aws: Zusätzliche 96 Mio. Euro Garantien für innovative Ö-Unternehmen
Die aws und der Europäische Investitionsfonds (EIF) haben eine zusätzliche InnovFin-Vereinbarung unterzeichnet. Das aws kann dadurch ein weiteres Garantievolumen von bis zu 96 Mio. Euro für innovative österreichische Unternehmen bereitstellen.
(c) aws: v.l.n.r.: Patrick Child, Deputy Director General, DG Research and Innovation, European Commission; Pier Luigi Gilibert, CEO European Investment Fund. EIF; Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer, aws; Michael Esterl, Generalsekretär, Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort
Die Austria Wirtschaftsservice aws fördert heimische Startups und andere innovative KMU mit verschiedenen Instrumenten. Garantien nehmen dabei einen wichtigen Platz ein. Die aws „bürgt“ damit bei Banken für Unternehmenskredite und sorgt zusätzlich für gute Konditionen. Gestützt durch den Europäischen Investitionsfonds (EIF) läuft seit einigen Jahren das Garantie-Programm InnovFin, das sich konkret an innovative KMU unter 500 MitarbeiterInnen, also auch Startups richtet. Es stellt Garantien und Rückgarantien für Fremdfinanzierungen zwischen 25.000 Euro und 7,5 Millionen Euro zur Verfügung. Nach einer ganzen Reihe von Kriterien wird dabei bestimmt, ob ein ansuchendes Unternehmen für die Garantie infrage kommt.
InnovFin: aws kann zusätzliche 150 KMU unterstützen
Nun wurde das Garantievolumen für das InnovFin-Programm im Rahmen einer Vereinbarung zwischen aws und EIF um weitere 96 Mio. Euro erhöht. Man könne damit zusätzlich rund 150 KMU beim Zugang zu Kredit-Kapital für Innovationen unterstützen, heißt es von der aws. „Für die aws ist es von besonderer Bedeutung unsere Programme durch die Kombination mit europäischen Mittel noch attraktiver zu gestalten“, sagt Geschäftsführer Bernhard Sagmeister. „Die von der EU unterstützte Garantie ermöglicht der aws, ihren Kunden günstigere Konditionen anzubieten, damit sie ihre Geschäftsaktivitäten entwickeln und ausbauen können“, erklärt Pier Luigi Gilibert, Chief Executive des EIF.
„Genau das, was sie brauchen“
Und Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation kommentiert: „Ich begrüße diese neue Vereinbarung, die durch den Juncker-Plan und Horizont 2020 unterstützt wird. Sie bedeutet neue Finanzmittel für innovative kleine und mittlere Unternehmen in Österreich – und das ist genau das, was sie brauchen, um neue Produkte zu entwickeln, neue Mitarbeiter einzustellen und über ihre lokalen Märkte hinaus zu expandieren.“
Während die G7 über KI berät: EU-Kommissarinnen werben auf der VivaTech für Europas eigene Champions
Während in Évian die Chefs der großen KI-Konzerne mit den G7-Staatschefs zusammensitzen, skizzieren Ekaterina Zaharieva und Henna Virkkunen in Paris den europäischen Gegenentwurf. Frisch dazu: ein neues Eurobarometer und ein Fünf-Milliarden-Fonds.
Während die G7 über KI berät: EU-Kommissarinnen werben auf der VivaTech für Europas eigene Champions
Während in Évian die Chefs der großen KI-Konzerne mit den G7-Staatschefs zusammensitzen, skizzieren Ekaterina Zaharieva und Henna Virkkunen in Paris den europäischen Gegenentwurf. Frisch dazu: ein neues Eurobarometer und ein Fünf-Milliarden-Fonds.
EU-Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen bei ihrer Keynote "Europe's Tech Moment" auf der VivaTech in Paris. (c) Martin Pacher | brutkasten
Es ist ein Tag mit zwei Schauplätzen. In Évian-les-Bains geht am Mittwoch der G7-Gipfel zu Ende. Am Abschlusstag sitzen die Chefs der führenden KI-Konzerne, darunter Sam Altman (OpenAI), Dario Amodei (Anthropic), Demis Hassabis (Google DeepMind) und Arthur Mensch (Mistral), mit den Staats- und Regierungschefs bei einem Arbeitsmittagessen zu Frontier-KI, Infrastruktur und Souveränität. Mehrere hundert Kilometer entfernt, auf der VivaTech in Paris, liefern zwei EU-Kommissarinnen die europäische Antwort auf die Frage, ob der Kontinent eigene globale Tech-Champions bauen kann.
Souveränität als europäischer Gegenentwurf
Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin für technologische Souveränität, verwies in ihrer Keynote „Europe’s Tech Moment“ selbst auf das G7-Treffen. Weltweit investierten Regierungen massiv in ihre technologische Führung, Europa müsse seine eigene Kapazität stärken, Technologien zu entwickeln, zu produzieren und einzusetzen. Rückenwind holt sie sich aus einem am selben Tag veröffentlichten Eurobarometer: Demnach stufen 79 Prozent der Europäer:innen Digitalpolitik als EU-Top-Priorität ein, 85 Prozent befürworten Investitionen in europäisch entwickelte Infrastruktur, 82 Prozent wollen weniger Abhängigkeit von Drittstaaten.
Untermauert ist diese Linie durch das European Technological Sovereignty Package, das die Kommission Anfang Juni vorlegte: mit dem CHIPS Act 2.0 für die Halbleiter-Wertschöpfungskette und dem Cloud and AI Development Act, der einen einheitlichen Souveränitätsrahmen für Cloud-Dienste schafft. Niemand dürfe einen „Kill-Switch“ über kritische Infrastruktur haben, so hatte Virkkunen die Stoßrichtung bei der Präsentation des Pakets zusammengefasst. Beim Risikokapital benannte sie das Gefälle: Auf die USA entfielen über 50 Prozent des globalen VC, auf China rund 40, auf Europa nur etwa fünf Prozent.
Fünf-Milliarden-Fonds gegen die Fragmentierung
Im Panel „Can Europe Build Global Champions?“ setzte Ekaterina Zaharieva, Kommissarin für Startups, Forschung und Innovation, auf Selbstbewusstsein. Europa habe die besten Deep-Tech-Talente und den größten Binnenmarkt, kranke aber an Fragmentierung. Dagegen verwies sie auf das 28. Regime, ein „europäisches Delaware“ für grenzüberschreitende Gründungen, und auf den Scaleup Europe Fund: fünf Milliarden Euro, seit Mai von EQT gemanagt, erste Investments im Herbst, gedacht, um Deep-Tech-Scale-ups in Europa zu halten.
Ekaterina Zaharieva auf der VivaTech 2026 | (c) VivaTech
Der Kontrapunkt eines Gründers
Den Kontrapunkt lieferte mit Jean-Charles Samuelian ein Gründer, der über sein Boardmandat bei Mistral mit der Runde in Évian verbunden ist, wo Mistral-CEO Mensch am Mittagstisch saß. Der CEO des Gesundheits-Scaleups Alan mag die Erzählung vom benachteiligten Europa nicht. Er habe nie gefragt, was Europa ihm geben solle, sondern wie er ein Problem löse. Wer ein echtes Kategorie-Produkt baue, finde auch Kapital, notfalls global. Das Defizit sei nicht mangelnder Ehrgeiz, sondern eine Kultur, die Risiko scheue, bis hin zum Einkauf.
Anknüpfungspunkte für Österreich
Für das heimische Ökosystem gibt es mehrere Anknüpfungspunkte. Die KI-Infrastruktur, die Virkkunen beschwört, hat in Österreich eine Adresse: Die AI Factory Austria (AI:AT), geführt von Advanced Computing Austria und dem AIT, ist seit Sommer 2025 in Betrieb, der Wiener Coworking-Hub seit Februar offen, ein KI-Supercomputer für Wien soll 2027 folgen. Der CHIPS Act 2.0 betrifft mit Standorten wie Infineon in Villach oder AT&S beim Advanced Packaging unmittelbar heimische Player. Und die Debatte um Spätphasen-Kapital spiegelt die hiesige Diskussion um einen Dachfonds und institutionelles Wachstumskapital.
Die eigentliche Frage: Kauft Europa seine Innovation?
Am Ende verschob Zaharieva die Frage von der Finanzierung zur Nachfrage: Es gehe nicht mehr darum, ob Europa Kapital für Skalierung finde, sondern ob es seine eigene Innovation auch kaufe. Der erste Kunde müsse oft die öffentliche Hand sein. Während in Évian über die großen Linien verhandelt wird, liegt die Antwort darauf bei den Einkäufer:innen.
Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.