25.03.2024
DAS LEBEN NACH DEM EXIT

Arnim Wahls im Interview: „Der emotional größte Schmerz war die Umbenennung“

Der größte Schmerz war die Umbenennung, der Prozess "der anstrengendste seiner Karriere": Wie Arnim Wahls seinen Firstbird-Exit erlebte und warum die Motivation trotz Strapazen nicht nachließ.
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Arnim Wahls, Co-Founder von Firstbird (c) brutkasten

Die fünfte Folge mit Arnim Wahls bei „Das Leben nach dem Exit“ findet sich am Ende dieses Artikels.

Wie ein zweiter Job und ein MBA mit schlaflosen Nächten. Bald muss er ihn nicht wieder haben – und gefeiert hat er ihn beim Leberkas-Pepi.

Die Rede ist von Arnim Wahls und seinem Exit mit Firstbird. Seine Recruiting-Plattform gründete Wahls 2013 mit Matthias Wolf und Daniel Winter. Im Jahr 2022 wurde Firstbird vom US-HR-Unternehmen Radancy gekauft.

Der Exit-Prozess liest sich reibungslos, hinter den Kulissen war es nicht leicht. Arnim Wahls erlebte „das anstrengendste Jahr“ seiner Karriere. Als Co-Founder von Firstbird spricht er nun über herausfordernde Monate vor dem Closing, über emotionale und operative Hürden zum US-Markt sowie über die Anlage-Strategien seiner Post-Exit-Zeit.

„Wir dachten, jetzt geht es richtig los“

2021 war Firstbird erfolgreich und wachsend, Pläne zum Exit gab es nicht. “Entgegen der Annahme, dass man das lange strategisch vorbereitet: Der Exit war zufällig”, verrät Co-Founder Wahls. Ursprünglich war eine strategische Partnerschaft mit einem US-Unternehmen geplant: “Wir wollten zu dem Zeitpunkt nicht verkaufen – wir kamen gerade aus Corona raus und dachten, jetzt geht es richtig los.”

Nach Gesprächen und Überlegungen führten zwei Punkte zum Exit – nämlich: „Wir wollten in unserer Nische bleiben und in dieser Nische global werden. Dafür muss man in die USA. Und Radancy hatte das alles für uns: Nämlich Know-how und etablierte Partnerschaften am US-Markt.“

„Wie ein MBA mit vielen schlaflosen Nächten“

Einfach war der Verkaufsprozess nicht: „Es war das intensivste und spannendste Jahr meiner Karriere, aber auch mit Abstand das anstrengendste und teilweise extrem frustrierend“, meint Wahls heute.

„Das Rechtliche und Bürokratische dieses Deals hat uns viele schlaflose Nächte gekostet. Die amerikanische und österreichische Vorstellung von Recht und Echtes zusammenzubringen, war wirklich mühsam“, erinnert sich der Firstbird-Co-Founder.

„Ich habe zwar unglaublich viel gelernt – in nur einem Jahr. Aber es war wie ein MBA, den man mit sehr vielen Nachtschichten in drei Monaten macht. Das muss ich jetzt nicht dringend sehr bald wieder haben.“ Den Deal strategisch zusammenzubringen, das war gut und machte Spaß, meint Wahls. Ein „Pain Point“ waren die „vielen Verhandlungen an verschiedenen Fronten – mit den eigenen Investoren, M&A-Beratern, Rechtsanwälten. Es gab viele verschiedene Puzzle-Teile, die man alle in der Luft und glücklich halten musste. Es war wie ein zweiter Job.“

Vor dem Exit kam der Stillstand

Trotz emotionalen und operativen Strapazen kam es Ende des Jahres 2021 zum Signing des Exit-Deals mit Radancy. Das Closing folgte Anfang 2022. Zwischen Signing und Closing startete der Ukraine-Krieg, der die Welt in Atem hielt – wie auch das Team rund um Wahls: „Wir mussten nicht bangen, aber mulmig wurde uns schon. Weil unklar war, wie sich die Situation entwickelt.“

Denn der österreichische Staat musste den Deal erst freigeben: „Das war recht unangenehm. Wie ein Stillstand. Man will loslegen, kann aber nicht.“

„Wie ein Videoassistent beim Fußball“

„Durch diesen Prozess wird einem irgendwie der Exit genommen. So wie der Videoassistent beim Fußball: Das Tor wird geschossen, aber man muss erstmal abwarten, bis es auch bestätigt wird“, erinnert sich Wahls.

Gut zwei Monate nach dem Signing war es aber soweit: Der Deal wurde freigegeben, das Closing stand bevor. Champagner-Flaschen wurden allerdings nicht geöffnet: „Gefeiert haben wir dann klassisch beim Leberkas-Pepi. Alle waren total erledigt an dem Tag.“

„Ich wäre eingegangen, hätten wir an einen Großkonzern verkauft“

Auf das Closing folgte für Wahls ein Exit ohne Abgang: Der Firstbird-Co-Founder blieb beim Käuferunternehmen – und zwar vorerst als CEO vom nunmehrigen Radancy-Tochterunternehmen Firstbird. Anfang 2023 verschwand die Marke und Wahls wurde zum Executive Vice President DACH von Radancy. Ende Jänner 2024 trat Wahls eine neue Rolle an: Fortan ist er Executive Vice President Europe – brutkasten berichtete.

Sein mitunter größter Wunsch wäre allerdings jener einer dreimonatigen Pause gewesen, erzählt Wahls im brutkasten-Talk. „Aber – nach dem Exit geht es erst richtig los. Dann fängt die Integration an, und dann will man ja auch, dass das Ganze funktioniert.“

Der Übergang zu Radancy als „mittelgroßes Unternehmen mit damals 1.200 Mitarbeitenden“ war für den Founder „managebar“. Dass der Sprung zu Radancy kein zu großer war, erleichterte die Umstellung: „Ich glaube, ich wäre eingegangen, hätten wir an einen Großkonzern verkauft, wo man dann wirklich nur noch so eine Stellschraube rechts unten wird.“

Für Wahls war das optimal, denn „ich glaube, das haben wir alle nicht verdient, nach zehn Jahren Startup-Aufbau dann einfach im Corporate rum zu dämmern. Wir wollen ja, dass das alles funktioniert.“

An seiner Einstellung zu Arbeit und Unternehmen habe sich nicht viel geändert. Schließlich seien Kund:innen, Mitarbeitende und Teams dieselben geblieben. Wahls und sein Team waren motiviert: „Vor, während und auch nach dem Verkaufsprozess hatten wir das Gefühl: Da geht noch was. Wir sind noch nicht am Ende unserer Reise.“

Investieren „in Sachen, die einfach Spaß machen“

Über zehn Jahre hat Wahls mit seinem Team das Startup Firstbird aufgebaut, mit Geldanlage habe er sich währenddessen aber „nie auseinandergesetzt“. Also habe Wahls seine Exit-Gelder vorerst „in Sicherheit gebracht“ und weiters in Aktien und Startups investiert. Eingestiegen sei Wahls unter anderem beim Linzer Softwareunternehmen Blockpit – „aber auch in ein paar Sachen, die einfach Spaß machen, außerhalb meiner SaaS-Welt“.

An Radancy beteiligt sei Wahls weiterhin mit einem Prozentsatz seiner Anteile – und zwar über Earnouts: „Ich finde das Thema Earnouts spannend, weil: Es ist wie eine Wette auf die Zukunft. Wenn man einen Teil seines Verkaufserlöses in Earnouts legt, dann glaubt und will man ja auch, dass der Zusammenschluss funktioniert.“

„Der größte Schmerz war die Umbenennung“

Obwohl sich der Exit für Wahls wie ein Zweitjob, ein MBA mit Nachtschichten oder wie seine bisher anstrengendste Karrierephase anfühlte, kam der größte emotionale Schmerz erst mit dem Rebranding ein Jahr nach dem Verkauf: „Die Umbenennung tat am meisten weh. Und damit wir das besser verkraften konnten, haben wie ein Jahr nach dem Exit eine Feier gemacht. Sozusagen: Ein Goodbye zur Vergangenheit und ein Blick nach vorne – auf das Neue.“

Einer Neugründung gegenüber sei der Co-Founder nicht abgeneigt: „Ich kann mir schon vorstellen nochmal von Null zu starten. Das Gründer-Gen ging nicht verloren, das Kribbeln wäre noch da.“


Arnim Wahls in der fünften Folge von „Das Leben nach dem Exit“.
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Rivero
© Rivero - (v.l.) Stephan Wächter, Fatemeh Nikayin und Thomas Müller.

Rivero, die europäische Plattform für Zahlungsoperationen, hat heute bekanntgegeben, dass Elevator Ventures, der Corporate-Venture-Capital-Fonds der Raiffeisen Bank International (RBI), als Investor beim Schweizer Fintech eingestiegen ist. Die Partnerschaft soll Riveros weitere Expansion in Europa unterstützen, mit besonderem Fokus auf die Märkte in Zentral- und Osteuropa. Über die genaue Summe ist nichts bekannt.

Rivero: Kajo und Amiko

Rivero wurde von Thomas Müller, Fatemeh Nikayin und Stephan Wächter gegründet, um Intelligenz und Automatisierung in einige der besonders komplexen operativen Herausforderungen der Zahlungsbranche zu bringen. Die Technologie soll es Finanzinstituten ermöglichen, stark regulierte und ressourcenintensive Zahlungsprozesse zu modernisieren und manuelle Arbeitsabläufe durch intelligente Automatisierung zu ersetzen.

Die Compliance-Plattform von Rivero heißt Kajo und soll die Compliance in Zahlungsnetzwerken vereinfachen, indem sie Updates automatisch verteilt, eine Übersicht auf einen Blick liefert und fragmentierte Dokumente und Anforderungen der Zahlungsnetzwerke in ein KI-gestütztes Wissensverzeichnis verwandelt.

Die KI-gestützte Anwendung Amiko indes bringt agentische KI in das Streitfallmanagement (Dispute Management) und die Betrugsrückgewinnung. Die Lösung sortiere Fälle intelligent vor, koordiniere die nächsten sinnvollen Schritte und automatisiere Dispute-Workflows vom Eingang bis zur Lösung, während sie Agent:innen bei komplexen Fällen anleitet, die menschliche Spezialist:innen erfordern. Das soll Instituten helfen, Gelder schneller zurückzuholen, den operativen Aufwand zu reduzieren und ein besseres Erlebnis für Karteninhaber:innen zu bieten.

„Elevator Ventures von strategischer Relevanz“

Während Rivero in Europa expandiert, konzentriert sich das Unternehmen zunehmend nicht nur auf den Ausbau seiner Technologie, sondern auch auf die Stärkung seiner Position im breiteren europäischen Bankenökosystem. Für die nächste Entwicklungsphase von Rivero sei Elevator Ventures von besonderer strategischer Relevanz: Durch die Verbindung zur RBI Group und das Netzwerk in Zentral- und Osteuropa verfüge Elevator Ventures über umfangreiche Erfahrung darin, Technologieunternehmen, die Finanzinstitute bedienen, zu unterstützen und ihnen bei der Orientierung und Expansion in europäischen Bankenmärkten zu helfen, heißt es.

„Europas Finanzinstitute suchen nach besseren Wegen, zunehmend komplexe Zahlungsoperationen zu managen, und wir sehen eine große Chance, Riveros Technologie zu vielen weiteren Instituten auf dem Kontinent zu bringen“, sagt Thomas Müller, CEO von Rivero. „Da wir nun in die nächste Wachstumsphase eintreten, wollen wir Investor:innen am Tisch haben, die sowohl die Komplexität des Bankgeschäfts als auch die Märkte verstehen, in denen wir tätig sind. Die Expertise von Elevator Ventures im Finanzdienstleistungsbereich und ihr besonders starkes Netzwerk in Zentral- und Osteuropa machen sie zu einem hoch relevanten strategischen Partner für Rivero.“

Maximilian Schausberger, Managing Director bei Elevator Ventures, ergänzt: „Rivero adressiert eine Reihe operativer Herausforderungen, die für Banken und Zahlungsinstitute in ganz Europa immer wichtiger werden. Das Team verbindet tiefgehende Zahlungsverkehrsexpertise mit Technologie, die speziell auf die Anforderungen regulierter Finanzinstitute ausgelegt ist. Wir sehen eine starke Übereinstimmung zwischen Riveros Ambitionen und unserer Erfahrung und unserem Netzwerk im europäischen Bankwesen und freuen uns darauf, das Unternehmen bei seiner weiteren Expansion zu unterstützen.“

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