10.04.2019

KI aus Deutschland und Hightech aus Israel: Wie Andritz im Startup-Bereich aktiv ist

Vergangenes Jahr hat Andritz 25,1 Prozent am deutschen KI-Startup Psiori erworben. Zudem kooperiert der Technologiekonzern mit der israelischen und österreichischen Startup-Szene.
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Andritz Psiori
(c) fotolia / ipopba
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Künstliche Intelligenz für autonome Industrieanlagen – das ist der treibende Gedanke hinter dem Investment von Andritz in Psiori. Ende vergangenen Jahres hat der österreichische Konzern einen Anteil von 25,1 Prozent am deutschen Startup erworben. Laut Helmut Wöginger, Leiter von Andritz Ventures, arbeitet Andritz schon länger mit Psiori zusammen: „Psiori unterstützt uns bei hoch komplexen Aufgabenstelllungen mit umfassendem Know-How und neuesten Methoden der Künstlichen Intelligenz.“

Das deutsche Startup mit seinen 20 Data Scientists und Softwareentwicklern beschäftigt sich hauptsächlich mit maschinellem Lernen und prädiktiver Datenanalyse. Zu seinen Kunden gehören unter anderem Google DeepMind, Daimler, Volkswagen und die Otto Gruppe. In der Zusammenarbeit mit Andritz liegt der Schwerpunkt derzeit auf Systemen des automatisierten Anlagebetriebs und der vorausschauenden Wartung. Auch soll die KI helfen, bei den Andritz-Kunden dem Fachkräftemangel und dem Know-How-Verlust durch Pensionierungen entgegenzuwirken.

Potenzial für die Automatisierung und Effizienzsteigerung entsteht vor allem dort, wo es wiederkehrende Tätigkeiten gibt und ausreichend Daten vorhanden sind. Bei komplexen Fragestellungen hingegen schlüpft die KI in die Rolle des Assistenten, der den menschlichen Experten unterstützt.

Externe Partner – von Schwedenplatz bis Jerusalem

Psiori ist jedoch nur eines von vielen Beispielen dafür, wie Andritz die Hand in Richtung Startup-Branche ausstreckt. So hat sich der heimische Konzern auch an dem israelischen Venture-Capital-Fonds JVP beteiligt und durchforstet die sehr aktive und technologisch relevante israelische Szene nach geeigneten Startups. In Österreich kooperiert Andritz Ventures unter anderem mit dem am Schwedenplatz beheimateten WeXelerate, sowie mit WhatAVenture und Pioneers.

Hieraus entstehen weitere Produkte für das Industrielle Internet der Dinge (IIoT). So präsentierte Andritz zum Beispiel Anfang April auf der Hannover Messe eine Cybersecurity-Lösung für Industriebetriebe, die gemeinsam mit Otorio entwickelt wurde. Bei Otorio handelt es sich um ein Joint Venture von Andritz, das von einem ehemaligen Cyberexperten der israelischen Armee gegründet wurde.

Intrapreneure gesucht

Doch man muss nicht bloß in die Ferne schweifen, wenn das Gute auch sehr nah liegt. Daher setzt Andritz parallel zu den externen Kooperationen auf die Mobilisierung der eigenen Mitarbeiter. Im Rahmen eines internen Startup-Wettbewerbs wurden vergangenes Jahr mehr als 60 Ideen aus allen Geschäftsbereichen eingereicht.

Die besten Projekte durften an sogenannten „Bootcamps“ in Wien und Jerusalem teilnehmen, wo sie gemeinsam mit dortigen Experten ihre Konzepte verfeinerten. Vier Teams haben schließlich die finanziellen Mittel erhalten, um über einen Zeitraum von rund drei Monaten weiter an ihren Intrapreneurship-Projekten zu arbeiten. Die Teammitglieder widmeten in dieser Zeit 50 bis 100 Prozent ihrer Arbeitszeit diesen Projekten.

Die „ANDRITZ Ventures Tech Talks“ in Wien und Graz runden das interne Innovationsprogramm der ANDRITZ ab: So können sich die Mitarbeiter mit externen und internen Spezialisten zu aktuellen Technologietrends austauschen. „Der Wille zur Innovation ist bei Andritz da“, resümiert Wöginger: „Und auch die Bereitschaft, innovative Konzepte zu unterstützen, ist vorhanden.“ Daher freue man sich auf viele weitere, aussichtsreiche Ideen, Projekte und Kooperationen.

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Das unbemannte Überwasserfahrzeug Variant 7 von Blue Ops, der Marine-Sparte von Red Cat. Laut Red Cat wird es von einem Motor von Steyr Motors angetrieben | © Red Cat Holdings / Blue Ops

Der US-Drohnenspezialist Red Cat Holdings (NASDAQ: RCAT) will die Steyr Motors AG übernehmen. Wie Red Cat am Montag mitteilte, legt das US-Unternehmen ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien vor. Der Angebotspreis soll 39 Euro je Aktie in bar betragen, ein Aufschlag von 28,9 Prozent auf den Schlusskurs vom 16. Oktober. Steyr Motors zählt zu Europas führenden Herstellern von Hochleistungsmotoren für Defense-Spezialfahrzeuge und maritime Anwendungen sowie von Hilfsaggregaten für Kampfpanzer und Lokomotiven. Red Cat bietet Drohnen- und Robotiklösungen für Verteidigung und nationale Sicherheit an, darunter auch unbemannte Wasserfahrzeuge.

Ganz neu ist die Annäherung nicht: Beide Unternehmen hatten bereits unverbindliche Gespräche geführt, die im Juli 2026 beendet wurden. Nun wurden sie laut Aussendung wieder aufgenommen und haben zu einem vollständig finanzierten Barangebot geführt.

B&C und Cassutti dienen an

Die Ankeraktionärin B&C Holding Österreich GmbH hat sich unwiderruflich verpflichtet, ihre rund 15 Prozent am Grundkapital anzudienen. Auch CEO Julian Cassutti will seine eigenen Steyr-Aktien im Rahmen des Angebots andienen. Der Vollzug setzt voraus, dass Red Cat zum Ende der Annahmefrist mindestens 50 Prozent plus eine Aktie hält; zudem sind behördliche Genehmigungen in Österreich, Italien, Australien und dem Vereinigten Königreich erforderlich. Die Annahmefrist soll am 18. Dezember 2026 um 17:00 Uhr MEZ enden.

Red Cat will Steyr Motors laut Aussendung als österreichisches Kompetenzzentrum erhalten und ausbauen. Die Belegschaft soll bleiben, Fertigung sowie Forschung und Entwicklung verbleiben am Standort. „Wir sehen Österreich als zentral für die Zukunft des Unternehmens”, erklärt Red-Cat-CEO Jeff Thompson. Cassutti, der 2022 als CEO eingestiegen war und unter dem 2024 der Börsengang an der Frankfurter Wertpapierbörse erfolgte, spricht vom nächsten Kapitel der Unternehmensentwicklung: „Zugleich steht Red Cat uneingeschränkt hinter unserem Standort und unseren Mitarbeitenden.” Der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Rolf Wirtz beurteilt die Transaktion vorbehaltlich der Prüfung der Angebotsunterlage positiv.

Einordnung: Viel Absicht, wenig Garantie

Mit Steyr Motors würde ein Zulieferer für Kampfpanzer, Militärfahrzeuge und Marineanwendungen in den Besitz eines US-Unternehmens übergehen, Behörden in vier Ländern müssen zustimmen. Das Standortbekenntnis ist in der Aussendung als Absicht formuliert, eine vertragliche Garantie nennt sie nicht; das mittelfristige Potenzial von Steyr als europäischer Ankerpunkt will Red Cat erst „prüfen”. Und mit den rund 15 Prozent der B&C ist die Schwelle von 50 Prozent noch nicht erreicht. Bis Mitte Dezember bleibt der Ausgang offen.

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