12.08.2025
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Wenn Drohnen Tomaten zählen: Wie avemoy Gewächshäuser zur Datenfabrik macht

Das Klagenfurter Startup avemoy digitalisiert Gewächshäuser mit einer KI-gesteuerten Indoor-Drohnen-Gesamtlösung, die präzise Ernteprognosen und Pflanzendaten in Echtzeit liefert. Wir haben mit Co-Founder und CEO Michael Gruber über die nächsten Schritte gesprochen.
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(c) avemoy

Die meisten Tomatenproduzenten verlassen sich bis heute auf händische Zählungen, um vorherzusagen, welche Mengen morgen, in vier Tagen oder in der kommenden Woche reif sind. „Das ist ein zeitaufwendiger Prozess“, sagt Mitgründer und CEO Michael Gruber nüchtern. Doch ohne belastbare Zahlen gerät die Lieferkette aus dem Takt: Personal lässt sich nur schwer planen, Supermarktaktionen scheitern an fehlender Ware, und Lebensmittel landen unnötig im Müll. Großhändler drängen deshalb auf Digitalisierung – sie brauchen verlässliche, tagesaktuelle Daten.

Drohne, KI, Dashboard

Das Klagenfurter Startup avemoy liefert diese Daten mit Hortiscan: Einer leichten Indoor-Drohne, die mehrmals täglich durch bis zu 1,60 Meter schmale Pflanzenreihen fliegt, einen Sensor-Stream aufnimmt und anschließend autonom zur Ladestation zurückkehrt. Eine eigens trainierte KI verwandelt die Bilder in Ernteprognosen, Schädlingsalarme oder Hinweise zur Schnittkontrolle, abrufbar auf einem Cloud-Dashboard. „Mit Hortiscan ermöglichen wir eine datengetriebene und verlässliche Produktion im Gewächshaus – und das weltweit“, erklärt Gruber.

Foto: avemoy

Der Clou: Das System benötigt weder GPS-Marker noch Bodensensoren. Kunden stellen die Box auf, schließen Strom und Internet an, und wenige Minuten später startet der erste Flug. Damit grenzt sich avemoy von kamera­gestützten Schienensystemen oder teurer Robotik ab.

Geschäftsmodell: Daten statt Hardware

Erprobt wurde Hortiscan gemeinsam mit Frutura, einer Tochter der DOL Group, die sich auf den Anbau von Obst und Gemüse spezialisiert. In der „Thermal-Gemüsewelt“ in Blumau optimierten die Partner die automatisierte Ernteprognose und validierten das System unter Praxisbedingungen. Gründer Michael Gruber fasst zusammen: „Hortiscan ist ein System aus der Praxis für die Praxis.“

Das Unternehmen verkauft kein klassisches Gerät, sondern „Data-as-a-Service“: Eine Hortiscan-Einheit deckt im Schnitt einen Hektar Anbaufläche ab. Die Hardware geht dabei in den Besitz des Kunden über, wobei bei jedem Service-Slot diese gewartet und auf den neuesten Stand gebracht wird. Updates und Wartungen erfolgen dabei über eine Austausch­box. Dadurch skaliert das Modell, ohne dass Servicetechniker:innen anreisen muss, und die Technologie bleibt stets auf dem neuesten Stand.

Foto: avemoy

Wurzeln an der Universität Klagenfurt

avemoy ist ursprünglich ein Spin-off der Universität Klagenfurt. Die Grundlagen entstanden am Institut Control of Networked Systems von Prof. Stephan Weiss. Patent und Know-how wurden vor der Gründung vollständig übernommen; die akademische Zusammenarbeit besteht in einem FFG-geförderten Forschungsprojekt fort.

Um aus dem Prototypen ein Serienprodukt zu machen, schloss avemoy im Frühsommer 2025 eine siebenstellige Seed-Runde ab (brutkasten berichtete). Beteiligt sind der Carinthian Venture Fonds (CVF), StartInvest, die Lakeside Technologie­stiftung und Pilotpartner DOL Group. „Diese Partnerschaften geben uns die Möglichkeit, schneller neue Funktionen zu entwickeln und den globalen Roll-out – zuerst in Europa, bald auch in Nordamerika – mit voller Kraft voranzutreiben“, sagt Gruber.

Wie die aws-Förderung den Turbo zündete

Den Grundstein für dieses Tempo legte die AWS-Pre-Seed-Deep-Tech-Förderung in Höhe von rund 300k. „Die aws-Pre-Seed-Förderung ist für uns lebensnotwendig gewesen“, betont Gruber . Die Förderung lieferte nicht nur Kapital, sondern einen detaillierten Meilensteinplan, der technologische Etappen (etwa autonomes Reihen­fliegen) mit kaufmännischen Zielen (erste Pilotverträge, 100.000 Euro Umsatznachweis) verknüpfte. Workshops zu Branding, Marken­schutz und Lizenzstrategien halfen, den Namen Hortiscan und das Patent rasch europaweit abzusichern . Kurz gesagt: Die AWS-Begleitung beschleunigte Entwicklung, Professionalisierung und Markteintritt gleichermaßen.

Nächste Schritte

Im Herbst 2025 beginnt die Serienfertigung der dritten Drohnengeneration; noch vor Jahresende will avemoy Hortiscan in Österreich und Deutschland auf den Markt bringen. 2026 folgt eine Niederlassung in den Niederlanden, um das wichtigste europäische Gewächshaus-Cluster zu bedienen. Gleichzeitig soll das Team am Campus Klagenfurt weiterwachsen – bis 2027 auf rund 25 Fachkräfte, die Forschung und KI-Entwicklung vor Ort vorantreiben.


* Disclaimer: Das Startup-Porträt entstand im Rahmen einer Medienkooperation mit der Austria Wirtschaftservice (aws).

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(v.l.) Managing Director bei T-Systems Austria Peter Lenz und fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath | © Nick Rainer

Um fonio.ai wird es nicht still. Laut eigenen Angaben gehört das Startup zu den am schnellsten wachsenden in ganz Europa, im August knackte es die 10-Millionen-Dollar-ARR-Marke, wie brutkasten berichtete. Jetzt hebt das Unternehmen seine KI-gestützte Kundenkommunikation auf das nächste Level. Über die Plattform „T operated by fonio.ai“ von T-Systems, einer IT-Tochter der Deutschen Telekom, werden die Dienste von fonio.ai nun auch für Großkunden angeboten.

„KI-gestützte Telefonie entwickelt sich gerade zum Standard für jede Organisation, die dauerhaft erreichbar und damit wettbewerbsfähig bleiben möchte“, sagt Daniel Keinrath, CEO und Mitgründer von fonio.ai. Auf der Kundenliste von T-Systems finden sich Unternehmen wie die ÖBB oder Uniqa. Rege Nachfrage zeige sich aus Branchen wie Gesundheitswesen, Manufacturing und Bankwesen.

Die Voice-AI-Cluster von fonio.ai laufen dabei über die T Cloud der Deutschen Telekom, die verschiedene Cloud-Infrastrukturen und IT-Services bündelt. Alle fonio.ai-Kunden sollen somit in Zukunft von Zero Data Retention profitieren, einem Sicherheitsstandard, der bisher Enterprise-Umgebungen vorbehalten war.

„Einfach hinsetzen und einen lustigen Prompt schreiben, funktioniert nicht“

„Die aktuelle Challenge bei den größten Unternehmen ist, diese Unternehmen wirklich tief zu verstehen. Einfach hinsetzen und einen lustigen Prompt schreiben, funktioniert auf einem Enterprise-Level nicht mehr. Da haben wir auch gemerkt, dass es unbedingt einen Partner wie T-Systems braucht. Es macht einfach einen riesigen Unterschied, wenn man tief in die Systeme reingeht, ein ERP oder CRM tiefgründig connected, und der KI wirklich weitreichende Fähigkeiten gibt“, sagt Keinrath. Als eine der zentralen Herausforderungen beschreibt er, dass Großkunden höhere Anforderungen an die Security und Prozesse haben.

Datenschutz als zentrales Thema

„Wir haben uns für fonio.ai entschieden, weil das Produkt hochinteressant und gut ausgereift ist. Da ist einfach viel Know-how dahinter. Außerdem haben wir ein Verständnis für den europäischen Rechtsraum und daher selber ein Interesse, hier eben DSGVO-konform zu sein, die Normen einzuhalten“, sagt Peter Lenz, Chairman von T-Systems Austria, im brutkasten-Gespräch. Er erklärt: „Große Unternehmen wollen wissen: Wo liegen denn meine Daten? Ist das alles souverän? Befindet sich das in Europa, idealerweise auch in Österreich? Da haben wir jetzt eine gute Antwort drauf.“ T-Systems betreibt zwei Rechenzentren in Österreich.

Keinrath ergänzt: „Was OpenAI etc. machen: Sie lernen bei jedem Gespräch. Wir machen das nicht. Wenn 80, 90 Prozent der Kommunikation von Unternehmen über KI laufen, dann muss das von einem europäischen Player sein.“ Die KI von fonio.ai lerne durch Informationen, die Unternehmen der KI bewusst geben. AustrianStartups-Chefin Hannah Wundsam betont, dass Firmen in Europa durch die DSGVO und den EU AI Act sehr klare Regeln haben.

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