09.07.2021

bank99: Post bestätigt offiziell Gespräche mit ING über Privatkundengeschäft

Die Tochterbank der Post hat es aufs österreichische Privatkundengeschäft der niederländischen ING abgesehen. Der Mutterkonzern bestätigte erstmals offiziell Gespräche.
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Die bank99 führt Gespräche mit der ING über ihr Privatkundengeschäft in Österreich | Foto: © bank99

Diese Meldung hatte im März für Aufsehen in der heimischen Bankenlandschaft gesorgt: Die niederländische ING Bank hatte kündigte, sich aus dem österreichischen Privatkundengeschäft zurückziehen zu wollen. Man evaluiere „strategische Optionen, die auch einen möglichen Verkauf des Privatkundengeschäfts in Österreich beinhalten“, sagte Barbaros Uygun, Vorstandschef der ING in Österreich. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bank nach eigenen Angaben immerhin 550.000 Kunden – wovon allerdings ganze 430.000 nur ein Sparkonto bei der Bank unterhielten und somit höchstwahrscheinlich eine andere Hauptbank hatten. Diese Kunden setzte die ING dann bereits mit Juni vor die Tür und beendete die Geschäftsbeziehung.

Zu einem Verkauf des Privatkundengeschäfts kam es aber noch nicht. Schon im Frühling war über mögliche Käufer spekuliert worden – und auch die bank99 war häufig genannt worden. So berichtete etwa „Die Presse“ im März, dass die Post-Tochterbank an den ING-Kunden interessiert sei. In einer Stellungnahme gegenüber der Wiener Zeitung äußerte sich die Bank eher vorsichtig: „Jeder Kunde, der am Markt zu haben ist, ist für uns interessant. Aber derzeit gibt es von uns kein Angebot, das ausdrücklich auf die Kunden der ING Austria abzielt“.

Nun, einige Monate später, bestätigte die Post aber nun ganz offiziell, dass es Verhandlungen mit der ING gibt: „Die Österreichische Post bestätigt Gespräche der Tochtergesellschaft bank99 mit ING hinsichtlich Privatkund*innengeschäft in Österreich“, schrieb das börsennotierte Unternehmen in einer Ad-hoc-Meldung, die nur aus diesem einen Satz bestand. Darüber hinaus könne man leider nichts kommunizieren, sagte ein Sprecher der Post auf Anfrage des brutkasten.

70.000 Kunden und 30,7 Mio. Euro Jahresverlust

Die bank99 ist seit dem Vorjahr am Markt. Nachdem eine Zusammenarbeit der Post mit der deutschen Fintech Group gescheitert war, übernahm das Unternehmen 2019 die Privatbank Brüll Kallmus von der Grazer Wechselseitigen. Aus der Privatbank entstand dann die bank99, die mit 1. April 2020 startete. Die Bank unterhält knapp 1.800 Geschäftsstellen.

Im März 2021 meldete die Bank bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 2020 eine Kundenzahl von 70.000. Profitabel ist die bank99 noch nicht, sie machte im Vorjahr 30,7 Mio. Euro Verlust. Dies entspreche aber der Planung, weil der Aufbau einer Retailbank mit einer flächendeckenden physischen Geschäftsstellen-Präsenz wie einem Onlineauftritt mit hohen Investitionen verbunden sei, teilte die Bank mit.

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Reploid-CEO Philip Pauer (r.) und -CBO Jonas Finck läuteten heute die Börsenglocke | (c) Wiener Börse AG / Alexander Felten
Reploid-CEO Philip Pauer (r.) und -CBO Jonas Finck läuteten im Juli 2025 die Börsenglocke | (c) Wiener Börse AG / Alexander Felten

Im Juli 2025 ging das Welser Insektenzucht-Scaleup Reploid in einem durchaus ungewöhnlichen Schritt nur vier Jahre nach der Gründung am Direct Market Plus an die Wiener Börse. Ein Run auf die Aktie blieb damals aus – es gab keinen Trade am ersten Tag, wie brutkasten berichtete.

Große Meilensteine, aber noch immer wenig Handelsvolumen

Seitdem hat sich bei Reploid viel getan: Millionenfinanzierungen, geografische Expansion, neue große Kunden, zahlreiche Personalien und eine Steigerung auf rund neun Millionen Euro Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr (brutkasten berichtete). Einzig: Die Liquidität der Aktie, die aktuell bei 1.700 Euro pro Stück steht, hält sich nach wie vor in Grenzen, wie ein Blick auf Daten der Wiener Börse verrät. Oft gibt es mehrere Tage lang keine Trades, nur an wenigen Handelstagen werden zweistellige Stückzahlen erreicht.

Aktiensplit geht mit Erhöhung des Grundkapitals einher

Doch das soll sich jetzt ändern. Denn wie Reploid per Aussendung bekanntgibt, plant man einen Aktiensplit im Verhältnis 1:15 – der Preis einer Aktie reduziert sich damit also auf ein Fünfzehntel des aktuellen Werts. Damit erhöht sich die Anzahl der Aktien von 110.881 auf 1.663.215, wobei auf jede Stückaktie weiterhin ein anteiliger Betrag am Grundkapital von einem Euro entfällt.

Das bedeutet auch: Das Grundkapital muss dafür von derzeit 110.881 Euro auf 1.663.215 Euro erhöht werden. Das soll ohne die Ausgabe neuer Aktien, sondern „durch Umwandlung eines Teilbetrags der nicht gebundenen Kapitalrücklagen, die sich aus dem im Geschäftsjahr 2025 gesteigerten Eigenkapital speisen“, erfolgen. Der Beschlussvorschlag dafür werde der ordentlichen Hauptversammlung am 14. September 2026 vorgelegt, heißt es von Reploid.

„Wollen die Reploid-Aktie speziell für Retail-Investoren leichter handelbar und attraktiver machen“

„Die Reploid-Aktie notierte zuletzt bei 1.700 Euro. Würden wir heute splitten, läge der Kurs bei etwa 113 Euro. Genau das ist unser Ziel: Wir wollen die Reploid-Aktie speziell für Retail-Investoren leichter handelbar und attraktiver machen“, kommentiert Gründer und CEO Philip Pauer.

Ob die gewünschte Wirkung erzielt wird, bleibt freilich abzuwarten. Die Liquidität im Direct Market Plus der Wiener Börse ist generell niedrig. Wohl aber zeigt ein Blick auf die Daten: Titel mit geringeren Stückkosten kommen tendenziell auf mehr Trades.

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