12.02.2026
BEYOND GRAVITY

Arianespace setzt bei Amazon-Großauftrag auf Technologie aus Wien-Meidling

An einer Ariane-6-Trägerrakete, die heute starten soll, ist eine Hochtemperaturisolation des Wiener SpaceTech-Unternehmens Beyond Gravity verbaut. Befördert werden Internet-Satelliten des US-Riesen Amazon.
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Europas Trägerrakete Ariane 6 verwendet Hochtemperaturisolation und einen Triebwerk-Ausrichtemechanismus von Beyond Gravity Austria | © ESA, Ducros
Europas Trägerrakete Ariane 6 verwendet Hochtemperaturisolation und einen Triebwerk-Ausrichtemechanismus von Beyond Gravity Austria | © ESA, Ducros

Nicht nur SpaceX hat mit Starlink eine Internet-Satelliten-Konstellation im All. Einer der Herausforderer ist der US-Gigant Amazon, der mit Leo (vormals Kuiper) bereits seit Jahren Satelliten für seine Konstellation ins All schickt. Bei der Beförderung setzt der Konzern auf unterschiedliche Anbieter. Erstmals kommt nun auch eine Ariane-6-Trägerrakte des französischen Unternehmens Arianespace zum Einsatz, die heute Nachmittag vom ESA-Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana (Südamerika) starten soll.

Beyond Gravity Austria liefert Isolation und Ausrichtungs-Mechanismus

Arianespace wiederum setzt auf Technologie aus Wien-Meidling: Beyond Gravity Austria – mit rund 64 Millionen Euro Jahresumsatz 2024 Österreichs aktuell größter Weltraumzulieferer. Konkret ist an der Ober- und Unterstufe der Rakete eine Hochtemperaturisolation des österreichischen Unternehmens verbaut. Zudem nutzt die Oberstufe einen „Kardan-Mechanismus“ von Beyond Gravity, der für die genaue Ausrichtung des Triebwerks sorgt.

„Hitze, bei der Eisen bereits zu schmelzen beginnt“

„Unsere Hochtemperaturisolation made in Austria schützt die Raketenantriebe vor Temperaturen von bis zu 1.500 Grad Celsius – also Hitze, bei der Eisen bereits zu schmelzen beginnt“, erläutert Co-Geschäftsführer Wolfgang Pawlinetz in einer Aussendung. Thermalisolation ist eines der Felder, in denen Beyond Gravity europäischer Marktführer im Space-Bereich ist, ebenso wie Navigationsempfänger und Triebwerkssteuerungsmechanismen für Satelliten. In den USA ist das Unternehmen Marktführer für Spezialtransportsysteme für Satelliten. In Sachen Thermalisolation betreibt das Wiener Unternehmen zudem ein Spin-off im Medizintechnikbereich – auf der Erde.

Noch langer Weg zur ersten Ausbaustufe

Beim heutigen Start werden bei der Ariane-6-Rakete erstmals vier statt bislang zwei Booster genutzt. Diese sorgen für Extraschub beim Start. Der Flug für Amazon ist der erste von aktuell 18 geplanten. Der US-Riese hat bislang allerdings nur 150 von 3.200 in der ersten Ausbaustufe vorgesehenen Leo-Satelliten im All. Mit dem heutigen Start sollen 32 Stück hinzukommen.

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Rendering der Anlage in Bruck an der Leitha | (c) OMV Aktiengesellschaft
Rendering der Anlage in Bruck an der Leitha | (c) OMV Aktiengesellschaft

Während man sich im Individualverkehr in den vergangenen Jahren tendenziell von der Idee verabschiedet hat, bleibt Wasserstoff vor allem für Schwerverkehr, Flugverkehr und Industrie eine zentrale Wette in der Energiewende. Konkret grüner Wasserstoff, der mittels Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Mit einer 140-Megawatt-Anlage im niederösterreichischen Bruck an der Leitha will der heimische Energieriese OMV im Joint Venture mit Masdar aus Abu Dhabi eine der größten Anlagen Europas bauen (brutkasten berichtete zuletzt über eine Förderzusage durch die aws über 123 Mio. Euro).

Direkte Pipeline zur Raffinerie Schwechat

Ab Ende 2027 soll die Anlage bis zu 23.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr produzieren und diesen direkt über eine 22 Kilometer lange Pipeline in die OMV-Raffinerie Schwechat liefern. Dort wird dieser dann in der Produktion von Kraftstoffen und chemischen Produkten eingesetzt und soll die direkten Emissionen um zehn Prozent bzw. 150.000 Tonnen CO2 pro Jahr reduzieren. „Die Produktion von grünem Wasserstoff in Österreich ermöglicht es uns, den Einsatz nachhaltigerer Energie in unserer Produktion sowie für unsere innovativen Produkte zu erhöhen. Der Bau einer der größten Anlagen für grünen Wasserstoff in Europa ist ein wichtiger Meilenstein bei der Dekarbonisierung unserer industriellen Prozesse“, meint dazu Reinhard Florey, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und CFO von OMV.

EIB-Darlehen: Nehammer betont Bedeutung für Souveränität

Die Kosten für den Bau der Anlage in Bruck an der Leitha sind mit insgesamt 600 Millionen Euro veranschlagt. Nach der genannten Förderung durch die aws holt sich die OMV nun den größten Brocken des notwendigen Budgets – 450 Millionen Euro – in Form eines Darlehens der Europäischen Investitionsbank (EIB). „Die Darlehenszusage der Europäischen Investitionsbank ist ein starkes Signal für das Vertrauen in die Transformationsstrategie von OMV und unsere Fähigkeit, Großprojekte umzusetzen, die zur Dekarbonisierung der Industrie beitragen“, kommentiert Florey.

Reinhard Florey und Karl Nehammer beim Signing | (c) OMV Aktiengesellschaft

EIB-Vizepräsident und Ex-Bundeskanzler Karl Nehammer betont in einem Statement die Relevanz für die europäische Souveränität. „Grüner Wasserstoff ist ein wichtiger Baustein des Übergangs zu einem wettbewerbsfähigen, klimaneutralen und sicheren Energiesystem für Europa“, so Nehammer. „Diese Investition legt zudem den Grundstein für die künftige Produktion von nachhaltigen Flugkraftstoffen und unterstützt damit die Klima- und Energiesicherheitsziele der EU.“

OMV: „Netto-Null-Emissionen“-Ziel für 2050

Im Rahmen ihrer „Strategie 2030“ strebt die OMV bis Ende des Jahrzehnts eine Wasserstoff-Produktionskapazität von rund 900.000 Tonnen an. Dazu sind bereits kleinere Anlagen an verschiedenen europäischen Standorten in Betrieb. Anlagen für nachhaltigen Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuel) und hydriertes Pflanzenöl (Hydrotreated Vegetable Oil) befinden sich in Umsetzung. Bis 2050 hat sich der Konzern das Ziel „Netto-Null-Emissionen“ gesetzt.

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