11.08.2015

Bei der AAIA nachgefragt: Was muss ein Business Angel eigentlich können?

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Ein Business Angel soll neben Kapital vor allem Erfahrung einbringen.

Silicon Valley war bei den Startup-Erfolgsgeschichten in den letzten Tagen ganz nah: Nicht nur aufgrund des heißen Wetters, das stark an das sonnige San Francisco erinnern ließ, sondern vor allem wegen des Verkaufs des Fitness-Startups Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro – der wohl größte Exit aus Österreich. Solche Geschichten motivieren andere Gründer noch härter an ihrem Produkt zu arbeiten und ermutigen vielleicht jene, die sich bis jetzt nicht in die Selbstständigkeit gewagt haben. Und tatsächlich gibt es für Startup-Gründer online auch einige Gründungs-Tipps und Guidelines. Aber wie sieht es eigentlich mit Tipps für Investoren aus?

Business Angel Johann Hansmann hat sein Gespür für erfolgreiche Startups mit Runtastic wieder unter Beweis gestellt. Er ist unter anderem auch in die Flohmarkt-App shpock, Sprachen-Lernplattform busuu oder Video-Webportal whatchado investiert. Neben seiner Business Angel Tätigkeit ist Hansmann aber auch Präsident der Austrian Angel Investors Association (AAIA), die 2012 von zwei Frauen, Stefanie Pingitzer und Selma Prodanovic, gegründet wurde. Mit Lisa Ittner ist eine weitere Frau als Geschäftsführerin an Board der Interessensvertretung von Business Angels und Angel Investors in Österreich.

Aber, was macht einen guten Business Angel eigentlich aus? Welches „Skillset“ muss er mitbringen? Wie oft soll er sich bei den Gründern melden? Und, wann macht ein Business Angel mehr Sinn als ein strategischer Investor? Im Gespräch mit dem Brutkasten haben Pingitzer und Ittner diese Fragen und mehr beantwortet.

+++ Interview mit Lisa Fassl: Für die AAIA ist das Team wichtiger als das Business-Modell +++

Wieso wurde denn die Austrian Angel Investors Association (aaia) gegründet?

Stefanie Pingitzer: Die Idee ist vor rund zweieinhalb Jahren entstanden und zwar durch meine M&A Boutique, die auf Zu- und Verkauf von Mittelstandsunternehmen spezialisiert ist. Auf diese Weise bin ich oft mit jungen Unternehmen konfrontiert worden, die auf der Suche nach einem strategischen Investor waren, obwohl ein Business Angel vielleicht die bessere Wahl für sie gewesen wäre. Über meine damalige Kollegin bin ich auf Selma Prodanovic gestoßen und nachdem ich ihr von der Idee erzählt habe eine Plattform für Business Angel zu gründen, ist sie sofort auf das Projekt aufgesprungen. Beim ersten Kick-Off Event 2012 waren dann bereits 120 Leute dabei, die von der aaia begeistert waren. Als Unterstützer der ersten Stunde waren Business Angel wie Hansi Hansmann, Manfred Reichl oder Boris Nemsic dabei.

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Stefanie Pingitzer, Co-Gründerin aaia

Ein Business Angel ist deswegen die richtige Wahl, weil er nicht nur Geld, sondern auch Erfahrung einbringt?

Stefanie Pingitzer: Ein Business Angel ist für Startups vor allem wegen seines Know-hows und Netzwerks wichtig. Viele Gründer wissen gar nicht, wann sie am Besten mit welchem Partner reden sollten. Es startet meist mit dem Geld von family, friends und fools, aber dann, wenn es professioneller werden soll, ist oft ein Business Angel der bessere Partner, der gleichzeitig auch Mentor ist.

Lisa Ittner: Normalerweise mischt sich ein Angel nicht ins operative Geschäft ein sondern steht den Gründern für strategische Fragen und Finanzierungsrunden als Partner zur Seite. Der Business Angel fungiert eben neben seiner Investor-Funktion als Türöffner, Mentor, Sparring Partner und Devils Advocat.

Welches Skillset muss ein Business Angel mitbringen?

Stefanie Pingitzer: Meist sind es erfahrene Manager oder Unternehmer, oftmals ehemalige Gründer die ihre Firma bereits erfolgreich verkauft haben, die das Interesse und richtige Mindset mitbringen. Business Angels geht es wirklich darum, junge Menschen zu unterstützen. Sie haben Spaß daran, ihr Wissen weiterzugeben und dabei mittelfristig auch noch Geld zu verdienen.

Lisa Ittner: Hansi Hansmann als Super Angel und Präsident der aaia meint immer dazu, dass es nicht nur um einem ‚return on investment‘, sondern auch um einen ‚return on fun‘ geht.

Gibt es viele Unternehmer, die gerne Business Angel wären, aber nicht wissen, wie sie es anstellen sollen?

Lisa Ittner: Ja und auch diese Gruppe kann die aaia gut unterstützen. Es gibt einige wichtige Regeln, die man als erfolgreicher Business Angel wissen muss, z.B. sollte ein Business Angel niemals mehr Firmenanteile als die Gründer besitzen. Wir merken, dass es vor allem für (ehemalige) Manager großer Konzerne oder Banken nicht so leicht ist sich in die Welt von Startups einzufühlen, es ist eine andere Kultur. Verantwortlichkeiten, Bewertungsansätze, Controlling, Strukturen und oftmals Geschäftsmodelle sind in StartUps oftmals nicht so klar wie bei etablierten Unternehmen.

Apropos, wieso sind Unternehmensbewertungen oft so hoch?

Stefanie Pingitzer: Als M&A Expertin weiß ich, dass extrem hohe Bewertungen oft aus ganz anderen Blickwinkeln zustande kommen und mit klassischen Bewertungsmethoden nicht unterlegt werden können. Oftmals geht es bei Tech Akquisitionen um talentierte Key People wie Programmierer in innovativen Unternehmen, die normalerweise auch Unternehmensanteile besitzen. Sei es Google, Airbnb oder Ebay – große Konzerne wollen oftmals nicht nur die Technologie, sondern meist geht es um das Know-how und Talent der Gründer und Key People, die diese Bewertungen für strategische Investoren rechtfertigen.

Wieso gibt es eigentlich einen „lack of interest“ aus Amerika?

Lisa Ittner: Ich denke es liegt zum einen daran, dass wir noch gar nicht genug internationales Aufsehen und Marketing gemacht haben. Auch in Österreich sind Startups erst seit kurzem für die Öffentlichkeit und auch die Politik sexy. Mit dem aktuellen Rückhalt, den wir bekommen, können wir in Zukunft viel bewegen und womöglich auch international als attraktives Gründer- und Unternehmerland wahrgenommen werden. Zum anderen müssen wir noch mehr Erfolgsgeschichten wie Runtastic erzählen.

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Lisa Ittner, Geschäftsführerin aaia

Es gibt viele gute Deals und Ideen in Österreich, aber leider wissen viel zu wenig internationale Investoren davon. Mit der aaia schaffen wir eine Plattform, auf der sich Leute untereinander austauschen können und gute Projekte gemeinsam hebeln können. In gewisser Weise bieten wir auch Startups eine besondere Bühne auf dem Weg zum Erfolg.

Was macht die aaia aus?

Stefanie Pingitzer: Unsere Mitglieder. Bei uns geht es einerseits um den Initialgedanken“ Spirit meets opportunity“, also erfahrene Business Angel treffen auf junge Gründer und erwecken spannende Geschäftsideen zum Leben. Andererseits leben wir das Prinzip „Unternehmer für Unternehmer“, es geht bei uns darum „zu unternehmen“ und nicht nur zu reden.

Lisa Ittner: Weiters liegt uns das Capacity Building unserer Community stark am Herzen. Wir unterstützen mit Vorträgen und praxisbezogenen Tipps und Tricks unser Netzwerk. Dabei legen wir Wert auf einen „Macher Spirit“ und nicht nur Theorie. Unsere Mitglieder sind alles unternehmerisch denkende Menschen, die etwas bewegen wollen, erfolgreich sind und der Gemeinschaft etwas zurückgeben wollen.

Gibt es eine Guideline wie sehr sich ein Business Angel einbringen soll?

Stefanie Pingitzer: Das ist von Gründer zu Gründer verschieden. Es gibt kein Patentrezept was ein Business Angel alles zu tun hat. In Wirklichkeit hängt es stark von der Gründerpersönlichkeit und der Chemie zwischen Gründern und Angel ab. Es ist wie in jeder Partnerschaft, jeder braucht was anderes, wichtig ist nur, dass sich die richtigen finden. Das war übrigens für uns auch eine große Motivation zum Start der aaia. Wir glauben daran, dass es für Gründer möglich sein muss über die Plattform der aaia den für sie besten Business Angel zu finden. Das ist eine der wichtigsten Erfolgsfaktoren von Startups: Top Gründerteam und Top Angels. Dann kann ja quasi auch nichts mehr schiefgehen.

Lisa Ittner: Wir unterstützen alle unsere Mitglieder aber natürlich auch StartUps wo wir nur können. Wir sind ein Netzwerk in dem es total „menschelt“. Unsere neuen Mitglieder kommen auf Empfehlung von bestehenden Mitgliedern, es entwickeln sich Freundschaften, die weit über das Geschäftliche hinausgehen. Von Anfang an haben wir unser Netzwerk auf Vertrauen aufgebaut. Gemeinsam wollen wir die Gründerlandschaft in Österreich unterstützen und Österreich mit neuen innovativen Unternehmen versorgen, auch über die Grenzen hinaus.

Wie kann man sich als Startup an euch wenden?

Lisa Ittner: Die Startups melden sich über Empfehlung oder über unsere Website www.aaia.at. Wenn Projekte gut sind, gibt es bei uns einen klaren Prozess. Die Auswahlkriterien für gute Projekte beginnen bei der professionellen Aufbereitung der Unterlagen, spannender Business Case bis zur attraktiven Business Opportunity. Und vor allem das Gründerteam muss überzeugen. Traut man ihnen zu, das Unternehmen zum Erfolg zu führen? Kennen sie den Markt und die Mitbewerber? Wenn ja, wird das konkrete Projekt an unsere Mitglieder ausgesandt – zusammen mit den Originalunterlagen. Unsere Business Angel treten dann direkt bei Interesse mit den Gründern in Kontakt. Wir involvieren uns nach dem Kontaktherstellen normalerweise nicht mehr und freuen uns wenn unsere Vernetzung zu einem Investment und einer Partnerschaft führt.

Wie finanziert sich die aaia? Und wie kommen Mitglieder dazu?

Lisa Ittner: Wir sind eine non-profit Organisation und sind rein über Mitgliedsbeiträge finanziert. Wir verdienen an der Vernetzung von Angels mit Startups nichts, weil wir der Meinung sind, dass jeder Euro in das Startup fließen sollte. Neue Mitglieder kommen meist über das Netzwerk und über Empfehlung, im besten Fall von mindestens zwei bestehenden Mitgliedern. Für unser Netzwerk ist es essentiell die Qualität unserer Mitglieder auf höchstem Niveau zu halten. Viele unserer Mitglieder wollen auch anonym bleiben und wollen nicht öffentlich als Business Angel aufscheinen. Somit stehen bei uns Vertrauen, Verschwiegenheit und Integrität an oberster Stelle.

Wie ist denn die „Frauenquote“ bei der aaia? Es ist eine Seltenheit gleich drei Frauen involviert zu sehen…

Lisa Ittner: Circa 15 Prozent unserer Mitglieder sind bei uns Frauen. Das ist keine schlechte Zahl und sie ist stetig am Wachsen. Das ist eine unserer Erfolgskomponenten.

Sind Sie selbst in Startups investiert?

Stefanie Pingitzer: Ich habe meine eigenen Beteiligungen, wobei ich damit generell gerne und bewusst nicht in der Öffentlichkeit stehe. Dabei muss ich jedoch gleich sagen, dass ich nicht in New Economy StartUps investiert bin. Ich persönlich liebe Unternehmen mit langer Tradition und bin somit in Unternehmen investiert, die einst Marktführer oder Vorreiter waren, allerdings schon vor einigen Jahrzehnten. Diese alten traditionellen Geschäftsmodelle mit frischem Leben und der New Economy zu verbinden und transformieren zu lassen, das lässt mein Herz höher schlagen.

In meinem Alter bin in einem Stadium, in dem ich noch so viel selbst umsetzen will. Ich lebe frei nach dem Motto „Yesterday is history, tomorrow is mystery and today is a gift“ oder wie mein Schatzi mich zitieren würde „wer rastet der rostet“.

Was ist der nächste logische Schritt der aaia?

Lisa Ittner: Wir befinden uns in der Regionalisierung. Nach Kärnten im Vorjahr sind wir heuer bereits in der Steiermark, Oberösterreich und auch in Tirol unterwegs. Wir sehen noch großes Potential. Viele Mitglieder reisen auch extra aus den Bundesländern zu unseren monatlichen Veranstaltungen nach Wien. Außerdem sind viele Industrieunternehmen an unseren Aktivitäten und der Zusammenarbeit mit Business Angels interessiert und wollen sich einbringen. Unser klares Ziel ist: Ende 2016 wollen wir flächendeckend in ganz Österreich vertreten sein.

Vielen Dank.

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Fedor Holz | (c) Haris Dervisevic / brutkasten
Fedor Holz | (c) Haris Dervisevic / brutkasten

Mit Anfang 20 führte er die Poker-Weltrangliste an und erspielte insgesamt Preisgelder im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Doch nach nur wenigen Jahren widmete sich Fedor Holz anderen Herausforderungen. Seine zwei Startups gründete der deutsche Wahl-Wiener in der österreichischen Hauptstadt. Als Investor stieg er bei rund 30 Startups und 20 Fonds ein. Die daraus gewonnene Expertise setzt er nun gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Christoph Zöller im Fund of Funds „Drafted Ventures“ mit Sitz im deutschen Heidelberg um. Im Interview erzählte uns Holz mehr über seine Beweggründe und seine Strategie.


brutkasten: Du hast als Poker-Spieler internationale Bekanntheit erlangt . Vor zehn Jahren hast du dann zum ersten Mal ein Unternehmen gegründet. Wie war das damals?

Fedor Holz: Genau, da war ich sehr unerfahren. Ich war Anfang 20 und wir hatten eine ganz typische Startup-Reise. Ich habe mit dem Pokern aufgehört und meine erste Firma gegründet: Primed Mind. Das war sehr ähnlich zu Headspace [Anm. bekannte Meditations-App], die eine starke Konkurrenz waren. Wir hatten eine sehr gute Anfangs-Traction. Dann haben wir die Series A nicht bekommen, das Blatt aber noch gedreht und die Firma profitabel gemacht, bevor ich den Großteil meiner Anteile verkauft habe.

Die zweite Gründung, Pokercode, folgte 2019. Das war ein ganz anderer Hintergrund und rund um meine eigene Brand aufgebaut. Aus dem anfänglichen Masterclass-Kurs wurde ein breiteres Produkt und schließlich eine Mitgliedschaft. Kurzfristig hat uns das Umsatz gekostet, langfristig hat es das Produkt deutlich besser gemacht. Das Team führt das heute komplett eigenständig und ich bin seit zwei Jahren operativ nicht mehr involviert.

Du hast in dieser Zeit aber auch Einzel-Business-Angel-Investments in Startups gemacht, oder?

Ich habe mittlerweile wirklich viele Investments gemacht. Ich schätze es sind etwa 30 Direktinvestments und 20 Fondsinvestments über die letzten zehn Jahre.

Und nun gründest du selbst einen VC-Fonds, genauer gesagt einen Fund of Funds. Was kannst du uns dazu erzählen?

Das ist aus meiner eigenen Investmentstrategie heraus gewachsen. Als ich mit Anfang 20 sehr viel Geld beim Pokern verdiente, verspürte ich einen großen Druck, dieses Vermögen sinnvoll anzulegen. Aktien und Private Equity wirkten auf mich etwas altbacken, Venture Capital schien mir dagegen viel näher an den Gründern zu sein – in deren Rolle ich mich potenziell auch selbst sah.

Über die letzten zehn Jahre habe ich als Investor und Gründer viel gelernt. Beim Pokern ist es sehr wichtig, Vergleichswerte zu kalibrieren: Was ist gut, was ist herausragend? Genau diese Vergleichswerte fehlten mir anfangs. Erst mit der Zeit habe ich besser einschätzen können, wie ein wirklich guter Founder oder Investor aussieht. Heute liegt meine Messlatte hoch. Ich möchte viele gute potenzielle Investments sehen und nur die besten daraus auswählen.

Dabei habe ich gemerkt, dass für mich Fondsinvestments sinnvoller sind. Mit einzelnen Direktinvestments bin ich weit weg von einer statistisch relevanten Strategie. Deshalb habe ich gemeinsam mit meinem guten Freund Christoph Zöller unseren Dach-Fonds Drafted Ventures gestartet. Wir haben gerade unser First Closing mit 15 Millionen gezeichnet; das Hardcap liegt bei 25 Millionen. Wir werden jeweils rund eine Million Euro in etwa 20 der besten frühphasigen Venture-Capital-Fonds investieren. Wenn diese wiederum in je 20 Companies investieren, haben wir ein Portfolio von 400 Startups. Das bringt eine hervorragende Streuung und ermöglicht es, eine deutlich diversifiziertere VC-Allokation zu haben.

Heißt das, du wirst keine Direct Investments in Startups mehr machen?

Teilweise ja, wir schließen es nicht komplett aus. Wir machen über unseren Fonds gezielte Co-Investments in Portfolio-Companies unserer Fondsmanager. Ein Beispiel ist unsere Beteiligung an Conduct AI, die für alte SAP-Systeme einen „Explainable Layer“ mit KI bauen. Da ein uns sehr naher Fonds dort der erste Investor war, hatten wir früh tiefe Einblicke und Vertrauen auf beiden Seiten. Wir investieren hier nicht in der Pre-Seed-Phase, sondern in wachstumsstarke Firmen mit Millionenumsätzen.

Private Ausnahmen, die nicht in dieses Profil passen, mache ich weiterhin über eigene Vehikel. Das ist aber nur noch ein kleiner Teil, da mein Fokus auf dem Fonds liegt.

Wie bist du als Privatinvestor? 30 Portfolio-Companies können ja extrem viel Arbeit sein. Wie aktiv bist du da involviert?

Man muss bedenken, dass sich das über einen langen Zeitraum aufgebaut hat und manches auch schon abgeschrieben ist. Ich pflege zu zwei oder drei Gründern eine sehr enge Beziehung mit regelmäßigem Austausch. Bei den restlichen bin ich eher passiv und bringe mich nur ein, wenn konkrete Themen oder Probleme aufkommen.

Wird euer Fund of Funds in Europa oder global investieren?

Wir zielen auf 50 Prozent Europa und 50 Prozent USA ab, mit einer kleinen Allokation für spannende Märkte wie Lateinamerika, Israel oder Indien. Da wir extrem return-getrieben sind, suchen wir weltweit nach den absolut besten Early-Stage-Investoren.

Ein wichtiges Kriterium: Wir investieren nur in Fonds unter 100 Millionen Dollar Volumen. Außerdem schließen wir Fonds mit einem Investmentkomitee (IC) aus. Unsere These basiert auf der herausragenden Qualität einzelner Manager. In Komitees entsteht oft Bias; häufig setzt sich einfach die lauteste Person durch oder es werden nur „sichere“, konsensfähige Deals durchgewunken. Bridgewater analysiert nicht umsonst seine Meetings mit KI, um diesen Bias zu vermeiden. Deshalb fokussieren wir uns auf Solo-GPs oder Zweier-Teams, wo die finale Entscheidung direkt bei den Managern liegt. Strukturell bedeutet das, dass diese Fonds meistens zwischen 10 und 50 Millionen groß sind, mit wenigen größeren Ausnahmen.

Sind da viele First-Time Fund Manager dabei?

Ja, von unseren bisherigen neun Commitments sind drei First-Time Manager. Wir investieren grundsätzlich in keine Fonds, die älter als die dritte Generation sind. Über 10 bis 15 Jahre einen absoluten Top-Dealflow aufrechtzuerhalten, ist ein ziemlicher Grind. Zudem ist Venture Capital auch eine Altersfrage: Der Zugang zur jeweils nächsten Founder-Generation ist ein eigener Skill, den nicht jeder über 15 Jahre hält. 

Was ist dabei euer eigener Wettbewerbsvorteil, eure Edge?

Unsere Edge ist, dass wir einen starken Dealflow haben und oft den Aufwand betreiben, den andere scheuen. Ich kenne nicht viele europäische Investoren mit exzellenten US-Connections, weil das ständige Präsenz vor Ort erfordert. In Amerika sind die Intensität und die „Capital Velocity“ – die Geschwindigkeit, mit der sich Geld bewegt – viel höher. 

Wenn beispielsweise ein 24-Jähriger aus dem OpenAI-Umfeld einen 10-Millionen-Fonds auflegt und Top-Leute investieren, wollen wegen des Signaling-Effekts plötzlich viele andere rein. In solchen stark umkämpften Situationen geht es nur über echte Beziehungen und Schnelligkeit. Diesen extremen Wettbewerb auf der LP-Seite gibt es in Europa selten.

Gehen andere LPs das Ganze vielleicht manchmal zu unprofessionell an?

Viele Investoren machen Investments nicht in Vollzeit und investieren in vereinzelte Startups oder Fonds aus ihrem nahen Umfeld. Dementsprechend fehlt es oft an Dealqualität und Diversifikation. Wenn dann nicht ein glücklicher Treffer dabei ist, dann geht die Motivation weiter zu investieren leider oft verloren. Das ist völlig verständlich, niemand macht das nebenbei gut – genau die Lücke wollen wir schließen.

In dieser Größenordnung, wo wirklich alles am GP liegt, kann man das wahrscheinlich mit der Seed-Phase eines Startups vergleichen…

Der Vergleich passt sehr gut. Das Durchschnittsalter unserer Manager liegt zwischen 28 und 35 Jahren. Sie brauchen den Biss eines Gründers, aber eben auch schon echte Erfahrung und Kompetenz. Wir mögen Ex-Founder, die zehn Jahre operativ gearbeitet haben und jetzt zum Beispiel Biotech-Startups in Boston scouten. Aber auch ehemalige Investoren von Top-Fonds wie Sequoia, die sich selbstständig machen, passen in unser Profil.

Sind auch Leute mit Domänenexpertise, zum Beispiel ein ehemaliger Top-Manager in der Pharmaindustrie, gute Fund Manager?

Ein bestimmtes Profil garantiert noch keinen Erfolg. Das Wichtigste ist, dass der Manager einen sehr hohen Qualitätsanspruch hat, mit den Foundern connecten kann und ihre Sprache spricht. Ein Investor, der frische MIT-Absolventen sucht, braucht einen anderen Zugang als jemand, der in etablierte „Second Time Founder“ Mitte 30 investiert.

Das zeigt, dass es ein extremes „People Business“ ist…

Absolut, aber Soft Skills sind am Ende nur Multiplikatoren. Die Basis ist opportunistisches Denken und die Fähigkeit, Qualität schnell zu erkennen. Die Qualitäten eines guten Investors unterscheiden sich von denen eines guten Gründers.

Hummingbird Ventures, die über mehrere Fondsgenerationen fantastische Returns erzielen, suchen zum Beispiel ganz gezielt nach „unbequemen“, edgy Gründern, mit denen man vielleicht nicht unbedingt ein Bier trinken gehen möchte, die aber sofort zur Sache kommen. Als Investor musst du nicht unbedingt 70 Stunden arbeiten, sondern kannst in 40 fokussierten Stunden viel Wert für dein Portfolio liefern. Die einzelnen Investmententscheidungen sind ausschlaggebend. Außerdem ist es ein hartes Signaling- und Reputations-Spiel, bei dem du im Wettbewerb mit anderen Investoren die besten Deals gewinnen musst.

Beurteilst du die Fondsinvestments ausschließlich nach dem potenziellen Return, oder gibt es technologische Spezifikationen, etwa dass ihr nur in KI oder Quantencomputer investiert?

Wir investieren hauptsächlich in Frontier-Technologie-Fonds und achten dabei primär auf zwei Säulen: die Investmentfähigkeit des Managers und strukturelle Vorteile.

Erstens brauchen wir Manager, die dank eines großen Erfahrungsschatzes Qualität sofort erkennen, sich aber nicht blind in Startups verlieben, sondern gleichzeitig das Pricing im Blick behalten. Wenn du 500 Optionen siehst, macht es einen enormen Unterschied, ob du auf einer Bewertung von 15 oder 30 Millionen investierst. Zudem müssen die Manager in der Lage sein, mit wenig Zeiteinsatz großen Wert zu stiften, etwa durch hochkarätige Introductions für neue Mitarbeiter oder zu guten Funds für Follow-on-Runden.

Zweitens suchen wir immer nach strukturellen Marktvorteilen. Das kann ein geografischer Vorteil sein, wie etwa in Boston: Dort gibt es Top-Talente, aber einige der großen Tier-1-VCs haben ihren Fokus auf San Francisco gelegt, wodurch die Bewertungen im direkten Vergleich niedriger sind. Ähnliches gilt für Indien, wo exzellent ausgebildete Tech-Talente günstig zu finden sind. Bringst du so einen Founder in die USA, hast du sofort einen potenziellen Bewertungs-Uplift. Solche strukturellen asymmetrischen Vorteile wollen wir sehen – so wie Y Combinator extrem günstig an gute Assets kommt, weil ihre Finanzierungsstruktur ihnen einen riesigen Wettbewerbsvorteil bietet.

Wie macht ihr bei kleineren Fonds, die kaum Marketingbudgets haben, überhaupt das Sourcing? Wie findet ihr die global?

Marketing spielt bei uns keine relevante Rolle. Zu 70 Prozent läuft das über direkte Relationships. Die Incentives sind perfekt aligned: Wenn unsere GPs einen anderen brillanten Fondsmanager treffen, stellen sie ihn uns vor. Auf der LP-Ebene sind sie ja keine Konkurrenten. Wir bekommen durch unser Netzwerk von mehreren Dutzend Leuten so viele gute Intros, dass wir unsere Pipeline straff managen und den Großteil absagen müssen.

Ist das eine aktuelle Dynamik, dass es mehr spezialisierte kleine Fonds geben wird und nicht mehr so große Strukturen?

Zum Teil schon, aber kleine Fonds haben es aktuell auch sehr schwer beim Fundraising, weil die Qualität heute viel härter hinterfragt wird. Wer heute in Deutschland einen 100- bis 200-Millionen-Fonds für Series-A-Runden auflegt, konkurriert bei Top-Startups direkt mit amerikanischem Geld.

Da stellt sich schnell die Frage nach der echten Edge. Generalistische Fonds haben oft kein starkes Signal mehr im Markt und Investoren werden skeptisch, wenn nach zehn Jahren die Rendite ausbleibt. Venture Capital verzeiht Mittelmäßigkeit nicht: Ein durchschnittlicher Fonds liefert am Ende nur die Rendite des Aktienmarkts oder weniger, allerdings mit deutlich höherem Risiko. Nur die echten Outlier bringen die Performance, für die sich das Risiko lohnt. Genau deshalb ist Selektion alles und genau das ist unser Fokus.

Wer sind die LPs bei euch?

Ohne Namen zu nennen: Es ist ein Mix aus erfahrenen Unternehmern – Leuten, die selbst Firmen aufgebaut und verkauft haben –, Family Offices und Menschen aus unserem langjährigen Umfeld, die unsere Entwicklung von Anfang an verfolgt haben. 

Zum Abschluss: Was hast du als Ziele definiert?

Mein Ziel ist es, mittelfristig einen zweiten größeren Fonds aufzulegen. Ich möchte das aber nicht künstlich aufblähen; wir wollen die Entscheidungen so lange wie möglich zu zweit oder maximal zu dritt treffen und dafür einfach größere Tickets schreiben und uns stetig weiterentwickeln.

Für unsere Investoren wollen wir das Maximum herausholen. Wir als GPs haben 1,5 Millionen Euro eigenes Geld investiert und haben eine Hurdle Rate von 8 Prozent eingebaut. Das heißt, erst wenn unsere Investoren mehr als 8 Prozent jährliche Rendite machen, greift unsere Gewinnbeteiligung überhaupt. Mich würde selbst kein Vehikel interessieren, bei dem den Leuten nur Gebühren aus der Tasche gezogen werden. Es ist absolut leistungsorientiert: Wenn wir einen guten Fonds bauen, haben alle Spaß – wenn nicht, dann eben nicht.

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