16.05.2025
ZAHLEN, DATEN, FAKTEN

Austrian Startup Monitor 2024: Das sind die aktuellen Zahlen

Der heute veröffentlichte Austrian Startup Monitor 2024 liefert, wie gewohnt, umfassende Zahlen zur österreichischen Startup-Szene. Fokus-Thema sind in dieser Ausgabe DeepTech-Startups.
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Karl Heinz Leitner (AIT), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, Hannah Wundsam (AustrianStartups) und Rudolf Dömötör (WU Gründungszentrum) bei der Präsentation des Austrian Startup Monitors 2024 | (c) brutkasten | Martin Pacher
Karl Heinz Leitner (AIT), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, Hannah Wundsam (AustrianStartups) und Rudolf Dömötör (WU Gründungszentrum) bei der Präsentation des Austrian Startup Monitors 2024 | (c) brutkasten | Martin Pacher

Wie entwickelt sich die österreichische Startup-Szene – auch angesichts der weiterhin angespannten gesamtwirtschaftlichen Situation? Die umfassendste Antwort auf diese Frage liefert wie jedes Jahr der Austrian Startup Monitor. AIT Austrian Institute of Technology, AustrianStartups und das WU Gründungszentrum präsentierten heute die siebte Ausgabe der Studie auf nicht weniger als 108 Seiten. Basis ist eine im Herbst 2024 durchgeführte Befragung von 665 Gründer:innen und Geschäftsführer:innen österreichischer Startups. Zusätzlich wurden Informationen zu allen seit 2013 erfassten Startups in Österreich herangezogen.

Einschätzung der Geschäftslage weiter verschlechtert

Wie zu erwarten spiegelt sich die anhaltend schlechte Wirtschaftslage auch in den Ergebnissen wider. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage ist noch schlechter als im Jahr 2023. Nur 39 Prozent der Startups sind der Meinung, dass die aktuellen Geschäftsbedingungen gut oder sogar sehr gut sind (2023: 41 Prozent). 15 Prozent der Startups beurteilen die aktuelle Geschäftslage als schlecht oder sehr schlecht – der historisch höchste Anteil. Auch das Finanzierungsumfeld wird immer noch von vielen als herausfordernd eingeschätzt – hier hat sich der Wert im Vergleich zum Vorjahr jedoch verbessert: 45 Prozent der Startups berichten von einer Verschlechterung des Zugangs zu externem Eigenkapital – 2023 waren es noch 57 Prozent.

Frauenanteil steigt – auf weiter niedrigem Niveau

Doch der Austrian Startup Monitor 2024 liefert durchaus auch einige gute Nachrichten. So ist der Anteil an Frauen an allen Gründer:innen von 17 Prozent 2023 auf 22 Prozent gestiegen. Zudem ist der Anteil der Startups, bei denen zumindest eine Frau an der Gründung beteiligt ist, auf 37 Prozent gestiegen. Den Großteil davon machen aber gemischtgeschlechtliche Gründungsteams mit insgesamt 27,5 Prozent aller Startups in der Erhebung aus. Reine Frauen-Teams (2,8 Prozent) und Einzelgründerinnen (6,9 Prozent) blieben auch 2024 eine kleine Minderheit im Vergleich zu rein männlichen Teams (43,9 Prozent) und Einzelgründern (18,9 Prozent).

79 Prozent wollen weitere Mitarbeiter:innen anstellen

Zwar nicht gestiegen, aber mit 79 Prozent auf recht hohem Niveau gleich geblieben ist der Anteil an Startups, die vorhaben, in den kommenden zwölf Monaten weitere Mitarbeiter:innen einzustellen. Eine Hochrechnung ergibt hier ein geplantes Plus von mehr als 10.000 neuen Beschäftigten. Tatsächlich umfasst der gesamte österreichische Startup-Sektor aber nur knapp unter 30.000 Beschäftigte, heißt es an anderer Stelle. Die durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter:innen – exklusive Gründer:innen – beträgt demnach 9,5. Die Hälfte der Startups hat drei oder weniger Mitarbeiter:innen. Nur 4,1 Prozent haben mehr als 50 Mitarbeiter:innen.

In etwa gleich geblieben ist auch die Zahl der Neugründungen, die zuletzt bei rund 370 lag. Gestiegen ist dagegen der Anteil der Startups, die soziale und/oder ökologische Ziele prioritär verfolgen: Dieser liegt laut Austrian Startup Monitor 2024 mittlerweile bei 56 Prozent. Noch deutlich höher liegt dieser Anteil bei DeepTech-Startups mit 70,5 Prozent.

Fokus auf DeepTech-Startups im Austrian Startup Monitor 2024

Generell weisen DeepTech-Startups, auf denen in dieser Ausgabe des Austrian Startup Monitor ein Fokus liegt, einige statistische Besonderheiten auf. 17 Prozent aller Startups in der Erhebung wurden von den Studienautor:innen als solche eingestuft. Das Hauptkriterium ist dabei, dass ihre technologischen Lösungen „auf grundlegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen oder technologischen Fortschritten beruhen“, und sie „dafür selbst längerfristige Forschung und Entwicklung“ betreiben. Auf Bundesländer-Ebene hat die Steiermark mit 25 Prozent den höchsten Anteil an DeepTech-Startups gefolgt von Niederösterreich mit 22 Prozent.

Life Science und Hardware als DeepTech-Domänen

Die wichtigste Branche im DeepTech-Bereich sind die Life Sciences, wo 27,5 Prozent der Unternehmen einzuordnen sind (im Vergleich zu 11,9 Prozent aller übrigen Startups). An zweiter Stelle steht der Bereich IT/Software mit 26,3 Prozent aller DeepTech-Startups – hier liegt der Anteil bei den anderen Startups mit 34 Prozent deutlich höher. Die Kategorie „Industrielle Technologie/Produktion/Hardware, Elektronik/Elektrotechnik“ ist wiederum eine klare DeepTech-Domäne mit einem Anteil von 23,8 Prozent aller DeepTech-Startups im Vergleich zu 9,9 Prozent der anderen Startups. Das drückt sich auch in einer anderen Statistik aus: 29,9 Prozent der DeepTech-Startups produzieren Hardware im Vergleich zu 11,6 Prozent der übrigen Startups.

Starker Zug zu Exit und IPO

Häufiger als die anderen Startups streben DeepTech-Startups auch einen vollständigen Verkauf (25,4 verglichen mit 18,2 Prozent), einen teilweisen Verkauf (22,4 zu 15,4 Prozent) oder einen Börsengang (11,9 zu 3,8 Prozent) an. Und erheblich öfter können DeepTech-Startups bestehende Patente vorweisen (62,5 zu 18,1 Prozent). Deutlich höher ist bei DeepTech-Startups wenig überraschend auch der Anteil universitärer Spin-offs („Spin-off im Zuge eines akademischen Dienstverhältnisses) mit 16,7 zu 7,2 Prozent.

Langer Weg zur Profitabilität

Länger dauert dagegen bekanntlich der Weg zur Profitabilität. 13 Prozent der DeepTech-Startups geben an, bereits profitabel zu sein (übrige Startups: 23,5 Prozent), 33,8 Prozent erwarten, noch mehr als zwei Jahre bis zum Break Even zu brauchen (im Vergleich zu 13,5 Prozent). Bei der Finanzierung auf dem Weg dorthin holen sich DeepTech-Startups deutlich häufiger nationale (65,8 zu 45,6 Prozent) oder EU-Förderungen (25,3 zu 14,9 Prozent) und können sowohl Business Angels (34,2 zu 24,5) als auch VCs (17,7 zu 10,9) und strategische Investoren (17,7 zu 5,9) häufiger überzeugen.

Bundesländer-Besonderheiten im Austrian Startup Monitor 2024

Doch nicht nur DeepTech-Startups, auch die Startup-Szenen der einzelnen Bundesländer weisen Besonderheiten auf, wie aus dem Bundesländer-Teil des Austrian Startup Monitor hervorgeht. So hat Wien etwa mit 76,3 Prozent (andere Bundesländer: 52,8 Prozent) einen besonders hohen Anteil an internationalen Startup-Teams. Niederösterreichische Startups stechen mit 29 Prozent (zu 18,8 Prozent) bei der Exportquote hervor und Kärntner Startups befinden sich überdurchschnittlich oft noch in der Seed-Phase (34,6 zu 21,9 Prozent).

Lohnnebenkostensenkung dominiert bei politischen Forderungen

Abgefragt wurden für den Austrian Startup Monitor 2024, wie immer, auch die Erwartungen an die Politik. Unverändert an der Spitze stehen hier „Steuersenkungen/-erleichterungen, insbesondere der Lohnnebenkosten“ mit 62,3 Prozent (DeepTech: 53,3 Prozent) vor „schnellere Abwicklung und weniger Bürokratisierung von Förderungen“ mit 56,3 Prozent (DeepTech: 56 Prozent) und „Anreize und bessere Rahmenbedingungen für private Risikokapitalfinanzierung in Österreich schaffen“ mit 48,8 Prozent (DeepTech: 58,7 Prozent).

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Hansi Hansmann auf der Main Stage des Female Future Festivals 2026. © brutkasten

Unter dem Motto „The Power of Connection“ versammelten sich am 22. Oktober rund 2.000 Teilnehmende in der Wiener Ottakringer Eventlocation. Das von den Schwestern Verena Eugster und Patricia Zupan-Eugster gegründete Female Future Festival widmete sich Themen wie Leadership, künstlicher Intelligenz und Finanzkompetenz. Neben Fachpanels zu Verhandlungsstrategien oder finanzieller Gesundheit war auch Business Angel Hansi Hansmann als Keynotespeaker auf der Bühne zu sehen.

„…, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“

Im Gespräch mit brutkasten nannte Hansmann seine Motivation für den Besuch: „Ich habe zwei kleine Töchter und ich möchte gerne, dass meine Töchter später im Leben irgendwann alles das machen können, was sie machen wollen, ohne dass ihr Geschlecht sie daran hindert.“ „Ich bin ein ganz, ganz großer Fan davon, dass es mehr Unternehmerinnen und mehr Investorinnen gibt. Überhaupt mehr Frauen an der Macht, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“, ergänzt er zu seinen Beweggründen.

Was seine Beteiligungen angeht, sieht der Investor und ehemalige Manager in Sachen Geschlechterverteilung ein klares Muster: „Ich habe in alles investiert: in rein männliche Teams natürlich viel mehr, aber auch rein weibliche und gemischte Teams. Am besten performen gemischte Teams aus meiner Erfahrung.“

Der Hebel gemischter Teams

Den Vorteil gemischter Teams sieht Hansmann im Zusammenspiel unterschiedlicher Stärken: Es gebe „unterschiedliche Eigenschaften und Skills zwischen Frauen und Männern, und die Mischung macht’s aus“.

Als Beispiel nennt er den Markteintritt: „Ein reines Männerteam geht mit dem Produkt raus, wenn es fertig ist. Nach dem Motto ’das können wir mal rausschieben in den Markt, probieren wir mal, schauen wir mal, ob es ankommt.’ Beim reinen Frauenteam, da muss das Produkt perfekt sein. Und das dauert natürlich fünf Monate länger, bis die auf den Markt gehen, und damit vergeht Zeit.“ Für ihn gilt: „Das gemischte Team, wo sozusagen alle Stimmen zu Wort kommen, ist das Ideale.“

Deutlicher Finanzierungs-Gap in H1/2026

Doch obwohl die Teamkonstellation am besten zu performen scheint, bestehen nach wie vor große Ungleichheiten in Sachen Startup-Finanzierung. Erst kürzlich zeigte der Female Start-up Funding Index H1/2026 von EY Österreich, Female Founders und Fund F das Ausmaß. Im ersten Halbjahr flossen 472 Mio. Euro Risikokapital in österreichische Startups, ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rein männliche Teams erhielten davon 94,9 Prozent, gemischte Teams 4,8 Prozent und rein weibliche Teams 0,3 Prozent. Der Frauenanteil unter den analysierten Gründer:innen lag bei rund 13 Prozent. „Frauen dürfen gründen. Finanziert werden Männer“, brachte es Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F, in der damaligen Aussendung auf den Punkt.

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