10.08.2022

Banken und Krypto: Warum sich die Branchen langsam annähern

Das Krypto-Startup Foreus beschäftigt sich mit Krypto-Forensik und zählt jüngst auch vermehrt Banken zu seinen Kunden. CEO Stefan Embacher gibt im Interview seine Einschätzung über diese Entwicklung.
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Das Founderteam von Foreus (v.l.): Georg Coester, Stefan Embacher und Albert Sperl © Foreus
Das Founderteam von Foreus (v.l.): Georg Coester, Stefan Embacher und Albert Sperl © Foreus

Banken und Kryptowährungen hatten in der Vergangenheit ein eher komplexes Verhältnis zueinander. Durch den stetigen Anstieg von Kryptoinvestor:innen beschäftigen sich allerdings auch Branchen wie das Bankenwesen vermehrt mit der Thematik. Das österreichische Krypto-Forensik-Startup Foreus zählt unter anderem einige Banken zu seinen Kunden. Co-Founder und CEO Stefan Embacher erklärt im brutkasten-Interview, welche Schwerpunkte das Startup setzt und welche Erfahrungen und Entwicklungen in der Zusammenarbeit mit Banken auffallen.

Für alle die euch noch nicht kennen: Wer seid ihr und was macht ihr bei Foreus?

Bei Foreus sind wir einerseits im Bereich der Betrugsbekämpfung tätig, wo wir als Sachverständiger für Gerichte auftreten und als Schnittstelle zwischen Geschädigten und Behörden agieren. Das beinhaltet sowohl die Krypto-Forensik, aber auch die Kommunikation mit den Behörden und Rechtsanwält:innen. Andererseits sind wir im Bereich der Mittelherkunft tätig und fokussieren uns dabei auf die Themen Geldwäscheprävention und Terrorismusfinanzierungsprävention für Banken.

Wer sind eure Kunden?

Zu unseren Kunden gehören neben Rechtsanwält:innen und Privatpersonen auch Banken. Ein Beispiel: wenn eine Person eine größere Summe auf ihr Bankkonto auszahlen möchte, arbeiten wir dies kryptoforensisch auf, bestimmen die Mittelherkunft und stellen in Form einer Risikobewertung fest, ob die Transaktion mit einem Risiko behaftet ist. Bei unserem Kundenstamm handelt es sich aktuell zu 85 Prozent um Exportleistung. Unsere Hauptkunden befinden sich in Liechtenstein, während speziell im Betrugsbereich auch viele Anwält:innen aus Deutschland vertreten sind. Österreichische Kunden machen aktuell 15 Prozent aus, wobei es sich hauptsächlich um eine Bank und ein paar Rechtsanwält:innen handelt.

Du hast deine Ausbildung unter anderem in Amerika abgeschlossen – Wie schätzt du den Standort Österreich mit Blick auf deine Erfahrungen im Ausland ein?

Der Standort Österreich ist an und für sich sehr gut. Die kurzen Wege und die Tatsache, dass jeder jeden kennt sehe ich für unsere Arbeit als Vorteil. Auf der anderen Seite steht Österreich im Bereich Komplexität sehr schlecht da. Die Kommunikation mit den Behörden ist teilweise extrem schwierig. Unter anderem auch deshalb, weil noch sehr wenig Wissen im Kryptobereich vorhanden ist. Das wird sich in den nächsten Jahren aber sicher verbessern.

Hat sich speziell im Bankenwesen die Einstellung zur Kryptobranche bereits verändert?

Natürlich. Banken befassen sich immer mehr mit der Thematik. In den letzten Jahren hatten Banken noch ein großes Problem darin gesehen, Risiken abzuwägen. Durch unsere Mittelherkunftsnachweise wird dieses Risiko allerdings minimiert. Dementsprechend öffnen sich auch immer mehr Banken diesem Bereich.

Legen eure Kunden aus der Bankenbranche einen Fokus auf einzelne Kryptowährungen , wie beispielsweise Bitcoin, oder sind sie eher breit aufgestellt?

Ich sehe da eine 50:50-Aufteilung. Unsere Arbeit bezieht sich zu circa 50 Prozent auf den Bitcoin-Bereich während sich der Rest auf andere Assetklassen bezieht. Hier sehe ich aber keinen Trend, der in eine bestimmte Richtung zeigt. Allerdings erkennt man im Betrugsbereich durchaus, welche Assetklassen bei kriminellen Subjekten im Fokus stehen.

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Hansi Hansmann auf der Main Stage des Female Future Festivals 2026. © brutkasten

Unter dem Motto „The Power of Connection“ versammelten sich am 22. Oktober rund 2.000 Teilnehmende in der Wiener Ottakringer Eventlocation. Das von den Schwestern Verena Eugster und Patricia Zupan-Eugster gegründete Female Future Festival widmete sich Themen wie Leadership, künstlicher Intelligenz und Finanzkompetenz. Neben Fachpanels zu Verhandlungsstrategien oder finanzieller Gesundheit war auch Business Angel Hansi Hansmann als Keynotespeaker auf der Bühne zu sehen.

„…, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“

Im Gespräch mit brutkasten nannte Hansmann seine Motivation für den Besuch: „Ich habe zwei kleine Töchter und ich möchte gerne, dass meine Töchter später im Leben irgendwann alles das machen können, was sie machen wollen, ohne dass ihr Geschlecht sie daran hindert.“ „Ich bin ein ganz, ganz großer Fan davon, dass es mehr Unternehmerinnen und mehr Investorinnen gibt. Überhaupt mehr Frauen an der Macht, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“, ergänzt er zu seinen Beweggründen.

Was seine Beteiligungen angeht, sieht der Investor und ehemalige Manager in Sachen Geschlechterverteilung ein klares Muster: „Ich habe in alles investiert: in rein männliche Teams natürlich viel mehr, aber auch rein weibliche und gemischte Teams. Am besten performen gemischte Teams aus meiner Erfahrung.“

Der Hebel gemischter Teams

Den Vorteil gemischter Teams sieht Hansmann im Zusammenspiel unterschiedlicher Stärken: Es gebe „unterschiedliche Eigenschaften und Skills zwischen Frauen und Männern, und die Mischung macht’s aus“.

Als Beispiel nennt er den Markteintritt: „Ein reines Männerteam geht mit dem Produkt raus, wenn es fertig ist. Nach dem Motto ’das können wir mal rausschieben in den Markt, probieren wir mal, schauen wir mal, ob es ankommt.’ Beim reinen Frauenteam, da muss das Produkt perfekt sein. Und das dauert natürlich fünf Monate länger, bis die auf den Markt gehen, und damit vergeht Zeit.“ Für ihn gilt: „Das gemischte Team, wo sozusagen alle Stimmen zu Wort kommen, ist das Ideale.“

Deutlicher Finanzierungs-Gap in H1/2026

Doch obwohl die Teamkonstellation am besten zu performen scheint, bestehen nach wie vor große Ungleichheiten in Sachen Startup-Finanzierung. Erst kürzlich zeigte der Female Start-up Funding Index H1/2026 von EY Österreich, Female Founders und Fund F das Ausmaß. Im ersten Halbjahr flossen 472 Mio. Euro Risikokapital in österreichische Startups, ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rein männliche Teams erhielten davon 94,9 Prozent, gemischte Teams 4,8 Prozent und rein weibliche Teams 0,3 Prozent. Der Frauenanteil unter den analysierten Gründer:innen lag bei rund 13 Prozent. „Frauen dürfen gründen. Finanziert werden Männer“, brachte es Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F, in der damaligen Aussendung auf den Punkt.

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