21.05.2021

Beiersdorf zeigt, wie personalisierte Hautpflege funktioniert

Kosmetikhersteller Beiersdorf investiert über seine Oscar&Paul Beiersdorf Ventura Capital Unit gemeinsam mit dem belgischen Co-Investor 9.5 Ventures in digitale, personalisierte Hautpflege namens Routinely.
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Beiersdorf Routinely
© Beiersdorf/Routinely

Die Hautpflegemarke Routinely berücksichtigt die dynamische Beschaffenheit der Haut und hat dafür einen initialen Online-Fragebogen sowie eine App entwickelt, die die Verbraucher bei der Suche nach dem idealen Produkt unterstützt. Insgesamt stehen 13 Unisex-Seren zur Verfügung, die den eigenen Bedürfnissen entsprechend miteinander kombiniert werden. Die App passt ihre Empfehlungen zur täglichen Pflege auf Basis aktueller Messergebnisse in Echtzeit an und berücksichtigt dabei auch externe Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Luftqualität oder Sonneneinstrahlung. „Unser Ziel ist es, mehr Klarheit im Hautpflegesegment zu schaffen. Wir wollen den Verbraucher*innen genau und ausschließlich das bieten, was sie für eine bessere Hautgesundheit brauchen: Wirkstoffe, die nachweislich funktionieren und zugleich intelligente, komfortable Pflege bieten“, erklärt Charlotte Van Loock, Mitgründerin und CMO bei Routinely.

Beiersdorf forciert Digital-first-Ansatz

Das Investment in Routinely ist für Beiersdorf ein weiterer wichtiger Schritt, seine Personalisierungsaktivitäten im Rahmen der Unternehmensstrategie C.A.R.E.+ auf unterschiedlichen Ebenen voranzutreiben. Außerdem forciert der Hersteller damit erneut sein Engagement im digitalen Auftritt bzw. Vertrieb. So gibt es neben der KI-basierten Web-App Nivea Skin Guide (analysiert über Selfies das Hautbedürfnis und gibt Pflegeempfehlungen) auch die eigene personalisierte Gesichtspflegemarke O.W.N. (steht für „Only What’s Needed“). Ebenso wie O.W.N ist auch Routinely ausschließlich online erhältlich. „Unsere Investition in Routinely spiegelt auch wider, welches Potenzial wir darin sehen, die gestiegene Online-Nachfrage der Verbraucher*innen zu bedienen. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend noch weiter verstärkt“, erklärt Ascan Voswinckel, Head of Oscar&Paul Beiersdorf Venture Capital.

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Die Aitiologic-Gründer (vlnr.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic
Die Aitiologic-Gründer (v.l.n.r.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic

Im Oktober 2024 verließ das Wiener Startup Aitiologic den „Stealth Mode“. Damals hatte es 2,5 Millionen Euro an Investments und Förderungen eingesammelt. Jetzt folgt eine Seed-Finanzierung über 6,4 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab.

Angeführt wird die Runde von den Healthcare-Investoren Heal Capital und Ananda Impact Ventures. Die bisherigen Investoren Push VC und Lana Ventures sind wieder dabei. Dazu kommen laut Startup mehrere Biotech-Gründer, die bereits Börsengänge und Exits hinter sich haben.

Ein Bluttest, der zeigt, was im Gewebe passiert

Aitiologic entwickelt die Plattform „Aitios“. Sie untersucht zellfreie DNA im Blut und wertet die Daten mit KI aus. Das Ziel: Aus einer normalen Blutprobe soll sich ablesen lassen, aus welchem Gewebe die DNA stammt und was dort gerade passiert. Die Technologie geht auf Forschung von Gründer und CEO Andreas Posch bei Siemens Healthineers zurück. Aitiologic hat sie exklusiv lizenziert.

2024 sprach das Startup noch allgemein von Krebs- und Pränataldiagnostik. Nun ist die erste Anwendung klar: die Risikoabschätzung für Präeklampsie im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Bluthochdruck-Erkrankung betrifft laut Aussendung geschätzt drei bis acht Prozent aller Schwangerschaften. Sie ist eine der wichtigsten Ursachen für Todesfälle von Müttern und Föten weltweit. Aitiologic will dafür dieselbe Blutprobe nutzen, die ohnehin für den nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) abgenommen wird. Eine zusätzliche Blutabnahme wäre also nicht nötig.

Eine erste Studie mit Kypros Nicolaides und dem Fetal Medicine Research Institute habe gezeigt, dass sich damit das Präeklampsie-Risiko einschätzen lässt, so das Startup. Jetzt läuft eine größere Studie mit der Fetal Medicine Foundation, an der mehr als 1.000 Schwangere teilnehmen. „Wir sind von einer Technologie-Hypothese zu publizierten klinischen Daten gekommen“, sagt Posch. Das frische Kapital soll in diese Studie und in die Produktentwicklung fließen.

Oxford-Nanopore-Mitgründer im Beirat, neue Chief Medical Officer

Mit der Finanzierung holt Aitiologic zwei bekannte Namen an Bord. Gordon Sanghera hat Oxford Nanopore Technologies mitgegründet, ein britisches Unternehmen für DNA-Sequenzierung. Er führte es 21 Jahre lang als CEO, vom Spinoff der Universität Oxford bis zum Börsengang in London. In der Aussendung wird er als „Pionier der Molekulardiagnostik“ bezeichnet. Für Aitiologic ist das relevant, weil die eigene Plattform auf der Sequenzierung von DNA aus dem Blut aufbaut: Sanghera bringt also Erfahrung mit dem Aufbau, der Finanzierung und der Skalierung genau dieser Art von Technologie mit. Er investiert in die Runde und wird Mitglied des Beirats. Die ersten klinischen Daten von Aitiologic seien „sehr ermutigend“, sagt Sanghera.

Neue Chief Medical Officer ist Rebecca Ertl. Sie ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und hat ein nach eigenen Angaben führendes Zentrum für Pränataldiagnostik in Österreich gegründet. Bei Aitiologic verantwortet sie die medizinische Strategie, zunächst für das Präeklampsie-Programm. Ertl nennt bereits ein mögliches nächstes Thema: Man prüfe, ob der Bluttest auch bei Schwangerschaftsdiabetes früher Hinweise liefern könne.

Neben dem Risikokapital erhält Aitiologic Förderungen von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Wirtschaftsagentur Wien. Dazu kommt Unterstützung über den Europäischen Investitionsfonds (EIF) im Rahmen von InvestEU. Zugelassen ist die Plattform noch nicht, sie befindet sich weiterhin in der Entwicklung.

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