07.06.2021

austria.at: Wie es ein Tiroler Startup mit booking.com aufnehmen will

Bessere Konditionen für Hoteliers und zusätzliche touristische Angebote sollen die Plattform für beide Seiten attraktiver machen, als die große Konkurrenz.
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austria.at
(c) Adobe Stock - Patryk Kosmider

Vor kurzem launchte die Seite austria.at, die eine Hotel-Buchungsplattform mit einem Marktplatz für touristische Aktivitäten und einem weiteren für touristische Immobilien verbindet. Hinter ihr steht der Wahl-Tiroler Ulli Beckmann. Für den aus Deutschland stammenden Touristiker ist es nicht das erste Unternehmen. Schon sein Tourismus-Software-Unternehmen HCS Hotel Communication Systems, das auch die Mehrheit an seinem neuen Startup hält, gründete er 1997 in Tirol. Bei HCS, einem anderen von ihm gegründeten Unternehmen im MedTech-Bereich, erfolgte 2010 der Exit.

„Das sollte jetzt mein letztes sinnvolles, großes Projekt sein“, sagt Beckmann im Gespräch mit dem brutkasten. Und für dieses hat er sich einiges vorgenommen. Im Kern steht die Buchungsplattform für Unterkünfte. „booking.com und Co transferieren jährlich Milliarden an teilweise überhöhten Buchungsprovisionen aus Österreich heraus. Wir holen die Wertschöpfung zurück ins Land und bieten dabei deutlich bessere Konditionen für die Betriebe“, erklärt der Gründer. So würden etwa die Provisionen bei austria.at bei unter zehn statt der marktüblichen bis zu 25 Prozent liegen.

„Das ist ein politischer Skandal“

Genau so etwas werde von den Protagonisten der Branche – auf privater und offizieller Seite – immer wieder gefordert, sei aber bislang nicht umgesetzt worden, sagt der Gründer, „es werden von vielen nationale Anstrengungen gefordert. Wir haben aber etwa bei Kaufhaus Österreich gesehen, dass sie dem in der Umsetzung nicht immer gewachsen sind“. Einige offizielle Player würden als Affiliates sogar direkt mit booking.com kooperieren – „das ist ein politischer Skandal und für mich überhaupt nicht tragbar. Österreichische Betriebe wollen keine 25 Prozent zahlen“, meint Beckmann.

Hotels und Pensionen müssen sich bei austria.at nicht extra anmelden. austria.at integriert mehrere gängige Buchungs-Provider, die entsprechend günstigere Konditionen bieten, als die großen internationalen Player, und regelt das Finanzielle direkt mit diesen. „So haben wir bereits jetzt zum Start mehr als 50.000 buchbare Unterkünfte in ganz Österreich auf der Plattform“, erklärt Beckmann. Dabei wolle man auch eine „Demokratisierung der Unterkünfte“. „Jeder hat die gleichen Chancen – du kannst keine Platzierung im Ranking kaufen“, so der Gründer.

500.000 Euro Investment und Domain austria.at als „mehr oder weniger Zufall“

In Kürze soll nun mit einer umfassenden Werbekampagne die Marke bekannt gemacht werden. Dafür nahm das Startup 500.000 Euro Kapital vom auf Tourismus fokussierten Salzburger VC Next Floor auf. Zusammen mit diesem sicherte es sich auch die außergewöhnlich prominente Internetadresse. „Es war mehr oder weniger Zufall. Die Domain war an eine Bank verpfändet und wir haben sie aus einer Insolvenzmasse herausgekauft. Wir waren da zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, erzählt Beckmann.

Gleichartige Buchungsplattformen betreibt das Startup von Österreich aus auch für Deutschland und die Schweiz unter den Adressen germanybooking.de und switzerlandbooking.ch. Vorerst liegt der stärkere Fokus aber auf austria.at, wo man zusätzlich zum Buchungs-Tool noch zwei Marktplätze bietet. Das sei der Krise geschuldet, wegen der sich auch der Launch deutlich verzögerte, erklärt der Gründer. „Die Prognosen für den Tourismus sind dieses Jahr und noch eine Zeit lang nicht gut. Daher haben wir unser Angebot noch breiter gemacht. Über den Marktplatz können Erlebnispartner Events, Erlebnisse und Points of Interest im touristischen Kontext anbieten“, sagt Beckmann. Damit wolle man zur Dachmarke für regionale Aktivitäten werden. Dabei funktioniert das Geschäftsmodell über eine monatliche Fixgebühr von rund 10 Euro. Über eine andere Sektion der Seite können touristische Immobilien angeboten werden. „Damit versuchen wir, auch ein Business-Netzwerk zu werden“, so der Gründer.

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Die Gründer Rafael Schwarz und Philipp Linsbichler vor einem Sammelmodul | © Social Cycle

Jeder kennt es: Der Softdrink ist getrunken und übrig bleibt nur die leere Plastikflasche. Was soll man mit ihr machen? Wegwerfen und so Pfandsammlern die Arbeit erschweren oder doch bis zum nächsten Supermarkt gehen und dort die Flasche ordnungsgemäß retournieren? Genau diesem Problem nehmen sich die beiden Gründer von Social Cycle, Rafael Schwarz und Philipp Linsbichler, an. Sie haben ein System zum Pfandsammeln entwickelt, das herkömmliche Pfandringe ersetzen soll. Laut den Gründern ist es u.a. flexibler einsetzbar, sauberer und billiger.

Sammeln mit einer Röhre

Social Cycle setzt auf eine röhrenartige Konstruktion, in die leere Flaschen und Dosen gesteckt werden können. Ihr Sammelsystem ist wesentlich günstiger als herkömmliche Pfandringe. „Unser System kostet zwischen 79 und 99 Euro. Die Pfandringe kosten alleine in der Produktion schon 300 Euro, mit genau der gleichen Kapazität an Flaschen. Außerdem spart man sich die Montage“, sagt der Unternehmensberater. Die Sammelkonstruktionen von Social Cycle werden nämlich nur mit Schellen fixiert, was für zusätzliche Flexibilität sorge. „Du kannst dann einfach die Module z.B. vom Bahnhof abmontieren und dann bei einem Fest montieren“, erklärt Schwarz.

Zudem sei die Reinigung wesentlich einfacher als bei allen anderen Systemen am Markt. Weiters passen die Module laut dem Co-Founder besser ins Stadtbild als bisherige Sammelsysteme. „Wir haben auch das Feedback bekommen, dass es einfach viel besser im öffentlichen Raum ausschaut, was natürlich eins der größten Probleme bei den Pfandringen ist“, erklärt Schwarz.

So sehen die Sammelmodule von Social Cycle aus. | © Social Cycle

Wien als nächstes Ziel

Social Cycle ist bereits an über 150 Standorten in Österreich und Deutschland vertreten, unter anderem in Bregenz, Steyr und Kahl am Main. Nur in Wien fehlen noch jegliche Pfandsammelsysteme. Auf brutkasten-Anfrage erklärt das Büro des Wiener Klimastadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ), dass Pfandsammelsysteme auch zur „Ablagerung sonstiger Abfälle“ verwendet würden, was zu höheren Reinigungskosten führe.

„Dabei haben wir eben unser System genau so entwickelt, dass es dieses Problem nicht gibt“, erklärt Schwarz. Ab September gebe es erneut Gespräche mit der SPÖ, den NEOS und den Grünen. Der 25-Jährige ergänzt: „Wir rechnen zu 100 Prozent mit einem positiven Ausgang. Wir sind wirklich überzeugt, dass es einfach eine perfekte Lösung auch für Wien ist.“

Dem Büro des Klimastadtrats sind Gespräche im Herbst nicht bekannt. Es erklärt, dass das Einwegpfand u. a. das Ziel verfolge, Getränkeverpackungen in den Recyclingkreislauf zurückzuführen. „Die Einführung von Pfandsammelbehältnissen würde diesem Grundgedanken entgegenstehen, da dadurch ein Anreiz entstehen kann, Pfandgebinde bewusst im öffentlichen Raum zurückzulassen und deren Rückführung auf Dritte zu verlagern“, ergänzt das Büro.

Präsenz in ganz Europa

Das im März 2026 gegründete Unternehmen finanziert sich mittels Bootstrapping. Investoren soll es keine geben. Als Kunden kommen für Social Cycle Städte, Gemeinden und Abfallverbände in Frage. Die Gründer wollen ihr Produkt durch konstantes Feedback verbessern und sich so gegenüber ihrer Konkurrenz durchsetzen. Dabei setzen sie auf Mundpropaganda, Medienberichte und die eigene Kommunikation z.B. mittels Mails. Schwarz und Linsbichler denken trotz langsamen Wachstums bereits an die nächsten großen Schritte. Das Startup soll u.a. nach Holland und Irland expandieren und seine Präsenz in Deutschland verstärken. Schwarz möchte mit dem Pfandsammelsystem auch in Hamburg und Berlin vertreten sein. „Unser Ziel ist es wirklich, dass unsere Module in die Infrastruktur eingebunden sind wie Mistkübel, in ganz Europa“, stellt der Co-Founder fest.

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