19.12.2025
HEALTH

Bauch rein, Luft raus: Warum die falsche Atmung krank macht

Wir können nicht ohne – und dennoch machen wir es meistens falsch: Wie die falsche Atmung unsere Gesundheit schädigt und wie Nasenatmung, Mouth-Taping und Co Abhilfe schaffen, erklären Lungenfacharzt Ulrich Radda und Gründer Krzysztof Dąbrowski.
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Krzysztof Dąbrowski, Gründer von RespireLabs. | © Tiroler innovationspreis

Dieser Artikel ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von November 2025 “Verantwortung” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Es schaukelt langsam, aber ziemlich stark. Nach links und nach rechts, wie in einem Boot. Die Deckenlampe dreht sich im Kreis. Meine Arme und Beine fühlen sich so an, als würden sie mich mit kleinen Heftklammern nach unten ziehen.

Es ist 6 Uhr 30 morgens, ich bin gerade aufgewacht – nicht erholt, wie ihr euch denken könnt. Der Raum um mich wackelt. Und da ist dieser Kopfschmerz. So, als hätte ich schon länger nicht mehr Luft geholt. Habe ich anscheinend auch nicht, denn ich habe Schlafapnoe. Ich gehöre zu den über 936 Millionen Menschen auf der Welt, die davon betroffen sind; Männer häufiger als Frauen – und das Risiko steigt mit Alter und Gewicht. Viele wissen das aber nicht, so wie ich.

Langsam stehe ich auf, der Schwindel vergeht, ich spüre festen Boden unter meinen Füßen. Aber eines bleibt: das Kopfweh, die Erschöpfung. Und das Halsweh. Kratziger Hals, Entzündungen in der Nasen- und Nebenhöhlen-Region, Kopfschmerzen und Schwindel sind nur wenige der typischen Symptome von Menschen, die nicht richtig atmen, wenn sie schlafen. Erkennt ihr euch wieder?

Das Gehirn schlägt Alarm

Bei Schlafapnoe handelt es sich um eine Schlafstörung, bei der die Atmung während des Schlafens immer wieder aussetzt, und zwar durch das Verengen oder Verschließen der Atemwege. Die dadurch entstehenden Atempausen treten bis zu mehrere Hundert Mal pro Nacht auf und dauern mehrere Minuten an. Schon ab fünf Atempausen pro Nacht spricht man von Schlafapnoe. Die Folgen sind ein Abfall der Sauerstoffkonzentration im Blut und eine Minderversorgung der Organe.

Das Gehirn schlägt dann Alarm: Der oder die Schlafende wird geweckt, um wieder atmen zu können. Diese Weckreaktionen unterbrechen den Schlaf – oft; zu oft. Menschen, die an Schlafapnoe leiden, spüren die Symptome vor allem untertags: starke Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten; und es gibt ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Schwindel nach dem Aufstehen und Kopfschmerzen können erste Anzeichen sein.

Nase zu, Erholung aus

So wie bei Krzysztof Dąbrowski, dem Gründer des Startups RespireLabs: „Seitdem ich ein Kind bin, ist meine Nase konstant zu. Ich musste immer durch den Mund atmen.“ Das führte zu schlechter Atmung – und schließlich zu Schlafapnoe. Vor allem Müdigkeit, Infektionen von Hals, Nasen- und Nebenhöhlen sowie Nacken- und Brustschmerzen traten auf. Und ein wirklich anstrengendes Leben untertags.

Denn Dąbrowski hat nie wirklich erholsam geschlafen. Wenn der Körper im Schlaf nicht atmet, weckt ihn das Hirn und sagt: Atme. Betroffene schlafen nie durch, sondern werden ständig geweckt – ohne dass sie es merken. Es folgten Arztbesuche, Operationen der Nebenhöhlen, Therapien. Nichts hat so wirklich geholfen. Dąbrowski hat nie durch die Nase geatmet. Die Mundatmung, die im Grunde genommen „falsch“ und nicht gut für unseren Körper ist, hat ihm Probleme bereitet.

Fight or Flight

Durch den Mund atmet man zu häufig und zu viel Luft ein. Unser Nervensystem ist dann im „Fight or Flight“-Mode. Die logische Folge daraus: Körper und Geist können nicht entspannen. Das bestätigt auch Dr. Ulrich Radda. Er ist Facharzt für Pulmologie, Medizinischer Dienst und Versorgungsinnovation Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK).

Dr. Ulrich Radda, Facharzt für Pulmologie, Medizinischer Dienst und Versorgungsinnovation Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK). | © ÖGK

„Unsere Gesellschaft atmet vorwiegend falsch“ – und zwar viel zu viel durch den Mund und viel zu oft in die Brust. Das heißt: Wir atmen oberflächlich. Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen der Bauchatmung – auch Zwerchfellatmung genannt – und der Brustatmung. Bei der Bauchatmung nutzen wir das Zwerchfell als wichtigen Atemmuskel. Das führt zu einer tieferen Atmung. „Wenn ich einatme, erzeuge ich einen Druckunterschied. Das Zwerchfell geht beim Einatmen bis zu sieben Zentimeter nach unten. Damit wird die Lunge groß gemacht“, so Radda. Die Brustatmung hingegen baut auf die Zwischenrippenmuskeln. Dabei hebt und senkt sich primär unser Brustkorb, man atmet flacher.

Im Alltag verwenden wir normalerweise eine Kombination beider Techniken; wobei die Bauchatmung bei Entspannung und die Brustatmung bei Anspannung, also bei Stresssituationen und körperlicher Anstrengung, eingesetzt wird.

Brust, Bauch und Stress

Gesünder ist „ganz klar die Bauchatmung“, meint Radda. Diese hat nicht nur positive Auswirkungen auf unseren Körper, sondern aktiviert auch das parasympathische Nervensystem, das für Entspannung sorgt und den Cortisolspiegel senkt. Das hilft, Stress zu reduzieren. „Eine langsame, tiefe Atmung kann den Blutdruck senken und den Herzrhythmus verlangsamen. Außerdem kann Bauchatmung durch die Bewegung des Zwerchfells die Bauchorgane massieren, was die Darmbewegung anregt“, so Radda weiter.

Die flache Brustatmung hingegen ist ein Zeichen von Stress und kann diesen sogar verstärken. Der Körper verspannt und kann nicht genügend Sauerstoff aufnehmen. Dabei wird das sympathische Nervensystem aktiviert, das im Körper für Anspannung sorgt. Die Folge: Der Blutdruck steigt und die Herzfrequenz wird erhöht. Obwohl das im Grunde ein wichtiger Schutzmechanismus ist, kann es auf Dauer gefährlich werden.

„Viele Menschen atmen unbewusst flach, weil sie ihre Atmung durch Stress und körperliche Inaktivität in den Brustkorb verlagern“, erklärt Radda. Auslöser sind nicht nur psychische Belastungen und eine schlechte Körperhaltung, sondern auch das ständige Bauch-Einziehen oder zu enge Kleidung.

Die Nase und der Mund

Doch nicht nur Brust und Bauch entscheiden bei der Atmung mit. Auch der Mund und die Nase spielen eine Rolle: Die Nasenatmung hat einige Vorteile: „Darunter die Filterung, Befeuchtung und Erwärmung der Atemluft. Außerdem führt sie zu einer höheren Sauerstoffsättigung des Bluts und zur Produktion von Stickoxid, das unsere Blutgefäße erweitert und zur Verbesserung der Durchblutung führt“, erzählt der Mediziner. Die Nasenatmung kann damit den Sauerstoffgehalt in unserem Blut um bis zu zwanzig Prozent erhöhen.

Ein weiteres Plus der Nasenatmung: „Sie kann unser Immunsystem stärken und einen besseren Schlaf bewirken“, meint Radda. In der Nase befinden sich nämlich natürliche Luftfilter, die Staub, Allergene und Krankheitserreger abhalten. Das alles ist bei der Mundatmung nicht der Fall. Und sie hat noch ein weiteres Manko: „Wir wissen, dass Mundatmung und die dadurch hervorgerufene Austrocknung der Schleimhäute zu Zahnfleischentzündungen führen kann. Auch der Zahnschmelz kann angegriffen werden. Und: Die Zunge liegt bei der Mundatmung tiefer, sie übt nicht den erforderlichen normalen Druck auf den Oberkiefer aus. Das kann vor allem bei Kindern zu Fehlentwicklungen im Kiefer oder zu Zahnfehlstellungen führen.“

Tapes und warme Milch mit Honig

Eine der häufigsten medizinischen Behandlungsformen für obstruktive Schlafapnoe ist die CPAP-Beatmung, also eine Art Atemunterstützung, wie Facharzt Radda erklärt: „Befeuchtete Luft wird druckunterstützt über eine Maske im Schlaf zugeführt, was verhindert, dass der Gaumen zusammenfällt und die Atemwege verschlossen werden. Für die meisten Patient:innen ist das ein Gamechanger“, so Radda.

Abseits dieser medizinischen Behandlung greifen jedoch immer mehr Menschen zu Nasen- und Mund-Tapes, um Mund, Zähne und Lunge gesund zu halten und den Körper im Schlaf mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. So auch Gründer Dąbrowski: Mouth-Taping hat den Gründer aus seiner Schlafmisere gerettet. Er warnt allerdings davor, diese Technik uninformiert zu beginnen – zuerst sollte ein HNO- oder Lungenfacharzt konsultiert werden. Das Mundtapen im Schlaf hat Dąbrowski geholfen, effizient durch die Nase zu atmen, seinen Kiefer zu schließen und die Sauerstoffsättigung im Blut zu erhöhen. Die Folge: mehr Energie, keine Kopfschmerzen mehr, ein besseres Leben.

Nasentapes wiederum können die Nasenflügel heben und die Belüftung durch die Nasenatmung verbessern, meint Radda. Das erweise sich gerade im Schlaf als gesundheitsfördernd. Radda äußert sich optimistisch: „Man kann das ohne Weiteres versuchen, um den Schlaf zu verbessern. Ich bin auch ein Verfechter von einem Glas warmer Milch mit Honig. Wenn man das am Abend trinkt, wirkt das schlafanstoßend. Jeder sollte sich die Tür offen lassen für Maßnahmen, die einem individuell helfen.“

Radda warnt jedenfalls davor, eine potenzielle Schlaf- und Atemstörung zu unterschätzen: „Man kann auf Dauer Folge- oder Begleiterkrankungen entwickeln, der Blutdruck steigt und die Lebensqualität wird enorm eingeschränkt. Kopfschmerzen sind nur die erste Begleiterscheinung. Es gibt Studien, die zeigen, dass auch das Risiko für Herzinfarkte deutlich zunimmt, wenn man Schlafapnoe unbehandelt lässt.“

Ab ins Schlaflabor

Wichtig ist also: bei Verdacht auf Schlafapnoe unbedingt zum Lungenfacharzt und ab ins Schlaflabor. Lungenfachärzt:innen und Mediziner:innen können mit einfachen Checks beurteilen, ob falsche Atmung oder Schlafapnoe vorliegt. Facharzt Radda gibt darüber hinaus weitere Tipps zum einfachen Selbstcheck: „Man sollte sich jeden Tag Zeit nehmen und auf seine Atmung achten.“ Alarmglocken sollten vor allem bei folgenden Symptomen läuten: „Wenn man sich nicht ausgeschlafen fühlt, Konzentrationsschwächen hat und so müde ist, dass man beim Sitzen oder bei monotonen Tätigkeiten einschläft – das alles können Anzeichen für ein obstruktives Schlafsyndrom, die sogenannte Schlafapnoe, sein. Das sollte man unbedingt mit einem Lungenfacharzt abklären.“

Und: „Einer der größten Risikofaktoren ist Adipositas. Durch eine Gewichtsabnahme kann sich die Atmung im Schlaf – auch das Schnarchen – verbessern“, meint Radda.

Hand auf den Bauch

Radda empfiehlt daher, sich folgende Fragen zu stellen: „Nehme ich mir im Alltag Zeit zum Atmen? Habe ich das Gefühl, ich bekomme genug Luft?“ Sollte das nicht der Fall sein, können schon kleine Atemübungen einen großen Unterschied machen. Zum Beispiel: Die Hand auf den Bauch legen und langsam durch die Nase einatmen, sodass sich der Bauch hebt. Und ja: Den Bauch beim Einatmen rauszustrecken ist okay – entgegen unserer gesellschaftlichen Norm, den Bauch der Ästhetik wegen einzuziehen.

Eine weitere Übung: Vier Sekunden lang durch die Nase einatmen, die Luft für fünf Sekunden anhalten; dann sechs Sekunden lang ausatmen. Das soll vor allem in verspannten Situationen körperliche Entlastung bieten. Radda: „Man sollte seine Work-Life-Balance ernst nehmen und Stresssituationen richtig beurteilen. Dauerhafter Stress beeinflusst die Atmung und damit die Sauerstoffversorgung im Körper. Stress lässt uns oberflächlich atmen, was auf Dauer nicht gesund ist.“

Durchatmen

Dass schon einfache Atemübungen funktionieren, hat auch Gründer Krzysztof Dąbrowski bewiesen. Er hat sich in erster Linie auf Übungen der sogenannten Buteyko-Methode des bewussten, langsamen Atmens konzentriert. Und zack: „Nach ein paar Übungen konnte ich frei durch die Nase atmen. Ich war wirklich beeindruckt.“

Erste Erfolge sah er schon nach ein bis zwei Tagen. Nach nur sechs Monaten wurde er zum konstanten Nasenatmer. Mittlerweile hat Dąbrowski jene Lebensqualität und -freude zurück, die ihm mit verstopfter Nase, Mundatmung und Schlafapnoe genommen wurde. Und schließlich war seine Reise auch der Grund, warum Krzysztof sein Startup RespireLabs gegründet hat.

Damit entwickelt er eine Software mit passendem Mund-Tape-Wearable, die die Atmung im Schlaf messen und analysieren kann. „Wenn du erschöpft und chronisch müde bist, denkst du, dass es keinen Ausweg gibt oder du krank bist. Sobald du aber merkst, dass das eigentlich an deiner Atmung liegt, kann dein Leben so schnell besser werden!“, meint Dąbrowski heute.

Krzysztof Dąbrowski, Gründer von RespireLabs, mit seinem Smart-Wearable-Mouth-Tape. | © RespireLabs

Das bestärkt auch Mediziner Radda: „Wenn man die Atmung versteht und bewusst trainiert, kann man seine Gesundheit und die Lebensqualität deutlich verbessern. Das ist ein unterschätztes Thema. Die Atmung hat ganz viel Einfluss auf unseren Körper.“ Deshalb legt er Menschen vor allem eines ans Herz: „Weniger ist oft mehr. Ruhige Atemzüge – durch die Nase in den Bauch – sind fast immer der Schlüssel zu mehr Entspannung und einem gesünderen Leben.“


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Biogena, Börse, Aktien
Albert Schmidbauer, Gründer und CEO von Biogena | (c) Biogena.

Biogena-Gründer Albert Schmidbauer setzte sich jüngst gegen das Ende der Sachbezugsbefreiung für E-Dienstwagen ein – brutkasten berichtete. Nun beschleunigt der Salzburger Mikronährstoff-Hersteller seinen Weg in Richtung Kapitalmarkt. Über die Biogena Good Vibes AG läuft derzeit eine außerbörsliche Kapitalerhöhung mit einem geplanten Volumen von bis zu 25 Millionen Euro.

Biogena und die Unternehmensbewertung

Der Ausgabepreis für neue Aktien liegt bei 4,803 Euro. Insgesamt sollen rund vier bis fünf Millionen neue Aktien ausgegeben werden. Die Gesellschaft positioniert die Maßnahme als zentralen Baustein ihrer langfristigen Kapitalmarktstrategie und bereitet parallel die Handelbarkeit im Direct Market Plus der Wiener Börse vor. Im Zuge der Kapitalmaßnahme rückt auch die Unternehmensbewertung stärker in den Fokus und soll bei rund 475 Millionen Euro liegen.

„Die im Prospekt genannte Bewertung basiert nicht auf einer losgelösten Marketingannahme, sondern auf einer internen Unternehmensbewertung nach den Grundsätzen des Fachgutachtens KFS/BW“ (Anm.: zentrales Fachgutachten des Fachsenats für Betriebswirtschaft und Organisation der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen – KSW – zur Unternehmensbewertung in Österreich), erklärt Schmidbauer. „Zusätzlich wurde diese Bewertung mit branchenspezifischen Transaktionsdaten für Nahrungsergänzungsmittel in Österreich und Deutschland plausibilisiert. Wichtig ist die genaue Einordnung: Der Angebotspreis beträgt 4,803 Euro je Aktie. Auf dieser Basis wird die Emittentin aktuell mit rund 450 Mio. Euro bewertet. Die oft genannten rund 470 bis 475 Mio. Euro lassen sich wirtschaftlich als Größenordnung nach vollständiger Kapitalerhöhung erklären: 450 Mio. Euro bestehende Bewertung plus bis zu 25 Mio. Euro Bruttoemission ergibt rund 475 Mio. Euro.“

Bewertungsfaktoren

Die Bewertung stützt sich aus Sicht von Schmidbauer auf mehrere Faktoren: Biogena erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von rund 124,9 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) lag bei rund 19,1 Mio. Euro, was einer EBITDA-Marge von etwa 15,3 Prozent entspricht. In der bereinigten Pro-Forma-Betrachtung steigt das EBITDA auf rund 19,8 Mio. Euro, die Marge liegt dann bei rund 15,9 Prozent.

„Dazu kommt eine sehr starke Substanz. Das im Konzernabschluss ausgewiesene Eigenkapital beträgt (laut Prospekt) rund 298,9 Mio. Euro. Das ist für die Kapitalmarkteinordnung wesentlich, weil Biogena nicht nur über Wachstumsfantasie, sondern auch über eine bereits erhebliche Eigenkapitalbasis verfügt“, so Schmidbauer weiter. „Ein weiterer entscheidender Bewertungsfaktor ist die bereits vorhandene Skalierungsfähigkeit. Die bestehenden Fertigungskapazitäten in Koppl und am neuen Spezialproduktionsstandort Liefering reichen bereits für rund 500 Mio. Euro Umsatz. Die Anlage ist aktuell zu weniger als 25 % ausgelastet. Das heißt: Ein wesentlicher Teil der industriellen Basis für das geplante Wachstum ist bereits vorhanden und muss nicht erst vollständig neu aufgebaut werden.“

Somit erklärte sich die Bewertung – zusammenfassend gesagt – aus dem Zusammenspiel von „heutiger Ertragskraft, hoher Eigenkapitalbasis, bestehender Produktionskapazität für rund 500 Mio. Euro Umsatz und einer klaren Wachstumsplanung“.

In anderen Worten: Der Konzernumsatz von Biogena soll von 156,65 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2025/2026 auf 502,0 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2029/2030 steigen. Diese Zahlen sind ausdrücklich Planwerte des Managements, keine Garantie und keine bindende Prognose, wie Schmidbauer betont.

E-Commerce und D2C

Die Planung verteilt sich im Kern auf folgende steuerbare Wachstumskanäle: E-Commerce und D2C: E-Commerce soll laut Prospekt von 96,4 Mio. Euro Umsatz 2025/2026 auf 233,2 Mio. Euro 2029/2030 wachsen. Getragen werden soll das durch Performance-Marketing, CRM, Subscription-Modelle, höhere Wiederkaufraten und eine stärkere Fokussierung auf Deutschland.

„Das ist ein zentraler Punkt: Biogena will nicht nur über Handel wachsen, sondern über die direkte Kundenbeziehung. Über 70 % der Umsätze werden bereits heute über das Web abgewickelt, und Biogena zählt laut Prospekt rund 1 Mio. Kundinnen und Kunden aus 70 Ländern sowie mehr als 500.000 registrierte Nutzer im Biogena Club“, präzisiert Schmidbauer.

Biogena mit Apothekenkanal

Zudem soll der neu aufzubauende Apothekenkanal in der DACH-Region laut Planung bis 2029/2030 einen Umsatzbeitrag von 163,3 Mio. Euro leisten, davon 129,0 Mio. Euro in Deutschland. „Das ist strategisch wichtig, weil Biogena damit neben dem starken D2C-Geschäft einen zweiten großen Skalierungskanal aufbaut: Apotheken schaffen Reichweite, Vertrauen und Zugang zu gesundheitsbewussten Kunden“, so der Founder weiter.

Außerdem sollen Stores, Labs und Plaza-Konzepte laut Prospekt von 37,2 Mio. Euro 2025/2026 auf 86,5 Mio. Euro 2029/2030 wachsen. Sie werden von Biogena als Beratungs-, Erlebnis- und Vertrauenszentren verstanden und mit Diagnostik-, Biohacking- und Longevity-Angeboten verbunden. „Hier liegt der Unterschied zu reinen Online-Supplement-Marken: Biogena baut physische Orte, an denen Gesundheit messbar, beratbar und erlebbar wird.“

Deutschland als wichtigster Markt

Deutschland bleibt dabei der wichtigste Wachstumsmarkt. Der Umsatz dort soll von 58 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2025/2026 auf 335,5 Mio. Euro bis 2029/2030 steigen. Nach der Planung des Managements soll der Marktanteil in Deutschland von derzeit rund 0,7 Prozent auf etwa drei Prozent ebenfalls wachsen.

Dieses Wachstumspotenzial ergibt sich auch aus der noch vergleichsweise geringen Markenbekanntheit, wie Schmidbauer beschreibt. Während der gestützte Bekanntheitsgrad in Österreich bei 42 Prozent liege, betrage er in Deutschland erst acht Prozent. Der deutsche Markt sei damit nicht nur größer, sondern biete auch beim Markenaufbau noch deutliches Potenzial.

Wie Schmidbauer erklärt, ist Biogenas Internationalisierung somit vor allem über diesen Markt konkretisiert. Dazu kommen bestehende internationale Grundlagen: Die bereits erwähnten Kunden aus 70 Ländern, D2C als zweiter großer Hebel und die starke Web-Abwicklung, was den Umsatz betrifft.

Biogena als Health-Ökosystem mit starker Vertikalisierung

„Das zeigt, dass Biogena schon heute eine direkte Kundenbeziehung hat und nicht ausschließlich vom stationären Handel abhängig ist. Digitale Gesundheitsservices sind der strategische Differenzierungshebel. Die Mittel aus der Kapitalerhöhung sollen unter anderem in Webshop 3.0 bzw. World of Biogena, Wellbeing Checks & Longevity-Systemlösungen, Biogena ONE, E-Commerce-Marketing Deutschland sowie den weiteren Ausbau der Plaza-Konzepte fließen“, sagt Schmidbauer. „Damit wird deutlich: Biogena verkauft nicht nur Nahrungsergänzungsmittel. Das Modell entwickelt sich in Richtung eines integrierten Health-Ökosystems aus Produkt, Diagnostik, Beratung, Biohacking, digitalen Services, Club-Modell und stationärer Erlebniswelt.“

Zwischen Consumer Health, Supplement Brand und Longevity-Plattform

Zur Frage der Positionierung zur Konkurrenz meint Schmidbauer, dass Biogena im Vergleich zu vielen Consumer-Health-Unternehmen stärker vertikal integriert sei. „Die Gruppe entwickelt, produziert und vertreibt selbst“, erklärt er. „Gleichzeitig verfügt sie über ein eigenes Wissenschafts- und Entwicklungsteam mit rund 20 akademischen Expertinnen und Experten sowie über mehr als 729 geschützte Marken, vor allem in der Europäischen Union.“

Im Vergleich zu jungen Longevity- oder Supplement-Startups habe Biogena bereits eine „substanzielle Umsatzbasis“, ein positives hohes EBITDA, eine starke Eigenkapitalbasis, eigene Produktionskapazitäten, rund 30.000 Partnerärzte und Therapeuten im B2B-Bereich sowie eine große B2C-Kundenbasis, zieht Schmidbauer sein Fazit: „Biogena steht zwischen klassischem Consumer Health, Premium Supplement Brand und moderner Longevity-Plattform. Der Unterschied liegt in der Kombination aus Wissenschaft, eigener Produktion, direkter Kundenbeziehung, ärztlichem Partnernetzwerk, digitalen Gesundheitsservices. Und physischen Gesundheitsorten.“

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