11.11.2025
REPORTAGE

Aus dem HQ von Dream in Tel Aviv: Ein Blick hinter die Kulissen des Unicorns von Sebastian Kurz

Beim Besuch vor Ort bei Dream in Tel Aviv sprach brutkasten mit den Gründern Sebastian Kurz und Shalev Hulio darüber, wie ihr KI-basiertes Cyber-Language-Model funktioniert, welchen Einschnitt der 7. Oktober 2023 für das junge Unternehmen bedeutete und welche globalen Expansionsschritte nun bevorstehen.
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Sebastian Kurz in Tel Aviv | (c) Dream Group

Im zehnten Stock von WE TLV, einem der Hochhäuser im Herzen von Tel Aviv, liegt das Büro von Dream. Der Eingang ist unscheinbar, lediglich eine Glastür mit dem Schriftzug „Dream“ zeigt von außen, dass hier eines der aufstrebendsten Startups Israels seinen Sitz hat, das Sebastian Kurz gemeinsam mit Shalev Hulio – Ex-CEO der Spionagefirma NSO – gegründet hat. Erst im Feber gab das Unternehmen den Abschluss einer Finanzierungsrunde in Höhe von 100 Millionen US-Dollar bekannt und konnte mit einer Bewertung von 1,3 Milliarden US-Dollar in den Kreis der Unicorns aufsteigen (brutkasten berichtete). Kurz selbst hält nach der Finanzierungsrunde 15 Prozent am Unternehmen.

Ein Blick ins Office

Innen erstreckt sich das Büro über zwei Etagen. In Tel Aviv sitzen aktuell rund 200 Mitarbeiter:innen, die unter anderem für Forschung und Entwicklung zuständig sind. Bald soll eine dritte Etage angemietet werden, denn das Unternehmen hat große Ambitionen. „Im nächsten Jahr wollen wir die Mitarbeiter verdoppeln“, erläutert Kurz gegenüber einer Runde österreichischer Journalist:innen.

Über eine Stiege gelangt man zu einer Dachterrasse, auf der sich ein eigener Basketballplatz befindet. Dort erklärt Kurz gegenüber brutkasten, dass das Unternehmen mittlerweile profitabel sei. Für ein Tech-Scaleup, das erst 2023 gegründet wurde, ist das ein beachtlicher Erfolg. Für das nächste Geschäftsjahr strebe man einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen US-Dollar an.

Die Dachterasse von Dream | (c) Martin Pacher / brutkasten

Das Gründerteam

Doch was macht Dream zu einem der aufstrebendsten Startups in Israel und wie verteilen sich die Rollen im Gründerteam? Auf der einen Seite steht Sebastian Kurz, der ehemalige Kanzler, der Sicherheitskonferenzen besucht, geopolitische Zusammenhänge einordnet und den Zugang zu staatlichen Entscheidungsträgern eröffnet. Auf der anderen Seite Shalev Hulio, der an diesem Tag im schwarzen T-Shirt mit dem Fahrrad ins Office kommt und mit seiner langjährigen Erfahrung aus der Cyber- und Intelligence-Welt die operative Seite führt.

Sebastian Kurz und Shalev Hulio | (c) Dream Group

Die beiden verbindet, dass sie ihre bisherigen Karrieren hinter sich gelassen haben, um mit Dream einen neuen defensiven Standard für Cybersecurity in Regierungen und kritischer Infrastruktur zu setzen. Hulio spart dabei nicht mit Lob für seinen Mitgründer: „Sebastian ist ein Rockstar.“ Besonders schätzt er Kurz’ Rolle im Umfeld von staatlichen Entscheidungsträger:innen: „Bevor du einem Staat Technologie verkaufst, brauchst du Vertrauen und Gravitas – und das bringt Sebastian mit.“

Kurz wiederum beschreibt die Rolle seines Mitgründers so: „Als CEO hat Shalev den Überblick über das gesamte Geschäft, von Investor:innen über Strategie bis hin zu der Frage, wie wir wachsen wollen, was wir zukaufen, wo wir investieren.“ Dritter Co-Founder im Bunde ist Gil Dolev, der als CTO agiert.

Die Technologie: Cyber Language Model

Dreams Technologie basiert auf einem selbst entwickelten Cyber Language Model (CLM), einem KI-Sprachmodell, das ausschließlich auf Cyberdaten trainiert wurde und gezielt für die Abwehr staatlicher Angriffe ausgelegt ist. „Dream ist kein Cyber-Unternehmen, das auch KI einsetzt. Dream ist vielmehr ein KI-Unternehmen mit einem Cyber-Language-Model, das vollständig auf Defense ausgerichtet ist“, so Hulio.

Das Office von Dream | (c) Martin Pacher

Das CLM analysiert permanent globale Cyberaktivitäten, erkennt Muster, leitet neue Angriffstechniken ab und setzt mehrere KI-Agenten ein, die das Internet kontinuierlich nach Anomalien durchsuchen. Ein prominenter Use Case: Dream identifizierte und rekonstruierte laut Hulio eine groß angelegte Kampagne des iranischen Geheimdienstes, bei der Botschaften weltweit über kompromittierte Diplomaten-E-Mails infiltriert wurden. Binnen weniger Stunden konnte laut Hulio der Angriffspfad identifiziert werden.

Regierungen als Hauptkunden

Das Unternehmen entwickelt Lösungen, die sich besonders an staatliche Akteure und Betreiber kritischer Infrastruktur richten. „Die IT-Infrastruktur von Regierungen ist meist alt, läuft On-Premise und darf häufig nicht einmal mit dem Internet verbunden sein“, sagt Hulio. Klassische Cloud-Sicherheitsprodukte stoßen in solchen Umgebungen schnell an Grenzen.

Dream gestaltet seine Technologie deshalb von Beginn an für hochsensible, isolierte Deployments. Die KI-Modelle laufen lokal, die Systeme funktionieren auch in komplett air-gapped Infrastrukturen, und operative Daten müssen die Organisation nicht verlassen. Damit adressiert Dream ein Segment, auf das viele etablierte Cybersecurity-Anbieter mit ihren primär enterpriseorientierten Lösungen nicht ausgelegt sind.

Sebastian Kurz in Gespräch mit Dovi Frances | (c) Dream Group

Auf der Dachterrasse des Offices erklärt Dovi Frances, Investor von Group 11 und größter Anteilseigner des Startups, dass Dream auf dem Weg sei, „zum Goldstandard für den Schutz kritischer Infrastruktur von Nationen“ zu werden. Offizielle Kundennamen nennt das Unternehmen nicht. Es heißt lediglich, dass neben staatlichen Stellen auch staatsnahe Betriebe wie Energieversorger und Telekommunikationsanbieter dazugehören.

Der 7. Oktober als Wendepunkt

Der 7. Oktober 2023, der Tag des Überfalls der Hamas auf Israel, markiert für Dream einen tiefen Einschnitt und zugleich einen Wendepunkt. Just in diesen Tagen wollte das junge Unternehmen seine nächste Finanzierungsrunde abschließen. „Ich dachte, es ist vorbei“, erinnert sich Sebastian Kurz. Mehr als die Hälfte des Teams wurde eingezogen, der Betrieb stand weitgehend still.

(c) Martin Pacher

Doch nur wenige Wochen später meldeten sich die Investoren zurück. Sie würden die Runde wie geplant durchziehen. Für Dovi Frances war das ein bewusstes Signal an die Welt. Am 30. Kriegstag unterzeichnete er gemeinsam mit Co-Investor Michael Eisenberg (Aleph VC) den Investmentvertrag. Zu diesem Zeitpunkt diente Shalev Hulio im Such- und Rettungsdienst im Gaza-Streifen; der Vertrag wurde symbolträchtig an der Grenze unterzeichnet.

Expansion, Börse und die Frage nach der Politik

Wie es nun mit Dream weitergehen soll, zeigt sich in den klaren Expansionsplänen. Hulio beschreibt die nächsten Schritte so: „Wir haben begonnen, in Europa, im Nahen Osten und in Südostasien zu verkaufen. Und wir werden wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres in die USA und nach Südamerika gehen.“

Auch Investor Michael Eisenberg sieht den europäischen Ausbau als strategisch entscheidend und betont, warum Dream bewusst auf Wien setzt: „Dream hat sein europäisches Headquarter in Wien aufgebaut, das erste meiner Portfolio-Unternehmen seit 30 Jahren, das diesen Schritt gemacht hat.“ Aus seiner Sicht könnte Österreich künftig eine wichtigere Rolle für israelische Tech-Unternehmen in Europa spielen.

Bei den langfristigen Perspektiven bleibt Dream flexibel. Ein Börsengang sei eine der möglichen Optionen, die das Unternehmen prüfe. Und auf die Frage, ob Sebastian Kurz irgendwann in die Politik zurückkehren könnte, antwortet er knapp, er fühle sich in seiner Rolle als Unternehmer derzeit „sehr glücklich“.


Disclaimer: Die Reise- und Übernachtungskosten wurden von der Dream Group übernommen.

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Zwei der PlanRadar-Co-Founder, Sander van de Rijdt und Ibrahim Imam | (c) PlanRadar
Zwei der PlanRadar-Co-Founder, Sander van de Rijdt und Ibrahim Imam | (c) PlanRadar

Das Unternehmen konnte sein Standing innerhalb Österreichs in den vergangenen Jahren konstant halten: 2013 in Wien gegründet zählt PlanRadar zu den erfolgreichsten Scaleups im Land – nicht zuletzt wegen seiner anhaltenden internationalen Expansion. Nun legte das Unternehmen seinen Jahresabschluss 2025 und einen begleitenden Lagebericht vor, die nicht nur Einblicke in die Finanzen geben.

Umsatz steigt auf 33,64 Millionen Euro

Aber zunächst zu den zentralen Kennzahlen: Im vergangenen Jahr erzielte die Wiener PlanRadar GmbH, die nach wie vor als Muttergesellschaft der internationalen Gruppe fungiert, Umsatzerlöse in Höhe von 33,64 Millionen Euro nach 31,97 Mio. Euro im Vorjahr. Das entspricht einer Steigerung von 5,24 Prozent. Und das „trotz eines herausfordernden Marktumfelds“ im europäischen Kernmarkt, wie die Geschäftsführung im Lagebericht festhält. Zu beachten ist hier, dass es sich um den Einzelabschluss der GmbH handelt und für die internationalen Tochtergesellschaften keine Zahlen vorliegen. Der ausgewiesene Umsatz enthält auch sogenannte Intercompany-Umsätze, da die Muttergesellschaft ihren Vertriebstöchtern konzernintern Lizenzgebühren für die Softwarenutzung verrechnet.

Als wesentliche Treiber der Entwicklung im Jahr 2025 nennt das Unternehmen „sowohl die Akquise neuer Kunden als auch die Erweiterung bestehender Verträge“. Während der europäische Markt unter den Nachwehen des Rückgangs im Wohnungsbau gelitten habe, sei die Konjunktur in den Wachstumsmärkten MENA (Middle East / Northern Africa) und APAC (Asia Pacific), wo Großprojekte für eine erhöhte Nachfrage sorgten, dynamischer verlaufen, heißt es weiter. Gerade in der MENA-Region hat sich die Gesamtlage bekanntermaßen seitdem geändert: Im Lagebericht weist die Geschäftsführung explizit auf eine erhöhte geopolitische Unsicherheit infolge des Konflikts im Iran hin. Zudem musste ein konzerninternes Darlehen an die Tochtergesellschaft in Dubai bereits vollständig abgeschrieben werden.

Zudem gab es 2025 laut Lagebericht Konsolidierungsmaßnahmen in mehreren Märkten. So wurden die Tochtergesellschaften in Brasilien und der Schweiz im Geschäftsjahr 2025 geschlossen, in Deutschland läuft eine Liquidation und der Rückzug aus Russland dauere aufgrund bürokratischer Hürden weiter an.

Sprung beim Betriebsergebnis (EBIT)

Auf operativer Ebene konnte die PlanRadar GmbH ihre Profitabilität deutlich steigern. Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg laut Jahresabschluss von 2,52 Millionen Euro im Vorjahr auf 3,98 Millionen Euro im Jahr 2025 – ein Zuwachs von knapp 58 Prozent. „Diese Entwicklung spiegelt die fortgesetzte Ausrichtung des Unternehmens auf effizientes Wachstum wider“, heißt es von der Geschäftsführung dazu im Lagebericht.

Hauptverantwortlich für die verbesserte operative Marge war eine erhöhte Kosteneffizienz. Laut der im Lagebericht enthaltenen Kostenanalyse blieben die Marketingkosten im Verhältnis zum Umsatz konstant bei drei Prozent, während der Personalaufwand im Verhältnis zum Umsatz von 48 Prozent im Vorjahr auf 42 Prozent sank. Die durchschnittliche Mitarbeiteranzahl stieg gleichzeitig von 144 auf 157 Personen. Ein Wermutstropfen blieb dabei laut Bericht die Zahlungsmoral mancher Kunden: Wegen Uneinbringlichkeit mussten 2025 Forderungen in Höhe von 344.000 Euro abgeschrieben werden – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 190.000 Euro im Jahr 2024.

Negativer Finanzerfolg sorgt unterm Strich für Minus

Dem positiven Betriebsergebnis steht beim Finanzerfolg ein Minus von 4,71 Millionen Euro gegenüber (2024: minus 5,55 Millionen Euro). Dieser Posten ist maßgeblich durch Aufwendungen aus Finanzanlagen in Höhe von 6,72 Millionen Euro geprägt. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Abschreibungen auf Ausleihungen an (internationale) Tochtergesellschaften. Dem standen teilweise Wertzuschreibungen bei Finanzanlagen in Höhe von rund 393.000 Euro gegenüber. Zudem wurde ein Teil des Darlehens an die italienische Tochtergesellschaft zur Finanzierung in Eigenkapital umgewandelt, womit die Wiener Muttergesellschaft einen entsprechenden Forderungsverzicht übte.

Unterm Strich ergibt sich ein Jahresfehlbetrag von minus 732.699 Euro. Der Verlust konnte gegenüber dem Vorjahresfehlbetrag (-3,02 Millionen Euro) dabei um mehr als 75 Prozent reduziert werden. Unter Berücksichtigung des Verlustvortrags aus Vorjahren (-52,89 Millionen Euro) lag der Bilanzverlust zum 31. Dezember 2025 bei minus 53,62 Millionen Euro.

17 Millionen Euro liquide Mittel

Zur Einordnung der finanziellen Gesamtlage und der Risikostruktur verweist das Unternehmen auch auf seine Barreserven und den operativen Zahlungsstrom. Die liquiden Mittel erhöhten sich demnach auf rund 17 Millionen Euro (2024: ca. 15 Millionen Euro). Der Cashflow aus der Betriebstätigkeit stieg auf 5,38 Millionen Euro nach 3,66 Millionen Euro im Jahr 2024.

„Wachstumsaussichten bleiben optimistisch“

Für die Weiterentwicklung setzt PlanRadar laut Lagebericht weiterhin auf Produktinnovationen und Expansion. Im Geschäftsjahr 2025 wurden 4,06 Mio. Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben und durchschnittlich 37 Mitarbeiter in diesem Bereich beschäftigt. Neben KI-gestützten Funktionen hebt das Unternehmen die Markteinführung der Technologie „PlanRadar SiteView 360°“ hervor.

Und wie geht es weiter? „Trotz der anhaltenden Herausforderungen bleiben unsere Wachstumsaussichten aber optimistisch. Das Unternehmen strebt eine moderate Umsatzsteigerung an, während wir unsere Dienstleistungen über die Bauindustrie hinaus auf Branchen wie Facility Management und Brandschutz ausweiten“, heißt es von der Geschäftsführung.

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