20.08.2025
AERODYNAMIK

Balldesigner aus Oberösterreich bringt KI-optimierten Fairtrade-Ball auf den Markt

Vor acht Jahren scheiterte Mark Zechiel bei „2 Minuten 2 Millionen“. Heute verkauft sein Unternehmen Balldesigner personalisierte Fußbälle in großen Stückzahlen – und bringt nun einen KI-optimierten, aerodynamischen Fairtrade-Ball auf den Markt.
/artikel/balldesigner-aus-oberoesterreich-bringt-ki-optimierten-fairtrade-ball-auf-den-markt
Mark Zechiel (Gründer und CEO Balldesigner), Natalie Pichler. Foto: PULS 4/ Gerry Frank
Mark Zechiel (Gründer und CEO Balldesigner), Natalie Pichler. Foto: PULS 4/ Gerry Frank

Vor acht Jahren stehen Mark Zechiel und seine Kollegin Natalie Pichler vor einer Jury aus Investor:innen. Nur zwei Minuten Zeit haben sie zum Überzeugen. Sie wirken nervös, wechseln sich beim Präsentieren ab und liefern zackig Informationen. Ihr Produkt: Mit ein paar Klicks kann man seinen eigenen Ball designen. Zudem eine Software, die es ermöglicht, Panoramabilder auf Fußbälle zu drucken. Zielgruppen sind Schulklassen, Vereine – dazu Patente, etwa für die Russland-Flagge. 2018 war dort die Fußball-WM.

100.000 Euro hätten sie sich erhofft, rausgegangen sind sie mit null. Für Zechiel frustrierend – in zwei Minuten lasse sich das Ganze nie erklären. Für die Investor:innen habe es gewirkt, als handle es sich um einen einfachen Online-Shop, bei dem ein Ball pro Kunde verkauft werde. Tatsächlich bestellen Kund:innen 50 oder 100 Stück, Bayer 04 Leverkusen gleich 1.000. „Für ein kleines Unternehmen aus Oberösterreich ist das stark“, sagt Zechiel. In der Show habe er das nicht so rüberbringen können, wie gewollt.

Ganz umsonst war der Auftritt aber nicht: Durch die TV-Reichweite sei ein Großauftrag von einer Handelskette hereingekommen. „Für uns war es die beste Werbung“, sagt Zechiel.

Was sich seither getan hat

Seit der Gründung 2006 haben sie einen kumulierten Umsatz von über fünf Millionen Euro erzielt. Mittlerweile sehen sie sich nicht mehr als Startup. „Wir sind kein Rocket-Startup, das in drei Jahren ein Unicorn wird. Wir entwickeln uns eher in Richtung solides, mittelständisches Unternehmen – und das ist auch okay“, sagt Zechiel. 2026 findet die Fußball-WM in den USA statt – auch für einen US-Flaggen-Ball haben sie ein Patent. „Wir sind optimistisch“, sagt Zechiel.

Es bleibt jedoch nicht bei Patenten und personalisierten Designs: Nun bringt Balldesigner einen aerodynamisch optimierten Fairtrade-Fußball auf den Markt.

Fliegen wie ein Golfball

Ein Fußball mit golfballähnlicher Oberfläche soll „höher, schneller, weiter, präziser“ fliegen. Mithilfe einer KI wurde die Oberfläche aerodynamisch optimiert. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der sogenannten „Drag Crisis“ – ein Phänomen aus der Strömungsmechanik, bei dem der Luftwiderstand plötzlich stark abnimmt, wenn Luft über ein Objekt strömt. Durch ein 12-Panel-Design soll die Strömungseigenschaft weiter verbessert werden. Das Design ist in der EU und im Vereinigten Königreich geschützt. Ein Blick auf das geschützte Design:

Aerodynamischer Fußball. Foto: Balldesigner

Produziert wird in Sialkot, Pakistan – unter Fairtrade-Bedingungen. Laut Zechiel: „Nicht aus einer dunklen Hinterhofwerkstatt, sondern aus einer Fabrik, die nach Fairtrade International zertifiziert ist. Kontrolliert von FLO-CERT in Bonn. Also nicht nur ein grüner Sticker, sondern echte Wirkung.“

Fußball im Test

Eigen-Tests hätten gezeigt: Der Ball fliegt bei hohem Tempo weiter, Abschläge erreichen größere Distanzen. In Richtung gegnerische Hälfte sei er bei kurzen Pässen etwas langsamer. „Bei Footgolf ist unser Ball ein echter Gamechanger“, sagt Zechiel. Auch Profis aus der Footgolf-Szene hätten ihn bereits getestet. Das Feedback sei sehr positiv ausgefallen: „Flugverhalten, Handling – alles top. Die erste Auflage war sofort ausverkauft. Jetzt läuft die zweite.“

Weltweit gebe es bereits Anfragen. Ziel sei es, einen strategischen Vertriebspartner zu finden, um den Ball in den Breitensport zu bringen. Die Partner seien FIFA-zertifiziert. Balldesigner benötigt 20.000 Euro, um die Zertifizierungskosten zu refinanzieren. Dafür wurde ein Faninvest gestartet (Österreichs erste digitale Finanzierungsplattform für Profi- und Spitzensport) – rund 4.000 Euro wurden bereits gesammelt. Auch eine FlexCO wurde im Mai 2025 gegründet, um Investor:innen Beteiligungen zu ermöglichen. Erste Gespräche liefen bereits. „Aber wie man so schön sagt: ‚Nicht gackern, bevor das Ei gelegt ist‘“, sagt Zechiel. Momentan scheint alles rund zu laufen: Erst kürzlich stand Zechiel mit seinem Fußball auf einer Bühne in London.

Finalisten bei den „Sport Award Technology“

Seit 2013 bewertet eine Jury aus 70 Expert:innen weltweit tausende Einreichungen. Die Preisverleihung findet in London statt. „Wir waren als einziges österreichisches Unternehmen Finalist. Kein Sieg, aber große Bühne“, sagt Zechiel. Dort habe er auch das SEIS-Modell kennengelernt – ein erfolgreiches Konzept in Großbritannien, das jährlich Milliarden an Startup-Investitionen ermögliche, weil Investor:innen steuerlich entlastet werden. „Ein Modell, das wir dringend in Österreich brauchen“, meint Zechiel.

„Das Potenzial ist groß“

Das Interesse an Fairtrade-produzierten Bällen wachse – vor allem bei Schulen, Gemeinden und Vereinen. Ab Herbst 2025 beliefert Balldesigner die Schulen der Stadt München mit Fairtrade-Bällen. „Das Potenzial ist groß“, sagt Zechiel. Für die Fairtrade-Produktion zahlen sie rund 15 bis 20 Prozent mehr. Der Verkaufspreis des Aerodynamic-Surface-Balls liegt zwischen 100 und 150 Euro – vergleichbar mit FIFA-Pro-Matchbällen. Der Vorteil: „Unsere Strukturen sind schlanker, dadurch bleibt die Marge besser.“

Die erste Charge war sofort ausverkauft, die zweite läuft derzeit an. Mark Zechiel verfolgt mit seinem Team weiterhin eine klare Vision: Fußball besser machen.

Deine ungelesenen Artikel:
29.05.2026

MyPilz: Startup macht Wien zur Pilzhauptstadt und sammelt 400.000 Euro frisches Kapital ein

Das Wiener Startup MyPilz nutzt DNA-Sequenzierung, um die Mykologie für die Kreislaufwirtschaft anwendbar zu machen. Über ein mehrsäuliges Geschäftsmodell aus Consulting, Laboranalysen und Bildungsformaten ist das Unternehmen seit dem elften Monat operativ cashflow-positiv.
/artikel/mypilz-startup-macht-wien-zur-pilzhauptstadt-und-sammelt-400-000-euro-frisches-kapital-ein
29.05.2026

MyPilz: Startup macht Wien zur Pilzhauptstadt und sammelt 400.000 Euro frisches Kapital ein

Das Wiener Startup MyPilz nutzt DNA-Sequenzierung, um die Mykologie für die Kreislaufwirtschaft anwendbar zu machen. Über ein mehrsäuliges Geschäftsmodell aus Consulting, Laboranalysen und Bildungsformaten ist das Unternehmen seit dem elften Monat operativ cashflow-positiv.
/artikel/mypilz-startup-macht-wien-zur-pilzhauptstadt-und-sammelt-400-000-euro-frisches-kapital-ein
MyPilz Team mit Gründern Wolfgang Hinterdobler (l.) und René Lux (r.) © MyPilz

Das vor vier Jahren gegründete Startup MyPilz hat es sich zum Ziel gesetzt, das wirtschaftliche und ökologische Potenzial von Pilzen in die industrielle Anwendung zu bringen. Ermöglicht wird dies laut Unternehmen durch den technologischen Fortschritt der letzten Jahre: Dank gesunkener Kosten in der DNA-Sequenzierung lassen sich Pilzstämme heute präzise bis auf die Ebene des Individuums bestimmen, erklärt Gründer René Lux im brutkasten-Interview.

Angewandte Mykologie für die Kreislaufwirtschaft

Das biologische Reich der Fungi bietet laut Gründer Rene Lux enorme, bisher kaum genutzte Potenziale für die Wirtschaft. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von Verpackungsmaterialien und Plastikersatz über den Einsatz in der Bau- und Textilbranche bis hin zur gezielten Bodenentgiftung und dem Biomassemanagement.

Pilze agieren hierbei als essenzielle Zersetzer im Ökosystem. Um die Vernetzung zwischen internationaler Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern, veranstaltet das Startup zudem die biennale Eventreihe „Pilzfestspiele“, die auch 2027 wieder in Wien über die Bühne gehen werden.

Das Geschäftsmodell: Drei Säulen im Untergrund

Das Geschäftsmodell von MyPilz ruht laut Lux im Wesentlichen auf drei Säulen:

  • Consulting & IP: Das siebenköpfige Team unterstützt etablierte Unternehmen und Startups bei der Entwicklung von Innovationen und begleitet sie bei Förderprojekten.
  • Laboranalytik: Mittels DNA-Metabarcoding bietet das Startup standardisierte Boden- und Schadbildanalysen an. Diese Daten nutzen unter anderem NGOs, staatliche Organisationen sowie die Landwirtschaft.
  • Education: Neben Ausbildungsprogrammen und Initiativen im Bereich Bildung vertreibt MyPilz ein ökologisches Brettspiel im deutschsprachigen Raum.

„Wir produzieren nicht ein Produkt und suchen uns dann einen Markt, sondern wir finden ein Problem und einen Partner und lösen dann dieses Problem durch Innovation“, erklärt Lux den strategischen Ansatz des Unternehmens. Zu den Kund:innen und Projektpartner:innen zählen unter anderem, das für sein Fungi Pad bekannte Startup Hermann.Bio und das Entsorgungsunternehmen öKlo. Für das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft erstellte das Startup zudem eine Potenzialstudie.

Gründer René Lux mit dem „Pilzfest“ Brettspiel

Cashflow-Stabilität und AWS-Wachstumsfinanzierung

Nach einer ersten Seed-Finanzierung durch Family and Friends sowie strategische Mentoren-Investoren trägt sich die operative Basis des Startups seit dem elften Monat selbst. Im ersten Geschäftsjahr erwirtschaftete MyPilz einen sechsstelligen Umsatz, der laut Angaben des Unternehmens seither jährlich annähernd verdoppelt werden konnte.

Da die Grundkosten über den eigenen Cashflow gedeckt sind, verzichten die Gründer aktuell auf die Abgabe weiterer Unternehmensanteile. Um das geplante Wachstum, darunter die Erweiterung des Teams und der Ausbau eines größeren Labors an einem neuen Standort, zu finanzieren, setzt MyPilz auf Fremdkapital. Dieses wurde unter anderem durch das Double-Equity-Programm der Förderbank AWS mit 250.000 Euro vor einigen Wochen erfolgreich gehebelt und durch langjährige Nachrangdarlehen der bestehenden Gesellschafter:innen auf 400.000 Euro erhöht.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Balldesigner aus Oberösterreich bringt KI-optimierten Fairtrade-Ball auf den Markt

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Balldesigner aus Oberösterreich bringt KI-optimierten Fairtrade-Ball auf den Markt

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Balldesigner aus Oberösterreich bringt KI-optimierten Fairtrade-Ball auf den Markt

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Balldesigner aus Oberösterreich bringt KI-optimierten Fairtrade-Ball auf den Markt

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Balldesigner aus Oberösterreich bringt KI-optimierten Fairtrade-Ball auf den Markt

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Balldesigner aus Oberösterreich bringt KI-optimierten Fairtrade-Ball auf den Markt

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Balldesigner aus Oberösterreich bringt KI-optimierten Fairtrade-Ball auf den Markt

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Balldesigner aus Oberösterreich bringt KI-optimierten Fairtrade-Ball auf den Markt

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Balldesigner aus Oberösterreich bringt KI-optimierten Fairtrade-Ball auf den Markt