05.05.2022

Baillie Gifford: Growth-Investor & Tesla-Entdecker baut seine Aktivitäten in Österreich aus

Der schottische Growth-Investor Baillie Gifford baut sein Geschäft in Österreich aus und möchte hierzulande künftig verstärkt mit institutionellen Investoren, Dachfonds, Vermögensverwaltern sowie Family Offices zusammenarbeiten.
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Baillie Gifford
Tanja Schneider und Stuart Dunbar | (c) Baillie Gifford

Der in Edinburgh ansässige Asset Manager Baillie Gifford wurde bereits 1908 in Schottland gegründet und verwaltet aktuell ein Vermögen von rund 400 Milliarden Euro weltweit. Berühmt geworden ist er durch seine frühzeitigen Investments in Firmen wie Amazon, Tesla und Spotify. Das Investment in Amazon erfolgte beispielsweise bereits im Jahr 2003. Eine der jüngsten Beteiligungen wurde hingegen in das Schweizer Scaleup Climeworks getätigt, das sich auf das Abspalten und Speichern von CO2 aus der Atmosphäre spezialisiert hat.

Baillie Gifford baut Präsenz in Österreich aus

Wie Baillie Gifford im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien bekannt gegeben hat, soll nun das Österreich Geschäft ausgebaut werden. Im Zentrum steht dabei allerdings nicht ein verstärkter Investment-Fokus in österreichische Tech-Companies oder Scaleups. Vielmehr möchte Baillie Gifford künftig hierzulande die Zusammenarbeit mit institutionellen Investoren, Dachfonds, Vermögensverwaltern und Family Offices ausbauen, die sich bei Baillie Gifford einkaufen können.

Für den Ausbau der Kundenbeziehungen ist ab sofort Tanja Schneider zuständig, die seit April 2020 als Senior Manager für Business Development bei Baillie Gifford tätig ist. „Wir haben bereits 2019 mit der Eröffnung unseres Büros in Frankfurt eine Basis auf dem europäischen Kontinent etabliert und sind näher an unsere österreichischen Kunden herangerückt. Darauf bauen wir weiter auf und widmen dem österreichischen Markt mehr Zeit und Ressourcen“, so Schneider. Die Errichtung eines eigenen Standorts in Wien ist allerdings vorerst nicht geplant. Aktuell verfügt Baillie Gifford weltweit über elf Standorte und mehr als 1.600 Mitarbeiter:innen.

Baillie Gifford versteht sich als Alternative zum Aktienmarkt

Zur Präsentation rund um den Ausbau der Österreich-Aktivitäten ist unter anderem auch Stuart Dunbar, Partner bei Baillie Gifford, nach Wien angereist. Dunbar ist einer von 51 Partner:innen, in deren Eigentum die Anteile an Baillie Gifford sind und die das Unternehmen gemeinsam führen. Er gab dahingehend Einblicke in die Arbeit des Asset Manager. Demnach investiert Baillie Gifford mit geschlossenen Vehikeln schon weit vor dem Börsengang und versteht sich als eine Alternative zum Börsenmarkt. „Es geht also in erster Linie darum, Ideen, Unternehmer und Managementteams zu unterstützen, die unsere Welt grundlegend verändern können – nicht um die Analyse von Aktienkursen und Bewertungen“, so Dunbar.

Wie Baillie Gifford investiert

Aktuell summieren sich diese Investments in „Private Companies“ auf 5,7 Milliarden US-Dollar. Dazu zählen Firmen wie das Münchner Flugtaxi-Startup Lilium, der schwedische Batteriehersteller Northvolt oder das im Bereich Krypto-Technologie tätige Unternehmen Blockchain.com. Die durchschnittliche Haltedauer liegt bei rund acht Jahren, wobei einige Unternehmen laut Dunbar noch deutlich länger im Portfolio sind. Details zum aktuellen Dealflow und ob sich darunter auch österreichische Firmen befinden, wurden hingegen nicht gemacht. Investiert wird in erster Linie in Unternehmen, die laut Eigendefinition des Asset Manager das „Potential haben, ihren Sektor zu transformieren und die gesamte Wirtschaft voranzubringen“.


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Das Bitpanda Headquarter in Wien © Bitpanda

Sie machte Wien zum beliebten Standort für die EU-Niederlassungen internationaler Krypto-Unternehmen: die EU-Kryptoregulierung MiCAR. Denn die heimische Finanzmarktaufsicht FMA genießt den Ruf, bei der Erteilung der für das Krypto-Geschäft in der EU notwendigen MiCAR-Lizenz hart, aber fair zu sein.

FMA: „MiCAR auch im Enforcement angekommen“

Nach einigen Meldungen rund um die Erteilung solcher Lizenzen – und in einem Fall einer vorübergehenden Sanktionierung – in den vergangenen Monaten, erfolgte nun erstmals die Verhängung einer Strafe wegen eines MiCAR-Verstoßes durch die FMA. „Damit wird sichtbar, dass die MiCAR nicht mehr nur ein Konzessions- und Aufsichtsthema ist, sondern auch im Enforcement angekommen ist“, heißt es von der Behörde in einer Aussendung dazu.

Termin-Fehler und fehlende Telefonnummer und Mail-Adresse

Getroffen hat es ausgerechnet Österreichs Krypto-Regulatorik-Musterschüler Bitpanda. Konkret machte das Wiener Unicorn bei der Veröffentlichung eines Whitepapers im Zuge eines Token-Launchs im vergangenen Jahr einige Termin- bzw. Formfehler, wie aus der Bekanntmachung der FMA hervorgeht: Das Whitepaper hätte laut Regelwerk bis spätestens 20 Werktage vor Veröffentlichung an die FMA übermittelt werden müssen, was nicht passierte; eine Marketingmitteilung zum Whitepaper wurde unerlaubterweise bereits vor dessen Veröffentlichung verbreitet; und in einer weiteren Marketingmitteilung fehlten ein Disclaimer, eine Telefonnummer und eine Mail-Adresse.

„Unmittelbar nach dem behördlichen Hinweis in Abstimmung mit der FMA behoben“

70.000 Euro Strafe wurden letztlich verhängt. Seitens Bitpanda stellt man auf brutkasten-Anfrage klar: „Alle von der FMA aufgezeigten Punkte wurden jeweils unmittelbar nach dem behördlichen Hinweis in Abstimmung mit der FMA behoben. Wir haben uns für eine rasche, einvernehmliche Beendigung des Verfahrens entschieden. Die Veröffentlichung erfolgte nach dem österreichischen MiCA-Vollzugsgesetz. Das Verfahren ist damit abgeschlossen.“

Zudem betont man beim Scaleup: „Kundengelder, die Sicherheit unserer Plattform oder die Integrität des Bitpanda-Ökosystems waren zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt. Aus den beanstandeten Punkten ist unseren Kundinnen und Kunden kein finanzieller Schaden entstanden.“

Analyse: Musterschüler als erster Bestrafter als falsches Signal

Das genau Bitpanda die erste Strafe auf MiCAR-Basis ausfasst, ist nachvollziehbar und könnte dennoch ein falsches Signal aussenden. Als größter heimischer Player, der in seinen Prozessen eng mit der FMA zusammenarbeitet, überrascht es nicht, dass gelegentlich Formfehler nicht nur passieren sondern auch unmittelbar bemerkt werden. Indessen sind einige große internationale Player weiterhin ohne MiCAR-Lizenz am heimischen Markt aktiv und entziehen sich erfolgreich der Strafverfolgung. Dass der Formfehler durch die FMA verfolgt wird ist korrekt und konsequent; dass ausgerechnet Bitpanda damit zum Exempel wird, wird den großen regulatorischen Themen am Krypto-Markt aber nicht gerecht.

In der Aussendung der FMA äußert man sich zu dieser Thematik indirekt und gewohnt sachlich: „Der Umstand, dass es sich um den ersten veröffentlichten MiCAR-Fall handelt, begründet für sich genommen keine Sonderstellung des betroffenen Unternehmens oder der festgestellten Verstöße.“

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