07.04.2016

Berlin – das Startup Mekka Europas

Nur wenige Städte der Welt haben eine solche Strahlkraft wie die deutsche Bundeshauptstadt. Neben Musik, Kunst, Lifestyle und der Kreativwirtschaft konnte sich Berlin in den vergangenen Jahren auch als der Startup Hotspot Europas etablieren. Der Brutkasten hat bei Georg Krenn, dem stellvertretenden Wirtschaftsdelegierten der Wirtschaftskammer Österreich nachgefragt, was der Standort Berlin österreichischen Startups zu bieten hat.
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(c) fotolia-JFL Photography: Berlin gilt als Startup-Hochburg.

Berlin. Die Rahmenbedingungen sind mehr als gut: Internationales Umfeld, gut ausgebildete Menschen, im Vergleich reichlich Kapital, Förderungen und der Wille Neues entstehen zu lassen. Berlin wird damit auch für österreichische Startups immer spannender. Der deutsche Markt ist der größte Europas. Diesen Trend hat auch die Außenwirtschaft Austria erkannt.

Im Gespräch mit Georg Krenn (Wirtschaftsdelegierte Stv. in Berlin) gehen wir dem Phänomen nach und stellen die Frage nach den Unterschieden zwischen Berlin und Wien.

Berlin gilt als der europäische Startup Hotspot – warum ist das eigentlich so?

Es klingt schon etwas abgedroschen, aber in der Startup-Szene Europas ist Berlin gerade „the place to be“. Im Jahr 2015 konnte die deutsche Hauptstadt erstmals die höchsten Venture Capital-Investments in Europa überhaupt anziehen: Berliner Startups erhielten 2015 in 205 Investitionsrunden gut EUR 2,1 Mrd. an Venture Capital-Investitionen – das sind 70 % des gesamten deutschen Venture-Capital-Volumens! Auf europäischer Ebene folgte abgeschlagen dahinter London mit VC-Investments von rund EUR 1,7 Mrd. Zum Vergleich: Europaweit wurden 2015 insgesamt knapp EUR 11,8 Mrd. in Jungunternehmen investiert, der Anteil von Berlin ist daher wirklich signifikant.

Verblüffend ist vor allem die Entwicklung der Stadt seit dem Mauerfall. In Berlin und Umgebung gibt es fast keine Industrie, also musste ein anderer Weg geschaffen werden, um Arbeitsplätze zu schaffen und die Stadt interessant zu machen. Das ist Berlin als Startup-Stadt exzellent gelungen. Die Startbedingungen sind günstig: Berlin weist eine hohe Lebensqualität bei vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten auf, es gibt ein lebendiges Szeneleben und das Umfeld ist international. Alles Gründe für junge Unternehmer, ihre Geschäftsidee gerade hier umzusetzen. Besondere Anziehungskraft übt die Hauptstadt auf Gründer aus der Kreativwirtschaft und der Technologiebranche aus. Während anderswo Büroflächen bereits rar sind, profitiert die Berliner Startup-Community von den vergleichsweise niedrigen Büro- und Standortkosten, der hervorragenden Infrastruktur und dem großen Angebot mehrsprachiger Fachkräfte aus aller Welt. Die durchschnittlichen Kosten sind etwa im Vergleich zu San Francisco oder London einfach um ein Vielfaches geringer, so dass es vor allem internationale Kreative immer mehr nach Berlin zieht.

„Die durchschnittlichen Kosten sind in Berlin im Vergleich zu San Francisco oder London einfach um ein Vielfaches geringer“, Georg Krenn, stv. Wirtschaftsdelegierter der Wirtschaftskammer Österreich.

Welche Unterschiede für Startups gibt es im Vergleich: Wien – Berlin?

Der Compass Report hat 2015 in seinem jährlichen Ranking zum globalen Startup-Ökosystem die Wiener Startup-Szene gar nicht erst erwähnt, während Berlin es auf Platz 9 geschafft hat – das zeigt schon einmal die signifikanten Strukturunterschiede. Ein Hauptpunkt ist vor allem die Wertigkeit für Startups: In Berlin hat man die Bedeutung von Startups für die Wirtschaft erkannt, vor allem durch große Player wie etwa Rocket Internet oder Zalando, die enorm viele Arbeitsplätze schaffen. Auch die Kultur des Scheiterns ist in Berlin weitaus üblicher. Ist einmal ein Projekt schiefgegangen, versucht man hier sein Glück sofort mit einem neuen Produkt, ohne dass einem ein Makel anhaftet, wie das in Österreich oft der Fall ist. Man darf sich aber dennoch nicht vorstellen, dass in Berlin alles immer einfach für Startups abläuft: Auch hier müssen bei der Startup-Gründung Spießrutenläufe absolviert werden, von einem One-Stop-Shop ist auch in Berlin keine Rede. Attraktiv ist in Berlin aber vor allem auch die umfangreiche Förderlandschaft.

„Der Compass Report hat 2015 in seinem jährlichen Ranking zum globalen Startup-Ökosystem die Wiener Startup-Szene gar nicht erst erwähnt.“

Das Silicon Valley ist das Mekka für Gründer. Welche Faktoren sprechen diesbezüglich für Berlin und welche nicht?

Silicon Valley ist das Mekka für Gründer in den USA, Berlin das Mekka für Gründer in Deutschland.  Der Vergleich mit dem Silicon Valley hinkt dennoch – während die VC-Investments von EUR 2,1 Mrd. 2015 in Berlin ein riesiger Erfolg für eine europäische Stadt waren, waren es 2014 im Silicon Valley alleine USD 26 Mrd. Die Aktivitäten von VC-Gesellschaften/Business Angels in Berlin und Deutschland nehmen deutlich zu, ein Silicon Valley Niveau wird aber unerreichbar bleiben. In der Seed-Phase gelingt es meistens noch gut Investments in Berlin zu bekommen, substantielle Investments sind jedoch dann oft sehr schwer zu realisieren. Attraktiv ist Berlin vor allem, weil man leicht an gut ausgebildete internationale Fachkräfte herankommt, die in der Regel mit einem akzeptablen Gehalt zufrieden sind – alleine die Möglichkeit in Berlin leben zu können, zieht viele Internationals in die Stadt. Der deutsche Markt ist mit 80 Millionen Einwohnern zwar groß, im Vergleich dazu sind die USA aber natürlich viermal größer – mehr Chancen ein Global Player zu werden. Auch haben die meisten Startups in Berlin oft nur den Fokus sich auf deutschsprachige Kunden auszurichten und nicht weltweit agieren zu wollen, damit bleiben Unternehmen vielfach unter ihren Möglichkeiten.

Wie viele österreichische Startups leben und arbeiten derzeit in Berlin?

Nach offiziellen Schätzungen wird in Berlin alle 20 Stunden ein neues Startup gegründet – der Markt ist also durchgehend in Bewegung. Eine genaue Schätzung wie viele Startups aus Österreich derzeit in Berlin leben, ist daher nicht so einfach möglich. Außerdem muss man immer unterscheiden zwischen Startups, die in Österreich gegründet wurden, vorerst nur dort tätig waren und erst nach einiger Zeit nach Berlin expandiert sind sowie jenen, die von Österreichern direkt in Berlin gegründet wurden. In Österreich gegründete Startups die in Berlin leben und arbeiten, kann man an einer Hand abzählen – größer ist die Zahl von Startups, die direkt hier von Österreichern (mit-)gegründet wurden, ohne einen Konnex in die Heimat zu haben. Um ein Vielfaches höher ist aber natürlich die Zahl jener Startups, die aus Österreich heraus hier Projekte haben und ihre Dienstleistungen anbieten, ohne aber eine fixe Niederlassung zu haben. Erwähnen muss man aber auch die vielen Österreicher, die in Berlin einfach für deutsche Startups tätig sind. Auch hier versuchen wir natürlich die Österreicher zu vernetzen, denn es ist spannend zu sehen, wo Österreicher überall „ihre Finger drin haben“ – bei rund 24.000 in Berlin lebenden Österreichern auch kein Wunder! Besonders erfolgreich sind aber jedenfalls die Startups, die mit Hilfe von Inkubatoren/Acceleratoren hier umfangreiche Netzwerke geknüpft haben.

„24.000 Österreicher leben in Berlin.“

Ein österreichisches Startup versucht sein Glück in Berlin – welche Tipps haben Sie für die Gründer?

Vorab ist es sehr wichtig zu schauen, ob es für das Produkt oder die Dienstleistung einen Markt gibt. Gerne unterstützen wir dabei abzuklären, ob ein Markteinstieg überhaupt sinnvoll ist. Wenn man dann die Entscheidung getroffen hat in Berlin durchzustarten, sollte man mit seinem Produkt möglichst schnell auf den Markt kommen – es bringt in der Regel nichts ewig lang an einem Produkt zu feilen, bis es aus der eigenen Sicht perfekt ist. Vielmehr sagt einem die Rückmeldung der Kunden, ob das Produkt gut ist und sich durchsetzen wird. Außerdem ist es wirklich wichtig ein großes Netzwerk zu haben, einerseits um die richtigen Ratschläge/Feedback zum Produkt auch von anderen Gründern zu bekommen, andererseits um eine signifikante Marktdurchdringung zu erreichen. Nur wenn man im Gespräch ist, wird man wahrgenommen und erfolgreich sein. Ist man als Startup nur auf sein eigenes Produkt fokussiert, ohne seine Augen und Ohren offen zu halten, wird man Chancen verpassen. Es zahlt sich daher aus jemanden an Bord zu haben, der für die Kommunikation nach außen zuständig ist und dabei eine gewisse Umtriebigkeit an den Tag legt. Hilfreich ist dabei vor allem auch die Vernetzung mit anderen Startups, etwa im Bundesverband Deutscher Startups.

+++ Auch interessant: Sankt Oberholz: Dieses Café ist Hotspot der Berliner Startup-Szene +++

Welche Branchen sind in Berlin gerade für Startups spannend?

Chancen sich mit neuen Innovationen und Produkten als Startup in Berlin zu etablieren, bieten sich aus unserer Sicht vor allem im Gesundheitswesen (Digital Health), im Energiebereich, der IKT, sowie bei der Kreativwirtschaft. Im Gesundheitsbereich spielt die zunehmende Überalterung eine große Rolle, Berlin ist hier im IT-Bereich einer der Vorreiter, so findet auch die conHIT, die bedeutendste Fachmesse Europas im Bereich Gesundheits-IT, in Berlin statt. Das AußenwirtschaftsCenter Berlin organisiert hier auch regelmäßig eine österreichische Gruppenbeteiligung, um die Technologien aus Österreich in diesem Bereich vorzustellen. Im Energiebereich bringt vor allem die deutsche Energiewende enorme Chancen, um die bestehenden Marktstrukturen mitneuen Geschäftsmodellen aufzubrechen. Berlin entwickelt sich aber auch immer mehr zu einer IKT-Stadt, so hat etwa die Investitionsbank Berlin einen eigenen Venture-Capital Fonds für Technologie aufgesetzt. In den letzten Jahren gab es einen Wandel in Berlin zu einem wahren Mekka der Kulturwirtschaft für junge und etablierte Kreative und da die Kreativwirtschaft eine Wachstumsbranche und ein Innovationstreiber auch für andere Branchen ist, bestehen hier noch Chancen sich zu etablieren.

Welche konkreten Leistungen können Sie österreichischen Startups in Berlin (an)bieten?

Österreichischen Startups steht natürlich die volle Leistungspalette des AußenwirtschaftsCenters Berlin offen. In der Regel müssen Firmen WKÖ-Mitglieder sein, um unsere Leistungen in Anspruch nehmen zu können – bei Gründungsinteressierten sind wir da aber nicht so streng und freuen uns, wenn wir schon in der Gründungsphase selbst unterstützen können. Im Wesentlichen bieten wir vier Hauptätigkeitsfelder für Startups an: Der wichtigste Punkt ist die Vermittlung von Geschäftspartnern, wo wir für Startups zB potenzielle Vertriebspartner, Kunden im B2B-Bereich oder Lieferanten recherchieren und selektieren. Mit unserer Unterstützung können Startups ihren Kundenkreis schnell vergrößern. Außerdem unterstützen wir Startups gerne mit Informationen über die Marktstruktur und hinsichtlich der Erfolgsaussichten Ihres Produktes oder Ihrer Dienstleistung, wobei wir gerne auch Rechtsinformationen durch unsere juristisch ausgebildeten MitarbeiterInnen geben können. Vor allem Fragen zum Steuerrecht oder zum Thema Firmengründung sind Dauerbrenner für unser Büro. Ein weiteres Angebot sind Veranstaltungen und Messen, wie etwa Zukunftsreisen oder die Messebeteiligung auf der CeBIT. Dadurch wollen wir die Vernetzung in der hiesigen Startup-Szene erleichtern. Die nächste Chance für eine Reise nach Berlin bietet sich von 30. Mai – 01. Juni 2016, wo die Junge Wirtschaft der WKÖ eine Messereise zur Metropolitan Solutions unternimmt, in deren Rahmen es auch einen Einblick ins Berliner Startup-Ökosystem geben wird. Zu guter Letzt können wir gerne mögliche Geschäftspartner auf ihre Seriosität und Bonität überprüfen, oder – wenn wirklich einmal eine Rechnung nicht bezahlt wird – unterstützen wir gerne dabei offene Forderungen einzufordern. Gerne können Startups außerdem unsere Büroflächen nutzen: Wir sind als AußenwirtschaftsCenter Berlin im Gebäude der Österreichischen Botschaft einquartiert und können hier die Räumlichkeiten benutzen. Wenn also Startups für ein Meeting in Berlin sind und keinen Besprechungsraum zur Verfügung haben, können sie gerne unsere Besprechungszimmer nutzen. Für größere Events haben wir außerdem einen Veranstaltungssaal mit bis zu 130 Sitzplätzen – ideal für Pressekonferenzen oder Product-Launches. 

Zum Abschluss noch gerne ein paar Worte zum Startup Standort Berlin – wie wird sich Berlin in Hinblick auf deutsche und internationale Startups entwickeln. Berlin 2020? Wo steht dann die Stadt?

Der Boom von Berlin als Startup-Hotspot hat natürlich auch seine negativen Seiten. Die Strahlkraft Berlins ist ungebrochen, Vielfalt und Internationalität ziehen Menschen aus aller Welt an und werden das auch 2020 noch tun. Doch die Kosten in der Stadt steigen durch den steten Zuzug immer weiter an. Natürlich sind sie im Vergleich zu anderen Städten immer noch auf niedrigem Niveau, doch weil Preise, Löhne und Gehälter nicht in gleichem Maße wie die Kosten für Arbeit und Leben nach oben gehen, wird es auch für Startups in Berlin immer schwieriger werden. Nach Sicht der Industrie- und Handelskammer Berlin könnte es vor allem in den Branchen Kultur- und Kreativwirtschaft eng werden, während es im IT-Bereich beim derzeitigen Boom bleiben wird. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass Oberbürgermeister Klaus Wowereit schon 2003 festgestellt hat, dass Berlin arm, aber sexy ist. Das hat sich auch heute nicht geändert, da die Stadt schwer verschuldet ist, während neue Fragen – wie etwa die Flüchtlingsunterbringung oder das BER-Flughafenfiasko – die Stadt weiter auf die Probe stellen werden. Dennoch wird Berlin sicher weiterhin und auch 2020 die Gründerstadt #1 in Deutschland bleiben.

Danke für das Gespräch!

+++ Auch interessant: Berlin: Hotspot für motivierte Gründer +++

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Die diesjährigen Nominierten des "Innovator of the Year" in der Kategorie Scaleups. | © brutkasten

Erfolgreiche Skalierung ist das Ziel jedes Startups. Bekanntlich schaffen das bei weitem nicht alle, doch auch hierzulande wird die Gruppe jener, denen der Sprung zum starken Wachstum gelungen ist, immer größer – und das auch unter bekanntlich teils widrigen Bedingungen.

Auch dieses Jahr schafften wieder einige heimische Unternehmen den Schritt vom Startup zum Scaleup und legten beeindruckende Wachstumsstorys vor. Und einige bereits etablierte Scaleups zeigten eindrücklich, dass ihre Wachstumsambition ungebrochen ist.

Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

(Hinweis: Bei mehrfacher Stimmabgabe pro Tag erfolgt zwar keine gesonderte Fehlermeldung im Voting-Tool, Mehrfachvotes werden vom System jedoch automatisiert erkannt und ausgefiltert).

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Emerald Horizon

Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
Das Emerald-Horizon-Management (v.l.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf

Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.

Enpulsion

Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion

Das niederösterreichische SpaceTech-Scaleup Enpulsion rund um Gründer Alexander Reissner liefert Antriebssysteme für Nano- und Mikrosatelliten. Zu Jahresbeginn sicherte sich das Unternehmen eine 22,5 Millionen Euro schwere Series-B-Finanzierung, um die Produktionskapazitäten am Standort Wiener Neustadt deutlich zu erhöhen. Im August 2026 verkündete Enpulsion zudem die geplante strategische Übernahme der britischen Lift Me Off Ltd, um das eigene Produkt-Portfolio um chemische Antriebe für besonders agiles Manövrieren im Weltraum zu erweitern. Zusätzlich steht für diesen Herbst ein zentraler Meilenstein an: ein Orbit-Test der neuartigen Antriebstechnik an Bord des heimischen Satelliten AT-Astra.

fiskaly

fiskaly - das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
fiskaly – das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly

Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.

Flinn AI

Das Founder-Team von Flinn | © Flinn
Das Founder-Team von Flinn | © Flinn

Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.

fonio.ai

fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath (CEO, l.) und Matthias Gruber (CTO) | (c) fonio.ai

Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.

Helferline

v.l.: Die Helferline-Gründer Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer mit CTO Janko Glavić | (c) Helferline

Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.

Neoh

v.l.n.r.:  Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh

Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.

ParityQC

Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.

Reploid

Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs. 

waterdrop

Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop

Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.

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