Andys.cc: Österreichischer Co-Working-Anbieter wächst nach Corona um 60 Prozent jährlich
Das österreichische PropTech-Startup andys.cc geht seit 2018 unbeirrt seinen Weg im Co-Working-Segment. Gründer Marcus Weixelberger erklärt dem brutkasten seine Vision, zeichnet die angestrebte Zukunft vor und erklärt, was er unter einem Netzwerkunternehmen versteht.
Das Co-Working-Space-Startup andys.cc wurde 2018 mit der Vision gegründet, Unternehmen in einer sich schnell verändernden Welt bestmöglich zu unterstützen. In einer Ära, die durch Volatilität und Unsicherheit geprägt ist, erkannte man die Notwendigkeit für Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.
Vater des Projekts ist Marcus Weixelberger, der nach einem erfolgreichen Exit in der IT-Branche entschieden hat, seine Expertise und Erfahrung in eine neue Aufgabe zu investieren. Kurz gesagt: mit andys.cc möchte er alle Büroarbeitsplätze in Österreich auf das nächste Level der Professionalität heben – mit großer regionaler Verfügbarkeit, erhöhter Flexibilität für die Mitarbeiter:innen und reduziertem Pendeln.
Andys.cc: Das Netzwerkunternehmen-Dogma
Hier setzt auch die firmeninterne Vision konkret an: „Alle Unternehmen müssen zu Netzwerkunternehmen werden, um die aktuellen Herausforderungen erfolgreich zu meistern“, sagt der Founder. „Ein Netzwerkunternehmen ist ein Unternehmen, in dem Mitarbeiter:innen flexibel von verschiedenen Standorten wie Home-Office, Firmenzentrale und projektorientierten Einheiten aus arbeiten, um eine durchgängige Zusammenarbeit sicherzustellen. Mit unserem Angebot schließen wir die Lücke zwischen Home-Office und Firmenzentrale.“
Das Geschäftsmodell von andys.cc sieht vor, Büroflächen ab einer Größe von 250 Quadratmetern im ländlichen Raum sowie ab 500 Quadratmetern in Ballungszentren zu übernehmen und diese innerhalb von 6-10 Wochen an den andys.cc-Standard anzupassen, um ein hochwertiges und einheitliches Arbeitsumfeld zu gewährleisten.
Weixelberger präzisiert: „Unser 24/7 Full-Service-Betrieb ermöglicht es unseren Kund:innen, jederzeit Zugang zu ihren Arbeitsplätzen zu haben. Dabei vermieten wir die Büroflächen kleinteilig, beginnend ab einem Arbeitsplatz. Der Betrieb erfolgt entweder durch uns selbst oder durch Franchisenehmer:innen – derzeit sind wir in Wien, Niederösterreich und Oberösterreich aktiv. Wir bieten eine Vielzahl von Büroinfrastrukturservices an, die über Tages- und Monatsabonnements mit flexiblen Leistungsumfängen genutzt werden können.“
(c) andys.cc – Andys.cc plant Expansion.
Dabei unterscheide man sich laut Founder von anderen Anbietern darin, Büroflächen ab 250 Quadratmetern wirtschaftlich und nachhaltig betreiben zu können. „Wir bieten eine herausragende digitale Customer-Experience mit kontaktlosem Onboarding und ermöglichen durch kurzfristige Standorterweiterungen sowie Office-in-Office-Lösungen ein skalierbares Bürowachstum“, sagt Weixelberger.
Break-even für heuer geplant
Die Hauptzielgruppe von andys.cc sind B2B-Kund:innen, insbesondere Unternehmensteams mit zwei bis 50 Mitarbeiter:innen pro Standort.
Das Wiener PropTech-Startup finanziert sich durch Investor:innen, wobei neben dem Gründer Marcus Weixelberger der Lead-Investor Kapsch Immobilien eine zentrale Rolle spielt. Das aktuelle Umsatzwachstum beträgt 60 Prozent pro Jahr. Mit dem wirtschaftlichen Übergang zum Break-even in diesem Jahr wird das weitere Wachstum über das andys.cc Franchisemodell und bei überdurchschnittlicher Nachfrage nach weiteren Standorten mit Investoren fortgesetzt.
Während der Corona-Pandemie blieben die Umsätze von andys.cc stabil, jedoch ohne signifikantes Wachstum. „Mit der Lockerung der Beschränkungen und vor der Phase der Inflation setzte dann deutliches Wachstum ein“, erinnert sich Weixelberger. „Seit dem zweiten Quartal 2024 verzeichnen wir wieder ein starkes gesteigertes Interesse zu flexiblen Bürolösungen und eine wachsende Nachfrage nach unseren Services. Wir sind daher für das zweite Halbjahr 2024 und natürlich 2025 sehr positiv.“
Andys.cc plant Erschließung der Weststrecke
Für die kommenden Jahre hat sich andys.cc ehrgeizige Wachstumsziele gesetzt. Ein zentraler Fokus liegt dabei auf der Expansion durch Franchise und Pachtverträge, um das Netzwerk zu erweitern. Gleichzeitig plant man die Fortführung des Wachstums durch die Eröffnung neuer Standorte in ganz Österreich. Angesichts des zunehmenden Homeoffice-Trends erweitert das Startup auch seine HR-Recruiting-Strategien, um Talente außerhalb des üblichen Radius zu gewinnen.
Konkret möchten der Founder und Co. die weitere Erschließung der Weststrecke und die Ausweitung auf Landeshauptstädte entlang der Südstrecke angehen. Dies ermögliche dem Unternehmen, das eigene Netzwerk in strategisch wichtigen Regionen auszubauen und die eigene Präsenz über die bestehenden Standorte hinaus zu stärken.
Zwischen Empathie und KI-Skills: Innox-Gründer Hans Sailer über den Wandel des Innovationsmanagements
Hans Sailer hat mit Innox ein Netzwerk aufgebaut, das Innovationsmanager:innen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz branchenübergreifend zusammenbringt. Im Interview spricht er über den Wandel seiner Zunft, über Corporate Venturing zwischen Hype und langem Atem und darüber, warum Innovationsmanager:innen künftig KI-Agenten orchestrieren werden.
Zwischen Empathie und KI-Skills: Innox-Gründer Hans Sailer über den Wandel des Innovationsmanagements
Hans Sailer hat mit Innox ein Netzwerk aufgebaut, das Innovationsmanager:innen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz branchenübergreifend zusammenbringt. Im Interview spricht er über den Wandel seiner Zunft, über Corporate Venturing zwischen Hype und langem Atem und darüber, warum Innovationsmanager:innen künftig KI-Agenten orchestrieren werden.
Innox-Gründer Hans Sailer. (c) brutkasten / Haris Dervisevic
Wer Innovationsmanagement hört, denkt an Methoden, an Design Thinking, Scouting, Stage Gates. Hans Sailer nennt etwas anderes zuerst: Empathie. Ohne Draht in die Fachabteilungen und in den Vorstand komme man nicht weit, weil dort das Wissen liege. Sailer hat mit Innox ein Netzwerk aufgebaut, in dem sich Innovationsmanager:innen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz austauschen, und dabei beobachtet, wie sich ihre Rolle laufend verändert hat: von Ideenmanagement über Open Innovation bis zum Corporate Venturing.
brutkasten: Was war der ausschlaggebende Grund, Innox zu gründen? Gab es eine Vision oder hat sich das organisch entwickelt?
Hans Sailer: Es hat keine Vision gegeben. Am Anfang war einfach ein Treffen von fünf Firmen, die sich austauschen wollten. Dabei waren A1, Magna, Siemens, Erste Bank und der ÖAMTC. Wir sind von einer Firma zur anderen gefahren und haben uns zum Beispiel angehört: Wie macht Siemens Innovation, welche weltweiten Ideen-Wettbewerbe gab es, was waren die Learnings? Mich hat das persönlich immer interessiert, ich hatte damals kein Geschäftsinteresse. Aus diesen fünf Firmen hat dann jeder gesagt: „Du, ich kenne da noch einen, kann die oder der mitgehen?“ So ist das über die Jahre gewachsen. Ich habe das fast zehn Jahre ohne Geschäftshintergrund gemacht, das war privates Vergnügen. Wir haben sogar eine Reise nach Hamburg gemacht und das Airbus Innovation Lab besucht.
Wann kam der Schritt in die Selbstständigkeit?
Irgendwann hat Casinos Austria gesagt: „Warum machst du dich nicht selbstständig?“ Da habe ich mir gedacht: Jetzt bin ich fünfzig. Wenn ich es jetzt nicht mache, dann mache ich es nie. Also habe ich gekündigt und mich selbstständig gemacht. Und dann ist es richtig losgegangen, weil ich gesehen habe, was passiert, wenn du deine ganze Energie konzentriert in eine Sache legst. Gleichzeitig kam die Pandemie. Ich habe geschaut: Was kann ich einem Innovationsmanager jetzt liefern, was er gut brauchen kann? Wir haben digitale Austausch-Treffen organisiert, bei denen Firmen erzählt haben, welche Plattformen sie verwenden. Und ich habe gesehen: Online erreichst du viel mehr Leute. Da ist es auch in Deutschland losgegangen. Die deutschen Firmen tauschen sich genauso gerne aus wie die Österreicher und die Schweizer.
Was braucht ein guter Innovationsmanager, eine gute Innovationsmanagerin?
Das Wichtigste ist Empathie. Weil er oder sie Zugänge ins ganze Unternehmen braucht, ob zum Vorstand oder in eine Fachabteilung. Wenn man diesen Draht nicht aufbauen kann, wird es ganz schwierig, denn das Know-how liegt in den Fachabteilungen. Eine große Unterscheidung, die man machen muss: Bin ich Innovator:in oder bin ich Innovation Facilitator:in? Das war am Anfang oft stark verschwommen. Die Rolle der Innovationsmanager:innen hat sich seither laufend geändert und ändert sich gerade wieder extrem stark.
Inwiefern?
Als ich angefangen habe, gab es die ganzen Venturing-Bestrebungen noch gar nicht. Venturing ist in großen Firmen in der M&A-Abteilung passiert. Damals ging es in Corporates eher um Ideenmanagement-Plattformen und das Nutzen der internen Intelligenz, bald kam Open Innovation mit allen externen Stakeholdern, dann ist Design Thinking aufgekommen und ein verbessertes Trend- und Foresight-Management. Ab etwa 2015 kam das Venturing dazu, und plötzlich musstest du wissen: Wie kooperiere ich mit einem Startup? Wie bewerte ich ein Startup? Dieses Know-how hat ein Innovationsmanager vorher nie gebraucht. Das war auch für Corporates keine leichte Aufgabe, da ist viel Geld für diese Learnings ausgegeben worden.
Hans und Karin Sailer von Innox im Gespräch mit brutkasten-Chefredakteur Martin Pacher. (c) brutkasten / Haris Dervisevic
In dem Zusammenhang fällt oft der Begriff „Innovationstheater“.
Da muss man vorsichtig sein. Natürlich kann man Sichtbarkeit überbetonen, dann ist es Theater. Aber wenn ich nicht sichtbar mache, was meine Innovationsabteilung leistet, werde ich nicht wahrgenommen, und dann arbeiten die Abteilungen auch nicht gerne mit mir. Das ist ein feiner Grat. Wir haben oft erlebt, dass die Sichtbarkeit über externe Medien größer war als intern: Ohne Artikel in einer Zeitung bist du in der eigenen Firma gar nicht aufgefallen. Bei denen, die nie etwas auf die Straße gebracht haben, bin ich beim Vorwurf des Innovationstheaters dabei. Aber das wollte auch nie jemand bewusst.
Wie ordnest du Corporate Venturing in Österreich im Vergleich zu Deutschland ein?
Die Deutschen sind ein bisschen mutiger, haben vielleicht auch mehr Geld und nehmen Dinge als Erste in die Hand. Projekte, die wir bei der Innovationsagentur Hyve in Deutschland gemacht haben, haben wir zwei Jahre später in Österreich umgesetzt. Das Venturing ist dort schneller losgegangen, aber auch bei uns wurde es in einigen Corporates ordentlich aufgezogen. Dass Venturing auch ein Hype war, ist unbestritten, und wie bei jedem Hype gibt es Gewinner und Verlierer. Aber man kann aus heutiger Sicht nicht sagen: Das bringt nichts, das muss zurückgefahren werden. Man muss fragen: Wie gut ist es gemacht worden? Wenn du etwas komplett Neues herausbringst, brauchst du mindestens sieben Jahre, bis du damit etwas verdienst. Diesen langen Atem haben wenige Firmen. Jede Firma muss für sich draufkommen, ob das Vehikel zu ihr passt. Nur weil es bei einer anderen funktioniert hat oder nicht, heißt das nichts für die eigene.
Welchen Stellenwert hat Innovation in der aktuellen Wirtschaftskrise?
Dass Innovation näher ans Kerngeschäft geführt wird, ist sichtbar. In Krisen wird üblicherweise viel zusammengefahren, das hat man in der Pandemie ganz stark gesehen. Aber es kommt der Punkt, an dem alle Firmen sagen: „Ohne Innovation werden wir das nicht schaffen.“ Dann werden Innovationsabteilungen wieder größer aufgestellt, und diese Schwankungen tun mir oft weh. Ganz schlimm ist es, wenn eine Abteilung komplett aufgelöst wird. Dann verlierst du oft die Personen, die die kurzen Wege in die Firma hatten. Bis sich das jemand Neuer wieder erarbeitet hat, vergehen zwei Jahre. Das wird oft übersehen, wenn man zusammenspart. Vorteile durch Innovation erhalte ich dann nicht schnell auf Knopfdruck.
Und welche Rolle spielt KI?
So ein gutes Hilfsmittel hatten wir noch nie. Ich glaube, dass das Innovationsmanagement dadurch gerade wieder eine spannende Rolle bekommt. Die IT ist der technologische Enabler, aber nicht die Abteilung, die für die Transformation sorgt. Innovationsmanager:innen werden in Zukunft Orchestratoren von mehreren KI-Agenten sein: ein Agent für Foresight, einer für Patentprüfungen, einer für Potenzialanalysen. Wofür du früher zwei Wochen oder einen Monat gearbeitet hast, das bekommst du plötzlich in ein paar Minuten. Dann wird die Entscheidungsgeschwindigkeit zum KPI: Wie schnell kann ich mich auf ein Thema festlegen? Innovationsmanager:innen brauchen künftig eine Ahnung von Vibe Coding und davon, wie man KI-Agenten bestmöglich verwendet. Aber genauso muss man wissen, wie die eigene Firma tickt. Nur weil eine neue Technologie kommt, ist sie nicht sofort erfolgreich. Es geht immer mit dem Tempo, in dem du die Transformation machst. KI alleine wird dabei aber auch nicht die eierlegende Wollmilchsau sein. Entscheidend wird das Thema Ownership: Wer schnallt sich Ideen um und läuft die notwendigen Extrameilen, und wie realisiert man sie dann gemeinsam? Da wird es weiter Menschen brauchen, die ihre Firmen gut kennen, Know-how und ein Feingefühl für People-Management haben.
Ihr habt Ende August wieder euer Summercamp veranstaltet, diesmal bei der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der FFG. Was ist die Idee hinter dem Format, und was waren heuer die wichtigsten Erkenntnisse?
Das Summercamp dient dem Zweck, sich mit möglichst vielen Innovationsmanager:innen aus anderen Unternehmen und anderen Branchen zu vernetzen, auf die man sonst nicht zugehen würde. Genau dieser Cross-Industry-Austausch ist wichtig, um neue Impulse zu bekommen und Partner für gemeinsame Projekte zu finden. Wir machen das mit interaktiven Übungen zu aktuellen Innovationsthemen, das ist ein bisschen wie zwei Tage intensives Speed-Dating mit ganz viel positiver Energie. Heuer waren wieder knapp 100 Personen dabei, die ihr Wissen teilen und offen über ihre Erfahrungen sprechen. In den Sessions ging es an den Beispielen AVL Creators Co-Lab und Wiener Stadtwerke um erfolgreiche Cross-Industry-Kooperationen, mit dem Lufthansa Innovation Hub um AI Augmented Leadership und mit Miele um Intrapreneurship versus Venture Building. aws und FFG stellten gemeinsam mit Infineon, Bionic Surface und XBC erfolgreiche Förderprojekte vor.
Unsere wichtigste Erkenntnis: Die Zusammenarbeit in Ökosystemen bringt Unternehmen viele Vorteile, dafür braucht es aber das Commitment aller Beteiligten, vor allem des oberen Managements, sowie eine gute Orchestrierung und moderierte Begleitung. Wir haben außerdem gesehen, dass Förderorganisationen Firmen mit ganz unterschiedlichen Services unterstützen, nicht nur mit Finanzierungen. Und KI bringt sehr unterschiedliche Erwartungshaltungen ins Unternehmen: Was sich das Management vorstellt und was in den Abteilungen tatsächlich möglich ist, liegt in der Praxis oft weit auseinander. Eine wesentliche Aufgabe der Innovationsabteilungen ist es, voranzugehen, gesichertes Wissen aufzubauen, mit der schnellen Entwicklung Schritt zu halten und eine vorteilhafte KI-Nutzung breit in der Firma zu etablieren.
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