25.01.2024

aws Gründungsfonds erhält neuen Geschäftsführer

Die Geschäftsführung des aws Gründungsfonds wird künftig als Dreierspitze agieren. Sie besteht aus Markus Jandrinitsch, Nina Dohrau und Patrik Cesky, der neu an Bord kommt.
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Patrik Cesky und Markus Jandrinitsch (v.l.n.r.) | (c) Fabian Skala

Erst im Dezember folgte Markus Jandrinitsch auf Christoph Haimberger, der gemeinsam mit Nina Dohrau seit Oktober 2021 die Co-Geschäftsführung des aws Gründungsfonds inne hatte. Wie die aws am Donnerstag bekannt gab, wurde die Geschäftsführung nun mit Patrik Cesky erweitert. In einer Aussendung heißt es dazu: „Mit der Bestellung von Patrik Cesky als Geschäftsführer ist das Team der aws Fondsmanagement nun komplett.“

Background von Patrik Cesky

Cesky ist seit 2010 im Beteiligungsmanagement und der Unternehmensführung tätig. Zuletzt baute der 38-Jährige bei der Erste Group eine Venture Capital Initiative mit auf. Von 2018 bis 2021 war er als Geschäftsführer des Biotechnologieunternehmens EUCODIS Bioscience tätig. Dort setzte er eine erfolgreiche Restrukturierung um, die schließlich in den Unternehmensverkauf mündete. Zuvor führte er als Senior Investment Manager bei ARAX Capital Partners Investments in österreichische Deep Tech Unternehmen durch und erreichte zahlreiche Exits.

„Der aws Gründungsfonds steht mit einem verfügbaren Volumen von 72 Millionen Euro bereit vielversprechende Startups bei der Umsetzung ihrer Wachstumsstrategien zu unterstützen. Unser hochqualifiziertes und motiviertes Team legt den Fokus darauf die besten Start-ups zu identifizieren, gemeinsam mit externen Investoren ihre weitere Expansion zu ermöglichen und eine signifikante Wertschöpfung zu erreichen“, so Patrik Cesky über seine neue Aufgabe.

aws Gründungsfonds II ging im Frühjahr 2023 an den Start

Erst Ende März 2023 präsentierte Wirtschaftsminister Martin Kocher mit “Gründungsfonds II” den Nachfolger des bis 2022 gelaufenen aws-Gründungsfonds. Der neue Gründungsfonds wird wieder vom Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt und ist mit den besagten 72 Millionen Euro ausgestattet. Mittels privaten Co-Investitionen soll er laut Kocher auf rund eine halbe Milliarde “gehebelt” werden. Der neue Fonds investiert pro Beteiligung mindestens 100.000 Euro und maximal fünf Millionen Euro (brutkasten berichtete).


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Die Aitiologic-Gründer (vlnr.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic
Die Aitiologic-Gründer (v.l.n.r.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic

Im Oktober 2024 verließ das Wiener Startup Aitiologic den „Stealth Mode“. Damals hatte es 2,5 Millionen Euro an Investments und Förderungen eingesammelt. Jetzt folgt eine Seed-Finanzierung über 6,4 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab.

Angeführt wird die Runde von den Healthcare-Investoren Heal Capital und Ananda Impact Ventures. Die bisherigen Investoren Push VC und Lana Ventures sind wieder dabei. Dazu kommen laut Startup mehrere Biotech-Gründer, die bereits Börsengänge und Exits hinter sich haben.

Ein Bluttest, der zeigt, was im Gewebe passiert

Aitiologic entwickelt die Plattform „Aitios“. Sie untersucht zellfreie DNA im Blut und wertet die Daten mit KI aus. Das Ziel: Aus einer normalen Blutprobe soll sich ablesen lassen, aus welchem Gewebe die DNA stammt und was dort gerade passiert. Die Technologie geht auf Forschung von Gründer und CEO Andreas Posch bei Siemens Healthineers zurück. Aitiologic hat sie exklusiv lizenziert.

2024 sprach das Startup noch allgemein von Krebs- und Pränataldiagnostik. Nun ist die erste Anwendung klar: die Risikoabschätzung für Präeklampsie im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Bluthochdruck-Erkrankung betrifft laut Aussendung geschätzt drei bis acht Prozent aller Schwangerschaften. Sie ist eine der wichtigsten Ursachen für Todesfälle von Müttern und Föten weltweit. Aitiologic will dafür dieselbe Blutprobe nutzen, die ohnehin für den nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) abgenommen wird. Eine zusätzliche Blutabnahme wäre also nicht nötig.

Eine erste Studie mit Kypros Nicolaides und dem Fetal Medicine Research Institute habe gezeigt, dass sich damit das Präeklampsie-Risiko einschätzen lässt, so das Startup. Jetzt läuft eine größere Studie mit der Fetal Medicine Foundation, an der mehr als 1.000 Schwangere teilnehmen. „Wir sind von einer Technologie-Hypothese zu publizierten klinischen Daten gekommen“, sagt Posch. Das frische Kapital soll in diese Studie und in die Produktentwicklung fließen.

Oxford-Nanopore-Mitgründer im Beirat, neue Chief Medical Officer

Mit der Finanzierung holt Aitiologic zwei bekannte Namen an Bord. Gordon Sanghera hat Oxford Nanopore Technologies mitgegründet, ein britisches Unternehmen für DNA-Sequenzierung. Er führte es 21 Jahre lang als CEO, vom Spinoff der Universität Oxford bis zum Börsengang in London. In der Aussendung wird er als „Pionier der Molekulardiagnostik“ bezeichnet. Für Aitiologic ist das relevant, weil die eigene Plattform auf der Sequenzierung von DNA aus dem Blut aufbaut: Sanghera bringt also Erfahrung mit dem Aufbau, der Finanzierung und der Skalierung genau dieser Art von Technologie mit. Er investiert in die Runde und wird Mitglied des Beirats. Die ersten klinischen Daten von Aitiologic seien „sehr ermutigend“, sagt Sanghera.

Neue Chief Medical Officer ist Rebecca Ertl. Sie ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und hat ein nach eigenen Angaben führendes Zentrum für Pränataldiagnostik in Österreich gegründet. Bei Aitiologic verantwortet sie die medizinische Strategie, zunächst für das Präeklampsie-Programm. Ertl nennt bereits ein mögliches nächstes Thema: Man prüfe, ob der Bluttest auch bei Schwangerschaftsdiabetes früher Hinweise liefern könne.

Neben dem Risikokapital erhält Aitiologic Förderungen von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Wirtschaftsagentur Wien. Dazu kommt Unterstützung über den Europäischen Investitionsfonds (EIF) im Rahmen von InvestEU. Zugelassen ist die Plattform noch nicht, sie befindet sich weiterhin in der Entwicklung.

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