21.04.2026
ZAHLEN

AustrianStartup Monitor 2025: Neugründungen stagnieren, Auslandsumsätze auf Rekordhoch

Der aktuelle Austrian Startup Monitor 2025 liefert frische Zahlen zum heimischen Ökosystem. Während die Gründungsdynamik und der Frauenanteil leicht rückläufig sind, verzeichnen österreichische Startups Rekordwerte bei den Auslandsumsätzen. Künstliche Intelligenz bleibt der unangefochtene Technologietrend.
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© Tobias Gärtner - (v.l.) Hannah Wundsam, Elisabeth Zehetner und Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner.

Der von AustrianStartups, dem Austrian Institute of Technology (AIT), der Universität Graz und dem WU Entrepreneurship Center veröffentlichte Austrian Startup Monitor (ASM) 2025 analysiert heuer zum achten Mal in Folge, auf Basis von 704 Befragten (90 Prozent gaben an, Gründer:innen zu sein) die aktuelle Lage der heimischen Szene. Der Bericht zeigt ein zunehmend international ausgerichtetes Ökosystem, offenbart jedoch auch Wachstumsdämpfer durch das weiterhin herausfordernde wirtschaftliche Umfeld.

Gründungsstagnation nach dem Rekordjahr

Seit 2014 wurden in Österreich über 3.600 Startups gegründet. Der Gründungsboom gipfelte im Jahr 2021 mit 387 Neugründungen, danach waren die Zahlen rückläufig. Für das Jahr 2023 verzeichnet die Datenbank 277, für 2024 noch 233 neue Startups. Die Studienautor:innen weisen darauf hin, dass diese jüngsten Werte aufgrund von zeitlichen Erfassungsverzögerungen als vorläufig gelten. Dennoch sei ein erneuter Aufwärtstrend laut dem Bericht bislang nicht erkennbar.

Frauenanteil leicht rückläufig

Nach einem langjährigen Aufwärtstrend (im Fünfjahresvergleich stieg die Frauenquote bei Gründungen um vier Prozent) ist der Frauenanteil aktuell um einen Prozentpunkt auf 21 Prozent gesunken. Der Anteil an Startups mit mindestens einer Frau im Gründungsteam fiel von 37 Prozent im Vorjahr auf nun 32 Prozent.

Auffällig ist zudem ein geschlechtsspezifischer Unterschied bei der Gründungsabsicht: Während 63 Prozent der Männer diesen Wunsch bereits in der Jugend oder während der Ausbildung entwickeln, ist dies nur bei 46 Prozent der Frauen der Fall , die den Entschluss laut Daten oft erst nach mehrjähriger Berufserfahrung fassen.

Rekordwert bei Auslandsumsätzen

Österreichische Startups agieren zunehmend global. Der Anteil der im Ausland erwirtschafteten Umsätze stieg im Durchschnitt auf 42 Prozent und erreicht damit den höchsten Wert seit Beginn der ASM-Erhebungen. Zudem geben 82 Prozent der Startups an, in den kommenden zwölf Monaten die Expansion in neue internationale Märkte zu planen oder vorzubereiten. Der wichtigste Zielmarkt bleibt der europäische Binnenmarkt: 74 Prozent streben eine Expansion in weitere EU-Länder an.

Innovationstrends: KI dominiert, Defence Tech steigt auf

Rund 71 Prozent der heimischen Startups entwickeln Schlüsseltechnologien. Künstliche Intelligenz (KI) bleibt branchenübergreifend der unangefochtene Treiber: 69,9 Prozent der Startups sehen KI als relevantesten Innovationstrend. Auf den weiteren Plätzen folgen Cyber Security (33,6 Prozent) und Energy Storage (28 Prozent).

Erstmals im ASM erhoben wurde der Bereich Defence Tech, der mit 24,1 Prozent der Nennungen auf Anhieb den fünften Platz belegt. Zudem verzeichnet Quantum Computing mit einem Plus von 6,8 Prozentpunkten den stärksten Bedeutungszuwachs unter den abgefragten Technologien.

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Der European Venture Sentiment Index deutet eine positive Entwicklung für das nächste Quartal an (c) Adobe Stock
(c) Adobe Stock

„Gute Zahlen, verhaltene Stimmung“ titelte brutkasten im Juli zur letzten Ausgabe des quartalsweise erscheinenden European Venture Sentiment Index (EVSI) von Venionaire Capital. Denn obwohl das Investment-Volumen in Europa im zweiten Quartal einen Rekordwert erreichte, fiel die im Indexwert aggregierte Stimmungslage zwar besser als ein Quartal zuvor erwartet, aber doch knapp negativ aus. Der nun erschienene EVSI für das dritte Quartal zeigt das umgekehrte Bild: Zwar ging das Investmentvolumen wieder zurück, die Stimmungslage übertrifft die Erwartung aus dem Vorquartal (4,4 Punkte; 5 ist neutral) aber deutlich und liegt mit 5,4 Punkten wieder knapp im positiven Bereich.

(c) Venionaire Capital

Die Stimmungsindikatoren im Detail: Getragen wurde die Verbesserung laut Venionaire vor allem von einer deutlich höheren Investor:innenaktivität, die gegenüber dem Vorquartal um 33,9 Prozent zulegte. Auch das Fundraising-Umfeld habe sich um 27,3 Prozent verbessert, die Qualität der Dealflows um 16,7 Prozent. Gleichzeitig gingen die Startup-Bewertungen um 6,4 Prozent und der Wettbewerb um Deals um 6,2 Prozent zurück.

Die aktuelle Prognose für das kommende Quartal ist mit dem neutralen Wert 5 wieder etwas verhaltener. Bei den konkreten Indikatoren erwarten die befragten Investor:innen aber weitreichende Verbesserungen, konkret ein Plus von 34,7 Prozent bei der Investor:innenaktivität, plus 10,6 Prozent bei Startup-Bewertungen, plus 8,2 Prozent beim Fundraising-Umfeld und plus 1,7 Prozent bei der Qualität des Dealflows. Lediglich beim Wettbewerb um Deals wird ein Minus von 8,8 Prozent erwartet.

Dealvolumen gesunken, aber deutlich über Vorjahresniveau

Das tatsächliche europaweite Dealvolumen sank im dritten Quartal zwar, wie erwähnt, im Vergleich zum Vorquartal, lag aber laut begleitender EVSI-Analyse dennoch deutlich über dem Vorjahresniveau. Demnach wurden europaweit 24,7 Milliarden US-Dollar investiert – ein Rückgang von 14,9 Prozent gegenüber Q2, aber ein Plus von 64,9 Prozent gegenüber Q3 2025. Die Zahl der Transaktionen sank gegenüber dem Vorquartal um 10,5 Prozent auf 864 Deals, lag damit aber weiterhin 1,1 Prozent über dem Vorjahreswert.

(c) Venionaire Capital

13,9 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 56,2 Prozent des gesamten investierten Kapitals entfielen dabei im dritten Quartal auf Late-Stage-Finanzierungen. Seed- und Angel-Runden stellten mit 521 Deals zwar weiterhin mehr als 60 Prozent aller Transaktionen, machten mit 1,8 Milliarden US-Dollar jedoch lediglich 7,4 Prozent des investierten Kapitals aus. Und ein weiteres spannendes statistisches Detail: Sowohl Deutschland (6,1 Milliarden US-Dollar) als auch Frankreich (5 Milliarden) überholten beim Dealvolumen im dritten Quartal das Vereinigte Königreich (4,9 Milliarden). Herausstechend waren dabei die Investments für Mistral AI mit 3,5 Milliarden US-Dollar, Helsing mit 1,8 Milliarden US-Dollar und Quantum Systems mit 1,2 Milliarden US-Dollar.

Venionaire-Chef Berthold Baurek-Karlic kommentiert: „Der europäische Venture-Markt entwickelt sich zunehmend auf zwei unterschiedlichen Bahnen. An der Spitze zeigt Europa eine größere Bereitschaft, strategische Technologien in großem Maßstab zu finanzieren, insbesondere in den Bereichen KI, Verteidigung und DeepTech. Europa wird immer besser darin, seine stärksten Unternehmen in großem Maßstab zu finanzieren, während die Finanzierung in der Frühphase nach wie vor eine größere Herausforderung darstellt.“ Das vierte Quartal werde „turbulent“. „Wir erwarten, dass zum Jahresabschluss jede Investorin und jeder Investor noch versuchen wird, Deals zu finalisieren.“

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