12.07.2022

Benu: Millioneninvestment von Merkur Versicherung für Wiener Bestattungs-Startup

Das 2017 gegründete Startup Benu ist mittlerweile einer der größten Bestatter Österreichs. Nun will man im Land weiter expandieren.
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Das Benu-Team | (c) Benu
Das Benu-Team | (c) Benu

Seit 2017 versucht das Wiener Startup Benu einen denkbar traditionellen Bereich zu digitalisieren: Die Bestattung. Dazu bediente man sich mitunter unkonventioneller Marketing-Methoden und legte 2019 auch einen Auftritt in der Show 2 Minuten 2 Millionen hin. Seitdem wuchs das Geschäft stetig weiter – der brutkasten berichtete immer wieder. Inzwischen ist das Unternehmen auf 40 Personen angewachsen und organisiert rund 120 Bestattungen pro Monat. Damit ist man nach eigenen Angaben einer der größten Bestatter des Landes. Erst im März verkündete das Startup die Übernahme des Mitbewerbers bestattungsinfo.at.

Merkur Versicherung und Benu wollen intensiv zusammenarbeiten

Nun holte sich Benu ein nicht genau beziffertes siebenstelliges Investment. Die Merkur Versicherung mit Sitz in Graz steigt als strategischer Partner ein und plant eine intensive Zusammenarbeit und gemeinsame Produkte mit dem Startup. „Diese zukunftsstarke Partnerschaft bringt zusammen, was uns als Merkur ausmacht: eine umfassende Absicherung, die alle Lebensphasen mitdenkt. Und dazu gehören auch End-of-Life-Ser-vices“, kommentiert Markus Zahrnhofer, Vorstandsmitglied der Merkur Versicherung, in einer Aussendung.

Filialen in Linz, Graz und Klagenfurt geplant

Benu will mit dem Kapital innerhalb Österreichs weiter expandieren. Hatte man zu Beginn auf ein rein digitales Service gesetzt, hat das Unternehmen mittlerweile drei „Concept Stores“ in Wien. „Dank dem Investment der Merkur Versicherung wird sich unser eingeschlagener Expansionspfad beschleunigen. Schon in wenigen Monaten werden auch Kunden in Linz, Graz und Klagenfurt persönliche Beratung in den neuen Filialen vor Ort in Anspruch nehmen können“, sagt Alexander Burtscher, Geschäftsführer von Benu.

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Der „Concept Store“ im 7. Bezirk in Wien | (c) Benu

Erstes gemeinsames Produkt

Das erste gemeinsame Produkt von Benu und Merkur Versicherung ist – wie sollte es anders sein – ein Vorsorge-Produkt mit Ablebensversicherung und Bestattung durch Benu. „Zusammen können wir nicht nur die finanzielle Absicherung, sondern auch für eine gleichwertig hohe Abwicklung der Bestattungsleistung in ganz Öster-reich sicherstellen“, sagt dazu Stefan Atz, Geschäftsführer von Benu.

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Die Stadtwerke Klagenfurt versorgen die Region unter anderem mit Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und verantworten den öffentlichen Personennahverkehr. © Stadtwerke Klagenfurt

Ob E-Mails, vertrauliche Kunden-Dokumente oder interne Richtlinien: Viele österreichische Unternehmen haben verstanden, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz unausweichlich wird, stehen allerdings vor der Herausforderung, KI sicher in die eigenen Arbeitsabläufe zu integrieren. Bei den Stadtwerken Klagenfurt entschied man sich bewusst gegen Standard-Lizenzen externer US-Hyperscaler und entwickelte stattdessen eine maßgeschneiderte Inhouse-Lösung: den „Stadtwerke GPT“, auch liebevoll „Susi-Sorglos“ genannt.

Die Vision: Ein DSGVO-konformer „Büro-Buddy“

Das Hauptziel war von Beginn an klar definiert: eine sichere Umgebung zu schaffen, in der Mitarbeiter:innen Bedenken bezüglich des Datenschutzes komplett ausräumen können. „Wir wollten unseren Mitarbeitern einen souveränen, DSGVO-konformen Chatbot anbieten, den sie komplett bedenkenlos nutzen können, wo sie personenbezogene Daten von Kunden reinkopieren und vertrauliche Dokumente hochladen können“, erklärt Peter Weratschnig, IT-Bereichsleiter der Stadtwerke Klagenfurt.

Neben der Chatbot-Funktion dient die KI als intelligenter „Büro-Buddy“. Über ein Retrieval-Augmented-Generation-System (RAG) wurden ca. 2.000 Seiten an internen Dokumenten, von Konzernrichtlinien bis hin zu IT-Anleitungen, eingebunden, um Fragen zu regulatorischen Vorgaben oder Systembedienungen direkt zu beantworten.

Der Gamechanger: Die Austria Wirtschaftsservice (aws)-Förderung

Das Projekt hat man nicht alleine umgesetzt, sondern entstand durch den Kontakt mit dem Wiener KI-Startup BReact, das 2022 von Raphael Fakhir und Nemanja Klincov gegründet wurde. Der entscheidende Impuls für die Realisierung lag in der Förderlandschaft. Denn das finanzielle Gesamtinvestment bewegte sich im fast sechsstelligen Bereich, erklärte Weratschnig im Interview.

Hier kam die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) als entscheidender Beschleuniger ins Spiel. „Ohne diese Förderung hätten wir es nicht gemacht“, betont Weratschnig rückblickend. Die Förderung reduzierte das finanzielle Risiko für die Stadtwerke entscheidend und machte den Weg frei für die gemeinsame Entwicklung mit dem Startup.

Das Förderungsprogramm aws IÖB-Toolbox richtet sich an öffentliche Beschaffer und hat den Zweck, die Planung und Umsetzung von IÖB-Challenges als innovativem Instrument der Markterkundung, juristische und/oder technische Expertise für die Erstellung von Unterlagen für eine geplante Ausschreibung (Modul Prepare), sowie die Durchführung von innovativen Beschaffungen (Modul Transfer) zu ermöglichen. Damit sollen Anreize für eine verstärkte Innovationsnachfrage durch den öffentlichen Sektor gesetzt werden, insbesondere für Vorhaben mit positiven Beiträgen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Europäische KI-Architektur On-Premise

Auch technisch setzten die Partner auf digitale Souveränität: Als Sprachmodell dient ein Modell des französischen KI-Unternehmens Mistral, das Mitte des Jahres auch das Linzer Startup EmmiAI kaufte. Die Datenhaltung erfolgt laut Weratschnig ausschließlich On-Premise in eigenen IT-Systemen. Lediglich die reine GPU-Rechenleistung wird bei einem italienischen Anbieter angemietet. „Sobald das Modell nachdenkt, tut es das in dieser Infrastruktur ohne persistente Datenspeicherung. Danach sind keine Datenspuren außerhalb unseres IT-Systems zu finden“, erklärt der IT-Bereichsleiter. Das Resultat ist der angestrebte „Susi Sorglos“-Bot für den internen Arbeitsalltag.

Große Begehrlichkeiten & wertvolle Erkenntnisse

Nach der schrittweisen Bereitstellung als internes Web-Service stieß das Tool auf enormes Interesse in den Fachbereichen. Neben Fachfragen zu Richtlinien entstehen bereits Ideen für eigene Teil-Wissensdatenbanken oder interaktive Schulungsassistenten.

Gleichzeitig liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse für künftige KI-Initiativen. „Der Benefit aus unseren Lessons Learned ist fast ebenso hoch einzustufen wie das Tool an sich“, fasst Weratschnig zusammen. Seine zentralen Ratschläge an andere Unternehmen: Von Beginn an die eigene IT-Architektur und Lieferkette der Dienstleister genau prüfen sowie die Qualität der zugrundeliegenden Analog-Dokumente gründlich analysieren.


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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