22.06.2016

Franchising: Aufs sichere Pferd zu setzen ist nicht verkehrt

Wenn die passende Idee fürs eigene Business fehlt oder man von einem bereits bestehenden Konzept überzeugt ist, kann man auch an Franchising denken.
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(c) Foto: Jahan Saber

Gründungswillige sind oft auf der Suche nach der einen erfolgversprechenden Idee, um durchzustarten. Ebenfalls eine Möglichkeit ist es, in ein Franchise-Unternehmen einzusteigen. Ebendies hat auch der junge Wiener Unternehmer Lukas Lenzinger gemacht. Er war von der im Jahr 2009 gegründeten kroatischen Fast- Food-Kette Surf’n’Fries derart begeistert, dass er das Konzept kurzerhand nach Österreich holte. Seit Anfang September verkauft der Jungunternehmer seine Pommes Frites an zwei Standorten in Wien, in der Lugner City und im Donauzentrum. Zusätzlich ist Surf’n’Fries Austria bei fast allen namhaften Festivals und etlichen anderen Großveranstaltungen in Österreich vertreten.

+++ Surf’n’Fries: Von der Pommfree-Bar zu 2 Filialen im Einkaufszentrum +++

Know-how und starke Marke

Übersetzt bedeutet Franchising in etwa so viel wie Lizenzvergabe oder Nutzungsrechtverleihung. Ein bereits bestehendes Unternehmen „verleiht“ sein Geschäftskonzept und seine Marke an Gründer und hebt dafür regelmäßig Gebühren ein. „Man bekommt eine Anleitung zum Arbeiten“, sagt Lenzinger über das System. Der Franchise-Nehmer profitiert von einem bereits ausgearbeiteten Unternehmens- und Marketingkonzept, kann auf Know-how der Mutterfirma zurückgreifen und arbeitet mit einer Marke mit (wahrscheinlich) starker Corporate Identity. Er kann sich daher völlig auf den Kunden konzentrieren.

Redaktionstipps

Versteckte Gebühren

Franchise-Gebühren setzen sich aus einer Entry-Fee und laufenden Gebühren zusammen. Die Abgaben sind allerdings teilweise unangemessen hoch, hier sollten junge Unternehmer aufpassen. „Oft wird vom Franchise-Geber eine Marketing-Fee eingehoben. Diese sollte zweckgebunden fürs Marketing verwendet werden. Das passiert aber so gut wie nie“, weiß Lenzinger von Konkurrenz-Unternehmen. Weiters rät Lenzinger künftigen Franchise- Nehmern, unbedingt auf das „Book of Standard“ und ein Mitarbeiterhandbuch zu bestehen, also auf Transparenz zwischen Franchise-Geber und -Nehmer Wert zu legen. Auch der laufende Support müsse geklärt sein, sonst verzichte man auf den grundlegenden Franchisevorteil. Anfänglich wurden die Pommes frites, die bei Surf’n’Fries übrigens als Hauptspeise serviert werden, aus einem Food-Truck heraus verkauft. Im vergangenen Jahr wurden an 120 Eventtagen sieben Tonnen Erdäpfel verkauft. Über die Restaurantsuche zeigt sich der Unternehmer enttäuscht. „Die Suche nach den Lokalitäten stellte sich als langwierig und mühsam heraus. Drei bis vier Mal wären wir uns mit Vermietern schon einig gewesen, dann hat uns die Hausverwaltung wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. In Wien wird man als Gastronom manchmal behandelt, als leite man ein Atomkraftwerk“, so Lenzinger. Die aktuell 13 Angestellten sollen im kommenden Jahr 50 Tonnen Erdäpfel
verkaufen.

Das eigene Franchise-Unternehmen

Wer nicht im Namen einer bestehenden Marke agieren möchte, kann sein eigenes Franchise-Unternehmen aufziehen. Doch selbst wenn bereits bei der Unternehmensgründung feststeht, zusätzlich ein Franchise-System zu integrieren, spricht einiges dafür, die beiden Konzepte nacheinander und nicht parallel durchzuführen. Einerseits beansprucht die Kundenakquise in der Frühphase eines Startups viel Zeit, in der sich die Mitarbeiter am Unternehmensaufbau beteiligen sollten. Andererseits spricht ein etabliertes Unternehmen Franchise-Nehmer eher an als ein Ideen-Zustand. Sobald Routine in den täglichen Arbeitsabläufen eingekehrt ist und sich das Angebot dem Markt angepasst hat, kann das Businessmodell potenziellen Franchise-Nehmern angeboten werden.

Ziel eines Franchise-Systems sollte die Expansion sein, ohne dabei den eigenen Erfolg durch „selbst kreierte Konkurrenz“ zu minimieren. Deshalb sollte man sich von Anfang an Gedanken machen, in welchen Regionen und Ländern man sein Geschäft erweitern möchte. Darüber hinaus kann der Franchise-Geber vom lokalen Know-how der Franchise-Nehmer vor Ort profitieren: Landeseigene Gesetze, die momentane Wirtschaftslage und Sprachbarrieren sind Faktoren, die maßgeblich den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens mitbestimmen.

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Lilly Eichinger, Gründerin und CEO von Satellives: Der erste Flug ihres modularen Satelliten ist für Q1 2029 geplant. | (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Wer heute im All etwas anderes vorhat als Erdbeobachtung oder Kommunikation, stößt schnell an eine Wand. „Wenn du irgendetwas im All machen willst, egal ob Experimente, Manufacturing, Datenspeicherung oder eine Plattform für Quantenkommunikation, dann hast du keine Infrastruktur“, sagt Lilly Eichinger, Gründerin und CEO von Satellives. „Es gibt kaum Plattformanbieter.“ Bisher führe der Weg für solche Missionen im Wesentlichen über die ISS. Deren Betrieb soll 2030 enden, kommerzielle Nachfolgestationen sind in Entwicklung, aber noch keine im Regelbetrieb.

In diese Lücke will das Tullner Startup. Der Ausgangspunkt war das Ergänzungsstudium Extended Studies on Innovation am Innovation Incubation Center (i²c) der TU Wien, wo Eichinger die Idee entwickelte. Kunst und Philosophie hatte sie vor ihrem Physik- und Architekturstudium in Wien studiert.

Der Leporello-Satellit

Das Produkt ist ein flacher Satellit, der aus einzelnen Einheiten besteht: den Tiles, jede fünf Zentimeter hoch und etwa so groß wie eine Pizzaschachtel. „Es sieht aus wie Kacheln, im Grunde wie Solarpaneele, die sich im Orbit entfalten“, sagt sie. „Aber es sind keine Solarpaneele. Es sind voll funktionsfähige Satelliten.“

Der Kniff steckt im Scharnier. Die Einheiten sind verbunden und übereinander gestapelt, ähnlich einem Leporello. Gestapelt passen sie in einen handelsüblichen CubeSat-Dispenser, was die Startkosten drückt. Im Orbit entfalten sie sich zu einer langen Kette: „Wir nennen sie Mosaics Satellites.“

Ein Mosaic von Satellives | (c) Satellives

Der technische Kernclaim betrifft Energie. Pro Einheit könne man bei gleichem Gewicht viermal so viel Energie speichern wie ein durchschnittlicher CubeSat, sagt Eichinger. Der Wert beruht auf eigenen Berechnungen und ist im Flug nicht demonstriert. „Das Einzige, was es im All unbegrenzt gibt, ist Energie.“ Nur lasse sie sich kaum nutzen: Bei CubeSats sei nicht das Einsammeln das Problem, sondern der fehlende Platz für Batterien. Wer energiehungrige Missionen fliegen wolle, habe deshalb nur schlechte Optionen. „Entweder du baust einen 50-Millionen-Dollar-Satelliten, was fast niemand kann, oder du kannst es nicht.“

Dazu kommt Modularität. „Die meisten Satelliten sind One-Trick-Ponys“, sagt Eichinger. An die Plattform lassen sich dagegen Produktionsboxen andocken. Zwei Tiles würden nach ihrer Rechnung reichen, um einen kleinen 3D-Drucker dauerhaft zu versorgen und gleichzeitig als Plattform für Quantenkommunikation oder Datenspeicherung zu dienen.

Flache Satelliten an sich sind nicht neu, das räumt Eichinger ein: Starlink stapelt sie längst, weil sich so Startkosten sparen lassen. Neu sei die Kombination aus flachem Formfaktor und echter Modularität. Das Patent dafür ist nach ihren Angaben bei der WIPO und in Österreich angemeldet, zunächst bewusst auf ihren Namen und nicht auf die Gesellschaft. Ende Juli wurde es an die Gesellschaft übertragen. Ab einem gewissen Punkt, sagt sie, mache staatsnahe oder fremdgehaltene IP ein Unternehmen für Investor:innen unattraktiv.

Gegen den Hype

Rechenzentren im Orbit sind für Satellives selbst ein Zielmarkt. Beim Hype darum bremst Eichinger trotzdem. „Alle sagen: Bringt die Datenspeicher ins All, dort ist es kalt. So funktioniert das nicht.“ Kühlung sei auch oben nötig. Wäre das der einzige Punkt, sagt sie, bräuchte es den Orbit gar nicht: „Warum bringt man die Daten dann nicht in die Arktis? Dort kann man sie kühlen.“ Der größte Engpass sei das Wärmemanagement: Im Vakuum lasse sich ein Rechenzentrum nur schwer kühlen. Dazu kämen Verarbeitung und Downlink per Laserkommunikation, beides brauche kontinuierlich hohe Energie. Ein riesiges und künftig sehr relevantes Geschäftsfeld sei es dennoch.

Satellives-Gründerin Lilly Eichinger im Gespräch mit brutkasten-Chefredakteur Martin Pacher. (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Verglühen lassen will sie nichts. „Wir planen, zu 100 Prozent nachhaltig zu operieren.“ Der übliche Wiedereintritt am Missionsende erzeuge giftige Gase. „Okay, nicht ein einzelner CubeSat. Aber wenn es eine Million sind oder zehntausend im Jahr, dann summiert sich das.“ Beschädigte Tiles sollen stattdessen über einen Reentry-Service zurückkommen und recycelt werden.

Kapitalbedarf

Firmensitz ist Tulln, weil Satellives über das AplusB-Scale-up-Programm vom accent Inkubator begleitet wird, bis Ende Januar 2027. Das Headquarter soll langfristig in Wien liegen. Das Kernteam umfasst laut Website vier Personen: neben Eichinger als CEO ein Technical Co-Founder, ein Operations Co-Founder und eine weitere Person im Bereich Operations.

Der Kapitalbedarf: rund 1,6 Millionen Euro für 18 Monate. Die Hälfte davon soll aus Förderungen und von Business Angels kommen. „Wir arbeiten da gerade wirklich zehn Stunden am Tag dran“, sagt Eichinger. Erst mit dem Geld könne man Ingenieur:innen einstellen und vom Prototyping in den echten Bau wechseln. Dazu sucht das Startup 25.000 bis 50.000 Euro für die Patentanmeldung in weiteren Ländern.

Das Ziel: zwei Einheiten, erste On-Orbit-Demonstration in Q1 2029, die bereits Pilotkund:innen bedienen soll. Das Fernziel formuliert sie größer. „Österreich kann für Space das werden, was Estland für die Digitalisierung ist. Es ist ein kleines Land, niemand hätte erwartet, dass Estland zum digitalen Hub wird. Aber sie sind es geworden, und sie rocken es.“

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