und Martin Schäfer | (c) wefox Austria
v.l.n.r.: René Besenbäck und Martin Schäfer | (c) wefox Austria

Erst vor zwei Wochen kommunizierte Wefox Austria mit dem Einstieg von Stephan Ehrenfeldner ins Management auch die Schaffung einer neuen Holding – brutkasten berichtete. Nun zeigte die Österreich-Tochter des InsurTechs, was sie mit dieser Holding vorhat: Sie soll im Rahmen eines neuen Angebots zur Makler-Betriebsnachfolge Kanzleien übernehmen.

Wefox Austria übernimmt VMK aus Klosterneuburg

Eine erste solche Übernahme wurde nun bereits kommuniziert. Wefox Austria übernimmt rückwirkend per 1. Jänner 2025 die VMK Versicherungsmakler GmbH in Klosterneuburg. Die Kanzlei ist seit 2018 Partner des InsurTechs. Geschäftsführer Martin Schäfer behält seine Position bis auf Weiteres, wefox-Austria-Geschäftsführer Lukas Lindenhofer zieht aber ebenfalls in die Geschäftsführung ein. Auch die Marke und das sechsköpfige Team bleiben bestehen, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

„Demografisch bedingt stehen viele Maklerunternehmen aktuell unter hohem Zeitdruck“

Das neue Betriebsnachfolge-Angebot sei „ein erster Schritt bei der Umsetzung der neuen Managing-General-Agent- (MGA) & Smart Distribution Strategie der wefox-Gruppe“, heißt es vom Unternehmen. „Demografisch bedingt stehen viele Maklerunternehmen aktuell unter hohem Zeitdruck zur Bestimmung der eigenen Nachfolge“, kommentiert Rene Besenbäck, wefox Austria Country Head.

Wefox will österreichweit führendes Versicherungsmakler-Netzwerk aufbauen

Man biete interessierten Versicherungsmaklern nun eine Option, „sich uns als geprüfter und am Markt etablierter Partner anzuschließen, gemeinsam Ressourcen zu nutzen, den Fortbestand der Verträge nachhaltig zu sichern und High-Performance-Teams mit den besten Talenten zu bündeln“. Das klare Ziel sei, „gemeinsam zum österreichweit führenden, innovativen und starken Versicherungsmakler-Netzwerk zu wachsen.“

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Er ist seit vielen Jahren einer der obersten Punkte auf der politischen Wunschliste der heimischen Startup-Szene: der Beteiligungsfreibetrag. Das Prinzip ist schnell erklärt: Man kann mit ihm Startup-Investments bis zu einem gewissen jährlichen Betrag von der Steuer absetzen. Das soll einen starken Anreiz schaffen, Risikokapital anderen Veranlagungsformen vorzuziehen und somit mehr privates Kapital für Startups mobilisieren.

Die genaue Ausgestaltung wäre bei einer möglichen Umsetzung Gegenstand politischer Verhandlungen. Die Forderungen aus dem Ökosystem gehen bis zu einem Betrag von 500.000 Euro pro Jahr, wie etwa in der „Vision 2030“ von invest.austria, AustrianStartups, Junge Wirtschaft und StartupNOW aus dem Jahr 2024. Großes internationales Vorbild ist das Vereinigte Königreich, das unter anderem dank eines solchen Modells konstant die mit Abstand höchsten Startup-Investment-Volumina Europas vorweist.

Bei der SPÖ nicht durchzubringen

Doch im Gegensatz zur anderen großen Forderung des heimischen Startup-Ökosystems, dem Dachfonds, der mittlerweile im Entstehen ist, schaffte es der Beteiligungsfreibetrag 2025 nicht ins schwarz-rot-pinke Regierungsprogramm. Hinter vorgehaltener Hand wird der Grund dafür in ÖVP-Kreisen klar benannt: Der Vorschlag sei beim Koalitionspartner SPÖ nicht durchzubringen. Im Frühling 2024, also noch in der Opposition, äußerte sich SPÖ-Chef Andreas Babler, konkret auf das Thema angesprochen, gegenüber brutkasten knapp, aber deutlich: „Steuerbegünstigungen für private Investoren, die in der Regel zu den Top 1 Prozent der Einkommens- und Vermögensverteilung zählen, sind keine Priorität der SPÖ.“

Für Zehetner „nächster logischer Schritt“

On the record ging man dem Thema in der ÖVP seit der Regierungsbildung 2025 dagegen mit Verweis auf die Koalitionsvereinbarung lieber aus dem Weg. Bis jetzt. Denn Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner forderte den Beteiligungsfreibetrag nun via LinkedIn-Posting offen ein. Nach dem Dachfonds wäre dieser, „der nächste logische Schritt“, schreibt sie und führt eine EcoAustria-Studie und internationale Vorbilder ins Treffen.

Unverhoffte Schützenhilfe in der Diskussion

Doch woher kommt der plötzliche Mut zur offenen Forderung entgegen dem koalitionären Konsens? Zehetner bekam Anfang dieser Woche eine Steilvorlage aus Deutschland, über die auch brutkasten berichtete. Dort war es nicht etwa CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, sondern mit Lars Klingbeil der amtierende SPD-Chef, Vizekanzler und Finanzminister, der Steuererleichterungen für Startup-Beteiligungen aufs Tapet brachte.

„Deutschland will mehr privates Kapital für Startups mobilisieren. Österreich sollte das auch tun“, schreibt Zehetner und verweist direkt auf die Ankündigung des SPD-Chefs. Das argumentative Kalkül dahinter liegt auf der Hand: Gegen den Vorstoß des deutschen Parteigenossen, dessen Schützenhilfe für Zehetner wohl unverhofft kam, lässt sich in der österreichischen Sozialdemokratie deutlich schwerer argumentieren, als gegen die Dauerforderung aus der liberalen Ecke. Ob dadurch tatsächlich eine offene Diskussion innerhalb der Koalition angestoßen wird, ist freilich zu bezweifeln.

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