21.03.2019

Arbeit 4.0: AK fördert Digitalisierungsprojekte 2019 mit 4 Mio. Euro

Mit dem "Digitalisierungsfonds Arbeit 4.0" fördert die Arbeiterkammer (AK) Digitalisierungsprojekte für Arbeitnehmer mit bis zu 200.000 Euro. Insgesamt sollen noch dieses Jahr vier Millionen Euro ausgeschüttet werden. Bis 2023 sollen in den Fonds und weitere Projekte 150 Millionen Euro fließen.
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Arbeiterkammer AK startet Digitalisierungsfonds Arbeit 4.0
(c) fotolia.com - auremar

Wie weit Österreich tatsächlich in der Digitalisierung ist, war bereits Gegenstand mehrerer Studien in den vergangenen Monaten. Nun wollte die Arbeiterkammer (AK) die Frage stärker aus Arbeitnehmer-Perspektive beleuchtet wissen und gab beim Institut Wifo eine eigene Studie in Auftrag. Die Ergebnisse, die unter dem Titel „Stand der Digitalisierung in Österreich“ heute präsentiert wurden, sind durchmischt. Die AK nutzte die Präsentation gleich, um ein eigenes Programm, den „Digitalisierungsfonds Arbeit 4.0“, vorzustellen.

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Wifo-Studie: Österreich im EU-Vergleich „bestenfalls im Mittelfeld“

Die Wifo-Studie beleuchtet den Digitalisierungsgrad Österreichs im europäischen Vergleich. „Viele Indikatoren zeigen Österreich bestenfalls im Mittelfeld oder weiter zurückliegend, jedenfalls regelmäßig hinter den Spitzenreitern in der Europäischen Union. Gemessen an den relativ hohen Pro-Kopf-Einkommen als Maß der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ist Österreich bei der Digitalisierung jedenfalls ein Nachzügler“, heißt es dort. Herangezogen werden für die Studie etwa der Digitalisierungsindex der Europäischen Union (Österreich: Platz 11) oder der Anteil der Wertschöpfung im IKT-Bereich am Bruttoinlandsprodukt.

IKT: Niedrige Wertschöpfung bei hohen Investments

Bei IKT-produzierenden Unternehmen beträgt der Wertschöpfungsanteil demnach 5,8 Prozent (Tendenz steigend). Damit liege Österreich im EU-Vergleich nur auf dem vorletzten Platz, heißt es in der Studie. Dabei wären Investitionen in dem Bereich im EU-Vergleich sogar relativ hoch. Im Bereich der digitalen öffentlichen Verwaltung sei Österreich in den vergangenen Jahren von einer guten Position etwas zurückgefallen. Beim Angebot digitaler öffentlicher Dienste schneide das Land aber gut ab. Als „auffälligste Ursache“ für den generellen Digitalisierungs-Rückstand macht die Wifo-Studie die im internationalen Vergleich geringe Nachfrage der privaten Haushalte in Österreich für neue digitale Anwendungen aus.

AK: Strategie nicht „nur für Unternehmen und Managements“

„Die unterdurchschnittliche Akzeptanz digitaler Anwendungen in der österreichischen Bevölkerung zeigt, wie notwendig hier ein breiterer Ansatz wäre“, sagt dazu AK Vizedirektorin Maria Kubitschek. Es reiche nicht aus, Technologieprogramme für innovative Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Der Digitalisierungsprozess müsse von Seiten der Politik viel breiter unterstützt und gefördert werden. Für die AK sei klar, dass der digitale Wandel gerecht gestaltet werden müsse, sodass alle Arbeitnehmer vom digitalen Wandel profitieren und keine digitale Kluft entsteht. „Eine Strategie, die sich nur an die Unternehmen und Managements richtet und die rasanten Veränderungen und Herausforderungen in der gesamten Arbeitswelt nicht im Fokus hat, kann nicht erfolgreich sein“. Es würden Wettbewerbsnachteile und in weiterer Folge Wohlstandsverlust drohen.

„Digitalisierungsoffensive“: 150 Millionen Euro bis 2023

Dem will die AK mit einer eigenen „Digitalisierungsoffensive“ entgegentreten. Zwischen 2019 und 2023 seien dafür bundesweit 150 Millionen Euro budgetiert, heißt es von der Interessenvertretung. Die Mittel sollen zum einen für den Erwerb von digitalen Qualifizierungmaßnahmen der AK Mitglieder zur Verfügung stehen. Zum anderen fließen sie in den „Digitalisierungsfonds Arbeit 4.0“.

Arbeit 4.0: „Arbeitnehmer im Zentrum der Aufmerksamkeit“

„Wir fördern Projekte, bei denen Arbeitnehmer im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen“, erklärt Fridolin Herkommer, Projektleiter des Digitalisierungsfonds Arbeit 4.0. Noch dieses Jahr sollen in Wien vier Millionen Euro zur Verfügung stehen. „Gesucht werden Initiativen, Impulse und Tools für die innovative Gestaltung von Arbeitsplätzen und Abläufen, mehr Mitsprache im Unternehmen oder auch für vorausschauende Weiterbildung“, heißt es von der AK. Ab Anfang April können konkrete Projekte eingereicht werden. Im Juni sollen die ersten Entscheidungen zur Förderungsvergabe folgen.

Förderungen zwischen 2000 und 200.000 Euro pro Projekt

Im Zuge des Programms gibt es eine „Ideenwerkstatt“, die Einreicher unterstützen soll, Ideen zur Umsetzungsreife zu bringen. Zur Teilnahme eingeladen seien Betriebsräte, Arbeitnehmer, Forschung und Unternehmen, sagt Herkommer. Themen bei „Arbeit 4.0“ seien etwa die Implementierung neuer Technologien aus Perspektive von Arbeitnehmern, Datenerfassung am Arbeitsplatz, Qualifizierung oder auch die Erreichbarkeit von Arbeitnehmern. Die Höhe der Förderungen liegt zwischen 2000 und 200.000 Euro. Projekte von Unternehmen oder Gebietskörperschaften werden zu maximal 50 Prozent des Projektvolumens gefördert.

⇒ Zur Wifo-Studie

⇒ Digitalisierungsfonds auf der Seite der AK Wien

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Marie-Therese Barth und Florian Moosbeckhofer | (c) We Are Unicorns

„Wir wollen Lust auf Zukunft machen, zeigen, dass KMU bereit sind für die Transformation und sie dabei an der Hand nehmen“, sagt Florian Moosbeckhofer im brutkasten-Talk. Gemeinsam mit Marie-Therese Barth hat er nun in Wien das Unternehmen We Are Unicorns gegründet. Die beiden arbeiteten zuvor knapp sieben Jahre lang in der Wirtschaftskammer zusammen – unter anderem an der „Innovation Map“. Aus dieser gemeinsamen Zeit kenne man die Bedürfnisse der kleinen und mittleren Unternehmen genau, sagt Barth.

„Ziellosigkeit“ als Ausgangslage

Und heimische Betriebe würden aktuell massiv unter Druck stehen. Die Energiewende, der Fachkräftemangel und die rasche Digitalisierung würden den Geschäftsalltag tiefgreifend verändern. Den Unternehmen fehlt dabei für weitreichende Strategieprozesse nach Erfahrung von Barth oft schlichtweg die Zeit. „Viele KMU suchen nach Wegen zur Zukunftsgestaltung und stehen dabei häufig vor einer gewissen Ziellosigkeit“, erklärt die Co-Gründerin. „Sie wissen, sie müssen etwas tun, wissen aber nicht, wie sie anfangen sollen“.

„Innovationsabteilung as a Service“

Genau diese Lücke möchte We Are Unicorns mit dem sogenannten Future Radar schließen, dessen Oberfläche optisch an die genannte „Innovation Map“ erinnert. Das kostenfreie digitale Werkzeug soll den Betrieben 55 handfeste Chancen für den eigenen unternehmerischen Erfolg aufzeigen. „Es ist ein Zukunftsradar, das sehr klar und greifbar konkrete Chancen zeigt, die KMU direkt ergreifen können“, betont Moosbeckhofer. Ein eigens entwickelter KI-Assistent ergänzt das Programm. Dieser Helfer ordnet relevante Themen ein und leitet daraus konkrete nächste Schritte für das jeweilige Unternehmen ab. Das Gründerteam versteht sich dabei als unmittelbare, zusätzliche Ressource für die Betriebe. „Wir fungieren ein bisschen als Innovationsabteilung as a Service“, beschreibt Barth den Ansatz. „Wir kommen in den Betrieb und arbeiten gemeinsam mit dem Team, denn jedes Unternehmen ist selbst Experte in der eigenen Branche“.

Verbindung mit Startups als wichtiger Baustein

Besondere Gelegenheiten für derartige Innovationen entstehen nach Beobachtung des Gründer:innen-Duos bei Betriebsübergaben. Tausende Familienunternehmen stehen in den kommenden Jahren vor einer solchen Nachfolgesituation. „Das sind oft Fenster, die sich im betrieblichen Ablauf öffnen, um Dinge neu zu denken“, schildert Moosbeckhofer seine Erfahrungen aus der Beratungspraxis. Das Team sieht hier hohes Potenzial in einer gezielten Zusammenarbeit mit Startups. Junge Technologieunternehmen bringen nach Überzeugung von Moosbeckhofer häufig völlig neue Lösungen mit. Die etablierten Betriebe bieten den Startups im Gegenzug Verbindlichkeit und Marktzugang. „Für Startups sind KMU extrem gut, weil sie Traktion am Markt und eine hohe Verbindlichkeit haben“, führt Moosbeckhofer aus.

„Wieder positive Narrative nach vorne holen“

Dieser Weg in die Zukunft gelingt für alle Akteur:innen nach Ansicht der Gründer:innen am besten mit einer positiven Grundeinstellung. „Destruktives Jammern“ löse eine negative Spirale aus und bremse die Gestaltungskraft, meint Barth. Sie verweist dabei auf Erkenntnisse aus der Hirnforschung, wonach Jammern einen ähnlichen Effekt im Gehirn auslöse wie eine Sucht. „Wir müssen schauen, dass wir wieder positive Narrative nach vorne holen“, fordert sie daher. Es brauche einen bewussten Perspektivenwechsel. „Unsere Zukunft ist positiv und wir können stolz darauf sein“.

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