10.08.2023

Anyline holt AT&S-CFO Petra Preining als neue Vorsitzende des Boards

Bevor Petra Preining im vergangenen Herbst CFO des ATX-Konzerns AT&S wurde, bekleidete sie diese Position bei Semperit.
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Petra Preining (mitte) ist neue Vorsitzende des Boards von Anyline, zusammen mit Lukas Kinigadner (links), Co-Founder und CEO Anyline, und Christoph Braunsberger (rechts), CFO Anyline | (c) Anyline
Petra Preining (mitte) ist neue Vorsitzende des Boards von Anyline, zusammen mit Lukas Kinigadner (links), Co-Founder und CEO Anyline, und Christoph Braunsberger (rechts), CFO Anyline | (c) Anyline

Das Wiener Scaleup Anyline hat sich mit seiner KI-basierten Bilderkennungslösung für Mobil-Geräte in den vergangenen Jahren international einen Namen gemacht und bezeichnet sich selbst als „ein weltweiter Marktführer für Datenerfassung sowie Data Insights“. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen im automobilen Zuberhörmarkt, wo mit der Lösung etwa Reifenspezifikationen und weitere Fahrzeugdetails automatisiert abgelesen werden können. Weitere wichtige Branchen sind Energie und Retail. Anyline holte sich 2020 und 2021 je achtstellige Investments, musste jedoch 2022 – wie viele andere Scaleups – Stellen in größerem Umfang abbauen.

Anyline holt mit Petra Preining erfahrene ATX-Konzern-Top-Managerin

Bereits seit vielen Jahren verfolgt Anyline die Strategie, erfahrene Manager:innen ins Team zu holen. Nun gelang ein Personal-Coup – allerdings im nicht-operativen Bereich. Mit Petra Preining bekleidet jetzt eine erfahrene heimische Top-Managerin die neue Funktion Vorsitzende des Boards. Petra Preining ist seit Herbst vergangenen Jahres Chief Financial Officer (CFO) des im ATX notierten Leiterplatten-Konzerns AT&S. Zuvor bekleidete sie die selbe Position beim Reifenhersteller Semperit. Außerdem sitzt sie im Aufsichtsrat der Frequentis AG, die ebefalls im ATX notiert ist. Insgesamt bringt sie mehr als 24 Jahre Erfahrung mit.

„Scharfsinnigen Unternehmergeist und großes Verständnis für Märkte und organisatorische Abläufe“

„Wir waren für zwei Jahre entschlossen auf der Suche nach einer Vorsitzenden für unser Board, die den richtigen Hintergrund hat und zu unserem Unternehmen passt. Petra hat einen scharfsinnigen Unternehmergeist und ein großes Verständnis für Märkte und organisatorische Abläufe“, kommentiert Lukas Kinigadner, CEO und Mitgründer von Anyline. Und Petra Preining sagt: „Anyline befindet sich in einer aufregenden Phase seiner Entwicklung mit einem etablierten Kundenstamm und einem einzigartigen Fokus“. Das Unternehmen bewirke mit seinen Lösungen für mobilen Datenerfassung und Daten Insights „weltweit etwas“.

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© Rollz International / Pexels

„Der Spagat zwischen Karriere und der Betreuung von Angehörigen betrifft in Österreich derzeit rund 400.000 Erwerbstätige“, erklärt Mitgründer von because we care Andreas Gruber. Bis zum Jahr 2050 soll fast jede fünfte erwerbstätige Person eine Pflegeverantwortung übernehmen müssen, fügt er hinzu. Um diesen wachsenden Druck auf Mitarbeitende und Unternehmen abzufedern, positioniert sich „because we care“ als digitale Informationsplattform für Arbeitgeber:innen.

Das Kernprodukt mit bald 200.000 Zugriffsberechtigten hilft pflegenden Angestellten dabei, sich im hochkomplexen heimischen Pflegesystem zurechtzufinden, Anträge zu stellen und entlastende Schritte einzuleiten. Es gehe laut Gruber darum, sich mit Angehörigen auf das Alter vorzubereiten, „lange bevor jemand zu Hause die Treppe runtergefallen ist“. Ursprünglich unter dem Dach der Organisation „Austria Assisted Living“ angesiedelt, agiert die Plattform seit Ende 2024 als eigenständige GmbH, um den wachsenden Markt gezielter zu adressieren.

Branchenübergreifende Nutzungsrate von zehn Prozent

Wie Gründer Andreas Gruber im Gespräch erklärt, verzeichne man bei den teilnehmenden Unternehmen branchenübergreifend eine stabile Nutzungsrate von etwa zehn Prozent. Dies sei für ihn ein klares Indiz, dass das oft unter der Oberfläche schwelende Thema Angehörigenpflege in der Arbeitswelt „voll präsent“ sei. Bislang lag der Fokus der Plattform vor allem auf Lotsenfunktionen für akut Betroffene.

Im September erweitert das gebootstrappte Startup das Angebot jedoch um ein Modul zur mentalen Prophylaxe. Dieses wurde gemeinsam mit Fachleuten aus Psychologie und Mentaltraining entwickelt und richtet sich gezielt an die gesamte Belegschaft. Ziel ist es, rechtzeitig Strategien gegen psychische Belastungen im Arbeits- und Pflegealltag zu vermitteln.

Umbau der Pflegevermittlung

Neben der inhaltlichen Erweiterung steht das Startup vor einem nächsten großen Schritt: Im Oktober soll das System „because we match“ nach aktueller Testphase mit einem großen Salzburger Pilotkunden live gehen. Dieses adressiert einen zentralen Flaschenhals im System, wie Gruber erklärt: die oft wochenlange Suche nach verfügbaren Pflegediensten. Laut dem Gründer vergehen im Schnitt 60 Tage, bis eine Regelversorgung greift – eine Zeitspanne, in der Angehörige unzähligen Anbietern nachtelefonieren müssen. „Wir drehen dieses System jetzt um“, erklärt er im Interview.

Künftig sollen Suchende eine zentrale, rund um die Uhr erreichbare Hotline anrufen können. Dort erfasst ein KI-Voice-Agent den konkreten pflegerischen Bedarf strukturiert und filtert emotionale Bedürfnisse von harten fachlichen Anforderungen. Pflegedienstleister:innen in der jeweiligen Region sehen diese anonymisierten Gesuche auf der Plattform und können sich anschließend bei den Suchenden vorstellen und ihre Leistungen anbieten.

Sprachgesteuertes CRM für das Back-Office

Gleichzeitig sollen die Leistungserbringer von einer digitalen Entlastung im Hintergrund profitieren. Die Software soll im Idealfall für die mobilen Pflegekräfte als sprachgesteuertes CRM-System fungieren. Einsätze lassen sich direkt per Spracheingabe festhalten, während intelligente Voicemails eingehende Anrufe filtern und priorisieren.

Dieser technische Ansatz soll bürokratische Hürden drastisch reduzieren, den Dienstleister:innen das ungeliebte Backoffice abnehmen und „effizienteres Arbeiten näher am Menschen ermöglichen“. Der Hebel dieser Effizienzsteigerung ist laut Gruber beträchtlich: „Wenn wir jeder Pflegefachkraft 30 oder 40 Minuten Orga am Tag abnehmen, geht sich ein Klient mehr aus.“

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