08.05.2026
IRAN-KONFLIKT

BerBerSan: Schladminger Startup verlor iranischen Großhändler für seinen Rohstoff

Die geopolitische Eskalation im Iran trifft aktuell auch das steirische Startup BerBerSan. Das Unternehmen, das ein Nahrungsergänzungsmittel auf Basis der Berberitze entwickelt hat, ist stark von Rohstoffen aus der Region abhängig. Frühzeitige Vorsichtsmaßnahmen halfen dem Team jedoch dabei, Engpässe vorerst abzufedern.
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Das Gründungsteam Babak Bahadori (o.), Agnieszka Magg (l.) und Bernhard Sikora (r.) | © BerBerSan
Das Gründungsteam Babak Bahadori (o.), Agnieszka Magg (l.) und Bernhard Sikora (r.) | © BerBerSan

Babak Bahadori hatte schon vor einigen Wochen so ein Gefühl. Und dieses Gefühl rettete BerBerSan vor großen Schwierigkeiten. Das Startup wurde von ihm, Agnieszka Magg und Bernhard Sikora im steirischen Schladming gegründet und möchte mit seinem Nahrungsergänzungsmittel einen neuen Weg im Kampf gegen zu hohe LDL-Cholesterin-Werte, und darüber hinaus für eine bessere Leber- und Gallefunktion etablieren. Es setzt dabei auf eine Pflanze, die bereits in der traditionellen persischen und der traditionellen chinesischen Medizin genutzt wurde: die Berberitze.

BerBerSan und das Gefühl des Co-Founders

Dazu muss man wissen, dass rund 95 Prozent des Weltmarktes für die verwendeten speziellen Berberitzen ausschließlich aus dem Iran stammen, wie Co-Founder Sikora erklärt. Das Startup ist entsprechend seit dem Angriff der USA und dem anhaltenden Konflikt in der Region vom Ausfall der internationalen Lieferketten stark betroffen.

„Vor dem Konflikt hatten wir direkt einen Partner im Iran – einen Großhändler, der die Früchte direkt von den Bauern abgeholt hat. Gleichzeitig ist mein Geschäftspartner (Anm.: Bahadori) Teil der iranischen Diaspora in Europa und hatte bereits vor einigen Wochen das Gefühl, dass sich die Lage zuspitzen könnte. Er riet uns deshalb frühzeitig dazu, die Lager zu füllen. Daraufhin haben wir unseren Händlern gesagt, dass wir zusätzliche Ware brauchen. Für uns als Startup ist das natürlich schwierig, weil wir mit verderblichen Früchten arbeiten. Unsere Runway – von dem, was wir verarbeiten können – reicht nun bis August“, erklärt Sikora.

Kontakt abgebrochen

Kurz nach der Auffüllung des eigenen Lagers ist der Kontakt zum Großhändler im Iran komplett abgebrochen. „Als Alternative haben wir versucht, über Supplier in Dubai zu arbeiten, allerdings können auch diese aktuell aus offensichtlichen Gründen nur eingeschränkt liefern. Deshalb arbeiten wir inzwischen verstärkt mit deutschen Importeuren zusammen, die viel Erfahrung in solchen Situationen haben. Wir versuchen, kreative Lösungen zu finden, merken aber deutlich, dass der ursprüngliche Lieferweg weggefallen ist. Gleichzeitig sind wir froh, frühzeitig vorgesorgt zu haben – auch wenn wir jetzt teilweise 100 Prozent mehr bezahlen“, so der Founder weiter.

Die Suche nach Ersatz in Nachbarländern wie der Türkei, Afghanistan oder Pakistan verlief erfolglos. „Wir haben testweise Ware vom Hochplateau in Usbekistan bestellt, allerdings unterscheiden sich die Früchte stark von unserem bisherigen Produkt: Während die iranischen Früchte rubinrot und süß sind, sind jene aus Usbekistan eher schwarz, deutlich herber im Geschmack und insgesamt saurer. Die Seeroute ist derzeit geschlossen, die frühere Route über Russland gilt ebenfalls als anfällig. Aktuell bleibt vor allem der türkische Landweg, wobei auch dort unklar ist, wie offen die Grenzsituation bleibt. Zusätzlich prüfen wir Exporte aus anderen Ländern. Da es sich um sonnengetrocknete Früchte handelt, dürfen die Produkte trotz allem nicht zu lange unterwegs sein.“

Die Krux mit der „Ingredient Matrix“

Kompromisse bei den Inhaltsstoffen kamen für das Team nicht infrage, da die genaue „Ingredient Matrix“ für die angestrebte Wirkung auf Cholesterin und Leberwerte unerlässlich sei. Das Team hat sich auch bewusst gegen eine Reduzierung des Inhalts entschieden. Man möchte das gerade erst gewonnene Vertrauen der Apotheken, wo man vertreibt, nicht gefährden und plant derzeit auch keine Preiserhöhungen. „Wir versuchen wirklich bis zum letzten Moment in diesem Preisfeld zu bleiben“, sagt Sikora.

Der Fokus bleibt daher weiterhin auf neuen Beschaffungswegen. „Man muss ja bedenken, diese Früchte werden zweimal im Jahr geerntet. Und die Ernte hört ja auch nicht auf, die Lager im Iran sind voll. Die wollen das ja auch loswerden, bevor es schlecht wird.“, ergänzt der Co-Founder. Laut dem deutschen Partner aus Hamburg, der 20 Jahre Erfahrung im Nahen Osten mit sich bringt und hier aushelfen soll, waren Lebensmittel während der Konflikte der letzten Jahrzehnte immer von Embargos ausgeschlossen. „Deswegen sind wir optimistisch, dass wir es herausbekommen.“

Das Learning von BerBerSan

Die aktuellen geopolitischen Spannungen zeigen laut BerBerSan-Co-Founder Bernhard Sikora, dass auch Startups globale Lieferketten und potenzielle Konflikte frühzeitig im Blick haben müssen, so das Learning des Teams.

„Nur weil man ein Startup ist, sind globale Lieferketten nicht irrelevant. Man muss kein Konzern sein, damit solche Konflikte einen großen Einfluss auf einen haben können“, sagt er und gibt zugleich den Hinweis an andere Gründer:innen. „Das Scannen von diesen Konflikten war ganz wichtig. Ohne hätten wir jetzt ein Riesenproblem.“

Mit Optimismus im Hintergrund, klaren Prinzipien und kreativen Wegen, die passende Berberitze zu erhalten, gehört es – mit Blick in die Zukunft – zu den nächsten Zielen des Startups, den Apothekenmarkt in Österreich noch stärker zu besetzen. Und auch nach Deutschland zu expandieren, wie Sikora sagt: „Es sind ähnliche Gesetze, eine ähnliche Zielgruppe, man versteht den Markt. Das ist auf jeden Fall der nächste logische Schritt.“

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In der heimischen Startup-Landschaft hat sich Stefan Ebner längst einen Namen gemacht. Er gründete das Datenunternehmen Braintribe, eröffnete später unter anderem den Co-Creation-Space Tribe.Space, launchte die Co-Creation-Plattform Tribe.Land oder das KI-WealthTech-Unternehmen WeR. Nun meldet er sich mit seinem neuesten Projekt Tribe.One zurück, das laut Ebner eine „dritte Welle der KI“ einläuten soll, nach den Sprachmodellen (LLMs) und den KI-Agents.

Von Agents zur Co-Organisation

Agents hätten sich zwar wie ein „Super Personal Assistant“ angefühlt, seien aber nie etwas gewesen, was eine Organisation wirklich aufnehmen könne, argumentiert Ebner. Tribe.One setzt deshalb eine Schicht über den Agents an: „Ich glaube, die nächste Welle wird das sein, was wir Co-Organisation nennen“, erklärt der Gründer. Gemeint ist ein neues Operating Model, in dem Mensch und KI den Output gemeinsam nutzbar machen. Damit richtet sich die Lösung vor allem an CEOs, CFOs und CMOs, denn: „Die meisten KI-Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern an der Organisation“, so Ebner.

Digitale Counterparts für die Führungsebene

Kern des Ansatzes sind sogenannte „Entities“, die auf Tribe.Ones Plattform Gzero laufen. Führungskräfte erhalten darüber ein digitales Gegenüber, etwa einen Co-CEO oder Co-CFO. Dieses kennt das Unternehmen samt Plänen und OKRs und gibt Aufgaben an Agents weiter, da eine Entity selbst keinen direkten Datenzugriff hat.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt Tribe.One an sich selbst: Dort arbeiten laut Ebner vier menschliche und acht KI-C-Levels zusammen, und die Entities sind schon seit einem Jahr intern im Einsatz. Für Kund:innen soll die Möglichkeit bestehen bereits bestehende Agents mitzubringen und zu integrieren.

Ein Ort für Fokus und Austausch

Ebner verbindet technologische Vorhaben traditionell mit physischen Orten, vom Nachtclub Chaya Fuera bis zum Tribe.Space. Auch Tribe.One bekommt mit dem „Co-lab“ nun einen solchen Ort in Wien. Er ist laut Ebner kein klassischer Coworking-Space, sondern ein Ort für Fokus, Schulungen und Austausch, an dem auch Marketing, Kommunikation und Frühphasen-Projekte stattfinden sollen. Um die Szene zu vernetzen, ist jeden letzten Donnerstag im Monat ein „Open House“ geplant. Die offizielle Eröffnung soll gemeinsam mit dem großen Launch im Jänner erfolgen.

Forschung in Wien, Kapitalmarkt in London

Während Forschung und Entwicklung in Österreich bleiben, gründet Tribe.One in London eine Limited als Co-Headquarter für Markt und Kapital. Ebner selbst pendelt entsprechend zwischen zwei Welten: Zwei Wochen pro Monat verbringt er in Wien mit Forschung und Coding, die übrige Zeit bei Kunden, die er vor allem im DACH-Raum und in UK sieht.

Finanziert hat sich das Unternehmen bisher selbst und macht nach Ebners Angaben „substanzielle Umsätze“. Im ersten oder zweiten Quartal des kommenden Jahres will er nun aber Kapital aufnehmen.

Die Vision dahinter ist ambitioniert: Tribe.One soll zu den Top-5-KI-Firmen Europas gehören, die die neue Welle mitgestalten. Nach dem Soft Launch ist der große Launch für Januar geplant, und bis Jahresende will das Team 10 bis 15 Enterprise-Kunden und ebenso viele Startups onboarden. Ein Tool für Millionen Nutzer soll Tribe.One dagegen ausdrücklich nicht werden.

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