11.10.2021

1,25 Millionen Euro: E-Mobility Startup Aviloo erzielt auf Green Rocket Rekord-Crowdfunding

Das niederösterreichische Startup Aviloo hat sich auf herstellerunabhängige Batterietests für Elektrofahrzeuge spezialisiert. Im Zuge einer Crowdfunding-Kampagne auf Green Rocket konnte das Startup nun 1,25 Millionen Euro innerhalb von nur zehn Tagen einsammeln.
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Aviloo
Das AVILOO Managing Board, v.l.n.r.: Marcus Berger, Nikolaus Mayerhofer und Wolfgang Berger | © AVILOO

Erst im letzten Jahr sorgte das in Wiener Neudorf ansässige E-Mobility Startup Aviloo mit einer Förderung im Rahmen des European Green Deals in der Höhe von 2,3 Millionen Euro für Aufsehen. Seit der Gründung 2018 akquirierte Aviloo über fünf Millionen Euro an Fördergeldern.

Aviloo erzielt Rekordwert

Am Montag folgt nun die nächste Erfolgsmeldung. Über die österreichische Plattform Green Rocket, die sich auf Investitionsmöglichkeiten in nachhaltige Startups und Unternehmen spezialisiert hat, konnte Aviloo innerhalb von nur zehn Tagen 1,25 Millionen für das weitere Wachstum einsammeln. Laut Green Rocket handelt es sich dabei um einen Rekordwert in der achtjährigen Geschichte der Crowdfunding-Plattform. Insgesamt haben sich 734 Klein-Investor:innen am Crowdfunding beteiligt.

„Wir sind sehr stolz auf diese bisher erfolgreichste Crowdfinanzierung in der Geschichte unserer Plattform Green Rocket und darauf, dass die Crowd ein wesentlicher Teil der Erfolgsgeschichte von Aviloo ist“, so die beiden Rockets-Geschäftsführer Wolfgang Deutschmann und Peter Garber-Schmidt.

Auf der Crowdinvestment-Plattform Green Rocket kann ab 250 Euro und mit einer Verzinsung von bis zu acht Prozent in österreichische Unternehmen investiert werden. Neben der Fixverzinsung wird zudem eine Bonuszins-Komponente angeboten.

Die beiden ROCKETS-Geschäftsführer Wolfgang Deutschmann (links im Bild) und Peter Garber-Schmidt (rechts im Bild) © ROCKETS

Batterietests für gebrauchte E-Autos

Aviloo hat laut eigenen Angaben den weltweit ersten unabhängigen und herstellerübergreifenden Batterietest für (gebrauchte) Elektrofahrzeuge entwickelt. Auf diese Weise soll Konsumenten ein risikofreier Kauf von gebrauchten Elektroautos ermöglicht werden. Soft- und Hardware sowie Algorithmen zur Datenanalyse wurden im Aviloo-Headquarter in Niederösterreich entwickelt.

Das dreiköpfige Gründerteam rund um Marcus Berger, Nikolaus Mayerhofer und Wolfgang Berger überzeugte in der Vergangenheit bereits namhafte Vertriebspartner wie die Denzel AG, Birner Gruppe, Porsche Holding und auch den ÖAMTC, der die TÜV-zertifizierte Testdiagnostik aktuell an mehr als 30 Standorten in Österreich anbietet.

Zudem setzen mittlerweile zahlreiche internationale Kunden aus Asien, Norwegen, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz auf das Know-how des heimischen Startups. Denn auch durch den Verkauf von Testdaten an große Batteriezellenhersteller wie etwa LG Energy Solutions können laut dem Startup Akkus optimiert und ihre Lebensdauer verlängert werden.


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Foto: A1 Telekom Austria/APA-Fotoservice/Martin Hörmandinger

Bei Energie und bei Verteidigung hat Europa spät und teuer gelernt, was strategische Abhängigkeit kostet. Im Digitalen – bei Betriebssystemen, Cloud und Künstlicher Intelligenz – ist die Abhängigkeit von wenigen außereuropäischen Anbietern mindestens genauso groß. Genau dort will eine neue Allianz heimischer Leitbetriebe gegensteuern.

Getragen wird die „Initiative Digitale Souveränität“ von A1 Telekom, Anexia, Erste Bank, Keba Group, Spar ICS, Umdasch Group und der Vienna Insurance Group – sieben Unternehmen aus sieben Branchen. Gemeinsam wollen sie Initiativen und Pilotprojekte vorantreiben, um den Digitalstandort Österreich und Europa zu stärken, mit besonderem Fokus auf den Schutz kritischer Infrastruktur.

Die Stoßrichtung ist dabei ausdrücklich keine defensive. „Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit und europäische Alternativen — besonders bei kritischen Daten“, sagte A1-Deputy-CEO Thomas Arnoldner. Souveränität sei kein Schutzwall, sondern ein Sprungbrett – und man müsse sie aufbauen, bevor man sie brauche.

Vorschlag: ein Gütesiegel für die öffentliche Beschaffung

Der konkreteste Vorschlag steht im Positionspapier selbst: ein „Gütesiegel für Souveränität“ für die öffentliche Beschaffung. Es soll verlässliche Qualitätsstandards im Cloud-Bereich sichtbar machen, Transparenz schaffen und sogenanntem „Sovereign-Washing“ vorbeugen – also dem bloßen Etikett „souverän“ ohne echte Substanz. Zugleich soll digitale Souveränität in den Bewertungskriterien öffentlicher Vergaben verankert werden; für besonders sensible Daten aus Verwaltung, Gesundheit oder Bildung schlägt die Initiative europäische beziehungsweise österreichische „Souveränitätszonen“ vor.

Foto: A1 Telekom Austria/APA-Fotoservice/Martin Hörmandinger

Keba-CEO Christoph Knogler führte den Gedanken bei der Pressekonferenz aus Industriesicht aus: Ein solches Siegel müsse nachvollziehbar ausweisen, wo Daten gespeichert und verarbeitet werden, wer die Infrastruktur betreibt und in welchem Rechtsraum das geschieht. Berücksichtige die öffentliche Hand Souveränität bei ihren Vergaben, sei das kein bürokratisches Zusatzmerkmal, sondern ein Qualitätskriterium. Zusätzlich warb Knogler dafür, nicht jede Anwendung in der Cloud zu betreiben: On-Device- und On-Edge-KI könnten sensible Daten direkt an Gerät oder Maschine verarbeiten.

Hinter der Debatte steht ein juristischer Kern. Auf Nachfrage aus dem Publikum verwiesen die Initiatoren auf den US Cloud Act als zentrales Problem bei der Frage, welchem Rechtsraum in Europa verarbeitete Daten unterliegen. Fertige Kriterien für das Gütesiegel gebe es noch nicht – die Arbeit laufe auf europäischer wie nationaler Ebene.

Anexia-CEO Alexander Windbichler brachte einen regulatorischen Vergleich ins Spiel: Wie einst im Telekom- und Energiemarkt die Netze geöffnet wurden, ohne Produkte vorzuschreiben, könnte im Cloud-Bereich eine klare Trennung zwischen Software und Betrieb – samt offener Schnittstellen – für fairen Wettbewerb sorgen.

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