01.07.2025
BETEILIGUNGEN

B&C-Gruppe möchte in den nächsten fünf Jahren 300 Mio. Euro investieren

Die B&C-Gruppe gab am Dienstag in Wien Einblick in ihre künftige Investmentstrategie - unter anderem zur Beteiligung an Tech-Scaleups aus Österreich.
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Geschäftsführung B&C-Gruppe: v.l.n.r. Patrick Lackenbucher, Thomas Zimpfer, Julia Reilinger (BCII), Foto: Alexander Müller

Von Quantencomputing bis Cleantech: Die B&C-Gruppe ist heute an zahlreichen Aushängeschildern der heimischen Scaleup-Szene beteiligt. Über ihre Tochter B&C Innovation Investments (BCII) hält sie beispielsweise Anteile an am Tiroler Quantencomputing-Scaleup ParityQC  rund um Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser oder dem oberösterreichen Energy-Scaleup neoom rund um Walter Kreisel. Zudem beteiligte sie sich in der Vergangenheit auch an Industrial-Tech-Größen wie TTTech, Frequentis, TriLite oder Kinexon.

„Wenn Sie das Portfolio ansehen, ist der Industriebereich in der Größenordnung unser Kern. Gleichzeitig wurde der Tech-Bereich seit 2016 immer wichtiger … Im Technologiebereich geben wir Vollgas beim Portfolioausbau“, erläutert Geschäftsführer Thomas Zimpfer die Aufteilung der über 300 Mio. €, die die Gruppe in den kommenden fünf Jahren investieren will.

Mehr Kapital, neues Gleichgewicht

Mit dem frischen Budget schlägt die im Eigentum der B&C Privatstiftung stehende Holding ein neues Kapitel auf: Rund die Hälfte bleibt für Mehr- und Minderheitsbeteiligungen an etablierten Leitbetrieben reserviert, die andere Hälfte fließt gezielt in Wachstums- und Technologieunternehmen mit Standort­relevanz für Österreich. Damit weitet B&C ihren Aktionsradius bewusst in die DACH-Region aus, behält aber den heimischen Nutzen als Leitlinie.

Die strategische Öffnung ist eine Evolution: Schon seit 2016 baut BCII mit Tickets zwischen einstelligen und unteren zweistelligen Millionenbeträgen ein Industrial-Tech-Portfolio auf. Der spektakuläre 50-fach-Exit des Flugplanungs-Spezialisten Flightkeys 2024 lieferte den Proof-of-Concept, dass industrielles Know-how und Wachstumskapital aus einer Hand funktionieren.

150 Mio. € für neue Champions

Etwa die Hälfte der angekündigten 300 Millionen veranschlagt B&C ausdrücklich für neue Tech-Deals. Gesucht werden Industrial-Tech-Lösungen, die den Standort resilienter machen: Automatisierung, industrielle Software, neuartige Werkstoffe oder eben klimarelevante Cleantech-Anwendungen, wie der 16-Mio.-Lead-Invest in neoom zeigt.

„Im Industrial-Tech-Bereich setzen wir seit Beginn auf einen partnerschaftlichen Ansatz als Lead-Investor … Wir haben keinen Exit-Zwang“, betont Julia Reilinger, Geschäftsführerin der BCII. Man strukturiere Runden, bringe Industrie-Netzwerk und Corporate-Governance-Erfahrung ein und lasse zugleich Platz für internationale Co-Investoren.

Gerade in einem Finanzierungsklima, in dem klassische Venture-Fonds zurückhaltender agieren, positioniert sich BCII damit als seltene Kombination aus Langfrist-Anker und Wachstumskapitalgeber.

Börsefenster nur einen Spalt weit offen

Ein IPO bleibt „die Königsklasse“, räumt Reilinger ein – doch: „Aktuell ist das Börsenfenster nicht übermäßig weit geöffnet.“ Entsprechend flexibel bleibt B&C: Ein Börsengang wird unterstützt, wenn Profitabilität und Skalierung das zulassen; andernfalls können strategische Investoren oder Growth-Fonds denselben Effekt haben.

Zimpfer fasst es pragmatisch: Entscheidend sei, „stets jene Gesellschafterstruktur zu finden, die für das jeweilige Unternehmen den größten Mehrwert schafft“. Ob dies am Kapitalmarkt oder in Partner­konsortien ende, hänge von den jeweiligen Wachstumszielen ab.

Flexibles Modell bei Industriebeteiligungen

Parallel bleibt die Holding industrielles Rückgrat: Nach dem Syndikats-Deal bei Lenzing und dem IPO von Steyr Motors kann B&C Anteile künftig sowohl reduzieren als auch aufstocken, wenn dies Wertsteigerung und Resilienz fördert. Klassische Industrie­beteiligungen sichern stabile Cash-Flows; das Tech-Portfolio liefert den Wachstums-Turbo – ein Mix, der geopolitische Risiken abfedern soll.

Signal an den Standort

Mit der Investitionsoffensive setzt die B&C-Gruppe ein positives Signal in wirtschaftlich vorsichtigen Zeiten: Kapital steht bereit, wenn Technologie, Team und Standortnutzen stimmen. Gleichzeitig werden langjährige Förderachsen wie der Houskapreis, die MEGA Bildungsstiftung oder die Initiative eXplore! fortgeführt – „eine aktive Rolle zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts“, wie Zimpfer abschließend betont.

Damit schafft die Holding einen Spagat, den viele Kapitalgeber scheuen: Sie bleibt Rückgrat der etablierten Industrie und öffnet zugleich die Tür für die nächste Generation von Technologie-Champions – sei es auf dem Parkett der Wiener Börse oder durch internationale Wachstums­partnerschaften.

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Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane
Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane

Das Berliner Legal-Tech-Scaleup Noxtua hat seine Series-C-Finanzierungsrunde mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro abgeschlossen. Es ist die bislang größte Geldspritze für ein Rechts-KI-Unternehmen in Deutschland. Im Zuge der Kapitalerhöhung übernimmt der deutsche Fachverlag C.H.Beck die Mehrheit an dem Unternehmen, während die Wiener Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung als neuer Investor einsteigt.

Susanne Stein-Pressl, geschäftsführende Gesellschafterin bei Manz, ordnet den Schritt in die Unternehmensgeschichte ein: „Seit mehr als 40 Jahren nimmt Manz eine Pionierrolle in der Digitalisierung des Rechtswesens ein“. Das Investment sei vor diesem Hintergrund eine konsequente Fortführung der eigenen Digitalisierungsstrategie. „Deshalb ist für uns die Investitionsrunde der nächste logische Schritt“, so Stein-Pressl.

Manz mit langer Digitalisierungs-Geschichte

Für den 1849 in Wien gegründeten Fachverlag fügt sich die Beteiligung in eine Reihe bestehender Innovationen ein. Manz führte bereits 1986 die Rechtsdatenbank (RDB) in Österreich ein und stellte Anfang 2025 mit „Genjus KI“ einen eigenen Rechercheassistenten vor. Seit 2025 kooperiert der Verlag zudem operativ mit Noxtua an der Lösung „Manz-Noxtua“, um Fachinformationen auf einer gemeinsamen Plattform zu bündeln.

Mit dem Einstieg will das Wiener Verlagshaus die Qualitätsstandards juristischer Inhalte auch im KI-Zeitalter sichern. „Vertrauenswürdige Inhalte der Rechtsverlage bilden dabei schon immer das Fundament, auf dem Rechtsexpertinnen und -experten in ganz Europa arbeiten und das es zu schützen gilt“, betont Stein-Pressl. Als Verlag sehe sich Manz als Garant für die Wahrung dieser Qualität.

Gesellschafterkreis von Noxtua formiert sich um

Die Mehrheit der Anteile liegt nach dem Abschluss der Runde bei C.H.Beck. Der Münchner Traditionsverlag war bereits im April 2025 bei der Series B als Hauptinvestor eingestiegen. Klaus Weber aus der Gesamtgeschäftsführung von C.H.Beck begründet die Aufstockung mit den Veränderungen im Markt: „Die Verbindung qualitativ hochwertiger Daten mit innovativer KI-Technologie ist das Erfolgsrezept in einem sich rasch wandelnden Markt“. Zudem betont er die strategische Ausrichtung der Partner: „Für uns als Traditionsverlag ist dieses Engagement gemeinsam mit Manz auch eine Investition in die Zukunft des Rechts“.

Parallel zum Wechsel der Mehrheitsbeteiligung wird die Gesellschafterstruktur neu geordnet. Bisherige Wagniskapitalgeber wie die Global Brain Corporation, der KDDI Open Innovation Fund sowie Einzelinvestor Dominik Schiener scheiden als Eigner aus. Auch die Wirtschaftskanzleien CMS und Dentons geben ihre Anteile ab, verbleiben aber laut Unternehmensangaben als Ankerkunden. CMS hatte die Entwicklung der Software 2024 mitinitiiert.

Internationale Expansion

Noxtua wurde 2017 auf Basis von Forschung an der Universität Oxford und dem Imperial College London von Leif-Nissen Lundbæk und Michael Huth gegründet. Nach Unternehmensangaben beschäftigt das Scaleup derzeit rund 100 Mitarbeiter:innen an sechs europäischen Standorten – darunter Berlin, Paris, Stockholm, Zagreb, München und Fribourg – und kommt auf mehr als 30.000 Nutzerinnen und Nutzer.

Das frische Kapital soll laut Aussendung vor allem in die Weiterentwicklung der spezialisierten Arbeitsbereiche sowie in die Expansion in weitere europäische Märkte fließen. Die Software deckt typische juristische Arbeitsabläufe wie Recherche, Analyse und Dokumentenerstellung ab und greift dabei auf Daten lizenzierter Fachverlage zurück.

Leif-Nissen Lundbæk, CEO und Gründer von Noxtua, kommentiert den Abschluss der Runde: „Wir entwickeln Noxtua basierend auf den exklusiven Inhalten führender Fachverlage vom ganzen Kontinent und haben so u.a. bereits Europas größte Rechtsdatenbank und Europas größtes Netzwerk unabhängiger Rechtsverlage aufgebaut“. Die Vertiefung der Partnerschaft ordnet er als Signal ein: „Die gemeinsame Investition von C.H. Beck und Manz in Noxtua ist deshalb auch ein starkes Zeichen an den Markt“.

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