20.10.2020

Wie App Radar sein Business im Krisenjahr 2020 verdoppeln konnte

App Radar profitiert vom Siegeszug der Apps- und Games-Industrie in der Coronakrise. Zu den Neukunden gehört unter anderem Rovio Entertainment, das Unternehmen hinter "Angry Birds".
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App Radar
Silvio Peruci und Thomas Kriebernegg bilden die Geschäftsführung von App Radar. (c) App Radar

Die auf App Store Marketing spezialisierte Grazer Technologiefirma App Radar konnte in den ersten acht Monaten des Jahres 2020 ihr Geschäft verdoppeln: Von Januar 2020 bis August 2020 vergrößerte das von Thomas Kriebernegg und Christian Janesch gegründete Unternehmen seinen mittlerweile weltweiten Kundenstock auf 400 Firmen und 20.000 Nutzer.

App Radar optimiert die Angry Birds

App Radar ist ein Tool für die Optimierung von App Store Marketing. Das Grazer Unternehmen automatisiert die Aktualisierung von App Store Listings und hilft Unternehmen, Startups, Indie Studios und Marken bei der Kontrolle über Keywords, Rankings, Ratings und Conversions im Apple App Store und auf Google Play. 

Als prominentester Neukunde im frisch geschaffenen Service-Geschäft konnte in diesem Jahr Rovio Entertainment – weltweit bekannt mit Angry Birds – gewonnen werden. Weitere Kunden sind u. a. Wargaming, Kolibri Games, iTranslate, Meister, Österreichische Post und Wüstenrot.

Die Gründe für das Wachstum bei App Radar

Das Wachstum gelang einerseits durch eine Aufteilung in zwei Geschäftsfelder – das Softwaregeschäft mit dem App Store Optimization Tool und das Beratungsgeschäft mit App Store Marketing Services. Zudem gab es eine starke Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit sowie eine Weiterentwicklung der Software. Und schließlich wurde das Team durch Silvio Peruci ergänzt, der nun neben Kriebernegg die Geschäftsführung als Chief Operating Officer verstärkt. 

„COVID-19 und der damit verbundene Lock-Down haben der App und Game Industrie zu einem beispiellosen Boom verholfen. Das führte im Frühjahr dieses Jahres zu einem sprunghaften Anstieg des Bedarfs nach unseren Beratungs-Services“, sagt Thomas Kriebernegg: „Mittlerweile verfügt unser App Store Analyse und Optimierungs-Tool über eine Datenbank mit mehr als 25 Millionen Keywords – eine der größten am Markt.“

Silvio Peruci in der Geschäftsführung

Silvio Peruci kommentiert seine Bestellung in die Geschäftsführung von App Radar: „Mittlerweile stammen rund 20 Prozent unserer Anwender aus den USA. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis unserer globalen Ausrichtung und dem internationalen Team bestehend aus sieben Nationalitäten. Die Ausrichtung auf die Skalierungsfähigkeit unseres Kernprodukts und die damit verbundenen Prozesse haben sich bezahlt gemacht. Wir arbeiten an einer ambitionierten Roadmap, die unseren Kunden alle Tools an die Hand gibt, um mit ihren Apps im heiß umkämpften Markt noch erfolgreicher zu werden.“

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Opening Fireside Chat bei der aIQon: Peter Allan (accilium) diskutierte mit Alexia Feick (Microsoft) und Paul Strunz (Wien Energie) über KI im Unternehmensalltag. (c) Zsolt Marton

Keine Charts, keine Keynotes, nur Dinge, die funktionieren. Mit dieser Regel eröffnete Peter Allan, AI Lead und Managing Partner bei accilium, am 22. Oktober die erste aIQon im 15. Stock des Juwel Wien. Das Format lehnt sich an Tech-Konferenzen an: Ein Team stellt ein Problem vor, zeigt live, was es dagegen gebaut hat, und erklärt, was es dabei gelernt hat. Allan nannte den Nachmittag ein Experiment. Wer Organisationen das Potenzial von KI vermitteln wolle, komme mit Folien nicht mehr weit, man müsse es zeigen.

Von der Beratung zum Bauen

accilium ist eine österreichische Strategie- und Managementberatung mit Sitz am Wiener Schubertring, die unter anderem für den öffentlichen Sektor arbeitet. Erst im September erhielt das Unternehmen den Zuschlag für einen Rahmenvertrag der Bundesbeschaffung GmbH (BBG) zur Digitalisierung der Verwaltung mit einem Volumen von bis zu 39 Millionen Euro.

Mit der aIQon zeigt accilium eine weitere Seite: Das Unternehmen hat heuer ein eigenes Team aus Forward Deployed Engineers aufgebaut, also Entwickler:innen, die direkt mit den Kunden arbeiten und Lösungen nicht nur konzipieren, sondern auch bauen. Die Rolle kommt aus der Software-Industrie und wird derzeit von führenden KI-Anbietern etabliert. Für eine Beratung heißt das: Strategie und Umsetzung aus einer Hand. Die gezeigten Agenten stammen alle aus diesem Team und laufen bei accilium selbst im Echtbetrieb.

(c) Zsolt Marton

Eine Kollegin, die alles mitliest

Aurelia ist ein eigenes Mitglied in einem Teams-Kanal. Sie hat ein eigenes Konto, liest Kanal, Postfach, Planner und Kalender eines Projekts mit und tut, was das Team ihr sagt. Im Szenario der Demo kehrt Projektleiterin Pia aus zwei Wochen Urlaub zurück und fragt Aurelia, was passiert ist. Statt Dutzende Nachrichten nachzulesen, bekommt sie in einer Antwort, was entschieden wurde und was für sie offen ist. Eine Kollegin ist krank: Aurelia findet deren fällige Aufgaben, schlägt Vertretungen vor und hängt die Aufgaben nach Pias Zustimmung im Planner um. Als die Kundin per Mail den Lenkungskreis vorziehen will, meldet sich Aurelia von selbst, weist darauf hin, dass eine Kollegin an dem Tag im Urlaub ist, und fragt nach, bevor sie den Termin verschiebt. Zum Jour fixe steht die Agenda in der Einladung, und eine Kollegin wird an ihren Kurzbericht erinnert.

(c) Zsolt Marton

Die Regeln dahinter sind klar: Aurelia liest alles mit, meldet sich von selbst aber nur dort, wo das Team es ihr aufgetragen hat. Planner und Kalender ändert sie erst nach einem Ja, Mails nach außen schickt sie nicht. Was sie darf, steht laut accilium im Code und nicht im Prompt. Die Regeln selbst gibt ihr das Team im Kanal, in ganz normalen Sätzen, so wie einer neuen Kollegin. Technisch läuft alles in einem Microsoft-Tenant auf Azure in der EU, das Sprachmodell in der EU-Datenzone.

Das wichtigste Learning kam aus dem eigenen Betrieb: Das richtige Maß ist für jedes Team ein anderes. Manche wollen täglich einen Status, andere jemanden, der im Hintergrund die Fäden zusammenhält und sich nur auf Nachfrage meldet. Deshalb lässt sich heute einstellen, wie proaktiv Aurelia ist. Und weil Teams einen Agenten als Kollegin wahrnehmen, gelte dasselbe wie bei jeder neuen Mitarbeiterin: Beide Seiten müssen sich aneinander gewöhnen.

Dasselbe Prinzip auf drei Ebenen

(c) Zsolt Marton

Zwei weitere Demos zeigten, dass der Ansatz auch jenseits des Projektteams funktioniert. „Linda Legal“ bündelt das Erfahrungswissen einer Rechtsabteilung und prüft direkt in Outlook Verträge gegen Richtlinie und Verhandlungsprotokoll. In der Demo entdeckte sie, dass in einem Paragrafen „jeweils“ statt des vereinbarten „zusammen“ stand, womit pro Wochenabruf 8.000 statt 4.000 Euro fällig geworden wären. Ihr Wissen liegt in lesbaren Dateien, die die Fachabteilung ohne IT selbst pflegt. „Erich Aigner“ wiederum ist ein persönlicher Assistent: Ein Berater erzählt ihm nach einem Kundentermin eine Minute lang, was zu tun ist, danach stehen Nachricht, Folgetermin und Mailentwürfe bereit. Gesendet wird nichts, das entscheidet der Mensch.

(c) Zsolt Marton

Drei Agenten, drei Ebenen: Team, Fachwissen, einzelne Person. Allen gemeinsam ist dasselbe Prinzip. Lesen, sortieren und vorbereiten tun die Agenten selbstständig, ändern und nach außen kommunizieren nur nach menschlicher Freigabe. Und diese Grenze ist technisch verankert, nicht bloß im Prompt versprochen.

Die Technik ist nicht der Engpass

Dass genau das die eigentliche Arbeit ist, zeigte auch der Opening Fireside Chat, in dem Peter Allan mit Alexia Feick und Paul Strunz über KI im Alltag, Top-down und Bottom-up in der Transformation und die Messbarkeit von KI-Projekten sprach. Strunz leitet das Digital Competence Center der Wien Energie, Feick war früher bei accilium und arbeitet heute im Customer Success bei Microsoft. Ihr gemeinsamer Befund: Die heutigen Modelle sind gut genug, der Hebel liegt in Prozessen, Governance und Befähigung. Feick riet, bei konkreten Pain Points anzusetzen statt bei dem Wunsch, „KI zu haben“. Der Output nach sechs Monaten solle eine veränderte Arbeitsweise mit messbarem Ergebnis sein, und lieber ein Use Case im crossfunktionalen Team als 30 kleine Proof-of-Concepts. Strunz ergänzte, dass Effizienzgewinne verpuffen, wenn die Prozesse dahinter nicht angepasst werden; bei der Wien Energie misst man unter anderem die Zahl aktiver Citizen Developer, eingesparte Stunden und eingespartes Geld.

(c) Zsolt Marton

Allan sieht in Agenten vor allem eine Wachstumschance: Es gebe unendlich viel Nachfrage nach Services, und wer es clever mache, nutze Agenten, um jeden einzelnen Job besser und kreativer zu machen. Bei accilium selbst sei keine Stelle durch KI ersetzt worden, wohl aber viel administrative Arbeit weggefallen. Intern begleitet das Unternehmen den Wandel mit einem eigenen Rhythmus: Jede Woche gibt es einen neuen „Build“ mit Skills, Tools und Trainings, wie bei einem Software-Unternehmen.

Alle Demos, Baupläne, Prompts und Skills stellt accilium offen zum Download bereit. Wer nicht dabei war, kann die Agenten also nachbauen. Auch das ist für eine Beratung ungewöhnlich und passt zum Anspruch des Formats: zeigen statt erklären.

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Wie App Radar sein Business im Krisenjahr 2020 verdoppeln konnte

  • Die auf App Store Marketing spezialisierte Grazer Technologiefirma App Radar konnte in den ersten acht Monaten des Jahres 2020 ihr Geschäft verdoppeln: Von Januar 2020 bis August 2020 vergrößerte das von Thomas Kriebernegg und Christian Janesch gegründete Unternehmen seinen mittlerweile weltweiten Kundenstock auf 400 Firmen und 20.000 Nutzer.
  • Das Grazer Unternehmen automatisiert die Aktualisierung von App Store Listings und hilft Unternehmen, Startups, Indie Studios und Marken bei der Kontrolle über Keywords, Rankings, Ratings und Conversions im Apple App Store und auf Google Play.
  • Als prominentester Neukunde im frisch geschaffenen Service-Geschäft konnte in diesem Jahr Rovio Entertainment – weltweit bekannt mit Angry Birds – gewonnen werden.
  • Zudem gab es eine starke Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit sowie eine Weiterentwicklung der Software.
  • Und schließlich wurde das Team durch Silvio Peruci ergänzt, der nun neben Kriebernegg die Geschäftsführung als Chief Operating Officer verstärkt.

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  • Und schließlich wurde das Team durch Silvio Peruci ergänzt, der nun neben Kriebernegg die Geschäftsführung als Chief Operating Officer verstärkt.

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