26.01.2021

AVCO: Nina Wöss und Thomas Tiroch folgen Rudolf Kinsky als Doppelspitze

Rudolf Kinsky hört als Präsident des österreichischen VC- und PE-Verbands AVCO auf. Ihm folgen Nina Wöss und Thomas Tiroch, die zuvor bereits im Vorstand waren.
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AVCO: Thomas Tiroch und Nina Wöss folgen Rudolf Kinsky an der Spitze des VC- und PE-Verbands
(c) AVCO: Thomas Tiroch und Nina Wöss folgen Rudolf Kinsky an der Spitze des VC- und PE-Verbands

Wie heute bekanntgegeben wurde, legt der langjährige Präsident des österreichsichen PE- und VC-Verbands AVCO, Rudolf Kinsky, sein Amt nieder. Ihm folgt mit Nina Wöss und Thomas Tiroch eine neu geschaffene Doppelspitze. Beide waren bereits zuvor im Vorstand des Verbands. Nina Wöss ist neue Vorsitzende des Vorstands, Thomas Tiroch übernimmt ab 1. Feber die Agenden der Geschäftsführung, so die AVCO in einer Aussendung.

Nina Wöss als Vorsitzende des Vorstands

Nina Wöss baute über Jahre hinweg neben ihrer Tätigkeit als Head of Marketing & Community bei Speedinvest, als Mitgründerin Female Founders auf. Seit Anfang vergangenen Jahres konzentriert sie sich gänzlich auf den Aufbau der Organisation, die Gründerinnen auf unterschiedliche Art und Weise, etwa mit Veranstaltungen, einem Accelerator oder Öffentlichkeitsarbeit unterstützt.

Wöss, die bereits seit März 2020 im Vorstand der AVCO ist, äußert sich in einem ersten Statement wie folgt: „Ich freue mich sehr auf die Aufgabe als Vorsitzende des Vorstands. Die aktuelle Krise zeigt einmal mehr die Wichtigkeit von Eigenkapital und den Aufholbedarf, der hierzulande besteht. Als Vertretung der VC & PE Industrie wollen wir sicherstellen, dass Österreich als Standort für InvestorInnen auch international an Bedeutung gewinnt.“

Weiters betont Wöss, dass sie künftig die Vernetzung und Kooperation mit nationalen und internationalen Stakeholdern fortsetzen möchte und zudem verstärkt den Dialog mit der Politik suchen wird.

Thomas Tiroch

Thomas Tiroch, der bislang Finanzvorstand der AVCO war, ist Gründer und Managing Partner der INEO Beteiligungs GmbH. Diese hält ein Portfolio mit Fokus auf erneuerbare Energien. Allerdings befinden sich auch ein Immobilien- und ein Online-Marketing-Unternehmen darin. Expertise verfügt Tiroch insbesondere in den Bereichen Organisation, Strategie und Finanzen.

Um den Innovations- und Wirtschaftsstandort Österreich zu stärken, ist ein funktionierender Kapitalmarkt essenziell. Eine ausgeprägte Aktienkultur ist ebenso wesentlich wie ein gut entwickelter, vorbörslicher Kapitalmarkt – dafür setze ich mich ein„, kommentiert Tiroch in der Aussendung.

Kinsky: „Verantwortung in die Hände der nächsten Generation“

Rudolf Kinsky wird weiterhin im Vorstand der AVCO bleiben. Er werde sich nach wie vor um wichtige Themen wie Fonds-Standort und Dach-Fonds kümmern, sagt er gegenüber dem brutkasten. Es gebe mehrere Gründe, warum er die Verantwortung des AVCO-Präsidenten übergibt, so Kinsky: „In erster Linie sehe ich nun den richtigen Zeitpunkt, die Verantwortung in die Hände der nächsten Generation zu legen. Es ist aber auch einfach eine sehr fordernde Tätigkeit, die ich sehr gerne, aber lange genug gemacht habe. Jetzt will ich mich wieder verstärkt um mein eigenes Geschäft kümmern“.

Weiterhin brenne er für das Thema uns sehe es als „mission critical“, die Eigenkapital-Ausstattung für Startups und KMU direkt im Land abbilden zu können. „Es gibt hier ein paar Lichtblicke, aber es ist noch ein weiter Weg zu gehen. Die Politik zieht noch immer zu oft anderen Prioritäten vor. Doch gerade wegen der Krise ist das Thema Entwicklung des Kapitalmarkts besonders wichtig. Nina Wöss und Thomas Tiroch sind schon bislang im Vorstand sehr engagiert und bringen gute Voraussetzungen mit, das Thema weiterzubringen“.

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V.l.n.r.: Damian Izdebski, techbold Gründer und Hauptaktionär; Matthias Stieber und Gerald Reitmayr, Vorstände der techbold technology group AG © techbold

Eine Geschichte, die das Leben schreibt: „Zwölf Jahre lang war ich ‚der mit der Pleite‘. Ab heute bin ich ‚der mit dem Comeback'“, sagt Damian Izdebski Freitagmorgen gegenüber brutkasten. Sein 2015 gegründetes Unternehmen techbold technology group AG wird von der deutschen accompio Gruppe übernommen – zu einer Bewertung von knapp 40 Millionen Euro, wie brutkasten in Erfahrung brachte. 2014 hatte Izdebski mit seinem damaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden müssen, was damals landesweit für Schlagzeilen sorgte.

28 Millionen Euro Umsatz im Mittelstand

Techbold ist auf IT-Outsourcing, Cloud-Lösungen sowie Cybersecurity für kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert. Über das letzte Jahrzehnt akquirierte das IT-Unternehmen ganze 18 Unternehmen, um seine Expansion voranzutreiben wie brutkasten engmaschig verfolgte. Nun wird techbold selbst zum Gekauften. Die entsprechenden Verträge wurden bereits unterzeichnet, der Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständige Wettbewerbsbehörde, wie das Unternehmen heute morgen per Aussendung mitteilte.

Techbold beschäftigt mittlerweile mehr als 170 IT-Spezialist:innen an Standorten in Wien, Oberösterreich und dem Burgenland und betreut rund 1.400 Kund:innen. Zuletzt erwirtschaftete die IT-Firma einen Jahresumsatz von rund 28 Millionen Euro. Für Kund:innen sowie laufende Verträge des Wiener Unternehmens soll sich im Tagesgeschäft laut Unternehmensangaben nichts ändern.

Spektakuläres Comeback

Gründer Damian Izdebski, der 2025 die CEO Rolle zurücklegte und danach im Aufsichtsrat tätig war, meint gegenüber brutkasten: „Zum ersten Mal seit 25 Jahren weiß ich nicht, was als Nächstes kommt. Alle, die mich kennen, wissen: Das dauert nicht lange.“

Dem heutigen Erfolg geht eine weniger erfreuliche Geschichte voran. 2014 musste Izdebski mit seinem ehemaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden. Ein Schritt mit dem der Gründer sehr offen umgeht: „Beide Schlagzeilen habe ich mir selbst geschrieben – an der zweiten habe ich nur deutlich länger gearbeitet.“ Er fügt hinzu: „In Amerika ist eine Pleite ein Kapitel im Lebenslauf. In Österreich ein Urteil fürs Leben. Ich habe beschlossen, das Urteil nicht anzunehmen.“

Auch Investor und Aufsichtsratmitglied Hermann Futter freut sich vor allem für Izdebski: „Ich habe immer an Damian geglaubt und bin seit fast 20 Jahren mit ihm befreundet. Er hat allen bewiesen, dass man auch in Österreich scheitern und wieder aufstehen kann! Chapeau.“ Und auch für ihn als Investor habe sich der Exit ausgezahlt, so Futter gegenüber brutkasten.

Reaktionen aus dem Umfeld

An techbold beteiligt waren neben Hermann Futter unter anderem auch Niki Futter, Stefan Kalteis und Hansi Hansmann. Letzterer meint zur Übernahme: „Es war ein sehr erfolgreicher Exit, der sich für mich wirklich ausgezahlt hat. Techbold ist ein wachstumstarkes Unternehmen in einem großen Markt, welches auch ordentlich profitabel ist. Das macht die Firma natürlich zu einem attraktiven Übernahmeziel“

Auch Aufsichtsratmitglied Niki Futter, der die Position von 2017 bis 2025 besetzte, meldete sich auf Anfrage zurück: „Das ist ein ganz tolles Ergebnis und ich gratuliere dem Team rund um Damian ganz herzlich und wünsche alles Beste für die weitere Zukunft. Ich freu mich, dass ich dieses Unternehmen über acht Jahre im Aufsichtsrat begleiten durfte.“

Für die Verhandlungen holte sich Izdebski Unterstützung von Thomas Hillebrand und Nico Zaiser vom Wiener M&A-Spezialisten i5invest. „Ich würde mit Thomas und Nico von „i5invest“ jederzeit wieder ein Unternehmen verkaufen. Die Jungs sind so professionell und erfahren – ich durfte in den letzten Wochen so viel von ihnen lernen. Danke dafür!“, sagt er.

Buy-and-Build-Strategie der Käufer

Auf Käuferseite fügt sich die Übernahme in die Expansionsstrategie ein. Accompio agiert als Managed Security Service Provider und beschäftigt an 22 Standorten in Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien insgesamt rund 900 IT-Expert:innen. Von der Head of M&A bei accompio Katrin Wollinger-Zepf heißt es gegenüber brutkasten „Es war ein sehr effizienter und konstruktiver Prozess auf absoluter Augenhöhe.“

„Die Übernahme von techbold ist ein weiterer konsequenter Schritt in unserer Buy-and-Build-Strategie: Wir bauen systematisch die führende IT-Services-Plattform im DACH-Raum auf“, führt Georg Willig, CFO der accompio Gruppe, aus. Man suche für den Ausbau gezielt nach unternehmergeführten IT-Dienstleistern mit starker Marktposition und durch den Zukauf aus Wien baut die Gruppe ihre Präsenz in Österreich nun weiter aus.

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